Die Herstellung des Endstufen-Flaggschiff Titan musste Musical Fidelity einstellen. Zu kraftvoll, zu intensiv für den Privatgebrauch. Jedoch hat man das Konzept des Giganten nicht begraben sondern im M8-700m wieder aufleben lassen. Zusammen mit der Vorstufe M8-PRE haben wir diese Wiedergeburt erleben dürfen.  

Wussten Sie, dass Anthony Michaelson um ein Haar professioneller Klarinettist geworden wäre? Wir auch nicht. Dabei gibt es zahlreiche Einspielungen bekannter Werke, unter anderem von Brahms und Mozart, bei denen der Gründervater von Musical Fidelity als Musiker beteiligt war. Zu Beginn der 1980er Jahre musste Michaelson dann eine Entscheidung fällen, auf welcher Ebene er sich der Reproduktion von Musik widmen möchte. Denn seiner Arbeit halbe Aufmerksamkeit zu schenken, ist nicht die Art des Briten. Daher entschied sich Anthony Michaelson gegen eine Musiker-Karriere und für die Elektroakustik. Und auch hier werden keine halben Sachen gemacht. Anstatt in vielen Disziplinen ausreichend gute Geräte zu fertigen, konzentriert man sich lieber (mit sehr wenigen Ausnahmen) auf die Produktion von absolut hochwertigen Vertretern eines Genres: Verstärker.

In der Vergangenheit hat uns Musical Fidelity immer wieder zu begeistern gewusst. Ob mit dem M6si Vollverstärker, dem NuVista Hybriden oder dem M6 Encore Vollverstärker mit integriertem Streaming-System – die HiFi-Schmiede von der Insel hat uns bisher stets gut unterhalten und nachhaltig beeindruckt dank technisch herausragender Schaltungskonzepte in Kombination mit höchster Musikalität. Nicht zu unrecht sind die Vorführräume von Reichmann Audiosysteme bei jeder Vorführung stets gut gefüllt. Das HiFi-Urgestein Jürgen Reichmann weiß halt, was gut ist und wird dafür auch über die gesamte Branche hinweg geschätzt. Für unseren aktuellen Test konnte uns Jürgen Reichmann ausnahmsweise einmal keinen persönlichen Besuch abstatten. Jedoch nahm sein Mitarbeiter Markus Brogle den Weg aus dem Schwarzwald in unsere Redaktionsräume auf sich. Mitgebracht hat er uns ein stattliches Verstärker-Ensemble, bestehend aus Musical Fidelitys Vorverstärker M8-PRE und zwei Mono-Endstufen M8-700m.

Test Musical Fidelity M8-Pre & M7-700m Review Front Display
Ein simples LC-Display – mehr braucht es für einen audiophilen Vorverstärker nicht. Alles andere birgt nur die Gefahr, klangverfälschende Einstreuungen mitzubringen

Musical Fidelity M8-PRE Vorverstärker

Der Vorverstärker M8-PRE gibt sich bereits auf den ersten Blick als Zögling des Hauses Musical Fidelity zu erkennen. Sein schnörkelloses Design spricht die unaufdringliche Formsprache der Briten, welche wir bereits bei vorangegangenen Begegnungen mit Geräten aus dem Hause kennenlernen durften. Neben dem zentrierten Lautstärkeregler ist am Frontpanel der Vorstufe lediglich ein simples LC-Display und ein schlichter Drucktaster für die Quellenwahl verbaut. Davon offeriert der M8-PRE ganze sieben Stück. Zum einen zwei symmetrische XLR-Eingänge und zum anderen fünf Cinch-Inputs, inklusive eines Phono-Kanals. Jeweils ein Cinch- als auch ein XLR-Eingang können dabei als Home Theatre-Bypass angesteuert werden. Soll heißen, dass diese Kanäle die interne Lautstärkesteuerung umgehen, sodass ein externer Master-Regler keine Rücksicht auf die Pegelstellung der Vorstufe nehmen muss. Über Kippschalter an der Rückseite des Geräts lässt sich dieser Bypass einstellen.

Auch die Phono-Vorstufe lässt sich über einen solchen Schalter an MC- oder MM-Systeme anpassen. Der Schaltungsaufbau der Vorstufe wurde von Musical Fidelity streng symmetrisch gehalten. Selbst die Energiezufuhr wird für beide Kanäle separiert durchgeführt. Somit stehen zwei sorgfältig isolierte 350-VA-Ringkerntransformatoren und zahlreiche Kondensatoren für eine stabile Versorgungsspannung parat. Mit über 96 Dezibel (dB) bei 1 Kilohertz (kHz) ist die Kanaltrennung des Verstärkers durchaus beachtlich. Das Schaltungsprinzip fährt beim M8-PRE in reinrassiger Class-A-Manier, wobei sich der Vorverstärker bei der Kopplung mit diversen Peripherie-Geräten mit einer Eingangsimpedanz via XLR von 150 Kiloohm und einer Ausgangsimpedanz gerade mal 47 Ohm alles andere als wählerisch gibt. Für Kopplung mit den beiden Monoblöcken der M8-Kollektion empfiehlt Musical Fidelity übrigens dringend eine symmetrische Verkabelung. Neueste SMD-Bauteile erlauben es der Kombination nämlich, beide Phasen des Signals absolut identisch zu verarbeiten. Dies war lange Zeit technisch kaum möglich. Mittlerweile lässt sich durch eine symmetrische Verbindung jedoch eine deutlich bessere Performance erzielen. Doch dazu später mehr.

Test Musical Fidelity M8-Pre & M7-700m Review Back Rear Anschlüsse
Ein simples LC-Display – mehr braucht es für einen audiophilen Vorverstärker nicht. Alles andere birgt nur die Gefahr, klangverfälschende Einstreuungen mitzubringen

Musical Fidelity M8-700m Mono-Endstufe

Bei der Konzeption der Mono-Endstufe M8-700m hat sich Musical Fidelity von einem mittlerweile pensionierten Vorzeigegerät aus eigener Herstellung inspirieren lassen: dem Endstufen-Flaggschiff Titan. Nach eigener Aussage sehe man ein, dass es sich beim Titan ob seiner immensen Kraft und Größe, sowohl seines charakteristischen Aussehens und seines hohen Preises um eine „eher exklusive Option“ handle. Aus diesem Grund läuft der Titan bei Musical Fidelity wohl auch nicht mehr übers Band. Was jedoch nicht heißen soll, dass er somit als gänzlich ausgestorben gilt. Denn mit dem M8-700m habe man versucht, die „Titan-Spitzentechnologie auf eine zugänglichere Größe und Preisklasse zu kondensieren“. In Zahlen: Stieg der Titan seiner Zeit mit einer Ausgangsleistung von 1000 Watt (W) pro Kanal zu 8 Ohm in den Ring. So sind es beim M8-700m „nur noch“ 700 W. Zum Vergleich: Für einen Veranstaltungsraum mit einem Fassungsvermögen von etwa 600 Leuten ist man mit einer Anlage von 1200 W absolut gut bedient. Kaum jemand wird also die ganze Leistung eines Monoblocks dieser Art in Heimanwandeung auszufahren wissen. Beim Signal/Rausch-Abstand lässt sich der Unterschied zwischen 126 dB beim Titan und 120 beim M8 als irrelevant vernachlässigen. Auch die Verzerrungswerte von 0,008 % auf der einen und 0,005 % auf der anderen Seite unterscheiden sich nur marginal. Wie auch die Stereo-Endstufe Titan, so ist auch der Monoblock M8-700m streng symmetrisch aufgebaut. Tatsächlich ist der Schaltungsaufbau, abgesehen von den erwähnten Leistungsdifferenzen, nahezu identisch. Doch Moment mal – symmetrischer Schaltungsaufbau bei einem Mono-Verstärker?

Ganz recht. Der M8-700m arbeitet als einkanaliges Equivalent eines Stereo-Amps so gesehen als Doppel-Pol-Schaltung. Zwei Ringkerntrafos, zwei Schaltkreise zur Signalstabilisierung, zwei Verstärkerschaltungen und eine Brücke, über welche das Signal letztendlich ausgegeben wird. Dies geschieht hier entweder über Lautsprecheranschlüsse, welche für etwaiges Bi-Wiring auch in doppelter Ausführung vorhanden sind, oder über XLR, bzw. Cinch. Nur durch die faktische Zusammenarbeit zweier Verstärker in ein und derselben Endstufe bekommt der M8-700m seinen enormen Schub zustande, der auch bei Lautsprechern mit geringem Wirkungsgrad wohl kaum einzuknicken droht. Allerdings entwickelt sich der M8-700m dadurch auch selbst zu einem recht watthungrigen Zeitgenossen. Bei voller Auslastung können hier schon mal 1,5 kW zusammenkommen. Aber sind wir mal ehrlich: Wer sich bei der Zusammenstellung einer audiophilen Ausstattung nicht den Sparstrumpf anzieht, wird wohl kaum wegen der anstehenden Abschlags-Abrechnung knauserig werden. Seinem Vorbild, dem Titan, steht der M8 jedenfalls in nichts wirklich nennenswert nach. Klar, es braucht zwei Monoblöcke, um eine Stereo-Performance zu ermöglichen. Jedoch kam auch der Titan in zwei Gehäusen daher – eines nur fürs Netzteil. Insgesamt brachte er es somit auf fast 70 kg Kampfgewicht. Und preislich lag das Vorbild mit einem Marktwert von satten 23000 Euro noch immer weit über den knapp 10000 Euro, welche Muscial Fidelity für die zwei Mono-Endstufen der M8-Reihe aufruft.

Feingeist und Rampensau

Wir freuen uns mittlerweile ausgesprochen auf eine ausgelassene Hörsession mit Markus Brogle, welcher einen von jeder Messe mit einer neuen musikalischen Perle nachhause gehen lässt. Wie vom Hersteller empfohlen, sind Musical Fidelity M8-PRE und die beiden M8-700m-Monoblöcke symmetrisch verkabelt. Für ein bequeme Bedienung lassen sich übrigens alle Geräte unter Zuhilfenahme eines 3,5 mm Mono-Klinkekabels miteinander vernetzen – Trigger nennt man das. Auch eine Fernbedienung ist im Lieferumfang des M8-PRE selbstverständlich enthalten. Jedenfalls steht die Verbindung zwischen Vor- und Endstufe. Letztere haben wir mit dem 1,76 Meter Klanghünen Master Line Source 2 von Piega verbunden, der eher zu den potenten Lautsprechern gehört. Den detaillierten Bericht dazu können Sie übrigens auf Seite 82 dieser Ausgabe studieren. Eine musikalische Empfehlung von Markus Brogle, welche wir auch Ihnen nicht vorenthalten wollen, ist der Titel „Song of the Black Lizard“ von Pink Martini und Akihiro Miwa. Cha Cha Cha auf japanisch – das hört man nicht aller Tage. Und auch die M8-Formation aus dem Hause Musical Fidelity gibt sich als äußerst musikalisches Gespann größter Rarität. Wo sich die Kombination aus Vorstufe und Monoblöcken mit tänzerischer Leichtfüßigkeit durch feinste dynamische Gefilde spielt, kommt unser Referenz-Verstärker von Rotel fast etwas lakonisch daher.

Test Musical Fidelity M8-Pre & M7-700m Review Back Rear Anschlüsse
Durch die Breite der Kühlrippen allein kann man schon erahnen, was für Kräfte in diesem Wattmonster schlummern – 700 W wirft ein Monoblock bei Bedarf in den Ring

Auch bei geringem Schalldruck fördert das M8-Ensemble von Musical Fidelity ein hervorragend definiertes Klangbild zutage. Und dass unser Geräte-Trio auch laut aufspielen kann, haben wir ja bereits den technischen Daten entnommen. Tatsächlich ängstigt es uns etwas um die Lautsprecher, lange bevor dem M8-PRE an die Reserven gehen. Ein tolles Stück für die Überprüfung dynamischer Qualitäten ist übrigens „Der Herzog gebietet Einhalt“, das siebte Stück des ersten Aufzugs aus Prokofjevs „Romeo & Julia“. Ein zähes Crescendo der Bläser endet hier in einem infernalischen Cluster, aus welchem wiederum zarte Streicher sprießen. Hier kommt einiges an technischer Kompetenz zum Tragen. Was lässt hier das Klangbild so gespannt und gleichzeitig plastisch wirken? Nun, gerade bei Lautsprechern mit geringem Wirkungsgrad kommt hier das Verhältnis aus Dämpfungsfaktor und Stromlieferfähigkeit zum Tragen.

Um im Tief- und Mittelton ein „schmierendes“ Ausschwingen der Treiber zu verhindern, gilt es, stets Druck von Seiten des Verstärkers hinterher zu geben, um den Treiber unter Kontrolle zu halten. Und dies gelingt dem Abkömmling des Titans ganz hervorragend. Hatten wir bei den Piegas im Einzeltest noch eine gewisse Unschärfe im Tiefgang angekreidet, so bändigen die beiden M8-700m Mono-Endverstärker die Chassis genau hier wie erfahrene Dompteure. Uns interessiert, wie gravierend denn nun der Unterschied ist, wenn wir unser Verstärker-Ensemble mit asymmetrischen Cinch-Kabeln in Reihe schalten, statt der empfohlenen XLR-Verbindung. Tatsächlich sind die Einbußen sehr deutlich hörbar. Das Klangbild wirkt weitaus weniger vital, bei weitem nicht so spritzig, sondern wesentlich matter als zuvor. Wir sind beeindruckt, denn nur selten lassen sich derlei Differenzen dermaßen klar bezeichnen. Alles in allem vergeht auch dieser Test einer Gerätekette aus dem Hause Musical Fidelity mal wieder im Fluge. Nach einer sehr ausgedehnten Session verabschieden wir unsere Probanden mit dem Gefühl, mal wieder besten Gewissens Bestnoten verteilen zu können. Chapeau!

Weitere Informationen: www.reichmann-audiosysteme.de

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 4/2019.

► Lesen Sie hier unseren Test vom Musical Fidelity M6 Encore und der Triangle Esprit Australe EZ Standlautsprecher

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Test: Musical Fidelity M8-PRE Vorverstärker & M8-700m Mono-Endverstärker - Das Erbe des Titanen
700 Watt Ausgangsleistung und komplett symmetrische Doppel-Pol-Schaltung. Der M8-700m ist der einkanalige Erbe des Titanen. Tatsächlich steht diese Mono-Endstufe wohl außer Konkurrenz. Kraftvoll und bestimmt in leisen Momenten, aber auch zart und gefühlvoll bei hohem Schalldruck – eine solche Performance ist uns bisher selten untergekommen. Wer alles richtig machen will, kommt wohl an zwei Monoblöcken dieser Art nicht vorbei.
Wiedergabequalität100%
Ausstattung/Verarbeitung90%
Benutzerfreundlichkeit80%
Preis-/Leistungsverhältnis80%
Vorteile
  • klanglich hervorragend
  • sehr gute Verarbeitung
  • vielseitig einsetzbar
94%Gesamtergebnis
Leserwertung: (1 Judge)
99%

Bildquellen:

  • Test: Musical Fidelity M8-Pre & M7-700m: Detail: Auerbach Verlag
  • Test: Musical Fidelity M8-Pre & M7-700m: Detail: Auerbach Verlag
  • Test: Musical Fidelity M8-Pre & M7-700m: Detail: Auerbach Verlag
  • Test: Musical Fidelity M8-Pre & M7-700m: Detail: Auerbach Verlag