Mit dem Set Harman Kardon Surround erfüllen die US-Amerikaner den Traum vieler Kinofans: Echten Surround-Sound ohne Kabelgewirr und Einrichtungs-Schnick-Schnack. Allerdings kann diese „Einfachheit“ auch auf Kosten des Klanges gehen. Wir haben das Harman Kardon Heimkino Set mit Audio- und Kinobrille begutachtet.

Wenn Johannes Strom, Cheftester der AUDIO TEST, uns Tester fragt, wer Lust auf ein Surround-Set hat, dann hält sich die Begeisterung meist im Rahmen. Wir Tester wissen einfach, was dann auf uns zukommt: Jede Menge Aufbauarbeit mit Kabelverlegen, Einmessen, richtig abstimmen usw. Gut, das gehört zu unserem Job, doch wenn sich der Job leichter gestalten lässt, dann ist wohl niemand böse.

Mit dem Harman Kardon Surround gestalten wir den Tester-Job definitiv leichter. Das fängt schon beim Auspacken des Sets an. Ganz oben in der Verpackung liegt nämlich eine Kartonage mit einem schematischen Aufbau des Surround-Sets. Wir müssen nur die Kartons der einzelnen Komponenten, die alle durchnummeriert sind, so hinlegen, wie auf der Zeichnung. Damit kommt selbst der technisch unbegabteste Heimkino-Freund klar.

Harman Kardon Surround in unserem Video-Kurztest – für alle, die keine Lust auf Lesen haben.

Anschließend heißt es Kartons auspacken. In vier der acht Kartons befinden sich die Lautsprecher für die Front und die Rückseite. In einem der Subwoofer und in dem anderen der Centerspeaker. Dazu kommt noch die Streamingbox und ein Karton mit der simpel gehaltenen Fernbedienung.

Des Weiteren spendieren die US-Amerikaner von Harman Kardon jedem Lautsprecher einen Halterung, sodass die rückseitigen Boxen etwa an der Wand montiert werden können. Da das ganze System kabellos funktioniert, lassen sich die Lautsprecher entsprechend frei aufstellen. Nur eine Steckdose muss in der Nähe sein, um die Box mit Strom zu versorgen.

Cleveres Design

Harman Kardon Surround - Subwoofer Heimkinoset System Test Review Heimkinosystem
Das Design des Subwoofers gefällt uns wirklich richtig gut

Richtig clever ist das Design des Subwoofers. Er ist super flach. Mit dem mitgelieferten Ständer kann er aufrecht stehen oder wir legen ihn hin. So verschwindet er etwa im Regal oder wir schieben ihn unter die Couch. Dann knallen die Film-Explosionen noch effektiver in den Magen. Allerdings ist es fast ein bisschen schade, den Subwoofer unter dem Sitzmöbel zu verstecken, denn er ist ein echtes Schmuckstück. Wir haben tatsächlich selten einen schöneren gesehen. Und auch die anderen Lautsprecher sind zeitlose Hingucker und wirklich super verarbeitet.

Wir haben also alle Lautsprecher in Position gebracht und beginnen mit der Installation. Dazu verbinden wir die Streamingbox mit unserem UHD-Player und dem TV per HDMI. Von den HDMI-Anschlüssen gibt es übrigens 5. Vier fungieren als Eingänge und einer als Ausgang – natürlich mit ARC-Schaltung. Unseren CD-Player speisen wir mittels optischem Kabel ein. Dazu einen Schallplattenspieler mit integriertem Vorverstärker per Klinke. Dann heißt es noch die Box per Kabel ans Netzwerk zu verbinden. Alternativ geht das natürlich auch per WLAN.

Harman Kardon Surround - Subwoofer - Rückseite- Heimkinoset System Test Review Heimkinosystem
Auf der Rückseite besitzt der Subwoofer diese Füße. Er kann also auch fl ach auf den Boden gelegt werden und beispielsweise direkt unter der Couch verschwinden

Strom einschalten und dann?

Wir schalten den Strom ein und fragen uns: Was müssen wir jetzt noch für Schritte ausführen, um die Lautsprecher an die Streamingbox zu koppeln? Die Antwort lautet: Keine. Es ist fast unglaublich, nach einigen Augenblicken leuchten alle Lautsprecherdioden weiß, was bedeutet, dass sie sich miteinander verbunden haben. Wir müssen nur noch auf dem Smartphone den Google Home Assistenten anwerfen und drei kurze Schritte gehen, um die Harman Kardon Surround ins Netzwerk aufzunehmen und das war es. Mehr ist tatsächlich nicht notwendig.

Doch muss ein Surround-Set nicht eingemessen werden, damit es gut klingt? Dazu kommen wir später. Kümmern wir uns erst mal um die Bedienung des Systems.

Harman Kardon Surround - Streamingbox Heimkinoset System Test Review Heimkinosystem
Die Streamingbox besitzt 4K-HDMI-Eingänge sowie einen HDMI-Ausgang mit ARC. Daneben können wir sie mit einer optischen und analogen Quelle verbinden

Harman Kardon Surround – Ohne App geht’s auch

Die Streamingbox besitzt keinen einzigen Knopf. Dafür ist ein Touchdisplay vorhanden, über das sich fast alles steuern lässt. Die Bluetooth-Kopplung, die Quellenwahl, die Lautstärkesteuerung der einzelnen Lautsprecher, die Bassanpassung usw. Es gibt nur zwei Dinge, die wir an der Box nicht machen können, die sonst jedes vergleichbare Gerät beherrscht: Wir können sie nicht ausschalten und die Gesamtlautstärke lässt sich ebenfalls nicht steuern. Das ist schon ein wenig schräg, dass diese Grundfunktionen nicht vorhanden sind.

Dafür haben wir aber die Fernbedienung. Hier gibt es An und Aus sowie Lautstärkeregelung. Titelsprung, Play und Pause sind ebenfalls mit dabei. Wenn wir allerdings tiefer ins System wollen, um etwa die hinteren Lautsprecher lauter zu stellen, dann müssen wir die gemütliche Couch verlassen und zur Streamingbox gehen. Die Fernbedienung ist wirklich nur für die rudimentäre Grundsteuerung da.

Harman Kardon Surround - Fernbedienung Heimkinoset System Test Review Heimkinosystem
Die Fernbedienung ist schlicht und übersichtlich, dafür gibt es auf ihr keine Funktionen, um tiefer ins System zu gehen – die erreichen wir nur über das Touchdisplay der Streamingbox

Was Harman Kardon aktuell nicht hat, ist eine App. Zwar finden sich im Store einige Apps der Firma, doch keine passt zur Anlage. Das ist schade, denn so bräuchten wir wirklich nur das Smartphone und könnten die Fernbedienung völlig vergessen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Wir setzen da einfach auf die Innovationskraft der US-Amerikaner.

Wenn Godzilla ruft

Wie wir bereits sagten, mussten wir das System nicht einmessen und starten es so, wie es im Werkszustand zu uns kam. Wir legen „Godzilla II“ in den Player und sind gespannt. Und jetzt kommt etwas, was wohl den wahren Heimkino-Fan, der stundenlang seine Anlage einmisst und feintuned, überhaupt nicht schmecken wird. Die Harmann Kardon Surround klingt passend zum Film monströs gut.

Nun kann Mann oder Frau von dem Film halten, was Mann oder Frau will, aber der Klang ist großartig. Dieses tiefe Rumpeln, wenn sich die Monster nähern, das Zirpen der elektrischen Geräte, die Explosionen und natürlich die Monsterschreie. Alles erschallt voluminös und raumfüllend. Und ja, wir geben es zu: Ab und zu drehen wir uns erschrocken um, da wir glauben, hinter uns läuft jemand lang.

Wir können ohne Abstriche sagen: Das Surround-Set klingt für seine Preisklasse perfekt. Und es schaff t sogar eine Art Dolby Atmos, ohne Dolby Atmos zu können. Die Hubschrauber scheinen wirklich über uns zu hinwegzufliegen. Da macht es Harman Kardon absolut richtig. Wir sind erstaunt, wie perfekt abgestimmt das System konstruiert wurde, dass es gleich derart vollkommen seine Aufgabe verrichtet. Vielleicht muss ein Lautsprecher etwas anders positioniert oder ein wenig lauter bzw. leiser gedreht werden, aber mehr nicht.

Zudem hat die Streamingbox verschiedene EQ-Modi, um den persönlichen Klangvorlieben entgegenzukommen. In Bezug auf Film- und TV-Sound können wir zusammengefasst sagen: Die Sprachverständlichkeit ist auf Höchstniveau, die Bässe sind fett und doch wohldosiert, der Detailreichtum ist fantastisch. Jedes Klicken und Knacken kann genau im Raum geortet werden. Da macht Filme schauen gleich doppelt soviel Spaß, weil wir im Geschehen akustisch versinken.

Hinzufügen möchten wir an dieser Stelle außerdem den fein ausbalancierten Nachtmodus, den die Lautsprecher besitzen. Ist dieser eingeschaltet, wird der Bass leicht abgesenkt und die Stimmen angehoben. So lässt sich der Film oder das TV-Programm verfolgen ohne die Nachbarn aus dem Bett zu „wummern“. Dabei bleibt trotzdem eine volle Soundkulisse erhalten.

Harman Kardon Surround - Display der Streamingbox Heimkinoset System Test Review Heimkinosystem
Die Streamingbox besitzt ein recht unauffälliges Display. Darüber steuern wir fast alle wichtigen Funktionen des Systems, nur eine Lautstärkesteuerung fehlt

Stereo und Surround

Für den Kino-Sound zu Hause bekommen die Lautsprecher von uns ein dickes Bienchen. Schauen bzw. hören wir uns nun aber Musik an. Wie bereits erwähnt, kann die Streamingbox mit diversen Quellen verbunden werden und lässt sich mittels Google Home ins Netzwerk integrieren. Wir können also sie als Bestandteil eines Multiroomsystems verwenden. Und alles, was sich auf dem Android-Smartphone abspielen lässt, auch auf dem Harman Kardon abspielen. Dabei haben wir die Wahl, ob wir der Musik im „einfachen“ Stereo lauschen oder in einem vom System aus der Stereo-Aufnahme heraus errechneten Surround.

Bei unseren Tests haben wir viel herumprobiert und festgestellt: Jazz, viele Popsongs, Kammermusik sowie klassische Konzerte klingen meist im Stereo-Modus besser. Bei Filmsoundtracks, Hörspielen, Naturgeräuschen oder Orgelmusik ist der Surround-Modus ein Erlebnis. Da muss einfach jeder selbst hören und ausprobieren, was besser gefällt.

Klanglich kann die Harman Kardon Surround allerdings nicht mit einem hochwertigen Paar Stereostandlautsprecheboxen mithalten. Keine Frage, sie klingen absolut detailreich und voll. Sie bauen ein plastisches Stereobild mit hervorragender Tiefenstaffelung auf, doch bleiben sie dabei etwas unterkühlt. Es fehlt dieses letzte Quäntchen, was gemeinhin als Musikalität bezeichnet wird, diese bestimmte Art von Wärme und Weichheit. Dafür klirrt es doch manchmal einen Tick zu sehr oder klingt einen Hauch zu scharf. Wobei dem natürlich der EQ entgegenwirken kann und auch nicht jede Musikaufnahme ist perfekt.

Doch wie die meisten Leser wissen, können wahrhaft musikalische Lautsprecher auch mal eine schlechte Aufnahme verzeihen und kitzeln aus ihr immer noch das Beste heraus. Die Harman Kardon sind dafür nicht ausgelegt. Sie feuern die Musik gerade heraus, mit großer Perfektion und treiben sie auch im Stereo-Modus tief in den Raum. Das macht wahrhaft Spaß. Wer allerdings die absolute Musikalität benötigt, für den ist dieses Surround-Set eventuell weniger geeignet. Angemerkt sei, dass diese selten ein Heimkino-Lautsprecher-System erreichen kann. Als Spezialisten machen die Harman Kardon Surround Lautsprecher hingegen einen wirklich ausgezeichneten Job!

Webseite: www.harmankardon.de

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 4/2020.

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Test: Harman Kardon Surround Heimkinosystem - Endlich mal einfach
Wer Kino liebt und es wirklich einfach haben will, der kommt an den Harman Kardon Surround nicht vorbei. Schnelleres und besseres Einrichten haben wir noch bei keinem Wireless-System erlebt. Der FilmKlang ist phänomenal gut und super lebendig. Und selbst bei der einfachen Musikwiedergabe schlagen sich die Lautsprecher hervorragend, wenn sie auch ein wenig Wärme vermissen lassen.
Wiedergabequalität94%
Ausstattung/ Verarbeitung 100%
Benutzerfreundlichkeit 90%
Preis/ Leistung 70%
Vorteile
  • bester Kinoklang
  • super einfache Einrichtung
  • tolles Design
Nachteile
  • keine Lautstärkeregelung an Streamingbox
91%Gesamtwertung
Leserwertung: (2 Votes)
95%

Bildquellen:

  • Harman Kardon Surround – Subwoofer: Auerbach Verlag
  • Harman Kardon Surround -Subwoofer – Rückseite-: Auerbach Verlag
  • Harman Kardon Surround – Streamingbox: Auerbach Verlag
  • Harman Kardon Surround – Fernbedienung: Auerbach Verlag
  • Harman Kardon Surround – Display der Streamingbox: Auerbach Verlag
  • Harman Kardon Surround – Titelbild: Auerbach Verlag