Acoustic Solid steht für handgefertigte Phono-Systeme und High-End Plattenspieler höchster Güte. Mit dem Vintage Exclusive verabschiedet man sich bei der Wirth Tonmaschinenbau GmbH jedoch teilweise von bewährten Konzepten, wie etwa dem ausgelagerten Antrieb. Ob das gut dreht? Wir finden das im Testbericht zum Acoustic Solid Vintage Exclusive Plattenspieler für Sie heraus.

Win-Vintage

Es ist allseits bekannt, dass die Renaissance der Vinylkultur bereits im vollen Gange ist. Nachdem das Online-Streaming in den letzten Jahren die CD vom Thron stieß, sind die Machtverhältnisse auf dem deutschen Musikmarkt völlig neu geordnet. Zwar verkaufen sich CDs nach wie vor, jedoch steigen die Verkaufszahlen von Vinyl wieder zusehends. Neben der Musikalität analoger Medien ist es auch die haptische Erfahrbarkeit, mit welcher das schwarze Klanggold in Zeiten virtualisierter Daten auftrumpfen kann.

Deshalb ist es nur die logische Konsequenz, dass sich auch die Fachjournalie wieder vermehrt mit der Besprechung entsprechenden Zubehörs beschäftigt. Wir erinnern gerne an unsere Vinyl-Spezial in Ausgabe 8/18 der AUDIO TEST. Noch immer sind wir besonders stolz darauf, als erstes Fachmagazin für HiFi-Elektronik eine waschechte 7“-Vinylschallplatte veröffentlicht zu haben, die im übrigen in der nächsten AUDIO TEST Ausgabe eine Fortsetzung finden wird. Ein bisschen Vinyl-Kult ist mit diesem Bericht mit dem Hersteller Acoustic Solid bereits in dieser Ausgabe dabei – quasi als kleinen Vorgeschmack auf die Schwarze Scheibe im nächsten Heft.

Acoustic Solid begann seine Laufbahn im Jahre 1997 in der Hobbywerkstatt des Gründerpaares Wirth. Vom ersten Konzept bis hin zur peniblen Umsetzung wurde bereits in den ersten Jahren alles in akribischer Handarbeit durchgeführt. Schnell erlebte Acoustic Solid aufkeimendes Interesse, bereits im Jahr 2001 kamen erste Vertriebspartner aus Hong Kong zu Besuch ins frisch bezogene Firmengebäude der Wirth Tonmaschinenbau GmbH nach Altdorf (► lesen Sie hier unseren spannenden Vor-Ort Bericht). Dieser Besuch konnte durchaus als Vorahnung gesehen werden, denn mittlerweile exportiert Acoustic Solid in 35 Nationen, wobei vor allem der asiatische Markt großes Interesse an den Handwerksprodukten Made in Germany geltend macht. 2007 wurde Acoustic Solid beispielsweise in Hong Kong mit dem Prädikat „Produkt des Jahres“ ausgezeichnet. Mittlerweile stellt die Region das wohl kauffreudigste Publikum der internationalen HiFi-Szene. Auch das ist kein Geheimnis mehr.

Das Sortiment von Acoustic Solid umfasst, neben zahlreichem Phono-Zubehör und verschiedener hochwertiger Tonarme, drei Produktlinien diverser Laufwerke und insgesamt mehrere dutzend einzelner Modelle. Dabei reicht die Spanne des Aufgebots vom einstiegstauglichen Beginner- bis zum ausgewachsenen Luxus-Laufwerk. Und da Vinyl-Kultur auch immer ein Quäntchen Nostalgie innewohnt, bietet Acoustic Solid mit der Vintage-Exclusive-Kollektion auch hier entsprechende Produkte an.

Test Plattenspieler mit Ortofon Quintet Red Tonabnehmer Review Turntable
Von Haus aus mit dabei: Ein MC-Tonabnehmer Quintet Red von Ortofon.

Acoustic Solid Vintage Exclusive – Für Liebhaber

Die Serie umfasst zwei Geräte. Für diesen Test wollen wir uns mit dem Vintage Exclusive Plattenspieler befassen, welcher sich tatsächlich kaum vom Acoustic Solid Vintage Full Exclusive Turntable unterscheidet. Dass Acoustic Solid Plattenspieler-Geräte für echte Vinyl Liebhaber fertigt, wird beim Entpacken des Vintage schnell an verschiedenen Parametern ersichtlich. Denn zum einen kommt das Gerät in Einzelteilen. Dies dient natürlich primär dem Schutz des Geräts während des Transports. Auf der anderen Seite ist es aber auch vernünftig, denn für die Kalibrierung des Geräts müsste man auch bei einem komplett montierten Plattendreher nochmals selbst Hand anlegen, um etwa Tonarmhöhe, Auflagegewicht und Azimuth zu justieren. Weshalb also nicht gleich selbst zusammensetzen?

Hierfür legt Familie Wirth dem Paket natürlich auch das entsprechende Werkzeug bei. Ebenso wie diverses Messzubehör, wie etwa eine Waage und eine Mess-Schablone samt Stroboskopbahn und Licht zur Einstellung der Rotationsgeschwindigkeit. Auch die optische Ausführung unseres Testgeräts ist etwas für Liebhaber. Denn das Laufwerk kommt in extravaganter Lederverkleidung daher. Es lässt sich festhalten, dass diese Variante des Schallplattenspielers wohl nicht Jedermanns Sache sein wird, etwas exzentrisch wirkt das Auftreten durchaus. Wer es etwas zurückhaltender mag oder auch beim Musikgenuss eine vegane Lebensweise bevorzugt, bleibt hier jedoch nicht unbeachtet. Denn die Standardausführung des Acoustic Solid Plattenspielers Vintage Exclusive zählt auf einen schlichten Aluminium-Korpus. Dieser ruht in jeder Ausführung auf soliden Metallfüßen, welche zur besseren Entkopplung mit einem dicken Gummiprofil versehen sind.

Dem Betrachter verborgen, ist die Konstruktionsweise des Gehäuses. Acoustic Solid zählt hier auf eine Sandwich-Konstruktion aus Edelstahl und Aluminium mit Plastodem-Dämmung. Dem ein oder anderen schnellt beim Gedanken an Hause Acoustic Solid Plattenspieler wahrscheinlich schnell das Bild einer fünfeckigen Zarge in den Kopf, welche mit einer Aussparung für den ausgelagerten Motor versehen ist. Bei den Vintage Modellen ist dies nicht der Fall. Hier findet der Motor auf dem Gehäuse Platz – eben Vintage. Beim Antrieb handelt es sich jedenfalls um einen Synchron-Motor aus dem Hause Berger Lahr, mittlerweile aktiv unter dem Namen Schneider Electric. Der Motor sitzt in einem massiven Metallring. Über einen ebenfalls in die Zarge eingefassten Mikropozessor geschiegt hier die Zufuhr von Wechselstrom.

Neben der Wahl der beiden üblichen Rotationsgeschwindigkeiten von 33 und 45 Umdrehungen, lässt sich über simple Drucktaster am Prozessor übrigens auch eine Feinjustage der Laufgeschwindigkeit vornehmen. Via Riemenantrieb setzt der Motor den auf eine Stärke von nur 40 Millimetern (mm) satte 8 Kilogramm (kg) schweren Plattenteller aus Vollaluminium in Bewegung. Dieser dreht sich wiederum auf einem Edelstahldorn mit Keramikkugel. Die Abtastung wird gewährleistet durch Acoustic Solids hauseigenen Tonarm WTB 213. Dieser ist sehr schlicht gehalten. Das gerade Karbonrohr trifft hier auf eine Metallbasis, das massive Gegengewicht wird über ein Feingewinde justiert. Auf Anti-Skating verzichtet der Hersteller hier. Jedoch kann aber auf Anfrage nachgerüstet werden. Von Werk aus rundet das Ensemble ein Quintet Red Tonabnehmer von Ortofon ab. Dieses MC-System wird von Acoustic Solid standardmäßig in seinen Geräten verbaut und erfreut sich auch bei anderen Herstellern großer Beliebtheit.

Test: Acoustic Solid Vintage Exclusive Plattenspieler Review Turntable
Bei der Montage des Tonarms braucht es etwas Fingerspitzengefühl, um das Anschlusskabel durch die schmale Öffnung zu führen.

Montage vom Acoustic Solid Plattenspieler Vintage Exclusive

Die Montage des Vintage Exclusive erfordert etwas Fingerspitzengefühl, ist jedoch auch von Laien problemlos zu bewerkstelligen. So ist der Motor bereits in der Zarge verbaut und muss lediglich etwas in der Höhe verstellt werden, um reibungslos zu arbeiten. Hierfür zwei Mal kurz an der entsprechenden Stellschraube gedreht und fertig. Bei der Installation des Tonarms ist dann tatsächlich etwas Feingefühl gefragt. Das Cinch-Kabel für die Signalausgabe ist am Tonarm fixiert. Daher müssen die Stecker vorsichtig durch die schmale Öffnung an der Unterseite des Chassis geführt werden. Wer schmale Finger hat, ist hier klar im Vorteil. Vorsicht sollte hier auch aus folgendem Grund an den Tag gelegt werden: Das Hauptstück des Kabels ist zwar recht solide mit Textil ummantelt, jedoch nicht über die gesamte Länge. An den Steckern werden die Adern nur noch von einer dünnen Kunststoffisolierung geschützt. Kommt hier etwas zu viel Zug aufs Kabel, besteht die Gefahr, dass sich die Adern im Innern von den Steckern lösen. Dies wäre ein nachhaltiger Schaden, welcher nicht ohne Weiteres selbst zu beheben ginge. Dort besteht allerdings auch die einzige Herausforderung bei der Installation des Drehers.

Selbstverständlich ist jedoch bei der Einrichtung auch auf folgende Parameter zu achten: Steht das Laufwerk in Waage? Verläuft der Tonarm parallel zum Plattenteller? Liegt die Nadel senkrecht auf? All diese Einstellungen lassen sich ohne große Umstände mechanisch vornehmen. Bei der Feinjustage der Laufgeschwindigkeit des Plattentellers kommt die bereits erwähnte Steuerung des Mikropozessors ins Spiel. Um zu eruieren, ob hier überhaupt Korrekturbedarf besteht, lässt sich entweder die mitgelieferte Stroboskop-Schablone auf den Plattenteller legen, die nun mit einem entsprechenden Lämpchen angeleuchtet wird. Da die Frequenz der Lampe auf die Musterung der Schablone kalibriert ist, sollte bei einer exakten Umdrehungsgeschwindigkeit von 33 RPM ein klares Bild entstehen. Es ist wenig überraschend, dass hierfür aber auch eine kostenfreie Smartphone-App erhältlich ist, welche anhand der verbauten Gyroskop-Sensoren erstaunlich genaue Werte ermittelt. Erstaunlich ist auch, dass unser Testgerät hier eine Rotationsgeschwindigkeit von 33,34 UpM verzeichnen lässt. Ein besseres Ergebnis kann ein Laufwerk kaum erzielen. Somit sehen wir natürlich keinen Bedarf, eine entsprechende Feinjustage vorzunehmen. Aus Interesse spielen wir dennoch kurz mit den beiden entsprechenden Drucktastern herum und dürfen feststellen, dass der Plattenteller in vorbildlich kleinen Schritten seine Laufgeschwindigkeit ändert. Die Umschaltung von 33 auf 45 Umdrehungen geht innerhalb weniger Sekunden vonstatten, ein LED-Lämpchen informiert hier über den entsprechenden Status – Leuchtet das Lämpchen durchgehend, ist die gewünschte Geschwindigkeit erreicht.

Test: Acoustic Solid Vintage Exclusive Plattenspieler Review Turntable Tonarm
Die Tonarmbasis ist aus Metall gefertigt, das Tonarmrohr aus Karbon. Auf eine Antiskating-Vorrichtung verzichtet der Hersteller.

Plattenspieler mit Vintage-Sound

Kommen wir nun endlich zum unterhaltsamen Teil des Testberichtes zum Acoustic Solid Plattenspieler. Wir haben den Vintage Exclusive über die Phonobox-Vorstufe von Pro-Ject und eine Rotel-Endstufe mit unseren Referenz-Lautsprechern Contour 30 von Dynaudio verbunden und spielen Led Zeppelins gleichnamiges Debütalbum aus dem Jahr 1969 – Vintage eben. Unser Prüfling überzeugt hier sogleich mit einem satten Punch in den Bässen. Klar konturiert werden Schlagwerk und Bassgitarre beim ersten Titel „Good Times Bad Times“ in den Hörraum transportiert.

Beim zweiten Song „Babe I’m Gonna Leave You“ gefällt uns die klare Zeichnung der Transienten des Akustikgitarren-Intros. Das Klangbild ist spritzig und lebendig, das Ensemble aus dem Plattendreher Acoustic Solid Vintage Exclusive und Ortofon Quintet Red gibt sich als äußerst musikalisches System. In den Höhen und oberen Mitten mag der ein oder andere den Dreher vielleicht als etwas zurückhaltend empfinden. Das Klangbild ist für unser Empfinden angenehm abgerundet und alles andere als schneidend, was der Produktionsmanier der 60er Jahre gut zu Gesicht steht.

Beim Titel „Don’t Know Why“ von Norah Jones lässt dies wiederum die sehr unaufdringlich mit Besen gespielten Drums etwas an Deutlichkeit vermissen. Hier würden wir uns etwas mehr Brillanz in den Höhen wünschen. Jones Stimme wiederum wird in der gesamten Fülle ihres Timbres sehr authentisch dargeboten und hebt sich sehr plastisch aus dem Klangbild heraus. Alles in allem weiß der Plattenspieler von Acoustic Solid durchaus zu gefallen und lässt uns festhalten, dass Acoustic Solid mal wieder einen sehr gelungenen Beitrag zur Phono-Renaissance geleistet hat, der mit Sicherheit seine Fans finden wird. Nicht nur in Hong-Kong.

Test: Acoustic Solid Vintage Exclusive Plattenspieler Review Turntable Motor
Die Montage des Motors auf der Laufwerk-Zarge stellt wohl die größte Ungewöhnlichkeit dieses Acoustic Solid-Players dar. Üblicherweise ist dieser komplett entkoppelt.

Preis und Verfügbarkeit

Den Acoustic Solid Vintage Exclusive Plattenspieler gibt es zum Preis von 3.500 Euro (UVP) im autorisierten Fachhandel zu kaufen.

Webseite: www.acoustic-solid.com

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 4/2019.

Apropos Analog und Plattenspieler: In der November-Ausgabe von AUDIO TEST (VÖ am 12.11.2021) finden Sie ein großes Spezial zu Plattenspielern mit Tests von Modellen für jedes Budget. Von Einstieg bis High End ist für jede und jeden etwas dabei mit Test vom Acoustic Solid 311 Metall, Mark Levinson No. 5105, Pro-Ject Debut Pro, Roksan Attessa Plattenspieler, Technics SL-100C, VPI Player und vielen anderen mehr.

Lesen Sie hier: Testbericht vom Acoustic Solid 110 Metall Plattenspieler mit Ortofon Red Tonabnehmer

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Test: Acoustic Solid Vintage Exclusive Plattenspieler mit Ortofon Quintet Red Tonabnehmer
Der Vintage Exclusive Plattenspieler von Acoustic Solid ist durchaus ein Gerät für Liebhaber. Die extravagante Ausführung zum einen, aber auch die klangliche Kompetenz des Systems entspricht seinem Namen auf ganzer Linie. Niemals scharf, eher mit einem Hang zu starken Mitten präsentiert sich der Dreher. Zweifellos ein sehr gutes Gerät, welches vor allem beim Genuss klassischen Rocks große Freude zu bereiten weiß.
Wiedergabequalität92%
Ausstattung / Verarbeitung80%
Benutzerfreundlichkeit80%
Preis-Leistung90%
Vorteile
  • fundierte Bässe
  • elektronische Feinjustage der Geschwindigkeit
  • kein Anti-Skating
Nachteile
  • Anschlusskabel empfindlich
88%Gesamtwertung
Leserwertung: (1 Judge)
100%