Mit dem Hybrid-Kopfhörerverstärker HA500H verlässt CocktailAudio seine Komfortzone und wagt den Aufbruch in neue Klangwelten. Die Kopfhörerverstärker-Vorstufen-Kombination in Hybrid-Bauweise kommt sogar inklusive integriertem DAC daher. Unser Interesse ist geweckt!

Ähnlich wie im professionellen Audio-Bereich in den Neunzigern des letzten Jahrhunderts, sind aktive Lautsprecher Designs drauf und dran, ihren passiven Gegenstücken ernsthaft Konkurrenz zu machen. Puristen mögen die Nase rümpfen, aber zumindest ob des aufblühenden Angebotes scheint die Nachfrage schwer zu bestreiten. Wer ein Paar Aktivlautsprecher sein Eigen nennt, der braucht natürlich keinen ausgewachsenen Vollverstärker, um diese zu betreiben. Eine Vorstufe genügt. Am besten mit einem hochwertigen Kopfhörerverstärker an Bord. Und am Ende wäre ein D/A-Wandler natürlich auch von Vorteil.

Genau diese Gerätekombination sieht man aktuell immer öfter in Personalunion auftreten. Zuletzt in der AUDIO TEST Ausgabe 03/19 mit der Pro-Ject Pre Box Digital S2 und jetzt hier mit dem CocktailAudio HA500H. Nur, dass CocktailAudio hier direkt auf die Luxusklasse zielt. Dass die Experten für Streamer und Musikserver ihr Portfolio um ein solches Gerät erweitern, macht absolut Sinn. Schließlich stellt es die perfekte Verbindung zwischen den Geräten der X-Serie und eben etwa aktiven Schallwandlern dar.

Test Review CocktailAudio HA500H Kopfhörerverstärker Hybrid DAC DA Wandler Cocktail Audio Platine Innenansicht Chips
In der zuschaltbaren Röhrenstufe kommen zwei Röhren vom Typ ECC82 zum Einsatz. Der CocktailAudio HA500H ist mit einem massiven Ringkerntransformator bestückt. Das Bluetooth-Modul sitzt auf einer gesonderten Platine über dem PCB der Input-Sektion

Bulliges Äußeres

Da es nun noch keine so richtig etablierte Bezeichnung für diesen neuen Archetyp von Gerät gibt, setzen die Hersteller ins Sachen Produktbezeichnung meisten den Schwerpunkt auf jeweils eine der Funktionen ihres Produkts. CocktailAudio preist den HA500H vorrangig als einen Kopfhörerverstärker an. Mit seinen 7 Kilogramm Lebendgewicht und dem um einige Quadratzentimeter das DIN A4 Format sprengenden Grundriss überschreitet der Kopfhörerverstärker CocktailAudio HA500H etwas die von der Bezeichnung her zu erwartenden Ausmaße. Richtig ist die Aussage natürlich trotzdem und die massige Optik weiß zu gefallen.

Das Gehäuse ist, wie von CocktailAudio gewohnt, zum größten Teil mittels CNC aus massivem Aluminium gefräst und makellos verarbeitet. Blickfang auf der Frontseite ist ganz klar das 5 Zoll TFT LC-Display. Darüber hat man sämtliche Funktionen und Statusanzeigen stets im Blick. Als besonderes, optisches Schmankerl kann man sogar bei den Pegelmessern zwischen drei verschiedenen Anzeigeformen wählen. Darunter auch ein kultiger VU-Meter mit Zeigernadel. Natürlich alles per Pixel und ohne Mechanik.

Praktischerweise sind die wichtigsten Funktionen des CocktailAudio Hybrid-Kopfhörerverstärkers HA500H nicht in Menüs vergraben, sondern direkt per Drucktaster zugänglich. So lassen sich die Auswahl zwischen Line und Kopfhörerausgang, die wählbare Impedanzanpassung und ob man den symmetrischen oder unsymmetrischen Kopfhörerausgang benutzen will bequem von der Gerätefront steuern. Und auch die mit zwei Glaskolben vom Typ ECC82 bestückte Röhrensektion des CocktailAudio HA500H lässt sich hier auf Wunsch anoder abschalten. Man hat also die Wahl zwischen dem warmen, obertonreichen Röhrensound und flinken, sauberen Operationsverstärkern.

Die Input-Wahl findet dann doch übers Menü statt. Das sind schlichtweg zu viele Optionen für die Hardware-Knöpfe. Die Anschlüsse, Kopfhörer ausgenommen, sind allesamt rückseitig untergebracht. Als analoge Optionen stehen sowohl unsymmetrische Line-Eingänge via Cinch, wie auch symmetrische Inputs mittels XLR bereit. In digitaler Hinsicht sind die klassischen optischen und koaxialen Varianten, sowie ein USB-Anschluss verfügbar.

Darüber hinaus sind sogar noch eine I2S-Schnittstelle über HDMI sowie eine AES/EBU-Schnittstelle per XLR aufgelegt. Und falls jemand lieber kabellos arbeitet, gibt es auch die Möglichkeit den CocktailAudio HA500H mittels Bluetooth anzusteuern. Mit so vielen Anbindungsmöglichkeiten qualifi ziert sich der HA500H ohne Frage als zentraler Knotenpunkt auch für komplexere Setups.

Test Review CocktailAudio HA500H Kopfhörerverstärker Hybrid DAC DA Wandler Cocktail Audio Röhre Innen
Die Röhren lassen sich im aktiven Modus mit RGB-Beleuchtung aufpimpen. Rot, Grün und Blau können dabei unabhängig voneinander ein und ausgeschaltet werden

Gepflegtes Interieur

Die Opulenz setzt sich beim Inneren unseres Testprobanden fort. Wie schon erwähnt, ist der CocktailAudio HA500H mit einer Digital/Analog-Wandler Sektion ausgestattet. Als Chip kommt hier der ESS Sabre32 ES9018K2M zum Einsatz. Oder besser gesagt: Zwei Chips dieses Modells, denn CocktailAudio spendieren zwecks optimaler Performance der kleinen Mehrbeiner gleich jedem Kanal sein eigenes Exemplar. Der 32 Bit Wandler liefert mit einem Dynamikumfang von 127 Dezibel (dB) und einer Total Harmonic Distortion + Noise (THD+N) von –120 dB herausragend gute Werte.

Über den USB-Eingang können PCM Daten mit einer Samplingrate von bis zu 384 Kilohertz (kHz) und DSD Daten mit bis zu 11,2 Megahertz verarbeitet werden und sogar MQA wird unterstützt. Für die anderen digitalen Eingänge gelten selbstverständlich die Limitierungen der jeweiligen Schnittstelle. Übrigens ist der gesamte Schaltungsaufbau des CocktailAudio HA500H symmetrisch ausgeführt, was nicht nur effektiv Gleichtaktrauschen unterdrückt, sondern auch gegen jede andere Form ungewollter elektromagnetischer Einstreuungen immunisiert.

In Sachen Ausgangsleistung der Kopfhörersektion haben wir es hier mit einem waschechten Kraftpaket zu tun. Nicht zuletzt dank der Impedanzanpassung ist der Kopfhörerverstärker HA500H in der Lage sogar Kopfhörer mit 600Ohm anzutreiben. Über den unsymmetrischen Ausgang liefert der Bolide im High-Impedance Modus immer noch stabile 125 Milliwatt (mW) und über den symmetrischen sogar ganze 485 mW.

Test Review CocktailAudio HA500H Kopfhörerverstärker Hybrid DAC DA Wandler Cocktail Audio Display VU Meter
Über das 5 Zoll TFT LCD des Kopfhörerverstärkers HA500H lässt sich der Eingangspegel mittels schicker, digitaler VU-Meter-Imitationen anzeigen

CocktailAudio HA500H: Opulenter Sound

Wenn es darum geht, den resultierenden Klangcharakter unseres Testkandidaten zu beschreiben, kommen einem direkt drei Worte in den Sinn. Klar, laut und dynamisch. Während unseres Tests konnte der HA500H sowohl mit einem Beyerdynamic DT770 mit 32 Ohm wie auch mit einem Beyerdynamic DT990 mit 250 Ohm hervorragende Ergebnisse erzielen. Bei beiden Kopfhörern fliegen Transienten förmlich aus den Membranen ins Ohr und speziell mit dem offenen DT990 betört die Kombination durch eine fast schon unerhörte Plastizität der Wiedergabe. Der Sound liegt hier nicht starr auf einer Linie zwischen den Ohren, sondern drapiert sich sphärisch um den Kopf des Hörers.

Auch merkt man beim DT990 deutlich, wie die High-Einstellung der Impedanzanpassung die Wiedergabe nicht nur lauter, sondern auch frischer und off ener werden lässt. Überraschenderweise hat uns diese Einstellung auch mit dem niederohmigen Modell ebenfalls besser gefallen, auch wenn hier der Unterschied weniger deutlich war. An Leistungsreserven mangelt es wenig überraschend in keiner Einstellungsund Kopfhörerkombination. Eher ist hier, ob der hohen machbaren Pegel, Vorsicht beim Anwender geboten. Oder man überlässt das doch der im Menü praktischerweise fest einstellbaren Maximalstellung des Volumenreglers.

Aber nun ist es Zeit noch eine Stufe höher zu schalten. Eine Röhrenstufe um genau zu sein. Man hört sofort, wie sich eine Menge spritziger Obertöne ins Klangbild mischen. Der Sound wird etwas weicher, aber auch dichter und wärmer. Gerade tieff requente Anteile wirken dank der extra Obertöne substanzieller. Richtig entscheiden, was uns besser gefällt, können wir nicht. Beide Optionen haben ihren speziellen Charme, ohne den Grundcharakter des Hybrid-Kopfhörerverstärkers CocktailAudio HA500H zu verbiegen. Letztlich kommt es hier auf die Musik und den persönlichen Geschmack an.

Apropos persönlicher Geschmack. Wir beenden das Ganze mit einem All-Time-Favourite aus der Kategorie Rock und geben uns die Foo Fighters mit ihrem Track „Everlong“ auf die Ohren. Die Gitarrenwand im Refrain verkörpert in jeder Hinsicht das Ideal von 90s-Rockaufnahmen und kommt auch hier genauso voll und raubeinig rüber. Die Drums spielen voller Energie und mit knalligen Transienten auf. Und man hört deutlich die feinen Details heraus, wie die – übrigens damals live übers Telefon eingesungenen – Backingvocals, die das Gitarrenriff der zweiten Strophe doppeln. Das Stück macht über den CocktailAudio HA500H richtig Spaß. Aber auch alle anderen Genres, von Jazz und Klassik bis zu Elektronischem, hat der CocktailAudio HA500H keinen Deut weniger begeisternd zu Gehör gebracht.

Weitere Infos unter: www.cocktailaudio.de

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 4/2019.

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Test: CocktailAudio HA500H Kopfhörerverstärker - Raus aus der Nische
Der HA500H von CocktailAudio ist nicht nur eine clevere Kombination von Funktionen, die Notwendigkeiten moderner Setups mit Bravour erfüllt, sondern auch hinsichtlich Klang, Verarbeitung und Umsetzung ein echter Volltreffer. Der Mut aus der etablierten Komfortzone auszubrechen, hat sich gelohnt.
Wiedergabequalität96%
Ausstattung/Verarbeitung97%
Benutzerfreundlichkeit93%
Preis/Leistung84%
Vorteile
  • Klang
  • Leistungsreserven
  • Funktion
Nachteile
  • keine
94%Gesamtwertung
Leserwertung: (5 Votes)
72%

Bildquellen:

  • _MG_0105: Bild: Auerbach Verlag
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