Sonne satt, unzählige Sehenswürdigkeiten und fantastisches Essen – dafür lohnt sich eine Reise nach Italien immer wieder. Jedoch hat sich das Land zwischen Mittelmeer und Adria in den vergangenen Jahren auch zunehmend als Standort audiophiler Klangschmieden etabliert. Viele Hersteller ermöglichen mit eleganten Schallwandlern ein Stück „Dolce Vita“ in den eigenen vier Wänden. Einer davon ist Gold Note, hierzulande unter der Obhut von TAD-Audiovertrieb und mit den Landsleuten von Opera, sowie unter anderem Rega, Excalibur und Tannoy, in allerbester Gesellschaft. Hauptsächlich sind die Tüftler von Gold Note wohl für ihre Plattenspieler bekannt. Bei uns war zuletzt der Valore 425 zu Gast und wusste auf ganzer Linie zu überzeugen. Jedoch fertigt man im malerischen Florenz auch HiFi-Elektronik und Lautsprecher. Daher haben wir uns für diese Ausgabe den High-End Standlautsprecher Gold Note A6 EVO in unsere Testräume geladen, um herauszufinden, ob auch dieser mit audiophilen Qualitäten aufzuwarten vermag.

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Die tatsächliche Bassreflexöffnung ist an der Rückseite des Lautsprechers eingelassen, weshalb sich eine wandnahe Positionierung empfiehlt

Zufällige Entdeckungen

Mit einem Gewicht von 30 Kilogramm auf eine Höhe von 108 Zentimetern (cm) gehört der A6 EVO absolut zu den eher handlichen Zeitgenossen, vor allem in dieser AUDIO TEST Ausgabe. Zu zweit lässt sich der Klanggeber problemlos von seiner Transportverpackung befreien, zur Not ist dies auch alleine realisierbar – jedoch natürlich nicht zu empfehlen. Nach dem Unboxing ist der Lautsprecher so gut wie einsatzbereit, nur der mitgelieferte Sockel muss noch montiert werden. Dafür stellen wir den Lautsprecher kopfüber in die schützende Kunststoffschale, welche dem A6 EVO als Transportschutz aufgesetzt wurde. Bei diesem seltenen Blick auf die Unterseite des Lautsprechers entdecken wir eine Bassreflexöffnung – unser Testmuster arbeitet also im Downfire-Prinzip. Bei der Montage der Bodenplatte, welche auch als Wave-Guide des Reflexkanals dient, geschieht uns ein kleines Missgeschick, auf welches jedoch eine weitere Entdeckung folgen sollte: Beim Fixieren der Schrauben rutscht uns aus Versehen der mitgelieferte Inbusschlüssel ins Gehäuse. Doch dem Klang nach zu schließen, scheint das kleine Sechskant-Werkzeug nicht auf Holz, sondern auf eine Membran gefallen zu sein. Somit zücken wir schnell eine Taschenlampe und stellen fest, dass im Inneren des Gehäusekorpus ein 16 cm messender Tieftöner versteckt ist.

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Somit handelt es sich beim Bassreflex gar nicht um einen tatsächlichen Reflexkanal, sondern um einen aktiven Treiber – interessant! Die Polypropylen-Membran unterscheidet sich schon auf den ersten Blick von den beiden am oberen Ende des Gehäuses verbauten Mitteltönern des norwegischen Herstellers SEAS von 15 cm Durchmesser. Diese verfügen nämlich über eine Papiermembran und wurden im Gegensatz zum Tieftöner nicht mit einem konischen Phase-Plug versehen. Jedoch ist das versteckte Chassis nicht das einzige, das wir bei unserem Versuch, den Schlüssel wieder zutage zu fördern, entdecken. Denn auf der Rückseite des Anschlussterminals ist direkt die Frequenzweiche verbaut, wie wir unter Zuhilfenahme einer ins Gehäuse eingeführten Miniatur-Kamera feststellen dürfen. Mundorf ist der Schriftzug, welcher uns nun einen Laut der Anerkennung entlockt. Etwas deutsche Wertarbeit steckt also auch in diesem italienischen HiFi-Produkt. Die Verwendung einer Weiche des Kölner Traditionsunternehmens lässt unsere Erwartungen jedenfalls schlagartig steigen. Das entfleuchte Werkzeug ist mittlerweile per Magnetismus längst wieder aus dem Gehäuse befreit, während wir noch immer, die Kamera am Kabel baumelnd, das Innenleben des Probanden untersuchen. Erwähnenswert ist auch die recht dicke Textil-Verkleidung des Interieurs, anhand welcher dem Aufkommen stehender Wellen im annähernd parallel ausgeführten, unteren Teil des Gehäuses vorgebeugt werden soll.

Tag und Nacht

Jetzt, da der wir die Untersuchung und Montage des Testmusters abgeschlossen haben, machen wir uns an dessen Positionierung. Zu Beginn stellen wir den Gold Note A6 mit etwa einem Meter Abstand zur Rückwand und etwa drei Metern Abstand zu den Seitenwänden auf. Bei einem ersten Klangtest sind wir doch sehr verwundert – der Schallwandler erklingt zurückhaltend, gar schüchtern. Wir können uns nicht vorstellen, dass dies die tatsächliche Klangcharakteristik des Italieners sein soll und schieben noch etwas hin und her. Und tatsächlich: Bei einem knappen Meter Abstand zu Rück- und Seitenwand unseres Hörlabors zeichnet der A6 Evo ein sattes Bassfundament, auf welchem sich ein toll abgestimmtes Klangbild zu entfalten weiß. Adeles Titel „Hello“ wird mit sehr viel Liebe zum Detail zum Besten gegeben, fein gezeichnete Hallräume verleihen der Musik eine tolle Organik. Das Treiber-Ensemble, welches am oberen Ende des Frequenzspektrums eine 1-Zoll-Kalotte beauftragt, besticht durch eine sehr differenzierte Wiedergabe mit viel Feingefühl. Die Mundorf Frequenzweiche teilt das Signal übrigens zum einen bei 60 Hertz (Hz), zum anderen bei 2000 Hz, jeweils mit einer „weichen“ Flankensteilheit von 12 Dezibel pro Oktave.

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Gut zu sehen ist die Aussparung im Sockel des Lautsprechers. Hier entweichen die Bassfrequenzen, welche vom Tieftöner nach unten aus dem Gehäuse geschickt werden

Klangmaler

Gold Note, das übrigens erst 2012 von Maurizio Aterini, Elena Basciano und Alessio Oronti gegründet wurde, beweist mit dem A6 EVO Standlautsprecher sehr viel Fingerspitzengefühl, wie auch eine Aufnahme des ersten Satzes der vierten Sinfonie in E-Moll von Johannes Brahms, gespielt von den Deutschen Kammerphilharmonikern Bremen unter Leitung von Paavo Järvi, unter Beweis stellt. Nach der sorgsamen Positionierung des Lautsprechers weiß dieser, mit einer breiten Bühne aufzuspielen. Dabei zeichnet unser Testmuster feine Transienten, Timbres von Streichern und Holzbläsern strahlen in großer Natürlichkeit. Auch in Puncto Dynamik weiß der Italiener zu gefallen. Im Fortissimo entwickelt der Schallwandler eine große Spielfreude. Auch gen Ende des Allegro non troppo lässt der Gold Note A6 EVO Standlautsprecher kein bisschen Musikalität vermissen. Dabei darf jedoch betont werden, dass unser Hörraum mit einer Fläche von knapp 30 Quadratmetern durchaus gute Bedingungen für die Performance des A6 mitbringt. Wesentlich größer sollte der Raum nicht sein, da der Klanggeber sonst mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas an Strahlkraft und Durchsetzungsvermögen einzubüßen droht. Im Falle unseres Tests ist der Gold Note A6 EVO jedoch weit davon entfernt, sich als graue Maus bezeichnen lassen zu müssen. Ganz im Gegenteil: Mit einer hohen Virtuosität und viel Farbenfreude steht ihm vor allem die Wiedergabe klassischer Musik gut zu Gesicht. Aber auch beim Titel „Enlasses“ vom Album „Petits sauts délicats avec grand écart“ von René Aubry brilliert der Speaker durch seine formidable Feinzeichnung und eine unaufdringliche, dennoch umfassende Tiefenspähre. Die Bauweise des Gold Note A6 mit seinem Downfire-Bass-Chassis kommt auch hier klar zum tragen. Bei Titeln, wie etwa „Glitch“ von Brian Eno, könnte der Tieftöner jedoch etwas mehr Grundfläche vertragen. Hier erklingt das Fundament etwas weniger straff. Die immense Klangfülle des Stücks klingt nun etwas überfordernd. Wir müssen allerdings auch zugeben, dass es sich hier doch um eine sehr spezielle Musik handelt. Alles in allem erweist sich der A6 EVO Standlautsprecher von Gold Note als überaus musikalischer Lautsprecher. Ein großes Talent für fein aufgelöste Timbres, präzise Transienten und weite Klangbühnen macht ihn zu einem echten Experten für Jazz und Klassik in kleinen bis mittelgroßen Räumen. Erhältlich ist der A6 EVO übrigens in elegantem Walnuss-Finish oder in schwarzem Pianolack.

Weitere Informationen: www.goldnote.it bzw. www.tad-audiovertrieb.de

Dieser Artikel erschien erstmals in Ausgabe 04/19 der AUDIO TEST

Test: Gold Note A6 Evo Standlautsprecher - Der Klangmaler
Beim Gold Note A6 Evo treffen hochwertige Bauteile von Mundorf und SEAS auf ein cleveres Bauprinzip in eleganter Ausführung. Herausgekommen ist ein Standlautsprecher, der sowohl italienisches Stilbewusstsein, als auch höchste klangliche Güte mitbringt. Vielleicht nicht unbedingt ein Allrounder, dafür aber auf jeden Fall ein Experte in Sachen hochauflösende Akustik. Bravissimo!
Wiedergabequalität86%
Ausstattung/Verarbeitung90%
Benutzerfreundlichkeit60%
Preis-/Leistungsverhältnis90%
Vorteile
  • sehr fein aufgelöste Wiedergabe
  • schöne Räumlichkeit
Nachteile
  • erfordert aufmerksame Positionierung
86%Gesamtergebnis
Leserwertung: (3 Votes)
83%

Bildquellen:

  • Goldnote Evo 6 Detail: Bild: Auerbach Verlag
  • Goldnote Evo 6 Detail: Bild: Auerbach Verlag
  • Goldnote Evo 6 Detail: Bild: Auerbach Verlag
  • Gold Note A6 Evo Ambient: Bild: Auerbach Verlag