Regelmäßig durchlaufen etliche Produkte unseren Testparcours. Doch wer sind eigentlich die Unternehmen hinter den Geräten? Wir wollen uns ein wenig Zeit nehmen, Ihnen einen bedeutenden Akteur des HiFi-Geschehens näher zu bringen: Marantz. 

Die AUDIO TEST feiert ihr zehnjähriges Jubiläum. Wohlwissend, dass man nach einer Dekade im HiFi-Geschäft durchaus noch zu den Newcomern gehört. Daher sind wir sehr dankbar für all die großartigen Freundschaften, welche uns durch das erste Jahrzehnt geholfen haben. Viele unserer regelmäßigen Partner sind schon sehr lange dabei. So auch unsere Freunde von Marantz, die als unser Technikpartner übrigens gerade die zweite Ausgabe der AUDIO TEST VINYL No. 2 präsentieren. Das US-amerikanische Traditionsunternehmen bereichert die Welt nun bereits seit 66 Jahren mit audiophiler HiFi-Elektronik. Und dabei begann alles quasi versehentlich…

Saul B. Marantz: Alles begann aus Eigeninitiative

Wie so viele seiner Zeitgenossen war Saul B. Marantz Anfang der 1950er Jahre alles andere als zufrieden mit der klanglichen Güte damals erhältlicher HiFi-Geräte. Also versuchte er sich selbst an der Entwicklung eines musikalischen Pre-Amps. Vier Jahre tüftelte er in seiner New Yorker Kellerwerkstatt an dem Entwurf, der Konstruktion und der Optimierung eines Vorverstärkers, den er mit allen Equalizer-Kurven für Schallplatten ausstattete, die er auftreiben konnte – und das waren in den 1950er Jahren absolut nicht wenige. Jedoch machte er sich die ganze Arbeit anfangs ohne die Intention, das Gerät auch zu verkaufen. Allerdings wusste die „Audio Consolette“ kräftig Eindruck zu schinden – jeder, dem Marantz seine Kreation präsentierte, wollte schließlich selbst ein Exemplar. Somit beschloss Marantz im Jahr 1952, 100 Modelle anzufertigen. Ein knappes Jahr später hatte er dann bereits 400 Vorverstärker nach Vorbild der „Audio Consolette“ zusammengeschraubt. Daher fasste Saul Marantz den Entschluss, das Gerät unter dem Namen „Model 1“ kommerziell vertreiben zu lassen. Und das Unternehmen Marantz ward geboren. Man sagt sich, dass Saul B. Marantz bei der Fertigung seiner Geräte vom Zusammenspiel einer Live-Band hat inspirieren lassen. Denn wie bei einer wie bei einer Band das Harmonieren der einzelnen Mitglieder von größter Bedeutung ist, so sollen auch in Geräten mit dem Namen Marantz alle Komponenten perfekt aufeinander abgestimmt sein. Nicht Messergebnisse und Laborberichte sind hier ausschlaggebend, sondern ganz allein die Musikalität.

Der Tradition verpflichtet oder: alles beim Alten

Trotz der gewaltigen Veränderungen und Fortschritte, welche die HiFi-Branche in den vergangenen 66 Jahren durchmachte, hat sich an dieser Philosophie wenig geändert. Nach wie vor werden die einzelnen Komponenten vor allem an ihrer gemeinsamen Performance gemessen und nicht vorrangig anhand theoretischer Daten. Elektronische Werkzeuge und Messgeräte kommen bei Marantz natürlich dennoch zum Einsatz. Jedoch wird beim Fertigungsprozess dem Ohr des Ingenieurs genau so viel Autorität beigemessen wie den Werkzeugen. So gibt es ein Referenzstück, welches die Tüftler in- und auswendig kennen und mit dem regelmäßig die Musikalität des in der Fertigung befindlichen Geräts getestet wird. So bleibt das aktuelle Team dem Geiste von Firmengründer Saul Marantz treu. Alle Mitarbeiter des Unternehmens verstehen sich als Perfektionisten. Man wiederholt gerne, dass technische Exzellenz kein Ziel, sondern eine Reise sei. Somit sieht sich Marantz auch auf der Reise durch die Zeit bestens gewappnet. Ob Röhre oder Transistor, ob Phono, CD oder Stream – es ist das Ensemble einzelner Komponenten, welche im Endgerät zusammenfinden, das laut Marantz die Entscheidung über die Qualität der Performance fällt.

Die Highlights der Marantz Firmenhistorie

Auf seiner Reise durch die Musikgeschichte hat Marantz in 66 Jahren so einiges mitgemacht. Die Geburtsstunde des Rock’n’Roll, die 68er, die wilden Siebziger, die Disco-Dekade, Millenium und die Digitalisierung samt Musik-Streaming und Digital Sound Processing. Dabei lässt sich festhalten, dass jede Ära, jede Mode mit ihren Stars auch von Marantz begleitet wurde. Erinnern wir uns an Marantz’ legendäre Trias aus dem Jahr 1958: Der Vorverstärker Model 7, welcher zusammen mit der Stereo-Endstufe Model 8 und der Mono-Endstufe Model 9 für elf Jahre Maßstäbe setzte und mit Verkaufszahlen von über 130.000 Exemplaren (!) sämtliche Rekorde brach. Die Flower-Power-Generation begleitete Marantz mit dem FM-Tuner Model 10B. Dieser konnte über ein integriertes Oszilloskop Signalstärke und Balance regulieren – eine seinerzeit revolutionäre Technik. Passend zum Zenit des Hard Rock erreichte Marantz in den 1970er Jahren neue Höhen mit dem Model 500, das seinerzeit mit Spitzenleistungen von 2×250 Watt an 8 Ohm ganz schön zu rocken wusste. Das sollte jedoch noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Denn ganze 400 Watt pro Kanal wusste der SM1000 anzubieten. Der satte 42 Kilogramm schwere Endstufenbolide war Teil von Marantz’ beliebter Esotec-Serie, deren einzigartiger Plattenspieler TT1000 zu einem echten Liebhaberstück avancierte. Mit seiner Sandwich-Bauweise aus Glas und Aluminium betrat der Plattendreher seinerzeit Neuland. In den frühen 1980er Jahren gewann auch der Receiver Model 2600 mit 2 Kanälen an Popularität. Dieses 32 kg schwere Gerät erzeugt 300 Watt RMS pro Kanal bei 8 Ohm. 1983 revolutionierte die CD den internationalen Musikmarkt. Auch hier war Marantz an erster Stelle mit dabei. Neben Philips und Sony gehörte man zu den Ersten, die kommerzielle CD-Spieler unter die Leute brachten. Damalige Decoder boten zwar nur eine Auflösung von 14-Bit, jedoch erreichte Marantz mit dem CD-63 durch vierfaches Oversampling eine Auflösung von 16 Bit und sicherte sich somit den Ruf als CD-Spezialist. Dieses Image unterstrich man im Jahre 1999 zum Erscheinen der Super Audio CD (SA-CD) mit dem Referenz-Player SA-1. Dieser erfuhr 2006 eine Neuauflage mit dem SA-7S1, welcher seinerseits durch den Pre-Amp SC-7S1 und die Mono-Endstufe MA-9S1 ergänzt wurde. 1999 war übrigens auch das Jahr, in dem Marantz mit dem SR-14 die Gefilde der audiophilen AV-Receiver betrat. Zahlreiche Preise dekorierten den massiven Boliden, vielerorts wurde er als Referenzmodell installiert. Auf seine fünf Kanäle brachte er jeweils 140 Watt an 8 Ohm und definierte somit eine ganze Disziplin neu.

Marantz CD 63 mkII KI CD Player

Eine neue Ära: Die Marantz 10er Serie

Viele Jahre lang haben die Referenzserien MA-9, SC-7 und SA-7 von Marantz die Messlatte für Wiedergabe und Verstärkung gesetzt. Kunden und Kritiker waren gleichsam überzeugt, dass dieser Kollektion 60 Jahre Erfahrung deutlich anzuhören war und sie wie keine andere die Firmenphilosophie von Marantz verkörpert. Mit der Premium 10er Serie fordert Marantz seine eigenen Spitzenkandidaten heraus. Sowohl technisch als auch in Sachen Design sollten der SA-10 SA-CD-Player und dem entsprechenden Vollverstärker PM-10 neue Maßstäbe setzen. Wir von AUDIO TEST und www.likehifi.de konnten ihnen das als absolut gelungen attestieren. Vielleicht erinnern Sie sich an unsere Testberichte in AUDIO TEST Ausgabe 7/2017?! Natürlich konnte Saul B. Marantz an der Entwicklung nicht mehr teilhaben. Jedoch verfügte Marantz für die Entwicklung der 10er Serie über zwei Protagonisten in der Ingenieurs-Abteilung, auf die Saul bestimmt stolz gewesen wäre. Rainer Finck und Ken Ishiwata haben bereits vor der 10er Serie ihren Teil zum Erfolg des Unternehmens beigetragen. Etwa beim CD7 von 1996. Finck ist ein Spezialist für DSP-Filterung. Auf ihn geht auch die clevere Idee zurück, beim SA-10 CD-Player alle digitalen Formate – sowohl intern, als auch von den Digitaleingängen – in DSD 256 zu konvertieren. Damit hebt sich Marantz von vielen Mitbewerbern ab, welche meist gegenteilig arbeiten.

Marantz 1953 Trumpet Jazz Trompeter Musiker Musician
Music still matters – von 1953 bis heute

Und Heute? Music still matters!

Als letzten Geniestreich vor seinem Ausscheiden vor einigen Wochen präsentierte Firmenbotschafter Ken Ishiwata erst kürzlich seine Signature-Serie KI-Ruby. Bestehend aus dem CD-Player SA- KI Ruby und dem Vollverstärker PM-KI Ruby übertraf diese Kollektion unserer Meinung nach sogar die 10er-Serie. In AUDIO TEST Ausgabe 02/19 können Sie nachlesen, weshalb wir so denken. Fest steht allenfalls, dass sich Ken Ishiwata mit der Ruby-Serie ein echtes Denkmal geschaffen hat. Beachtlich ist bei der KI-Ruby-Serie, genau so wie beim SR8012 oder dem neuen Melody X, wie hier Marantz’ eigener Anspruch an dreidimensionale Klangbühnen zutage tritt. Hierin sieht der Hersteller zur Zeit auch sein größtes Anliegen. So werden heute alle Geräte, bevor sie das Werk verlassen, zum Feintuning geladen. Erst dann darf ein Gerät die Produktion in Richtung Publikum verlassen. Und warum das Ganze? Nun, Saul B. Marantz würde wohl sagen: „Because music matters.“

Weitere Informationen zu Marantz: www.marantz.de

AUDIO TEST 5/19 Vinyl Single Schallplatte 7'' Inch Jazz Klassik Vivaldi

+++ Apropos: Als Technikpartner präsentiert Marantz den 2. Teil vom AUDIO TEST 7“ Single-Vinyl-Sampler VINYL No. 2. Mit einer exklusiven Auswahl an Klassik (Vivaldi – Die Vier Jahreszeiten – Sommer/3. Presto) und Jazz (Florian Kästner & Johannes Enders – Astoria Tempelhof) zum ersten Mal auf Vinyl! Die Referenz-Schallplatte für Natürlichkeit und Räumlichkeit als Heftbeilage in der neuen Ausgabe von AUDIO TEST (5/19).

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Bildquellen:

  • Porträt Saul B. Marantz: www.marantz.co.uk
  • Marantz 1953 Logo Trompeter: www.marantz.co.uk
  • AUDIO TEST 05/19 Vinyl No. 2: Auerbach Verlag