Es gibt Tests, die fühlen sich an, als begegnete man alten Freunden.
Man kennt sich eben. Wenn Dynaudio auf dem Prüfstand steht, kommt
dieses freundschaftliche Gefühl, gemeinsam zu Hause zu sein, immer
wieder im Hörraum auf. Mit den Standlautsprechern Evoke 50 hat es Dynaudio geschafft, uns dennoch wieder zu überraschen.

Im Frühjahr des Jahres gingen zwei echte Knaller-Vertriebs-Meldungen durch die Newsticker der HiFi-Presse. Und beide Male waren prominente dänische Lautsprecher-Manufakturen verwickelt. So übernahm die deutsche Niederlassung von Dali zum April den Vertrieb der Elektronik-Marken NAD und Bluesound. Nur zwei Monate zuvor kündigte Dynaudio an, den kanadischen Hersteller MOON mit unter seine Fittiche zu nehmen. Dass sich im Falle dieser Zusammenkunft beide Unternehmen einen großen Gefallen haben dürften, stellten die Dänen vor wenigen Wochen während der diesjährigen HIGH END in München unter Beweis.

Dort durften sich die Besucherinnen und Besucher selbst ein akustisches Bild davon machen, wie es klingt, wenn eine nordamerikanische Gerätekette nordeuropäische Schallwandler antreibt. Namentlich handelte es sich auf der HIGH END dabei um die neuen Confidence 30 Standlautsprecher. Uns konnten Roland Hoffmann und sein Team mal wieder auf ganzer Linie überzeugen. Dass wir von der AUDIO TEST und www.likehifi.de jedoch eh einen Faible für die Dänen haben, ist ein offenes Geheimnis. Auch auf ausdrücklichen Wunsch des Chefredakteurs hin fungieren zwei Standlautsprecher-Modelle á la Contour 30 in unserem Hörraum als Lautsprecher-Referenz. Ebendiesen Raum stellen wir Dynaudio auch jedes Jahr zu den Mitteldeutschen HiFi-Tagen gerne wieder als Bühne zur Verfügung. Was genau uns die Dänen dort im Herbst präsentieren werden, können wir noch nicht sagen. Dennoch haben wir während dieses Tests eine gute Portion Vorfreude entwickeln können.

Das Flaggschiff: Dynaudio Evoke 50

Jedoch der Reihe nach. Zwei neue Serien zieren seit einiger Zeit das Portfolio der dänischen Speaker-Experten von Dynaudio. Die Confidence-Reihe haben wir ja bereits kurz erwähnt. Evoke, zu deutsch in etwa „hervorrufen“, lautet der Name der schwesterlichen Lautsprecher-Kollektion. Diese umfasst ein heimkinotaugliches Ensemble aus insgesamt fünf Modellen. Zwei Standlautsprecher, zwei Kompaktlautsprecher und ein Center-Speaker. Für diesen Testbericht ließ Dynaudio uns das Flaggschiff der Serie zukommen: den Standlautsprecher Evoke 50. Dieser knapp 160 Zentimeter (cm) hohe Schallwandler gibt sich bereits optisch auf den ersten Blick als Mitglied der Dynaudio-Famlie zu erkennen. Klare Linien bestimmen das Design, die schnörkellose Eleganz des Gehäuses ist zeitlos und genügsam bei der Einbindung ins heimische Interieur. Uns erreicht der Evoke 50 in schwarzer Hochglanzlackierung. Alternativ dazu kann der Käufer zwischen weiß und zwei Naturholz-Optiken wählen. Die vier Treiber des 3-Wege-Systems lassen sich bei Bedarf hinter einer magnetisch haltenden Frontblende verstecken. Unaufdringlich und in sich ruhend – so kennen wir Dynaudio. Dänisches Lautsprecher-Design – eine Welt für sich.

Testbericht: Dynaudio Evoke 50 Standlautsprecher floor speaker high end hifi test review

Alt und Neu

Auf den zweiten Blick erkennen wir beim Evoke 50 einige Gemeinsamkeiten mit den Kollegen anderer Kollektionen. Wobei allerdings der Hochtöner unseres Prüflings beispielsweise dem des Contour 30 zwar zum Verwechseln ähnlich sieht, jedoch wesentliche Unterscheidungsmerkmale aufweist. So setzte man beim Esotar Forty-Tweeter noch auf einen Antrieb mit Neodym-Magnet. Beim neuen Cerotar-Hochtöner kommt hingegen eine Neuentwicklung aus Strontiumcarbonat-Ferrit und Keramik zum Einsatz. Bei der Membran zählt Dynaudio wieder auf die sogenannte Precision-Coating-Gewebekalotte.

Precision-Coating beschreibt dabei einen Prozess, bei welchem eine „besondere Beschichtung genau an den richtigen Stellen in der richtigen Dichte aufgetragen wird“, um zu gewährleisten, dass der Hochtöner auch oberhalb der 20 Kilohertz-Marke (kHz) verzerrungsfrei aufzuspielen weiss. Zusätzliche Unterstützung erhält der Cerotar-Hochtöner dabei von der so genannten Hexis, welche zuvor lediglich bei Dynaudios Confidence in Erscheinung treten durfte. Dabei handelt es sich um eine feine Kuppel, welche von innen in der Membran des Hochtöners angebracht wird. Durch nach langwierigen Forschungen ermittelte Aussparungen versteift die Hexis die Kalotte an manchen Stellen, während andere Areale freier schwingen können. Dadurch wird das Aufbrechen der Membran unter Kontrolle gebracht, was wiederum eine unverfälschte Wiedergabe nahe der Ultraschall-Schwelle verspricht. Unterhalb der 3500 Hz kommen Dynaudios MSP-Treiber zum Einsatz.

Ein 15 cm Mitteltöner, ergänzt um zwei 18 cm Bass-Chassis. Optisch unterscheiden auch diese sich nicht merklich von den Treibern anderer Dynaudio-Speaker. Die Membranen aus einem hauseigenen Werkstoff verzichten auf Staubkappe oder Phase-Plug und sind auch zugunsten der Reaktionsschnelligkeit mit kleinen Ausfräsungen versehen. Wesentliche Neuerungen liegen auch hier in den Antrieben der Chassis. So kommen in den Tieftönern ebenfalls neue Ferrit-Kompositionen zum Einsatz und auch beim Mitteltöner wurde der Neodym-Antrieb aufgefrischt. Das ganze Ensemble kommt somit in der Theorie auf einen Frequenzgang von 35 Hz bis 23 kHz. Die Auftrennung des Audiosignals wird bei 450 und 3500 Hz von Frequenzweichen dritter und zweiter Ordnung vorgenommen. Bass und Mittelton werden also mit einer Flankensteilheit von 18 Dezibel (dB) pro Oktave vorgenommen, wobei der Mitteltöner etwas Flacher mit 12 db pro Oktave an den Cerotar-Tweeter übergibt.

Testbericht: Dynaudio Evoke 50 Standlautsprecher floor speaker high end hifi test review
Bi-Wiring, beziehungsweise Bi-Amping ermöglicht Dynaudio bei den Evoke 50 leider nicht

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Bildquellen:

  • Dynaudio Evoke Detail: Bild: Auerbach Verlag
  • Dynaudio Evoke Detail: Bild: Auerbach Verlag
  • Dynaudio Evoke Detail: Bild: Auerbach Verlag
  • Dynaudio Evoke Detail: Bild: Auerbach Verlag