In-Ear-Kopfhörer haben nicht den leichtesten Stand im HiFi-Business. Daher geht Technics mit dem EAH-TZ700 einen durchaus gewagten Schritt. Ob sich die Japaner dabei verlaufen werden, haben wir für Sie untersucht.

Wenn Sie an einen Premium-Kopfhörer denken, was kommt Ihnen dann in den Sinn? Höchstwahrscheinlich ein offenes oder halboffenes Over-Ear-System. Robust, hochohmig und entsprechend hochpreisig. Unscheinbare In-Ear-Kopfhörer der Kategorie „Knopf im Ohr“ werden eher selten dieser Produktkategorie zugeschrieben. Durchaus nachvollziehbar, dienen In-Ears doch meist der musikalischen Unterhaltung für unterwegs – oft angesteuert durch Smartphones oder mobile Player. Dass In-Ear jedoch auch High-End kann, möchte Technics nun unter Beweis stellen. Vor kurzer Zeit präsentierte das Kult-Unternehmen den Premium-Kopfhörer EAH-TZ700, welcher im im Auftrag der japanischen HiFi-Gurus die HiFi-Disziplin In-Ear-Headphones revolutionieren soll. Technics stellte sein erstes Produkt dieser Art auf der letzten IFA in Berlin im September 2019 vor. Eineinhalb Jahre gingen der Präsentation zugunsten von Konzipierung und Entwicklung voran. Das Publikum, welches nach dem Comeback des Traditionsunternehmens schon lange die vage Ahnung hegte, bald einen In-Ear-Kopfhörer präsentiert zu bekommen, zeigte sich in bisherigen Besprechungen durchaus angetan vom EAH-TZ700, weshalb es für uns natürlich außer Frage stand, uns ein eigenes Bild vom neuen Premium-System aus dem Hause Technics zu machen.

Technics EAH-TZ700 In-Ear Kopfhörer Headphones Test Review InEars Hires High End
In-Ear-Kopfhörer haben nicht den leichtesten Stand im HiFi-Business. Daher geht Technics mit dem EAH-TZ700 einen durchaus gewagten Schritt. Ob sich die Japaner dabei verlaufen werden, haben wir für Sie untersucht.

Technics EAH-TZ700

Der kabelgebundene In-Ear-Kopfhörer EAH-TZ700 wird von Technics in einem eleganten Klappetui aus Leder ausgeliefert, sodass das System gut geschützt transportiert werden kann. Zudem liegen der Lieferung zwei Kabel – symmetrisch und unsymmetrisch – von jeweils 120 Zentimetern Länge bei, welche durch vergoldete schraubbare Anschlüsse mit den Hörern verbunden werden. Beide Kabel enden in 3,5 Millimeter (mm) Winkelklinken. Einen Adapter auf 6,3 mm ist im Lieferumfang nicht enthalten. Allerdings ist der EAH-TH700 auch ganz klar für den mobilen Gebrauch konzipiert und die meisten mobilen Zuspieler verfügen sowieso ausschließlich über Mini-Klinke-Outputs. Für größtmöglichen Tragekomfort liegen dem Kopfhörer insgesamt acht verschiedene Gummi-Aufsätze bei – jeweils vier Größen in kreisrunder und ovaler Ausführung. Mit einer Nennimpedanz von 37 Ohm gibt sich das System noch relativ niederohmig. Die Wahl des Zuspielers sollte allerdings aus einem anderen Grund mit Sorgfalt geschehen. Doch dazu später mehr.

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Ihre ergonomische Passform qualifizieren die EAH-TZ700 auch für längere Nutzung ohne früher oder später unbequem aufzufallen oder gar aus dem Ohr zu rutschen

Der EAH-TZ700 profitiert nicht zuletzt ob seiner Rolle als In-Ear-Debütant von einer Hand voll bei Technics neu entwickelter Technologien. Allen voran ist da wohl das rahmenfreie Design des Treibers zu nennen. So sitzt der im Umfang 10 mm messende und mit nur fünf Mikrometern hauchdünne Aluminiumtreiber in einem magnetischen Fluid. Diese Konstruktion erlaubt ein über das gesamte Frequenzspektrum hinweg gleichmäßiges Ansprechverhalten des Treibers verspricht neben einer hohen Energieeffizienz eine überaus präzise Auslenkung. Hinter dem Treiber ist eine spezielle Luftregelungskammer eingelassen, welche den Luftstrom im Gehäuse kontrolliert und die Präzision der Wiedergabe bewerkstelligt. Das massive Gehäuse unterstützt die Performance des Treibers obendrein durch die materialspezifische Unterbindung unerwünschter Resonanzen. Der Schallaustritt ist hier aus rigidem Titan gefertigt, während der Korpus selbst aus Magnesium ist. Ob seiner guten Dämpfungseigenschaften ein optimal geeigneter Werkstoff für diese Aufgabe.

Der Debütant

Der Kopfhörerrmarkt gehört wohl mit zu den am härtesten umkämpften Feldern der HiFi-Szene. In allen Preisklassen tummeln sich etliche Produkte diverser Labels. Vom kostengünstigen Over-Ear zum High-End In-Ear-System – überall versprechen Hersteller den „optimalen Klang“ auch für unterwegs. Und gerade dort kommen mit hochwertigen True-Wireless-Systemen weitere Konkurrenten hinzu. Ein gewagtes Unterfangen also, sich mit einem Marktneuling hier einzumischen, zumal man meinen möchte, Technics hätte mit seinem bereits äußerst breiten und bewährten Produkt-Portfolio ohnehin bereits genug zu tun. Dennoch wagen die Japaner diesen Schritt. Und wenn es einem Unternehmen zuzutrauen ist hier einen Erfolg einzufahren, dann sind es wohl die Experten von Technics. Kürzlich kündigte die Panasonic-Tochter mit den EAH-AZ70W ein eigenes True-Wireless-System an. So kurz nach der Premiere des EAH-TZ700 setzt dies ein glasklares Signal: Technics will raus auf die Straße. Doch gerade einem audiophilen Premium-Produkt mit dem offiziellen HiRes-Siegel, wie dem EAH-TZ700, stehen seine Qualitäten beim Einsatz unterwegs in großer Abhängigkeit vom gewählten Zuspieler. Technics bietet hier (noch) keine hauseigene Lösung an. Warum Sie im Zusammenhang mit dem Kauf eines In-Ear-Systems wie dem hier besprochenen Testmuster jedoch auch den Erwerb eines HiRes-fähigen Zuspielers in Erwägung ziehen sollten, erfahren Sie in unserem Praxistest.

Das Gehörte denken

Diesen begehen wir bequem am Schreibtisch. Bequem ist auch der feste Sitz der Kapseln, welche sich dank des sehr geringen Gewichts von wenigen Gramm sehr unauffällig in den Gehörgang schmiegen. Musikalisch wollen wir zu beginn etwas tief stapeln und beginnen mit schnöden MP3s von einer Streaming-Plattform. Schnell gibt uns der EAH-TZ700 zu verstehen, dass sich dies weit unter seinem Niveau befindet. Während viele In-Ear-Systeme doch recht gnädig mit stark komprimierten Audio-Files umgehen, präsentieren uns die Technics-Stöpsel gestreamte MP3s, wie sie eben sind: verlustreich. Digitale Kälte in Form unschöner Artefakte wird von unserem Probanden wiedergegeben. Wir sind beinahe etwas entsetzt, wie sehr sich Musik aus dem Online-Stream doch von der gewünschten HiFi-Erfahrung unterscheidet. Wie gesagt, die meisten Systeme lassen hier noch etwas Nachsicht walten. Doch gerade In-Ear-Kopfhörer können sich nicht zuletzt ob der wohl direktesten Klangzufuhr einem gehörigen Maß Ehrlichkeit nicht entziehen. Gut so, wie wir finden. Schließlich haben wir es hier mit einem hochfidelen Kopfhörer zu tun und der möchte eben entsprechend behandelt werden. Also nehmen wir ein paar hochauflösende Stücke zur Hand und schalten noch den Drachenfels Kopfhörer-Verstärker von Lehmannaudio dazwischen. Den ausführlichen Test des Drachenfels finden Sie übrigens hier bei uns. Das 2018 erschienene Album „Lost Memory Theatre Act-3“ des japanischen Komponisten Jun Miyake gefällt uns auf Anhieb wesentlich besser. Wobei gefallen hier eigentlich gar kein Ausdruck dafür ist, in welche klangliche Immersion wir uns nun begeben. Selten haben wir Musik so direkt gehört, dass wir die Musik mehr selbst zu denken glauben, als zu hören. Der kanonische einsetzende Chor im Titel „Undolation“ scheint unmittelbar im Kopf zu erklingen! Wir glauben, jede einzelne Stimme heraushören zu können. Mit geschlossenen Augen verschwimmen Realität und Klangbild zu einem einzigen akustischen Raum – Hier ist alles da. Alles. Jeder alveolare Transient wird mit einer solchen Natürlichkeit wiedergegeben, wie es so manchem hochpreisigen Standlautsprecher nicht gelingt.

Technics EAH-TZ700 In-Ear Kopfhörer Headphones Test Review InEars Hires High End
Das Verbindungskabel zum EAH-TZ700 wird solide am Ohrhörer verschraubt. Die Anschlüsse sind vergoldet und entsprechen höchster Ansprüche auf Langlebigkeit.

Herauszuheben ist außerdem der außerordentliche Tiefgang, welchen der EAH-TZ700 zu erreichen vermag. Der Kontrabass aus „The Boat“ durchflutet schlichtweg den ganzen Körper. Aber nicht falsch verstehen: Nichts dröhnt oder wummert – Butterweich und klar umrissen erklingen die Frequenzen unterhalb der 150 Hertz-Marke. Die organischen Timbres aus Miyakes Kompositionen scheinen hier ihre Bestimmung zu finden. Der Technics stellt die obertonreichen Klangfarben wunderbar in Szene. Doch auch elektronische Musik können die EAH-TZ700 meisterlich. Alva Notos Album „Unieqav“ mit seinen präzise abgesteckten Klangtexturen klingt fast schon unheimlich allgegenwärtig. Wieder haben wir das Gefühl, als wären wir in der Musik und nicht anders herum. Die klar geschnittenen Bässe liegen durchfahren uns auf Höhe des Bauchnabels, während das feine perkussive Klanggranulat über uns umherzuschwirren scheint. Trotz einiger Jahre Erfahrung als HiFi-Redakteur können wir besten Gewissens behaupten, eine solche akustische Erfahrung noch nicht gemacht zu haben. Noch etwas umnachtet beglückwünschen wir Technics somit zu diesem mehr als gelungenen Einstand.

Weitere Informationen: www.technics.com

Anmerkung: Dieser Artikel erschien erstmals in Ausgabe 02/2020 vom HiFi-Fachmagazin AUDIO TEST.

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Test: Technics EAH-TZ700 In-Ear-Kopfhörer - Komplette Immersion
HiRes als Exlusivitätsanspruch. Das begegnet einem nicht alle Tage. Der In-Ear-Kopfhörer EAH-TZ700 von Technics arbeitet jedoch genau nach diesem Credo. Unter CD-Qualität wird dieses System Ihnen die Musik um die Ohren hauen. Alles darüber bereitet der Kopfhörer jedoch mit einer selten gehörten Authentizität auf. Was dieses Produkt zustande bringt, grenzt schon an Magie.
Wiedergabequalität98%
Ausstattung/Verarbeitung90%
Benutzerfreundlichkeit80%
Preis-/Leistungsverhältnis70%
Vorteile
  • unschlagbarer Klang
  • hervorragende Räumlichkeit
  • exzellente Verarbeitung
Nachteile
  • Adapter nicht im Lieferumfang enthalten
93%Gesamtergebnis
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Bildquellen:

  • TEST: Technics EAH-TZ700: Bild: Auerbach Verlag
  • TEST: Technics EAH-TZ700: Bild: Auerbach Verlag
  • TEST: Technics EAH-TZ700: Bild: Auerbach Verlag
  • AUDIO TEST Magazin Ausgabe 03 2021: Auerbach Verlag
  • TEST: Technics EAH-TZ700: Bild: Auerbach Verlag