HiFi-Wellness

Man nehme britische Raffinesse und kombiniere sie mit französischem Feingefühl - Das Ergebnis ist eine HiFi-Kette der Extraklasse!

Wer im vergangenen Jahr den Mitteldeutschen HiFi-Tagen in Leipzig einen Besuch abstattete, wird am Raum „Halle“ sicherlich nicht blindlings vorbeigelaufen sein. Zugegeben: Der Andrang war groß, die Platzzahl begrenzt. Wer an der Präsentation teilhaben wollte, musste pünktlich zur vollen Stunde im dritten Obergeschoss der Alten Handelsdruckerei auf Einlass warten, danach hielt Jürgen Reichmann von Reichmann Audiosysteme persönlich vor der Türe Wache, damit drinnen die Gäste ungestört der Vorstellung lauschen konnten. Wir haben es uns natürlich nicht entgehen lassen, auch einmal vorbeizuschauen. Schließlich ist auch uns Jürgen Reichmann kein Unbekannter, ganz im Gegenteil. Schon einige Male hatten wir Geräte aus seinem Vertrieb auf dem Prüfstand, positive Eindrücke inklusive.

Reichmann Audiosysteme zeigt sich Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortlich für den Vertrieb dreier überaus versierter und perfekt aufeinander abgestimmter europäischer HiFi-Hersteller. Zum einen sind da die Schallplattenspieler von Thorens aus der Schweiz, zum anderen Wiedergabesysteme und Verstärker von Musical Fidelity aus Großbritannien, sowie Lautsprecher von Triangle aus Frankreich.Testbericht: Musical Fidelity & Triangle Auf die Frage hin, warum er sich auf diese drei und keine weiteren Unternehmen spezialisiere, antwortete Jürgen Reichmann einmal, er handhabe es, wie seine Hersteller auch: Lieber auf wenige Schwerpunkte fokussieren und dafür alles richtig machen, als bei einer große Produktpalette nicht immer hundert Prozent zu geben.

In diesen Worten liegt nicht nur Selbstvertrauen, sondern die volle Überzeugung, dass das Angebotene auch den höchsten Ansprüchen standzuhalten weiß. Wem sich also auf den Mitteldeutschen HiFi-Tagen die Möglichkeit bot, Reichmanns Kollegen Markus Brogle zu erleben, welcher mit großer Hingabe die auch in diesem Testbericht thematisierte Kette präsentierte, der wird zweifelsfrei einen kleinen aber feinen Vorgeschmack mit nach Hause genommen haben. Ein Plattenspieler aus der Eidgenossenschaft war zwar nicht mit von der Partie, dies hatte aber auch seine Gründe. Denn was Musical Fidelity mit dem M6 Encore 225 auf die HiFi-Gemeinde loslässt, ist einfach nur klasse! Aber eines nach dem anderen…

Testbericht: Musical Fidelity & Triangle

Wie gewohnt sind die Anschlüsse des französischen Schallwandlers überaus solide gerfertigt

Aufgestockt

Zu Zeiten der Digitalisierung sind Schlagwörter wie All-In-One, Wireless oder Storage nicht nur Grundvokabeln auch eines deutschsprachigen HiFi-Experten, sondern ebenso unumgänglich wie Tauchspule oder Ringkerntrafo. Der Alleskönner M6 Encore 225 ist eines dieser Geräte, bei dem der Entwicklungsstand des Marktes zur Gänze Einzug gehalten hat. Aber Moment mal: Music Fidelity M6… Da klingelt doch etwas! Genau: Die M6-Serie von Musical Fidelity ist die Premium-Reihe aus dem Sortiment der Briten, bestehend aus Vollverstärker und CD-Spieler mit integriertem D/A-Wandler. Dass das neue Vorzeigekind von der Insel nun direkt in diese Reihe aufgenommen wird, ist wenig verwunderlich.

Denn sowohl Wandler-Module, als auch die Verstärkereinheiten sind denen aus der M6-Reihe identisch. Warum auch nicht, die M6-Reihe hat sich bisher in sämtlichen Tests mit Bravour geschlagen. Nur das CD-Laufwerk des M6sCD unterscheidet sich von dem des M6 Encore. Denn Encore, zu deutsch Zugabe, lässt ja bereits anklingen, dass dieser hier einiges mehr auf, oder besser im Kasten hat, als seine Geschwister. Anstatt eines bloßen Wiedergabesystems, wie es im M6sCD verbaut ist, befindet sich im M6 Encore ein Computerlaufwerk, da dieser CDs nicht nur wiedergeben kann sondern obendrein zu importieren vermag. Dabei unterstützt das Gerät alle gängigen Codecs, wie FLAC, ALAC, AAC, MP3 und WAV. Im Deutschland

wird der M6 Encore mit einer 2 Terabyte-Festplatte ausgeliefert. Circa 5500 CDs können darauf in voller Klangqualität hinterlegt werden. Wer es schaffen sollte, dies bis auf den letzten Byte zu strapazieren, kann gegebenenfalls selbstständig eine andere Festplatte einsetzen, dies ist ohne weitere Umstände zu realisieren. Jedoch sind 5500 CDs erst mal eine gewaltige Menge, weswegen die standardmäßige Ausstattung mit einer 2 Terabyte-Festplatte vollkommen in Ordnung geht.

Wird eine CD ins Laufwerk geschoben, so rippt das Gerät diese automatisch, es sei denn, das Laufwerk ist bereits als Signalqualle ausgewählt. In diesem Falle wird die CD bloß wiedergegeben. Was dem einen ein zu hohes Maß an Selbständigkeit ist, ist dem anderen eine willkommene Erleichterung. Denn außer dem Wechseln des Datenträgers muss nichts weiter getan werden, um beim abendlichen Film gemütlich die CD-Sammlung zu digitalisieren. Sämtliche Metadaten bezieht das Gerät ebenfalls ohne menschliches Zutun von MusicBrainz, einer freien „Musik-Enzyklopädie“.

Laut Hersteller dauert das Importieren einer CD im Schnitt zehn Minuten, dies ist freilich abhängig von der Menge und der zu erfassenden Daten. Die gesamte Festplatte kann natürlich jederzeit auf einen Rechner oder einen Netzwerkspeicher übertragen werden. Aber nun weiter im Text: Neben dem CD-Laufwerk lässt sich der M6 Encore selbstverständlich noch anderweitig mit Signal füttern. Neben drei analogen Cinch-Eingängen zählen wir an der Rückseite sechs digitale Eingänge – jeweils zwei mal Coaxial, optisch und USB.

Testbericht: Musical Fidelity & Triangle

Darüber hinaus lässt sich das Gerät blitzschnell per LAN mit dem heimischen Netzwerk koppeln und über zwei zusätzliche USB-Ports können vom Service-Einstellungen vorgenommen werden. Updates führt der Encore selbstständig durch. Denn das auf Linux basierende System wird nach der Benutzung lediglich in den Standby versetzt und nicht vollständig heruntergefahren. Daher kann jede Nacht um drei Uhr nach etwaigen Updates gesucht werden ohne den Nutzer zur Geduld zu rufen. Denn während der Updates spielt die Musik zwar weiter, das Gerät lässt sich jedoch nicht ansteuern. Die genaue Uhrzeit, zu der das Gerät sich erneuern soll, kann natürlich vom Nutzer geändert werden. Bevor wir zur Bedienung des M6 Encore schreiten, welche das Gerät erst zu einem echten Highlight macht, wollen wir Ihnen noch dessen Spielpartner vorstellen

Grand Esprit

Mit dem Standlautsprecher Australe EZ hat es diesmal die Nummer eins aus Triangles Esprit-Serie in unseren Hörraum geschafft. Die letzten Gäste aus Picardie, der kompakte Esprit Comete und die Delta aus Triangles Signature-Reihe, sind uns noch immer in guter Erinnerung. Der „Große“ aus der Esprit-Serie arbeitet als offenes 3-Wege-System, wobei der Reflexkanal philosophiegetreu an der Front des Speakers eingelassen ist, um keine Einbußen in Sachen Impulstreue im Bassbereich zu riskieren. Darüber prangen drei Tieftöner aus Triangles spezieller Zellstoff-Kohlefaser-Komposition, ein im Kontrast zum schwarzen Piano-Lack des Gehäuses markanter Mitteltöner aus weißem Zellstoff und Triangles berühmter TL 2510 Hochtöner. Dieser hinter einem Horn versteckte Hochtöner ist uns nicht unbekannt. Dass jedoch ein zweiter von der Sorte an der Rückseite des Lautsprechers verbaut ist, war bisher nur Modellen der Magellan-Reihe vorbehalten, welche die Premium-Posten im Hause Triangle markiert.

Bei Burmester und Gauder Akustik sind uns diese Bauweisen bereits begegnet, allerdings spielen die preislich in einer ganz anderen Liga als der Esprit Australe, für welchen Triangle einen Stückpreis von vertretbaren 1899 Euro aufruft. Interessant ist, dass die beiden Hochtöner bei unserem aktuellen Prüfling nicht identisch eingestellt und abgestimmt sind. Übernimmt der vordere der beiden bei 3900 Hertz (Hz), so schaltet sich der hintere erst bei 4000 Hz dazu, um Klüngeleien mit dem Mitteltöner zu umgehen. Triangles Dynamic Pulse System (DPS) – so der Name dieser Konstruktion – sieht außerdem vor, dass der rückseitige Hochtöner ein paar Dezibel weniger Schalldruck innehat. Ob das System wirklich die vom Hersteller versprochene Leistungssteigerung in der Raumabbildung zu leisten vermag, ließ sich während der kurzen Präsentation zu den Mitteldeutschen HiFi-Tagen leider nur bedingt einschätzen. Umso mehr freuen wir uns daher, dass wir auch den Australe EZ nach der Messe prompt für ein paar Testläufe behalten durften.

Fesselnd

Wenn wir mal ehrlich sind, so steht und fällt die Qualität eines Wiedergabesystems mit dessen Benutzerfreundlichkeit. Gerade bei einem All-In-One-System wie dem M6 Encore kann die verbaute Technik noch so exzellent sein – wenn die Bedienung zu umständlich oder gar instabil ist, wird das Gerät keine Lorbeeren ernten. Die Steuerung durch ein mobiles Endgerät, sei es das Smartphone oder ein Tablet, muss intuitiv funktionieren und im besten Falle sogar Spaß machen. Was Musical Fidelity mit der App zum M6 Encore gelungen ist, vermag tatsächlich alles bisher Dagewesene in den Schatten zu stellen. Nicht nur, dass die Oberfläche grafisch einladend aufgearbeitet ist und sich kinderleicht Wiedergabelisten aus den Streamingdiensten Tidal, Spotify und Qobuz und natürlich der Bibliothek auf der Festplatte erstellen und abspeichern lassen, bereitet Freude. Vor allem die unzähligen Extras, welche die App bereithält, sind ohnegleichen. So kann man sich während der Wiedergabe direkt Songtexte anzeigen lassen, technische Metadaten wie Abtastrate und Bit-Tiefe erfahren und direkt den Wikipedia-Artikel des Interpreten durchstöbern ohne die App zu verlassen. Klasse!

Testbericht: Musical Fidelity & Triangle

Stundenlang streunen wir durch die gewaltige Datenbank, welche uns auf dem Testmuster bereits zur Verfügung steht, und lernen unter anderem etwas über die Biografie der Maria Callas und den Liedtext von David Bowies „Lazarus“. Und dass, obwohl wir doch nur Musik hören wollten. Wir sind zu tiefst beeindruckt. Über Google Chrome lassen sich obendrein übrigens allerhand Geräte-Einstellungen vornehmen. Unter anderem das Netzwerk, Quellenbenennung, Zugriffsrechte und auch die Gerätebetitelung bei Eingliederung in ein Multiroom-System lassen sich hier detailliert konfigurieren. Wir müssen uns wirklich zwingen, das iPad aus der Hand zu legen, um einmal aufmerksam zu lauschen. Es überrascht uns allerdings wenig, dass es an diesem Ensemble auch klanglich nichts zu meckern gibt. Ganz im Gegenteil. Der M6 Encore überträgt die Arie „Erbarme Dich“ aus Bachs Matthäuspassion in einer wunderbaren Aufnahme von 1989 zwar mit einer typisch digital kühlen Ehrlichkeit, jedoch erhält die Performance durch die beiden Australe eine wärmende Note, sehr organisch tritt die Aufnahme zutage.

Dabei erklingt die Arie ungemein luftig, der Schwere des musikalischen Materials zum Trotz. Dies liegt wohl nicht zuletzt an Triangles DPS, welche der Darbietung eine authentische Tiefe verleiht. „Shake It“ von Carlos Santana bedient da ganz klar ein anderes Format. Die Toms erklingen aus der Weite des Panoramas sehr muskulös und mit einem starken Attack, darüber liegen fein gezeichnet die Shaker im stabilen Stereozentrum. Insgesamt ist das Klangbild kräftig, wenngleich keineswegs maskierend. Auch bei der dichten Fülle des Spektrums, wie sie dieser Titel innehat, bleibt alles klar voneinander unterscheidbar. Von dieser Kette sind wir wieder einmal nachhaltig beeindruckt!

Testmusik: Santana – „Shake It“, David Bowie – „Blackstar“

Weitere Informationen unter www.reichmann-audiosysteme.de

Anmerkung: dieser Text erschien erstmals in Ausgabe 01/18 der AUDIO TEST

Test: Musical Fidelity M6 Encore & Triangle Esprit Australe EZ - HiFi-Wellness
Als ein All-In-One-Gerät seines Formats erfüllt der M6 Encore des britischen Herstellers Musical Fidelity jedweden Wunsch eines Musikliebhabers. Zuverlässig und klangstark zum einen, unheimlich unterhaltsam zum anderen. Die App, welche dem Gerät als hauptsächliches Steuerelement dient, ist mit viel Idee und Liebe zum Detail programmiert, sodass aktives Musikhören wieder etwas Disziplin in Anspruch nimmt. Chapeau! Der große Standlautsprecher aus Triangles Esprit-Reihe kann sich sowohl baulich und daher auch klanglich klar von seinen Kollegen aus derselben Serie abheben. Das sogenannte DP-System verleiht der Darbietung eine ausgezeichnete Tiefe und die strikte räumliche Trennung der fest eingehängten Chassis lässt den Klanggeber ausgewogen und unverfälscht aufspielen.
Wiedergabequalität97%
Ausstattung/Verarbeitung85%
Benutzerfreundlichkeit100%
Preis-/Leistungsverhältnis70%
Vorteile
  • sehr kraftvoll und detailliert aufspielend
  • genial aufgearbeitete App
  • austauschbare Festplatte
92%Gesamtergebnis
Leserwertung: (11 Votes)
67%

Bildquellen:

  • IMG_2744: Bild: Auerbach Verlag
  • Triangle Back: Bild: Auerbach Verlag
  • Musical Fidelity Back: Bild: Auerbach Verlag
  • Musical Fidelity In: Bild: Auerbach Verlag
  • AT201801_Triangle-MusicalFidelity: Bild: Auerbach Verlag