Technik

Bei dem von uns getesteten Exemplar aus Mühlheim handelt es sich genauer gesagt um den Top Line Bob M. Der 126 Zentimeter große Hühne ist dabei jedoch gerade mal der kleinste der größten Serie. Mit seinem 32 Zentimeter messenden Horn, welches einen darin befindlichen Gewebehochtöner exzellent an den Raum ankoppelt, ist er ein echter Blickfang. Das 3-Wege-System wird in den Mitten von vier frontseitig bestückten 17,5 Zentimeter-Treibern aus mit Karbon beschichtetem Kevlar angetrieben. Die Anordnung entspricht dabei tatsächlich einem Line-Array und die Übergangsfrequenz von Horn zu Mitteltönern liegt erstaunlich tief bei 950 Hertz. Für den Bass sind ganze acht 22,5 Zentimeter messende Tieftöner aus identischem Material verbaut. Pro Lautsprecher! Daraus ergibt sich eine effektive Oberfläche von knapp 4 000 Quadratzentimetern! Aber das ist auch dringend nötig, denn beim Bob M handelt es sich im Bass und in den Mitten um ein offenes System, welches diese Fläche definitiv benötigt, um die rückseitigen Schallauslöschungen zu kompensieren. Andererseits hat es den Vorteil, dass so die Membranen nicht eingesperrt werden in ein Gehäuse, sondern gleichmäßig von beiden Seiten belastet werden, was der Impulstreue enorm zugute kommt. Stehende Wellen und Resonanzen sind, abgesehen vom Werkstoff selbst, bei einem offenen Gehäuse natürlich auch kein Thema mehr, was vor allem den Bass natürlicher und klarer werden lässt. Und wer weiß, wie ein Treiber funktioniert, der weiß auch, dass extreme Auslenkungen zu Verzerrungen führen. Ein Problem, was dadurch quasi komplett umgangen wird. Denn bei so viel Fläche braucht man auch weniger Hub um den selben Effekt zu erzielen, wie mit kleinen Treibern.

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Um die Treiber und die Elektronik vor Staub zu schützen, werden die Lautsprecher mit magnetischen Stoff-Blenden verkleidet

Wer einen Blick auf die Anschlüsse des Lautsprechers wirft, stellt schnell fest, dass es sowohl Bananensteckerbuchsen für einen Verstärker, als auch einen Schuko- Anschluss gibt. Das hat den Hintergrund, dass es sich bei den Bob M um ein teilaktives System handelt. Der Lautsprecher holt sich also das Hochpegel-Signal vom Spielpartner-Amp seines Vertrauens und schickt es zum einen über mit handgefertigten Bauteilen konfektionierte Frequenzweichen zum Horn und zu den Mitteltönern. Für die Bässe wird das Verstärkersignal ab 55 Hertz abwärts nochmals mithilfe eines DSPs verarbeitet und über eine integrierte 1500 Watt Class-D-Endstufe an die Chassis ausgegeben. Pro Seite natürlich. Das hat vor allem den Vorteil, dass man hier noch mal über einen Gain-Regler korrigieren und auch EQ-Raumanpassungen vornehmen kann, welche dann bei der Einrichtung auch als Presets gespeichert werden können. Der Ethernet-Anschluss dient dabei eigentlich lediglich der Wartung und dem Service des Prozessors und ist für den Endkunden nicht unbedingt relevant, es sei denn es wird explizit gewünscht, dann kann natürlich der Käufer auch nach Lust und Laune über eine grafischen Benutzeroberfläche verschiedene Bass-EQs probieren und einstellen. Die Einrichtung und das Einmessen vor Ort beim Kunden gehört aber natürlich auch so zum Service dazu. Plug and Play ja, aber auch die Offenheit, dem Kunden auf Wunsch den Schlüssel in die Hand zu geben. Das erlebt man leider viel zu selten in der Branche. Ein weiterer Vorteil der teilaktiven Bauweise ist, dass der energielastige Part ausgelagert wurde, was es ermöglicht auch kleinere Verstärker (bereits ab 30 Watt!) zum Beispiel Röhrenamps zum Betrieb zu verwenden, da dieser dann hauptsächlich eigentlich nur noch die Mitten und Höhen zeichnet. Der Wahl der eigenen Lieblingselektronik steht also nichts im Wege. Die verbauten Frequenzweichen sind bei genauerer Betrachtung technisch zunächst simpel gehalten, aber auch das hat seinen Grund. Der Fokus bei der Entwicklung des Lautsprechers lag nämlich von vornherein auf der perfekten Abstimmung der Treiber zueinander, sodass man sich in der Weiche dann auf möglichst hochwertige Bauteile konzentrieren konnte und nicht etwa Konzeptfehler wieder ausbügeln muss. Das führt vor allem dazu, dass die Phasen und somit die Attack und die Transienten des Lautsprechers sauber, im exakten Timing zueinander und unverzerrt am Treiber ankommen. Woran man das hört? Wir geben Ihnen gerne ein paar Beispiele mit auf den Weg.

Klang

Wir starten mit den Dire Straits und „Brothers in Arms“. Nicht, weil es sich dabei um einen besonders herausragenden oder audiophilen Titel handelt, obschon er exzellent produziert ist, sondern weil wir Ihnen die Chance geben möchten uns leicht verständlich zu folgen. Schließlich ist der Song den meisten Lesern gut im Ohr. Besonders das markante Gitarren-Intro, noch bevor die Stimme Mark Knopfl ers erklingt. Unter dem weltbekannten Gitarrenklang schwebt ein gehaltener Orgelton. Und darunter? Ein Gewittergrollen, ein Donner in der Ferne. Wussten Sie nicht? Hören Sie noch mal rein in die ersten 10 Sekunden. Auf den meisten Lautsprechern geht er einfach unter, da er tatsächlich sehr tief und fern klingt. Die SteinMusic Bob M erwecken ihn zum Leben, nicht nur, weil sie tatsächlich bereits mit vollem Potential ab 20 Hertz aufspielen, sondern vor allem, weil sie dabei unheimlich natürlich klingen. Auch für uns eine Neuentdeckung, denn für einen Moment glaubt man dann tatsächlich man hätte das Fenster offen gelassen und wagt einen Blick nach draußen und beschaut den Himmel, nur um dann festzustellen, dass die Realitätsnähe der Wiedergabe so exzellent ist, dass wir uns in einem akustischen Hologramm getäuscht haben.

Stein Music Bob M Lautsprecher Standlautsprecher High End Speaker Test Review

Aufgrund seiner perfekt passenden Resonanzen gewährleistet ein asiatisches Instrument die Versiegelung des Hochtöners

Das Testfazit lesen Sie auf Seite 3.

Bildquellen:

  • SteinMusic Bob M Rückseite: Johannes Strom
  • SteinMusic Bob M Rückseite geschlossen: Johannes Strom
  • SteinMusic Bob M Hochtöner: Johannes Strom
  • Stein Music Bob M: Johannes Strom