Seien wir mal ehrlich: Die Zeiten der konkurrenzlosen Analog-Ensembles sind vorbei. Immer wieder zeigen smarte digitale Lösungen, dass sie klanglich voll mitzuhalten wissen. Auch Bluesound macht hier mit der Pulse Soundbar+ und dem Pulse Sub+ einmal mehr Ansprüche im Heimkino geltend.

Hier kommt die Zukunft

Der Puls eines Menschen ist Lebenszeichen und Gradmesser der situativen Verfassung. Ein steter Puls hat dabei auch großes metaphorisches Potenzial. So scheint sich der Puls des Zeitgeists rege zu beschleunigen, immer schneller und schneller flattern etwa bahnbrechende technologische Entwicklungen ins Haus – beinahe zu hochfrequent, um als Normalsterblicher noch Schritthalten zu können.

Pulse als Name einer Produktlinie weckt somit Erwartungen an Vitalität, Temperament und Lebensfreude. Kategorien, an denen sich Bluesound in der Vergangenheit musikalisch stets bravourös zu messen wusste. Bisher waren seit 2014 bereits sechs Produkte mit dem Namen Pulse in der AUDIO TEST vertreten. Ein Lebenszeichen von beruhigender Regelmäßigkeit. So regelmäßig, wie die sehr guten bis ausgezeichneten Testresultate, mit denen sich der Hersteller zurecht schmücken darf. Wie der Puls, so ist auch die Produktreihe Pulse durchaus wandelbar. Es laufen unter dem Namen Pulse 2, Pulse Flex und Pulse Mini etwa mobile Lautsprecher, während 2014 der Pulse als ein Streaming-Speaker daherkam.

2017 folgte schließlich die Neuauflage des Bluesound Pulse: eine Soundbar. Mit einem sehr guten Testergebnis von knapp 87 Prozent wurde die über 1.000 Euro schwere Soundbar damals vor allem für ihre cineastischen Kompetenzen gelobt, weshalb die Nachfolgerin Bluesound Pulse Soundbar+ kein ganz leichtes Erbe anzutreten hat. Im Bewusstsein um diesen Umstand steigt die Pulse Soundbar+ daher mit Verstärkung in den Ring. So soll ihr nämlich der kabellose Bluesound Pulse Sub+ Subwoofer “untenrum” beiseite stehen. Dabei hätte das neue Soundbar-Modell keinen Anlass für falsche Bescheidenheit, wurde es doch – vor allem im Blick auf die Heimkinotauglichkeit – nochmal ordentlich aufgepimpt. Aber eines nach dem anderen.

Pulse Soundbar+

Allein ob ihres stattlichen Formats von knapp 107 Zentimetern Länge auf 14 Zentimetern Höhe macht die Bluesound Pulse Soundbar+ keinen Hehl daraus, gern im Mittelpunkt zu stehen. Dafür lassen sich ohne Weiteres zwei Standhilfen an der Rückseite des Geräts montieren. Bei der Positionierung vor einem TV-Gerät gilt es jedoch, die Höhe der Soundbar zu bedenken, möchte man vermeiden, dass die Bluesound Soundbar den unteren Bildrand beschneidet, wobei der Hersteller optional einen TV-Stand offeriert, welcher TV und Soundbar beherbergen kann.

Wird gänzlich auf ein Sideboard verzichtet und eine On-Wall-Installation bevorzugt, stellt sich Bluesound dem nicht im Weg. Entsprechende Montagehalterungen sind im Lieferumfang enthalten. Dabei kann anhand der optimalen Kabelführung entschieden werden, in welcher Ausrichtung die Soundbar montiert werden soll. Wird sie „kopfüber“ verbaut, korrigiert die Pulse Soundbar+ dank eines implementierten Ausrichtungsmessers die Kanalausrichtung sowie Belegung der Lautstärketasten automatisch.

Die Bluesound Pulse Soundbar+ arbeitet als halboffenes 3-Wege-System. Soll heißen, dass pro Kanal ein 1-Zoll-Hochtöner, ein 2-Zoll-Mitteltöner und ein 4-Zoll-Tieftöner zum Einsatz kommen, wobei das komplette Ensemble zusätzlich durch zwei Passivradiatoren von 4 Zoll Durchmesser unterstützt wird. Für den Antrieb zeichnet sich ein leistungseffizienter Class-D-Verstärker verantwortlich. Laut Herstellerangaben kommt dieser auf eine satte Ausgangsleistung von insgesamt 120 Watt. Das gesamte Computing übernimmt wiederum ein ARM Cortex Quad-Core Prozessor.

Somit ist die Soundbar softwareseitig mit so einigen interessanten Features ausgestattet und unterstützt von Haus aus mehr als 23 Streamingdienste. Auch bei der Formatkompatibilität zeigt sich das Gerät nicht wählerisch. Von mp3 über ALAC und Opus bis hin zu Flac und sogar MQA weiß Bluesounds neue Soundbar alle gängigen Formate wiederzugeben.

Für 999 Euro gibt es die Bluesound Soundbar einzeln zu kaufen. In den Farbausführungen weiß und schwarz. Die Soundbar ist 107 cm lang bzw. breit.

Für eine physische Kopplung mit der Soundbar stehen am rückseitigen Anschlussterminal eine handvoll Möglichkeiten zur Verfügung. Etwa ein optischer Digitaleingang, ein 3,5 mm Hochpegel-Input, sowie HDMI eARC und USB-A. Ausgegeben werden kann ihr Signal an einen Subwoofer entweder via Cinch oder kabellos.

Speaking of: Kabellos geht natürlich auch via Bluetooth. Hierfür wurde der Bluesound Soundbar sogar in bidirektionales Bluetooth-Modul mit aptX HD-Standard spendiert. Freilich lässt sich die Pulse Soundbar+ auch ins heimische WiFi-Netzwerk integrieren, womit eine Anbindung ans BluOS-basierte Multiroom-System möglich ist. Über die Software, welche in der Vergangenheit immer wieder zu überzeugen wusste, lässt sich die Pulse Soundbar+ auch in ein Mehrkanal-Setup einbinden.

Einen großen Zugewinn im Vergleich zum Vorgängermodell erfuhr die Soundbar+ durch ein umfassendes Firmware-Update im November vergangenen Jahres. Dank dessen ist die Bluesound Pulse Soundbar+ nun dazu in der Lage, Dolby Atmos-Abmischungen wiederzugeben. Wie das genau gehen soll? Das fragen wir uns ehrlich gesagt selbst. Dennoch sind wir gespannt, wie sich die Soundbar+ später im Hinblick auf ihre Filmtauglichkeit so gibt.

Pulse Sub+

Zunächst wollen wir jedoch nochmal einen kurzen Blick auf den Spielgefährten der Soundbar+ werfen: den Bluesound Pulse Sub+. Dieser überrascht zunächst ob seines für einen Subwoofer äußerst ungewöhnlichen Look. Sind Basslautsprecher doch in der Regel eher von der Sorte „klobiger Würfel“, so ist Bluesounds Pulse Sub+ überraschend kompakt. Gerade mal knapp 15 Zentimeter Tiefe bringt der Bluesound Subwoofer auf etwa 46 Zentimeter mal 30 Zentimeter Frontfläche. Dies hat den praktischen Mehrwert, dass der Sub problemlos unter der Couch verschwinden und so direkt den Unterboden einheizen kann.

Daneben lässt sich der Bluesound Pulse Sub+ auch stehend betreiben. Bestückt ist er mit einer 8-Zoll-Membran aus Polypropylen, welche ihrerseits von einer ausladenden und gleichzeitig beweglichen Gummisicke gehalten wird. Nicht zuletzt wegen des Formats des Subs leuchtet es uns ein, dass im Innern des Gehäuses keine ausgewachsene Analog-Verstärkung zu Werke gehen kann. Stattdessen vertraut Bluesound hier auf DSP, welches dem Sub auf eine Ausgangsleistung von bis zu 150 Watt verhilft.

Ansteuern können wir den Subwoofer analog via Cinch, wobei der große Vorzug des Geräts natürlich in seiner kabellosen Handhabe liegt – via Netzwerk koppeln wir den Pulse Sub+ innerhalb weniger Schritte mit der Soundbar.

Der ausladende Treiber des Subwoofers verleiht dem Speaker ordentlich Schub. Dabei verzichtet Bluesound jedoch auf einen Bassreflex.

Musikalität

Nicht zuletzt dank der aufgeräumten und sehr intuitiv zu bedienenden BluOS-App haben wir das Bluesound Pulse-Duo aus Soundbar+ und Sub+ in wenigen Minuten eingerichtet und für den Praxistest vorbereitet. Diesen beginnen wir musikalisch mit dem ikonischen Album „Solid State Survivor“ der japanischen Kult-Band Yellow Magic Orchestra, rund um den Komponisten Ryuiuchi Sakamoto. Nun verhält es sich so, dass Soundbars allein durch ihre baulich bedingten Eigenschaften stets das Nachsehen haben im Vergleich zu herkömmlichen Stereosystemen. Aber nach nur wenigen Takten stellt die neue Bluesound Pulse-Formation einmal mehr eindrücklich klar, dass der Vorsprung schmilzt.

Die Soundbar zeigt sich im Zusammenspiel mit dem Subwoofer wunderbar abgestimmt und vollmundig. Eine breite Klangbühne täuscht sofort über das normalerweise recht schmale Abstrahlverhalten einer Soundbar hinweg – die Pulse Soundbar+ performt hier überaus raumfüllend und mit breiter Brust. Vor allem im Movie-Modus staunen wir Backsteine: Das Stereopanorama der Soundbar wächst hier meterlang über sich hinaus und generiert tatsächlich die Illusion, wir hätten links und rechts noch Satelliten-Speaker aufgestellt! Schlichtweg beeindruckend. Besonders bei orchestraler Musik kommt diese Virtualisierung hervorragend zur Geltung.

Die Decca-Aufnahme von Poulencs Konzert für zwei Klaviere aus dem Jahr 1993 wird so plastisch, ja beinahe immersiv ausformuliert, wie man es von einer Soundbar einfach nicht erwarten würde. Dabei bleibt der Klang stets ausdifferenziert und transparent. Kleinste dynamische Nuancen werden von der Kombination aus Bluesound Pulse Soundbar+ und Sub+ auf beeindruckende Weise eingefangen.

Soll die Pulse Soundbar+ nicht an der Wand hängend agieren, kann sie dank unkompliziert installierter Standfüße auf dem Sideboard Platz finden.

Cineastisch

Ob das Firmware-Update der Pulse Soundbar+ jedoch auch wirklich einen Zugewinn für Heimkinobesitzerinnen bringt, testen wir mit dem Film „Dune“. Dessen Soundeffekte und vor allem der Soundtrack von Hans Zimmer spielen auf einen neuen Level. Hier kann jede Soundbar zeigen, was sie draufhat. Und die Bluesound Pulse Soundbar+ hat es drauf. Wir hören ohne Subwoofer in den Film hinein und sind bereits begeistert. Die Stimmen sind klar und präsent, Wind heult vor dem Fenster des Palastes und ein Windspiel tönt ganz zart. Alles ist transparent und detailliert gezeichnet. Selbst der Bass ist beeindruckend.

Als wir dann den Subwoofer koppeln, boostet der Sound nochmal nach und wir bekommen tatsächlich Kinofeeling in unseren Hörraum gezaubert. Wohlgemerkt, erreicht Bluesound dieses Feeling mit nur einer Soundbar und einem Subwoofer. Der Omnicopter landet vor uns. Der Sound des Fluggerätes geht wahrnehmbar von oben nach unten – eben genau wie die Landung, die wir sehen. Die Erntemaschine brummt und klappert metallisch. Der wummernde Sandwurm nähert sich bedrohlich. Fast scheint es, als hätten wir eine 7.1.2 Anlage im Hörraum aufgebaut.

Kein AV-Receiver, keine zusätzlichen Lautsprecher an Decke und Wand werden gebraucht, nur die Bluesound Pulse Soundbar+ und der Pulse SUB sind notwendig, um dieses beeindruckende Heimkino-Klangerlebnis zu realisieren. Wenn wir uns jetzt noch vorstellen, dass mit den Pulse Flex noch zusätzliche Satelliten-Lautsprecher das Setup zu einem tatsächlichen Mehrkanal-Setup erweitern könnten, stellen wir fest, dass die herkömmliche Analog-Armada langsam aber sicher eine wirklich überaus unkomplizierte Ablöse erfährt.

Gerade in den aktuellen Zeiten, da Lieferkettenprobleme auch den Markt für AV-Receiver extrem treffen und Geräte teilweise gar nicht – oder mit langen Wartezeiten – verfügbar sind, ist Bluesound mit der Kombination aus Pulse Soundbar+ und Pulse Sub+ ein extrem empfehlenswertes Double gelungen. Klanglich kann es dabei selbst mit größeren Heimkino-Systemen problemlos mithalten! ■ Text: Thomas Kirsche, Arthur Evers

Preis und Verfügbarkeit

Die Bluesound Pulse Soundbar+ gibt es zum Preis von 999 Euro (UVP) im Fachhandel zu kaufen. Den kabellosen Bluesound Pulse SUB+ Subwoofer gibt es zum Preis von 849 Euro (UVP) zu kaufen. Das Bundle aus Pulse Soundbar+ und Pulse SUB+ ist im Paket etwas günstiger, es kostet 1.749 Euro.

Webseite: www.bluesound-deutschland.de

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 03/2022.

▶ Lesen Sie hier: Test vom Bluesound Node (2021) – HiFi Musik-Streamer

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Test: Bluesound Pulse Soundbar+ und Pulse Sub+ Subwoofer
Die Kombination aus Bluesound Pulse Soundbar+ und Pulse Sub+ zeigt einmal mehr, wo die Reise in Sachen HiFi gerade hingeht: Unkomplizierte Systeme mit vielseitigen und flexiblen Anwendungsmöglichkeiten, die gleichzeitig auf akustischer Ebene Maßstäbe zu setzen wissen. Im Blindtest, und darin sind wir uns sicher, könnte das Duo zweifellos für eine ausgewachsene Stereo-Formation gehalten werden und beim Film sogar für ein Surround-System mit Dolby Atmos-Kanal.
Wiedergabequalität 93%
Ausstattung/Verarbeitung 96%
Benutzerfreundlichkeit 98%
Preis/Leistung86%
Vorteile
  • Dolby Atmos-kompatibel
  • großer und weiter Sound
  • flexible Anwendung
Nachteile
  • keine
93%Bluesound Pulse Soundbar+
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Bildquellen:

  • Bluesound Pulse Soundbar+: Auerbach Verlag