AV-Receiver erzeugen zusammen mit den richtigen Lautsprecherboxen wahre Klangmeere im Wohnzimmer oder Heimkino. Aber kann man darüber auch vernünftig Videospiele zocken?

Ja, wir sind ein Audio-Fachmagazin und wenn wir einen AV-Receiver zum testen bekommen, interessieren uns primär die akustischen Eigenschaften. Doch neulich haben wir uns mal von einer etwas anderen Perspektive an die Beurteilung eines Produktes gewagt. Wir testen einen AV-Receiver mit Schwerpunkt Gaming-Perspektive. Erstens, weil Gaming seit Jahren im Aufwärtstrend liegt, zweitens, weil viele Spiele, vorzugsweise Ego-Shooter, aber auch Fussball- und Sportsimulationen sich mittlerweile große Mühe geben immersive und dynamische Erlebnisse auch im Mehrkanalformat darzustellen.

Das Shooter-Spiel “Battlefield” oder auch das Adventure “The Last Of Us” ist zum Beispiel ein perfekter Kandidat. Aber wir alle wissen, Gamer sind jung und haben oft nicht so viel Geld übrig, weil ein Großteil in die Performance der Spiele in Form von Grafikkarten, besseren Konsolen oder einfach nur Spiele investiert wird. Deswegen haben wir uns mit Denons AVR-X1600H einen absolut erschwinglichen AVR ausgesucht, der alle technischen Details des Jahres 2020 beherrscht, aber dennoch unter der 600 Euro-Grenze liegt. Ist also auch mit Taschengeld machbar.

Neulinge brauchen keine Sorge haben

Wenn ein AV-Receiver-Neuling die Rückseite des Denon AVRX1600H betrachtet, dann wird ihm sicher ein kleiner Schauer über den Rücken laufen. Diese ganzen Anschlüsse und Bezeichnungen. Was soll wo hin? Doch der 7.2 Kanal AV-Receiver macht es Neuling wie Profi einfach. Es ist lediglich ein TV, Monitor oder Beamer nötig, sowie ein HDMI-Kabel. Das steckt zwischen den HDMI-Eingang des TV bzw. Bildschirm und den Ausgang des Receivers. Für die Installation empfehlen wir den HDMI-out mit der Bezeichnung Monitor 1. Nun schalten wir das Gerät an und es führt uns durch das komplette Setup. Es sagt uns etwa, welche Lautsprecher wir wo anschließen sollen. Das mag dem Profi lächerlich erscheinen, aber auch er sollte diesen Weg gehen. Die SurroundBack-Anschlüsse sind nämlich doppelt belegbar: einmal für Surround Back oder die Höhenlautsprecher. Während der Installation legen wir die Belegung einfach fest.

Wir entscheiden uns für einen 5.1.2-Aufbau, also Klang mit Höhenlautsprechern. Dazu verwenden wir die Focal Sib Evo Dolby Atmos 5.1.2, die wir bereits letztes Jahr vorgestellt hatten. Ein 7.1-System anzuschließen ist genauso möglich. Weiterhin misst das System den Raum ein. Für einen Laien ist das alles schnell überfordernd. Für die Technologie affine Generation U30 und Millenials sollte es allerdings ein Kinderspiel sein.

Denon AVR-X1600H AV-Receiver 7.2-Kanal Test Review AVR Heimkino Innern Chips
Blick ins Innere: Die Bedienelemente der Front sind per Flachbandkabel mit der Prozessoreinheit verbunden. Im Zentrum des Receivers ist die Funkeinheit für WLAN und Bluetooth. Hochkant an einem Kühlkörper befestigt befindet sich die schweißtreibende Transistor-Arbeit.

Einmessen

Audyssey MultEQ XT ist integriert und ein Messmikrofon beigelegt. Das montieren wir entweder auf ein Kamerastativ oder wir nutzen die „Rakete“ aus Pappe, die uns Denon beilegt. Die müssen wir aber vorher zusammenstecken. Wir entscheiden uns deshalb fürs Stativ. Während des Messvorgangs stößt das System Töne aus, die wir an acht Positionen mit dem Mikro messen müssen. Das dauert schon seine Zeit, aber immerhin ist der Klang des Receivers dann auf die Raumakustik weitgehend abgestimmt. Natürlich können wir nach der Installation jederzeit den Sound nach unseren Bedürfnissen anpassen.

Insgesamt sollten Nutzer mit einer Stunde für die Einrichtung des Receivers und die Installation von Updates rechnen. Doch danach kann es endlich losgehen.

Kann auch Plattenspieler

Die acht HDMI-Eingänge, wovon sich einer an der Front befindet, unterstützen alle das Verschlüsselungssystem HDCP 2.3 sowie eine 4K-Bildwiedergabe bei 60 Hz mit Full-Rate-Passthrough. 4K und 60 Hz sind quasi soetwas wie der Goto-Standard im Gaming, mit dem 1600er müssen also grafisch keine nennenswerten Einschränkungen hingenommen werden.

Interessanter für Musikfreunde ist die typische Audio-Anschlusssektion. Hier finden wir zwei digital-optische Eingänge. Des Weiteren können vier Signale analog per Cinch eingespeist werden und sogar ein Plattenspieler lässt sich dank integrierter MM-Phonovorstufe mit dem AV-Receiver verbinden. Natürlich ist an einen LAN-Anschluss fürs heimische Netzwerk gedacht. Wobei die Anbindung ebenfalls per WLAN funktioniert. Wer allerdings schnell und ohne Unterbrechung – Stichwort: HiRes-Musik-Streaming – alle Netzwerkdienste des Gerätes nutzen will, kommt um die kabelgebundene Anbindung nicht herum.

An der Front finden wir auch einen Anschluss für USBSpeichergeräte. Das Abspielen der Musiksammlung vom Speicherstick macht damit keine Probleme. Außerdem gibt es Bluetooth, um das Smartphone mal schnell an den Receiver zu koppeln. Der Empfang des Gerätes ist dabei wirklich beachtlich. Die obligatorischen zehn Meter Reichweite wurden bei unserem Test weit überschritten.

Nicht vergessen wollen wir den Antennenanschluss für UKW und Mittelwelle. Ja, der hochmoderne Receiver beherrscht selbst diese beiden antiquierten Funkformate. Wobei Internetradio bereits werksseitig installiert ist. Wir müssen also nicht darauf vertrauen, guten Antennenempfang zu haben. Wer lieber DAB hören will, der sollte sich Denons X-Modelle der AV-Receiver mit der Bezeichnung DAB im Namen anschauen. Die haben das entsprechende Empfangsmodul integriert und kosten kaum mehr.

Fern- oder Appbedienung?

Um den Denon zu steuern, können wir, wie inzwischen überall in der Unterhaltungselektronik üblich, auf Fernbedienung oder App zurückgreifen. Die Fernbedienung ist dabei schnell zu begreifen und die Steuerung geht mit ihr einfach von der Hand. Per Smartphone brauchen wir die Denon-App und die HEOS-App. Zwischen beiden wechseln wir je nach Aufgabe hin und her. Wollen wir Netzwerkdienste aufrufen, dann heißt es HEOS. Wollen wir den Blu-ray-Player-Eingang aktivieren, dann heißt es Denon-App. Das macht es ein wenig kompliziert, aber in der Regel wird man wohl die Eingänge per Fernbedienung und das Multiroom via Smartphone steuern.

Denon AVR-X1600H AV-Receiver 7.2-Kanal Test Review AVR Heimkino Rückseite Rear Anschlüsse Back
Blick auf die Anschlüsse: Üppig ausgesttattet, könnte man sagen. Denon hat den AVR-X1600H mit allen Anschlussmöglichkeiten versehen, welche in einem gängigen Heimkino-Set-Up vonnöten sind.

Denon AVR-X1600H – Kann der auch Multiroom?

Ja, HEOS das Denon-eigene Multiroomsystem, was auch von Marantz-Geräten unterstützt wird, ein echter Gewinn und Mehrwert für den AVR. Wer also weitere HEOS-Komponenten in seinem zu Hause hat, wird sich freuen, die bereits vorhandene App nutzen zu können, um die Netzwerkdienste des AV-Receivers zu steuern. HiRes-Klänge

An Surroundtechniken beherrscht der AVR-X1600H neben DTS HD Master, DTS:X und DTS Neural:X auch DTS Virtual:X sowie Dolby TrueHD und Dolby Atmos. Außerdem ist Dolby Height Virtualization integriert, was den Klang von oben ohne Deckenlautsprecher, also mit einer einfachen 5.1.-Lautsprecheranlage ermöglicht.

Das ist jedenfalls das Werbeversprechen von Denon und Dolby. Und wir finden, es wird ziemlich gut eingehalten, auch wenn es echte Höhenlautsprecher nicht ersetzen kann. Als Kompromisslösung ist es aber durchaus verwendbar und so in Aufstellungen mit räumlichen Zugeständnissen die Lösung der Wahl. Freunde hochaufgelöster Musik wird es freuen, dass der Receiver mit Digital-Analog-Wandlern arbeitet, die auf 32 Bit setzen. Sie verarbeiten ALAC-, FLAC- und WAV-Dateien mit bis zu 24-Bit bei 196-kHz. Auch das von vielen HiFi-Fans hochgelobte DSD kann der Denon in hörbare Signale wandeln. Dabei ist es egal, ob das Material in 2,8 oder 5,6MHz vorliegt.

Heiß im Kino

Im Klangtest haut uns der Denon dann doppelt um. Zunächst klingen die angebotenen Mehrkanaltechniken über unser Lautsprechersystem perfekt. Da kommt bei Filmen wie „Jupiter Ascendig“ oder „Ready Player One“ richtig Freude auf – wir reden aber nur vom Sound. Auch Serien in Dolby Atmos wie etwa „Tom Clancy’s Jack Ryan“ auf Prime Video erhalten damit eine räumliche Tiefe, die uns wirklich hinreißt. Wichtig: Der Denon wird im Betrieb warm und sollte deshalb einen luftigen Platz bekommen. Aber dafür bekommen wir 145 Watt Leistung pro Kanal und davon gibt es immerhin 7.

Unheimlich klar, präzise und mit der Eleganz einer hochwertigen Endstufe, gibt er im Stereomodus jeden Musiktitel wieder. Dabei sollten aber dann auch ein Paar richtig guter Stereolautsprecher zum Einsatz kommen. Und da der Denon genug Endstufen besitzt, sind Bi-Amp und A/B-Betrieb ebenfalls kein Problem.

Denon AVR-X1600H AV-Receiver 7.2-Kanal Test Review AVR Heimkino Fernbedienung Remote Control App
Eine klassische Fernbedienung ist manchmal die bessere App.

Denon AVR-X1600H – Let’s Play

Doch wie schlagen sich AVRs nun beim Gaming? Nun. In Sachen Bild und Konnektivität könnte die Lage nicht besser sein. Wenn Sie großer Fan von Single-PlayerSpielen sind, dann GO! Die Immersion in einer Spielewelt in Surround ist um einiges soghafter, als in Stereo. Das lohnt sich tatsächlich und sticht jeden Virtual Surround Kopfhörermix um Welten aus. Allerdings je nach Spiel mehr oder weniger. Schauen Sie also vorher, ob Ihr Lieblingsspiel auch Surround unterstützt! Ist das der Fall, dann einfach Playstation, PC, X-Box & Co anstöpseln und loslegen. No-Brainer! Multiplayer offline, also zu zweit auf der Couch macht auch doppelt Laune. Für Online-MultiplayerSituationen in denen womöglich noch zusätzlich über Headsets oder Mikrofone im Team kommuniziert wird, ist ein Surround-Setup vielleicht eher hinderlich. An dieser Stelle besser über Kopfhörer spielen.

Apropos Kopfhörer

Ein nices Feature der neuen Denon AVRs ist übrigens, dass der Sound des Verstärkers im Jahr 2020 auch via Bluetooth an gekoppelte Kopfhörer senden kann, aber das nur nebenbei. Zum Spielen, zum Beispiel via Smartphone, ist das aber eher ungeeignet, da doch spürbare Latenzen entstehen, vor allem wenn die Kopfhörer kein aptX Low Latency Bluetooth-Protokoll unterstützen.

Keine Latenzen, die irgendwie akustisch problematisch wären, wenn wir von Musik reden. Aber wenn wir bei CSR Racing 2 an der Ampel stehen und diese auf grün schaltet und wir jedes Mal ein Zehntel zu spät starten, weil der Startschuss akustisch zu spät kommt, kann man kein Rennen gewinnen. Wir alle wissen: Latenzen und „Lag“ sind der Erzfeind eines Gamers.

Pro-Tipp an dieser Stelle: Wer am Smartphone zocken möchte, aber den Sound über die große Anlage sucht: Einfach den Audioausgang des Telefons via AirPlay oder Google Chromecast auf den Denon X1600H beamen. Dann bleibt alles schön synchron.

Webseite: www.denon.com

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 5/2020.

► Lesen Sie hier unseren Test vom Denon AVR-X2600H 7.2 Kanal AV-Receiver

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Test: Denon AVR-X1600H AV-Receiver (7.2-Kanal) - Ready, Player One?
Der Denon AVR-X1600H hat uns entspannt im Klangmeer, Fussballstadion Motorensound und Kugelhagel baden lassen. Zu keinem Zeitpunkt kam das Gefühl auf, darin ertrinken zu müssen, denn immer kommt der Klang präzise und detailreich beim Hörer an. Dank seines Phono-Eingangs und seiner tollen Leistung als Stereoverstärker sollten ihm nicht nur Heimkino-Enthusiasten eine Chance geben. Auch Gamer können von AVRs profitieren, allerdings hauptsächlich im Single-Player-Modus.
Wiedergabequalität91%
Ausstattung/ Verarbeitung93%
Benutzerfreundlichkeit 80%
Preis/ Leistung90%
Vorteile
  • guter Sound
  • großzügige Ausstattung
  • inkl. Phono-Preamp
Nachteile
  • für Online-Multiplayer eher uninteressant
90%Gesamtergebnis
Leserwertung: (6 Votes)
38%

Bildquellen:

  • AUDIO TEST Ausgabe 8/20: Auerbach Verlag
  • Denon AVR-X1600H AV-Receiver: Auerbach Verlag