Endlich haben die Regallautsprecher Evoke 20 von Dynaudio ihren Weg in unseren Verlag gefunden. Ein Test, der wieder einmal zeigt, dass den Dänen im Bereich Lautsprecher kaum jemand etwas vormachen kann. Nachfolgend erläutern wir Ihnen dies gerne. 

Vor gut anderthalb Jahren kündigte der dänische Hersteller Dynaudio an, eine neue passive Lautsprecher-Serie unter dem Namen Evoke auf den Markt zu bringen. Im Februar 2019 kamen sie dann heraus und wir hatten bereits die Dynaudio Evoke 50 Standlautsprecher im Test ( lesen Sie hier unseren Test). Unser Tester Alex Röser war von ihnen so begeistert, dass die Standlautsprecher eine Wertung von 94 Prozent einheimsen konnten. Nun hatten wir die Dynaudio Evoke 20 im Teststudio. Es sind die größten Regallautsprecher der Evoke Serie von Dynaudio. Wir sind gespannt, ob sie den hervorragenden Auftritt ihrer großen Geschwister wiederholen können.

Wer nicht lesen will, der kann sehen: Unser Kurztest der Dynaudio Evoke 20 im Video

Purer Chic

Schon beim Auspacken machen die Evoke Freude. Wir holen die fast 40 Zentimeter hohen Lautsprecher aus dem Karton und spüren allein beim Anfassen, wie hochwertig sie verarbeitet sind. Der Klavierlack glänzt und das Gehäuse besticht durch seine feine Linienführung. Übrigens gibt es die Lautsprecher auch ohne Glanz in den Farben „Walnuss Wood“ oder „Blonde Wood“.

Doch kommen wir nochmal zur Form des Gehäuses. Die Kanten sind abgerundet und hässliche Ecken gibt es nicht. Auch ist nirgends eine Naht oder Ähnliches zu erkennen. Da macht allein das Aufstellen der Regallautsprecher Spaß. Natürlich brauchen die 21 × 38 × 31 Zentimeter großen Lautsprecher auch einen entsprechenden Platz. Ins schmale Bücherregal werden die 10 Kilo „Beschaller“ sicher nicht passen. Und wir müssen auch sagen, allein schon wegen ihres edlen Äußeren sollten ihnen ein Paar ansprechende Lautsprecherständer gegönnt werden.

Die dürfen übrigens auch näher an der Wand stehen. Dafür wurden nämlich zwei Schaumstoffstopfen beigelegt, die in den Ausgang des Bassreflexrohres gesteckt werden können. Dröhnen durch wandnahe Aufstellung wird damit vermieden. An eine Abdeckung für die Evoke 20 haben die Dänen natürlich auch gedacht. Damit keine hässlichen Einstecklöcher die Frontseite verschandeln, hält das Textilgitter magnetisch. Rein optisch schalten die Dynaudio Evoke 20 damit einen Gang zurück. Sie fügen sich jetzt praktisch in jedes Ambiente. Uns gefallen sie aber ohne Blende besser.

Rückseitige Qualitäten

Betrachten wir die Rückseite der Kompaktlautsprecher von Dynaudio etwas genauer: Im oberen Bereich bahnt sich das Bassreflexrohr seinen Weg in die Freiheit. Dass dieses „kleine Loch“ den Evoke 20 zu „bassialen“ Höchstleistungen verhilft, besprechen wir später. Im unteren Bereich finden wir das Anschlusspanel. Das ist passgenau und richtig schön fest im Gehäuse verankert. Die Anschlussklemmen sind in der gewohnten DynaudioQualität gehalten. Für Bi-Amping oder -Wiring sind die Evoke allerdings nicht ausgelegt, was aber in ihrem Fall wohl kaum ein Nachteil ist. Warum? Auch das verraten wir später.

Dynaudio Evoke 20 Anschlüsse Test Review Lautsprecher Speaker Regallautsprecher
Der Blick auf die Rückseite offenbart keine Überraschungen. Die folgen erst, wenn wir die Evoke 20 einschalten, denn sie klingen mindestens doppelt so groß

Esotec+ und Cerotar

Der Hochtöner der Evoke 20 hört auf den schönen Namen Cerotar. Er basiert auf dem Hochtöner, der sich in der Confidence-Serie wiederfindet. Die Confidence 20 kosten übrigens circa 12 000 Euro. Damit ist klar – hier kommt ein Bauteil zum Einsatz, was extremst für die Hochtonwiedergabe optimiert ist. Dazu gesellt sich die Hexis. Diese innenliegende Kuppel befindet sich hinter der Kalotte. Sie formt den Luftstrom so, dass Resonanzen verhindert werden und die Höhen unbeeinträchtigt wiedergegeben werden können.

Für den 18 cm durchmessenden Esotec+ Tieftöner nutzt Dynaudio ein Magnesium-Silikat-Polymer. Das sorgt zusammen mit dem neuen Strontiumcarbonat Ferrite+ Keramikmagnetsystem für ausgewogene Wiedergabe von Mitten und Bässen. Die technischen Daten können sich entsprechend sehen lassen. Der Frequenzgang liegt zwischen 40 Hz bis 23 kHz und das bei einer Impedanz von 6 Ohm und einer IEC-Belastbarkeit von 180 Watt. Der Kennschalldruck beträgt beachtliche 86 dB bei einer Spannung von 2,83 V und einem Meter Abstand.

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Hinter der der Kalotte des Cerotar Hochtöners liegt die Hexis. Mit dieser innenliegenden Kuppel wird der Luftstrom geformt, um den Frequenzgang zu glätten

Gehen wir ans Meer

Wir führen diesen Test Ende Februar durch. Draußen vor dem Fenster wechseln sich im hohen Tempo Sonne und graue Wolken ab. Der Wind weht kalt und scharf um das Verlagsgebäude. Da ist es kein Wunder, dass wir uns ein wenig nach Sonne und Meer sehnen. Nun können wir nicht gleich in den nächsten Ferienflieger springen, um in die Wärme zu düsen.

Doch wir können den Sound des Meeres in den Testraum holen. Das ist doch auch schon was. Glücklicherweise gibt es jede Menge Audiomaterial mit Meeresrauschen, sei es nun auf CD oder Online. Also werfen wir eine Natur-Sound-CD in den Player und begeben uns an einen Kieselstein-Strand. Das verlangt den Dynaudio einiges an Präzisionsarbeit ab, denn wir kennen die Aufnahme genau. Beispielsweise ist das Klappern der Kieselsteine zu hören, wenn die Welle sich über den Strand ausbreitet. Wir drücken also Play, schließen die Augen und lauschen. Langsam rollen die Wellen auf den Strand zu. Von links über die Mitte nach rechts schwappen sie über die Kieselsteine und nehmen sie bei ihrer Reise ein kleines Stück mit. Wir hören genau, wie die Welle sich bricht, das Wasser auf die Steinchen fällt und diese dabei bewegt. Und beim Zurückziehen des Wassers ins Meer nimmt es die Kiesel ebenfalls wieder ein Stück mit.

Das alles wirkt unglaublich echt und nah. Der Sound, den die Evoke 20 hier wiedergeben, wird nicht auf einer Bühne präsentiert. Nein, er wird zu unseren Ohren getragen und wir sitzen an diesem Kieselsteinstrand. Wir schmecken das Salz in der Luft und spüren die kühlen Wasserspritzer auf der Haut. Ein Ausflug ans Meer einfach durch das Schließen der Augen. Klimaschonender geht Reisen nicht. Hierbei fällt uns nicht nur die akustische Sauberkeit und Weite des Sounds auf, sondern auch dessen Kraft. So haben die tiefen Töne, die etwa das Rumpeln der Wellen verursacht, mehr Energie als wir Kompaktboxen dieser Größe zutrauen.

Interessant: Die Wiedergabe der tiefen Töne ist wirklich differenziert. Der Bass scheint nie „zusammengekleistert“. Da kennen wir ganz andere Lautsprecherboxen aus der Hölle, die einfach nur tief vor sich Hinbrüllen, um Eindruck zu machen, aber dabei keinerlei echte Substanz vermitteln können. Die Evoke 20 gehören auf keinen Fall zu den eben genannten Vertretern. Nein, sie sind echte Basskünstler. Ja, wir können sagen: Die Kleinen klingen mindestens doppelt so groß. Und wir haben es hier nicht mit Aktivlautsprechern zu tun, die beispielsweise mittels DSP psychoakustisch „herumtricksen“ können. Nein, die Dänen sind „einfache“ Passivlautsprecherboxen. Sie können nur rein physikalisch dieses Klangvolumen mit dieser tollen Substanz hinbekommen. Allerdings haben wir bisher nur einem Meeresrauschen gelauscht. Können wir da überhaupt schon so ein Urteil abgeben?

Dynaudio Evoke 20 Test Review Lautsprecher Speaker Regallautsprecher Bassrelfexrohr
An der Rückseite der Evoke ist der Bassreflexkanal eingelassen, welcher seinen Teil zur überaus straffen Tieftonwiedergabe des Lautpsrechers beiträgt

Lebensreifen

Wir stürzen uns gleich in die „Vollen“ und hören von Josef Suk die sinfonische Dichtung „Zrání – Das Lebensreifen“ in einer Aufnahme der Komischen Oper Berlin vom Juni 2006. An diesem Werk komponierte Suk ganze 5 Jahre (1912 – 1917). Es trägt autobiographische Züge und basiert auf dem gleichnamigen Gedicht von Antonín Sova.

Zu Beginn hören wir zart gestrichene Geigen begleitet von Holzbläsern. Die Musik steigert sich stetig, gewinnt an Kraft und Energie – genau wie das Leben beginnt aufzublühen und auszubrechen. Die hohen Töne, die gerade am Anfang des Stücks eine zarte Dominanz besitzen, bauen die Evoke 20 sehr präzise in den Raum ohne sie überzubetonen. Nie erscheinen sie nervig oder überambitioniert. Wenn dann das Orchester einsetzt, füllt sich der Klang lebendig auf. Die Mitten sind farbenfroh und weit. Die oberen und unteren Bässe energisch und fundiert. Alles erscheint derart echt, dass es eine Freude ist.

Ein konserviertes Liveorchester kann wirklich nicht lebensechter und besser klingen. Zumal wir mit diesen Dynaudio ganz ungestört dem Werk lauschen können und nicht durch Sitznachbarn, die sich ständig Husten und Räuspern müssen, abgelenkt werden.

Geköpft

Als Nächstes lassen wir die Evoke sich an einer Oper versuchen. Wir wählen „Turandot“ von Puccini. Das Live-Erlebnis, was wir vorher bei Suk hatten, können wir hier nicht ganz reproduzieren. Das liegt allerdings an der Aufnahme, die einfach zu viele Jahre auf dem Buckel hat bzw. unglücklich abgemischt wurde. Die Stimmen kleben geradezu in den Lautsprechern und das Orchester ist wie eine Leinwand dahinter aufgespannt. Doch trotz dieser offensichtlichen Mängel der Aufnahme erlauben die Dynaudio auch hier den vollkommenen Musikgenuss. Und wenn sich die Ohren erst an die Abmischung gewöhnt haben, dann kommt sogar Freude an ihr auf.

Ein flotter Wechsel soll uns nun noch zeigen, wie die Lautsprecher mit eher populärer Musik umgehen. Wir sind da nicht zimperlich und greifen unverblümt in die Techno-Kiste. Was sollen wir sagen? Wir haben erwartet, dass sich die Evoke 20 auch mit den schnellen und eher basslastigen Tönen gut arrangieren. Halten wir unseren Kopf hinter die Lautsprecher hören und spüren wir deutlich, mit welcher Eleganz hier der Bassreflex seine Dienste tut. Der Sound ist voluminös, und präzise bis in die feinste Nuance und die Klangbühne besticht durch eine Transparenz, die uns mitten in der Musik wiederfinden lässt. Das klingt alles so gut, da brauchen wir gar keinen zusätzlichen Push durch Bi-Amping und Co. Doch stellt sich uns auch die Frage: Können die kleinen Klangriesen auch Filmsound?

The mission is possible

Wir machen einfach Netflix an und suchen einen typischen Hollywood-Blockbuster, die ja bekanntlich viel in den Sound stecken. Da läuft uns beim Scrollen einer der Mission Impossible-Teile über den Bildschirm. Wir starten ihn und hören gespannt, wie es wohl klingen mag. Die Überraschung ist hier allerdings keine, denn wir haben gewusst, dass der Klang großartig sein wird.

Die markante Titelmelodie schwebt geheimnisvoll durch den Raum und das Gras auf der Wiese knistert zart im Wind. Das startende Flugzeug kommt richtig knackig rüber und die Explosionen erst: Die füllen das Zimmer in bester Surround-Manier aus. Die Stimmverständlichkeit und die Ortbarkeit der Schallquellen ist phänomenal. Nein, für die Evoke heißt es an keiner Stelle „Mission Impossible“, sondern immer nur: Alles ist möglich.

Analoger Ausflug

Da wir bisher nur digitalen Quellen lauschten, wollen wir auch einen Blick in die analoge Welt wagen. Dazu bemühen wir den Teac TN-3B, den wir als echtes Allround-Talent kennenlernen durften. Als Testschallplatte legen wir das Album „Take Me To The Alley“ von Gregory Porter auf. Das ist für uns sozusagen ein inoffizieller Standard in unserem Test-Schallplattenregal.

Das an sich schon warme Analogsignal der Vinylscheibe, erhält durch die Evoke 20 nochmal einen Push. Es klingt einfach richtig „echt“. Das Bassfundament steht absolut souverän im Raum und die Mitten sind analog betont und laufen an keiner Stelle über. In den Höhen bleibt es super sauber und präzise ohne auch nur einmal zu nerven. Das hätten wir von den Dänen allerdings auch nicht erwartet.

Weitere Informationen: www.dynaudio.de

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 3/2020.

► Lesen Sie hier unseren Test der Dynaudio Evoke 50 Standlautsprecher

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Test: Dynaudio Evoke 20 Regallautsprecher - Wenn Hygge und Präzision ein Kind bekommen
Hygge steht für Gemütlichkeit und angenehmes Ambiente und wenn sich Präzision mit Hygge paart, dann wird daraus die Evoke 20. Diese Dynaudio-Lautsprecher sind immer naturgetreu, detailliert und ehrlich, doch überfordern niemals die Hörer und Hörerinnen. Ihre lebendige und energetische Klangwelt machte uns im Test süchtig, das können wir nicht verleugnen. Und mit voller Überzeugung sagen wir: Ein Meisterstück ist den Dänen mit ihren größten Kompaktboxen aus der Evoke-Serie gelungen.
Wiedergabqualität96%
Ausstattung/Verarbeitung100%
Benutzerfreundlichkeit90%
Preis/Leistung90%
Vorteile
  • naturgetreu und detailliert
  • großes und kräftiges Bassfundament
  • ermüdungsfreies Hören
Nachteile
  • keine
94%Gesamtwertung
Leserwertung: (12 Votes)
61%

Bildquellen:

  • Dynaudio Evoke 20 Anschlüsse: Auerbach Verlag
  • Dynaudio Evoke 20 Hochtöner: Auerbach Verlag
  • Dynaudio Evoke 20 Bassrelfexrohr: Auerbach Verlag
  • Dynaudio Evoke 20: Auerbach Verlag