Test: Cabasse Rialto – Kompakte Aktiv-Lautsprecher für Streaming

Bei Cabasse läuft es im Allgemeinen eher rund. Mit den Cabasse Rialto stellt die traditionsreiche Audioschmiede einen aktiven Regal-Lautsprecher vor, der aber weniger rund ist. Das heißt aber noch nichts in Bezug auf Klang und Funktion. 

Das Runde ins Eckige  

Cabasse verfügt über das weltweit größte Portfolio kugelförmiger Lautsprecher. Erst in Ausgabe 04/23 der AUDIO TEST zum Thema Luxus- und Designlautsprecher, waren Cabasse mit der extravaganten Pearl Pelegrina ganz weit vorne dabei. Auch für unsere Sommerausgabe hat uns Stefan Harms vom ATR Audio Trade Vertrieb wieder mit etwas Besonderem bedacht. So fügte es sich schließlich, dass die Cabasse Rialto im Leipziger Auerbach Verlag einschwebten, nachdem sie auf der Münchner High-End 2023 eine bravouröse Kür hingelegt haben.

Inhaltlich haben wir es bei den Rialtos mit einer echten Eierlegendenwollmilchsau zu tun. Handelt es sich doch bei den Neulingen von Cabasse um ein vollständig autarkes Musiksystem, mit smarten Streaming Funktionen und Touchscreen-Oberfläche. Darüber hinaus ist es den Franzosen tatsächlich gelungen, die Technik der Kugelbauweise mit den Vorteilen einer herkömmlichen Gehäuseform erfolgreich zu verbinden. 

Doch machen wir uns nichts vor, ausgehend vom Preis von unter 3.000 Euro sowie dem jugendlich frischen Design, gespickt mit zeitgemäßen Streaming-Features haben wir es hier mit einem Lifestyle-Produkt erster Ordnung zu tun.

Design und Formen mystischer Tiefe

Die Cabasse Rialto kommen relativ kompakt daher. Nur 23 Zentimeter in der Höhe, 22 Zentimeter in der Breite sowie 22 Zentimeter in der Tiefe betragen die übersichtlichen Abmessungen der Regallautsprecher. In ihrer Anmutung wirken die Rialtos dabei edel und futuristisch. Das Gehäuse selbst hat einen eleganten Schwung. Die seitlichen Wände laufen nach vorne zusammen und lassen die Rialto frontal gesehen noch ein wenig eleganter geschnitten erscheinen.

Darüber hinaus befördert das ergonomische Shape eine optimales Resonanzverhalten des Gehäuses. Überhaupt wirkt es, als hätte Cabasse den Versuch unternommen, wesentliche technische Realitäten der Kugelbauweise in eine rechteckige Form zu überführen. Model standen hier die Pearl Akoya von Cabasse. So zeugen die ineinanderliegenden Hoch- und Mitteltöner, die dem Tieftöner gegenüber liegen von dieser Verwandtschaft.

Die eigenwillige Optik hat nicht nur dynamische Schalleigenschaften, wie die Begrenzung von unerwünschten stehenden Wellen, sondern verleiht den Rialto optisch eine mystische Tiefe. Wir fühlen uns angenehm an die zweigesichtige babylonischen Gottheit Marduk oder den römischen Janus erinnert.

Rückseitig steht auf der digitalen Seite
ein Ethernet-, nebst WiFi-, sowie ein
Toslink-Eingang zur Verfügung
Rückseitig steht auf der digitalen Seite ein Ethernet-, nebst WiFi-, sowie ein Toslink-Eingang zur Verfügung

Unsere Redaktion wurde von ATR Audio Trade dankenswerter Weise mit der cremeweißen Ausgabe der Rialto versorgt. Wem dieser Akzent in seinem Wohnraum zu konträr ist, kann alternativ auf die ebenso ansehnliche schwarze Ausgabe ausweichen.

Form und Funktion

Sofort ins Auge fällt neben der ergonomischen Form, ein Grafik-Touch-Display auf der Oberseite des Master Bookshelf-Lautsprechers. Sobald wir mit den Händen in seine Nähe kommen, leuchtet das Display betriebsbereit auf. Darüber hinaus gibt es ebenso basale wie essenzielle Funktionen wie Start/Stopp sowie Titel-Skipping, nebst einer ebenso eleganten wie übersichtlichen Titelanzeige. Auch ist der Rand des Grafik-Touch-Display von einem ausladenden Drehschalter für die Lautstärke-Reglung eingefasst. So viel fancy Bedienkomfort in Chrom direkt am Endgerät lässt uns beinahe vergessen machen, dass eine Fernbedienung leider nicht im Lieferumfang enthalten ist.

Frontseitig gibt es ebenfalls viel Chrom zu bestaunen. Eine magnetische Gitter-Abdeckung schützt den halbkugelförmig hervorstehenden Koax-Treiber vor physischen Einwirkungen und Verschmutzungen. Rückseitig finden wir zwar keinen Bassreflex-Tunnel, dafür aber einen phasenangepassten HELD (High Excursion Low Distortion) Langhub-Tieftöner. Der 7 Zentimeter lange HELD hat dabei eine Carbonfasermembran von rund 14 Zentimetern im Durchmesser und liegt nach dem Prinzip der Punktschallquelle auf einer gemeinsamen Achse mit dem frontseitigem Koax-Treiber. Neben einem Eingang für den Kaltgerätestecker, der seines Zeichens ein recht hübsch überzogenes Kabel vorzeigen kann, befinden sich neben dem Ethernet-Eingang und der Toslink-Buchse, die für Verbindungen über den HDMI-eARC-Eingang richtig wertvoll ist, zahlreiche Verbindungsofferten, wie ein USB-Eingang, nebst analogem Chinch-Eingang.  

Setup und Einrichtung  


Das Schöne an einem kompletten Musiksystem wie dem Cabasse Rialto ist, dass Sie sich nach dem durchaus moderaten Investment – gemessen an Sound und Multifunktions-Umfang – erstmal entspannt zurücklehnen können. Mehr als die smarten Aktiv-Lautsprecher braucht es tatsächlich nicht, um alle Vorzüge eines zeitgemäßen Life-Style-Produktes zu genießen. Alle Features lassen sich recht übersichtlich über die Cabasse-App, kompatibel für iOS und Android ansteuern. Zum erhöhten Bedien- und Anwenderkomfort gehört bei Cabasse zum Beispiel eine automatisierte, akustische Raum-Einmessung.  

Für ein optimales Hörerlebnis platzieren wir die Aktivlautsprecher auf rund 100 Zentimeter hohen Stativen, um die Rialto besser zu entkoppeln, in einem gleichschenkligen Dreieck mit circa 2,5 bis 3,00 Metern Abstand zur Hörerposition. Die je 300 Watt starken Regallautsprecher eignen sich zudem hervorragend für den, in Sachen Abstand etwas intimeren, Desktop-Betrieb. Einzig von einer Aufstellung bündig zu Rückwand müssen wir aufgrund des rückseitigen Tieftöner abraten. Sind die aktiven Lautsprecher erstmal platziert, kann es auch schon losgehen. Als kleine Multimedia-Server bedürfen die Rialto noch eines Internetzugangs, den wir über ein hochwertiges LAN-Kabel der Firma AID besorgen. LAN beschert den Wandlern eine Übertragungsrate 192 kHz. Über W-LAN sind es immerhin noch 96 kHz.

Wie bei ihrer großen Schwester Cabasse Pearl Pelegrina (AUDIO TEST Ausgabe 04/23) sweept sich auch die Rialto erstmal gewissenhaft durch alle Frequenzbereiche, um optimale Ausgabewerte für Bass und Höhen in Abhängigkeit zu Reflexion und Brechung der Schallwellen im Raum zu bestimmen. Wem das Ergebnis etwa nicht Bass-lastig genug ist, kann die Rialto zum Einmessen etwas freier im Raum platzieren. Nach Abschluss des Vorgangs dann wieder auf den tatsächlich gewünschten Platz zurückstellen. Zack – fertig – ist das Sound-System. 


Die Rialto sind sowohl Multiroom-fähig als auch AirPlay2 und Roon-kompatibel. Ihre Wandler verarbeiten, HiRes-Audio mit bis zu 768 kHz / 32 Bit und sind sofort ready für Qobuz, Tidal, Deezer, Spotify und weitere Musik-Streamingdienste. Das obligatorische Webradio darf auch nicht fehlen. 

Sound & Performance  

Für unseren Hörtest haben wir diesmal nicht nur von links nach rechts durch das Tidal-Musikarchiv geskiped, sondern auch eine gehörige Portion Musikvideos konsumiert. Wir absolvierten die Klassiker mit „Money“ von Pink Floyd über „Take Five“ von Dave Bruback bis hin zu den Untiefen des symphonischen Vokal-Jazz einer Diana Krall und ihrem Album „Look of Love“. Besonders positiv in Erinnerung geblieben ist uns dabei Cleo Sols Titel „Don’t Let it Go to Your Head“ vom Album Mother. Ein tief-souliger Sommer-Song, dessen hypnotisches Schlagwerk nebst eindringlichem Lead-Gesang von den Rialto bravourös übersetzt wurde. Über den ganzen Test haben uns die Rialto mit einer sauber ausgebreiteten Stereo-Bühne sowie weitestgehend einwandfreien Instrumenten-Separation begeistert.  
 
Auch in Sachen Phantommitte gibt es von unserer Seite nichts zu beanstanden. Richtig begeistert sind wir hingegen von der satten Spielfreude, welche die Franzosen mit in die Ehe bringen. Gerade im Tieftonbereich und mit wohl dosierter Loudness-Funktion gehen die Cabasse so richtig ab. So nimmt es nicht Wunder, dass wir auch mit dem über HDMI zugespielten Anti-Western Streifen „Erbarmungslos“ von Clint Eastwood so richtig Spaß hatten. Die Rialto präsentierten sich hier als angenehm räumlich dynamisch, bei optimaler Sprachverständlichkeit.  

Die Oberseite ziert ein farbiges Touch-
Die Oberseite ziert ein farbiges Touch-Display, das nützliche Funktionen vereint

Um das HDMI gleichzeitig zu verarbeiten, bedarf es der Toslink-Kopplung der Aktivlautsprecher. Zum Abschluss bedienen wir noch ein paar Verbindungsmöglichkeiten und spielen mit dem Album „Lifeforms“ von The Future Sound of London noch einen echten Ambient, Down-Beat-Klassiker ab. Auch hier kommt die spritzige Dynamik und Spielfreude dem Musikerlebnis hinreichend zugute. Verspielte Sounds klackernde Layer und entspannte Drones bestimmen das Klangbild. Die Kopplung via Bluetooth mit Smartphone oder Tablet gestaltete sich wie zu erwarten kinderleicht und klanglich mehr als solide.
Sodass wir nunmehr unseren Test zufrieden beenden und ein abschließendes Fazit wagen. 

Preis und Verfügbarkeit

Der Cabasse Rialto Kompaktlautsprecher (aktiv) ist im autorisierten HiFi Fachhandel erhältlich. Der Preis liegt bei 2.990 Euro (Paarpreis, UVP). Vertrieb und Marketing läuft über ATR – Audio Trade.

Datenblatt Cabasse Rialto:

Allgemein
GeräteklasseKompaktlautsprecher (aktiv)
HerstellerCabasse
ModellRialto
Preis (UVP)2.990 Euro (Paarpreis)
PreiskategorieMittelklasse
Maße (B/H/T)20,6 x 26 x 23,9 cm     
Gewicht15,2 kg
Informationenwww.cabasse.com
Technische Daten*
Arbeitsweiseaktiv
Bauform3-Wegebox
Frequenzverlauf lt. Hersteller30 Hz – 27 kHz
Leistung lt. HerstellerHochton: 300W RMS
Mittelton: 300W RMS
Bass: 450W RMS
Verbindung zur QuelleWlan, Bluetooth, Airplay2
StromverbrauchEco-Modus: 2,9 Watt
Maximal: 2100 Watt
Raumempfehlung10 m² bis 40 m²
individuelle Klangeinst.per App /Touchscreen
EingängeEthernet, WiFi, Bluetooth, Toslink, Analog RCA/Cinch, USB, HDMI (eARC)

Webseite: www.audiotra.de // www.cabasse.com

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 05/2023

▶ Lesen Sie hier: Test: Cabasse The Pearl Pelegrina – Aktive Standlautsprecher

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Fazit
Die Cabasse Rialto gestalten sich als charmantes, multifunktionales Life-Style-Tool erster Ordnung. Mit überragenden Übertragungsraten sowie 300 Watt geballter Power sind die Aktiv-Lautsprecher ein leistungsstarkes Tool für den HiFi-Genuss von heute. Einrichtung, nebst Handling gestaltet sich ebenso intuitiv als auch smart und nicht zuletzt total unkompliziert. Die Attraktivität der Lautsprecher wird nur noch durch ihre dynamische Spielfreude übertroffen, ohne dabei in Sachen Sound allzu dick aufzutragen. Ein gelungener Wurf aus dem Hause Cabasse, der von allem genau das richtige mitbringt.
Wiedergabequalität
77
Ausstattung/Verarbeitung
86
Benutzerfreundlichkeit
86
Preis/Leistung
90
Leserwertung5 Bewertungen
64
Vorteile
Kräftiger Bass
Dynamisches Klangbild
Nachteile
Keine Fernbedienung
90
Gesamtergebnis