Alles gute zum Geburtstag an uns selbst, dachte sich Denon und bastelte mal eben einen absoluten Grenzsprenger in Puncto moderner Signalverstärkung. Wir räumen das Feld für den Denon Verstärker PMA-A110!

Alles Gute zum 110. Geburtstag!

Wahrlich gab es in den vergangenen Monaten reichlich wenig Grund zum Feiern. Keine Konzerte, abgesagte Messen, geschlossene Präsentationsräume lokaler HiFi-Fachhändler. Jedoch soll man bekanntermaßen Feste feiern, wie sie fallen. Und Jubiläen scheren sich bekanntlich wenig um historische Zäsuren. So muss man zu Pandemiezeiten eben etwas kreativ werden, um etwa den 110. Jahrestag zu feiern, wie er bei Denon kürzlich anstand. 110 Jahre – Das muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen. 1910, als Denon mit der Herstellung von Audioelektronik begann, war die Schellackplatte gerade erst zur Marktreife gelangt, der Jazz steckte noch in den Kinderschuhen und mit Nippon Columbia wurde das erste japanische Plattenlabel gegründet. Japan zu dieser Zeit noch in strengster Hörigkeit gegenüber dem Kaiser Meiji und seit diesem Jahr offiziell Besatzungsmacht auf Koreanischem Boden. Zu diesem Zeitpunkt also erblickte das Unternehmen Denon das Licht der Welt. Dabei wurde die Nippon Chikuonki Shoukai, woraus in den 1930er Jahren Denon werden sollte, gar nicht von einem Japaner gegründet, sondern vom US-Amerikanischen Unternehmer Frederick Whitney Horn. Dieser vertrieb gemeinsam mit ansässigen Handelspartnern die ersten beiden Produkte des Unternehmens: eine einseitig bespielte Langspielplatte und ein Grammophon.

Test: Denon PMA-A110 Vollverstärker (Limited Edition Jubiläums-Serie) Review
Die diversen Modi, sowie der 2-Band-EQ kann am Kotrollpanel der Frontseite eingestellt werden

Damit sicherte Horn der Firma eine Vorreiterrolle, welche Denon später sukzessive untermauern sollte. So präsentierte man 1939 den ersten professionell einsetzbaren Schallplattenrekorder, 1951 die ersten Stereoplatten auf japanischem Boden und nicht zuletzt den weltweit ersten PCM-Rekorder im Jahre 1970, welcher als technologische Grundsteinlegung für die Entwicklung der guten alten CD zu werten ist. Der erste entsprechende CD-Spieler für den Heimgebrauch lief somit auch 1982 erstmals in Denons Werkstatt vom Band. Als dann zur Jahrtausendwende die Heimkinobewegung ihren Anfang nahm, waren es die Tüftler von Denon, die den ersten AV-Receiver mit Dolby Digital-Unterstützung vermarkteten und 2009 schließlich den ersten Universal Disc Player mit Blue Ray-Kompatibilität präsentierten. Im Jahr 2002 fusionierte Denon übrigens mit Marantz, dem seinerzeit größten Konkurrenten auf der Insel zur D&M Holdings Incoporation, welche ihrerseits vor nunmehr zehn Jahren von der amerikanischen Firma Sound United übernommen wurde, wo man mit unter anderem Polk, Classe und seit neuestem auch Bowers & Wilkins wohl in bester Gesellschaft ist. Nun wurde Denon also stolze 110 Jahre alt, hat alle Entwicklungen der Branche miterlebt, wenn nicht gar selbst angestoßen, und zählt zu den wahren Urgesteinen der Branche. Das man als HiFi-Spezialist in dieser Zeit nicht zum Staubfänger mutieren muss, sofern man sich stets neu zu erfinden weiß, muss Denon nicht mehr unter Beweis stellen. Lassen können sie es dennoch nicht, weshalb sich das Unternehmen mit dem Stereovollverstärker Denon PMA-A110 Anniversary Modell einfach selbst beschenkt.

Denon PMA-A110 Vollverstärker

Der wuchtige 25-Kilo Amp Denon PMA-A110 gleicht auf dem ersten Blick dem PMA-2500NE bis aufs Schräubchen, wurde von Denon jedoch an allen Ecken und Enden mit Upgrades versehen. Doch der Reihe nach.

Der Denon PMA-A110 Verstärker markiert das Flaggschiff aus Denons Jubiläums-Kollektion, welche neben dem Vollverstärker unter anderem noch den CD-Player DCD-A110 und den AV-Receiver AVC-A110 beinhaltet. Der feiste Analog-Amp stellt dabei nicht nur ob seines modernen Chic, sondern auch durch seine absolut zeitgemäße Ausstattung Denons Anspruch auf Aktualität unter Beweis. So ist der Amp mit einer Nennleistung von bis zu 160 Watt an 4 Ohm neben der elektronischen Hochpräzisions-Lautstärkeregelung mittels eines gewichteten und haptisch äußerst gut gelungenen Drehreglers auch mit einer handfesten Digitalsektion ausgestattet, deren Arbeit von gleich vier PCM1795-Chips aus dem Hause Burr Brown bewerkstelligt wird. Pro Kanal sind also zwei Wandler-Chips verschaltet, welche nicht nur mehr Präzision und einen größtmöglichen Signal/Rausch-Abstand zu gewährleisten, sondern auch im Master Clock Design auf einen Doppel-Oszillatoren getaktet sind, welcher zusätzlich Jitter und Phasenrauschen minimiert. Dabei ist die gesamte Baugruppe gewissenhaft von den Analogsektionen des Verstärkers isoliert, um Interferenzen auszuschließen. Durch ein eigenes Netzteil kann die Digitalsektion sogar komplett abgeschaltet werden, wenn der Amp in den Analogmodus versetzt wird. Und Digitalsektion beinhaltet da nicht nur die vier DACs, sondern auch das fluoreszierende Display, sowie die insgesamt fünf digitalen Inputs (ein mal USB-B, drei mal optisch, ein mal Koaxial).

Test: Denon PMA-A110 Vollverstärker (Limited Edition Jubiläums-Serie) Review
Sorgfältiger kann man eine Kanaltrennung kaum vornehmen – Durch Kühlrippen und Netzteile getrennt sind beide Verstärkersektionen bestmöglich von einander entkoppelt

Analog-Enthusiasten kommen demnach also nicht zu kurz, sondern voll auf ihre Kosten. Denn neben einer Phono-Vorstufe für sowohl MM- als auch MC-Systeme finden wir drei weitere asymmetrische Cinch-Inputs. Dabei sind natürlich alle Anschlüsse von höchster Güteklasse. Alle Anschlüsse sind vergoldet – Nix wackelt, sondern sitzt bombenfest Bei einem bloßen Blick auf die Geräte Rückseite erahnt man dabei schon die penibel aufgeräumte Schaltungstopologie des Denon PMA-A110. Ein- und Ausgänge sind klar von einander separiert, während die digitalen Inputs nochmal klar vom Rest getrennt am unteren Ende des Panels Platz nehmen müssen. Somit bleibt die gesamte digitale Baugruppe allerdings leider unserem Blick verborgen, sowie wir den Gehäusedeckel des neuen Denon-Verstärkers entfernen, um uns das Interieur des Probanden einmal genauer anzusehen. Denn die Platine mit den vier DACs versteckt sich unter dem großen Mainboard, auf welchem die beiden Kanäle kaum sorgfältiger von einander getrennt verbaut sein könnten. Links und rechts neben den beiden Schaltnetzteilen und nochmals durch massive Kühlgrills von einander abgeschottet sind die beiden Kanäle schön coronakonform auf Abstand gehalten. Dabei könnte man quasi mittig eine Spiegelachse einziehen, so symmetrisch ist der Aufbau gehalten. Klotzen statt kleckern war hier bei der Produktentwicklung offenbar das Motto – ist ja schließlich auch der 110. Geburtstag. Nun könnten wir uns locker noch eine ganze Seite über die technische Ausführung des Jubiläums-Verstärkers auslassen, jedoch ist auch in diesem Heft der Platz knapp bemessen, weshalb wir direkt und ohne elegante Überleitung zum Hörtest übergehen wollen.

Test: Denon PMA-A110 Vollverstärker (Limited Edition Jubiläums-Serie) Review
Die Fernbedienung des PMA-A110 ist haptisch ansprechend und mit allen notwendigen Funktionen ausgestattet

Wuchtbrumme

Wir hören etwas Jazz und konsultieren die Mingus Big Band, welche seit 1991 das Gedenken des unvergleichbaren Charles Mingus weiterführt. „Monin’“ gehört dabei wohl zu den ikonischen Werken der Kontrabass-Legende. Jedoch ist uns keine Aufnahme bekannt, welche den Titel mit einem vergleichbar großen Ensemble festgehalten hat, wie die der Mingus Big Band auf ihrem 1993 erschienenen Album „Nostalgia On Time Square“ . Und wir wollen uns schließlich der eben erörterten Produktphilosophie des PMA-A110 anschließen und es erstmal ordentlich krachen lassen. Nichts leichter als das, denkt sich der Prüfling und zündet sogleich ein ordentliches Feuerwerk. Geburtstag halt. Ähnlich exzentrisch wie es der Person Mingus nachgesagt wird ist auch die Komposition von „Moanin’“ und deren Interpretation durch die Mingus Big Band. Tatsächlich können wir zu dem erlebten kaum mehr sagen, als dass wir die gesamten 8 Minuten und 59 Sekunden, welche diese Aufnahme dauert, mit geschlossenen Augen und ekstatisch zappelnd auf dem Sofa saßen und uns dabei erwischten, wie wir ohne es zu merken, auf einem unsichtbaren Schlagzeug mitspielten. Noch den ganzen verbleibenden Tag lag uns die geswingten Achtel des Ridebeckens im Handgelenk. Noch Fragen? Achja: Wir hörten auf den Ayers Five Standlautsprechern, mit welchen sich Inklang in der vergangenen Ausgabe der AUDIO TEST um seinen ersten Referenzklasse-Titel verdient machte. Was ganz gut passt, denn den verpassen wir nun mit gezogenem Hut auch Denons PMA-A110 Anniversary Amp! Danke und sehr gerne wieder!

Preis und Verfügbarkeit

Den Denon PMA-A110 Vollverstärker aus der Limited Edition Jubiläums-Serie gibt es zum Preis von 3.599 Euro (UVP) im autorisierten Fachhandel zu kaufen.

Weitere Informationen: www.denon.com

Anmerkung: Dieser Text erschien erstmals in Ausgabe 03/2021 der AUDIO TEST

▶ Lesen Sie hier: Test vom Denon AVR-X1600H AV-Receiver (7.2-Kanal)

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Test: Denon PMA-A110 Vollverstärker (Limited Edition Jubiläums-Serie)
State of the Art. Das ist Denons PMA-A110. Klinisch saubere Kanaltrennung, eine abschaltbare Digitalsektion, hochpräzise Lautstärkeregelung, Vinyl- und DSD- Kompatibilität. Man wollte eben keine halben Sachen machen und hat mal eben einen Verstärker auf den Markt gebracht, welcher in seiner Preisklasse künftig den Ton angeben wird. Zum 110. Geburtstag mal nebenbei Standards setzen – warum auch nicht?
Wiedergabequalität100%
Ausstattung/Verarbeitung95%
Benutzerfreundlichkeit80%
Preis-/Leistungsverhältnis80%
Vorteile
  • Sound der Referenzklasse
  • ausgezeichnete Ausstattung
Nachteile
  • keine
95%Gesamtergebnis
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Bildquellen:

  • Denon PMA-A110: Auerbach Verlag
  • Denon PMA-A110: Auerbach Verlag
  • Denon PMA-110: Auerbach Verlag
  • Denon PMA-110: Auerbach Verlag