Otis Taylor Fantasizing About Being BlackHe still got the blues. Als hätte Garry Moore seinen legendären Song Otis Taylor gewidmet. Die beiden gingen im Jahr 2007 zwar gemeinsam auf Tour, ansonsten ist der Zusammenhang natürlich aus der Luft gegriffen. Es wäre eine schöne Anekdote gewesen. Denn mit 68 Jahren hat Otis Taylor mit „Fantasizing About Being Black“ gerade ein beachtliches Album herausgebracht. Mit von der Partie sind Jerry Douglas, Brandon Niederauer und Ron Miles.

Ursprünglich und verwurzelt

Stilistisch folgt „Fantasizing About Being Black“ nicht ganz dem vorherigen Album „Hey Joe Opus Red Meat“.  Das aktuelle ist traditioneller, orientiert sich stärker an den Wurzeln des Folk und Blues. Für Otis Taylor gehört  das zusammen. Wenn Folk die Musik der working-class people ist, dann ist Blues eindeutig Folk. Diesem widmet sich Taylor mit ganzer Hingabe. Seine Texte sind griffig und passen verblüffend zum aktuellen Geschehen. Das Leben, Leiden und Lieben der Afro-Amerikaner im ländlich geprägten Süden der USA.

Das neue Album

Einige Titel wecken mit Ihrer Bassbetonung und packendem Rhythmik Erinnerungen an den Altmeister John Lee Hooker. So zum Beispiel „Tripping on This“. In seinem Aufbau und der Geschichte ein klassischer Blues-Song und ein ebenso echter Otis Taylor, der sich gern heiklen Themen widmet. Rassendiskriminierung, Doppelmoral, Liebe und Gewalt. Das ist es, was der Blues besingt. Melancholisch und lässig getragen. Unweigerlich ergreift dieser Sound den Zuhörer. Mit verantwortlich für den authentischen Auftritt sind neben dem Gesang gekonnt eingesetzte Instrumente wie Drums (Larry Thompson), Bass (Todd Edmunds) und E-Banjo (Otis Taylor). Otis Taylor reiht sich spielerisch in die Ahnengalerie namhafter Bluesmusiker ein.

Bemerkenswert dabei ist seine Wandlungsfähigkeit. Denn nicht bei jedem Song hält er sich an das klassische Muster. Und das ist gut so. „Fantasizing About Being Black“ wird nicht eintönig. „Jump to Mexico“ zum Beispiel ist sanfter, ruhiger und lebt stärker von Otis Stimme. Erzählt wird die dramatische Geschichte eines Afro-Amerikaners, der die Südstaaten in Richtung Mexico verlassen muss, um nicht getötet zu werden. Einziger Grund dafür ist die Beziehung zu einer weißen Frau. Jeder Saitenanschlag der Koa Wood Lap-Gitarre, einer Steel-Gitarre aus seltenem hawaiianischem Holz, ertönt dank der hervorragenden Aufnahme körperlich und präsent.

Ein großer Wurf

Taylor ist mit „Fantasizing About Being Black“ wiedermal ein großer Wurf gelungen. Seinen Fans liefert er guten Stoff und jene, denen der Folk-Blues-Musiker bisher kein Begriff war, werden aufhorchen. Vertrieben wird die Platte in Deutschland von in-akustik. Als Schmankerl haben die Schwarzwälder mit „Fantasizing About Being Black“ inklusive audiophiler Vinylpressung auf den Markt gebracht. Ein Schritt, der sich aufgrund schon erwähnter Aufnahmequalität förmlich aufdrängte.

Musik: Fantasizing About Being Black von Otis Taylor
AufnahmeQUALITÄT
atMOSPHÄRE
kulTFAKTOR
anSPRUCH
4.2Gesamtwertung

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