Was könnte es Schöneres geben, als sich während der globalen, sozialen Corona-Isolation mal wieder mit seinen Lieblingsplatten auseinanderzusetzen? Genau: Neues Equipment zum Kennenlernen! Wir haben uns den neuen High-End-Plattenspieler Acoustic Solid 110 Metall der schwäbischen Manufaktur Wirth Tonmaschinenbau im Test genauer angeschaut. Der Präzisionsplattenspieler ist der Einstieg in die High-End Schallplattenspieler Welt von Acoustic Solid.

Vinyl allein zu Haus

Im abgedunkelten Hörraum sitzen und eine Platte nach der anderen hören – was sich in der Regel sonderbar anfühlt, während alle Welt den Lenz willkommen heißt, gehört auch während Corona und #stayathome zum Alltag eines HiFi-Redakteurs. Freilich ist auch unsere Branche von der Pandemie gebeutelt und vielerorts werden die wirtschaftlichen Folgen der Krise auf ihre Art ähnlich verheerend sein, wie der Virus selbst. Dennoch hat jeder seine Methoden und Rituale, um bestmöglich durch diese Phase sozialer Isolation zu kommen. Musik gehört bei vielen dazu – selbstverständlich auch beim Team der AUDIO TEST. Wir haben nach wie vor geordert, entpackt, aufgebaut, verkabelt und getestet was das Zeug hielt. Endlich wieder mit dabei ist nach genau einem Jahr die schwäbische Phono-Schmiede Acoustic Solid. In Ausgabe 04/2019 der AUDIO TEST sahnte zuletzt das Vintage Exclusive Laufwerk mit 88 Prozent ein „Sehr Gut“ ab. Zwar war das Modell ob seiner Schlangenleder-Optik nicht nach Jedermanns Geschmack, dafür wusste das System klanglich auf ganzer Linie zu überzeugen. Tatsächlich schnitten bisher alle Geräte der Schwaben mit einem „Sehr Gut“ oder gar besser ab. So auch der Acoustic Solid 111 Plattenspieler und der Solid 111 Metall, damals in den Jahren 2011 und 2013. Nach beinahe einem Jahrzehnt stattet uns nun für die aktuelle Ausgabe ein direkter Verwandter des Solid 111 Metall einen Besuch ab – der Acoustic Solid 110 Metall.

Test: Acoustic Solid 110 Metall Plattenspieler mit Ortofon Red Tonabnehmer Review Turntable
Am frontseitigen Ausleger des Gehäuses finden wir die Motorsteuerung.

Acoustic Solid 110 Metall

Der Acoustic Solid 110 Metall Plattenspieler macht auf den ersten Blick einen ebenso robusten wie leichtfüßigen Eindruck. Das massive Aluminium-Laufwerk ruht auf drei Vollaluminium-Füßen, welche eng stehend unter der Basisplatte verborgen sind, sodass der Plattenspieler nahezu auf dem Sideboard zu schweben scheint. Motor und Plattenteller sind zwar nicht komplett voneinander entkoppelt, jedoch teilen sie sich über eine schmale Strebe nur das Gehäusefundament des Laufwerks. Auf zwei weiteren Auslegern sind hinten die Tonarmbasis und vorne die elektronische Motorsteuerung verbaut. Somit genießt der 110er von Acoustic Solid eine weitestgehend akustisch optimierte Laufwerksform, wie wir sie auch bereits von anderen Geräten des schwäbischen Herstellers kennen. Das ganze Erscheinungsbild ist auch beim 110 Metall überaus aufgeräumt und auf das Wesentliche reduziert. Auch ein Blick auf das Tellerlager unterstreicht unseren bisher stets positiven Eindruck von der Verarbeitung eines Acoustic Solid-Plattenspielers. Auf einem mit einer Teflonscheibe bedämpften Lagerboden geht dann ein geschliffener Lagerdorn zu Werke, in welchen zugunsten optimierter Laufruhe eine Keramikkugel eingelassen ist. Geschmeidig gehalten wird das gesamte Arrangement von einem flüssigen Kunststoff gleiter, welcher vor der Inbetriebnahme des Geräts erstmal in Ruhe einlaufen sollte. Schließlich gilt es hier, einen massiven sechs Kilogramm (kg) schweren und drei Zentimeter (cm) hohen Voll-Aluminiumteller zu tragen. Als Auflagen fügt Acoustic Solid dem 110 Metall sowohl eine Ledermatte als auch eine drei Millimeter (mm) feine Plexiglasscheibe bei. Angetrieben wird das Ganze von einem Berger Lahr Synchronmotor, welcher wie auch bei anderen Vertretern der Acoustic Solid-Kollektionen über einen feinen Nylon-Silikon-Riemen mit dem Teller verbunden ist.

Test: Acoustic Solid 110 Metall Plattenspieler mit Ortofon Red Tonabnehmer Review Turntable Riemen
Angetrieben wird der Plattenteller via Nylon-Silkon-Riemen.

Musikalisch wird es schlussendlich beim Tonarm. Dieser stammt aus dem Hause Rega und ist somit keine Eigenkreation der Schwaben, dennoch ebenso ein kleines Kunstwerk. Schließlich haben die Briten den Tonarm auf direkten Wunsch von Firmenchef Karl Wirth angepasst. Die federgetriebene Auflagekraft-Einstellung des Arms entfällt somit, stattdessen wird hier auf ein klassisches Auflagegewicht zurückgegriffen. Für die anfängliche Justage des Auflagegewichts liegt dem Laufwerk ab Werk eine Tonarmwaage bei – Ein Detail, das wir sehr zu schätzen wissen. Außerdem lässt sich der Tonarm problemlos in der Höhe verstellen, falls sich für eine externe, dickere oder dünnere Tellerauflage entschieden wird. Bei beiden Einstellungen handelt es sich um essenzielle Konfigurationen, welche Sie unbedingt vor der ersten Performance Ihres neuen Plattenspielers vornehmen sollten. Auf ein Anti-Skating-Gewicht verzichtet der Tonarm ebenfalls. Die Kompensation der Fliehkräfte, welche auf das gerade ausgeführte Tonarmrohr wirken, geschieht über einen Mechanismus im Inneren der Tonarmbasis. So kennen wir es von Acoustic Solid, Rega und vielen weiteren Herstellern. Nicht die formschönste Lösung wie wir finden, aber auf jeden Fall zweckdienlich. Ein weiteres kleines ästhetisches Manko bemerken wir, als wir den Acoustic Solid 110 Metall ans Stromnetz hängen. Denn das Stromkabel wird seitlich in den frontseitigen Ausleger eingeführt, welcher die Motorsteuerung beherbergt. Somit ist das Kabel stets etwas prominent, was das sonst äußerst elegante Auftreten des Plattenspielers ein wenig schmälert.

Test: Acoustic Solid 110 Metall Plattenspieler mit Ortofon Red Tonabnehmer Review Turntable Kabel Cinch
Die Cinch-Stecker sind wie bei Acoustic Solid üblich von sehr guter Verarbeitung.

Setup & Performance

Bevor wir den Plattenspieler 110 Metall von Acoustic Solid für unseren Testbericht in Betrieb nehmen, stellen wir nochmal sicher, dass der Tonarm parallel zum Plattenteller läuft. Außerdem justieren wir Kröpfungswinkel und Auflagewicht des Tonabnehmers nach. Für den Ortofon Red, welchen Acoustic Solid dem Spieler von Werk aus spendiert, empfiehlt sich übrigens ein Auflagegewicht von etwa 1,8 g. Außerdem überprüfen wir den Gleichlauf des Plattentellers. Hierfür gibt es tatsächlich eine kostenfreie Smartphone-App, welche die Messung über Gyroskop- Sensoren bewerkstelligt. Natürlich nicht so zuverlässig wie ein professionelles Messinstrument, aber für die Heimanwendung durchaus empfehlenswert. Wir kommen beim Acoustic Solid Metall 110 auf eine Abweichung von lediglich 0,14 UPM vom Sollwert: 33, beziehungsweise 45 Umdrehungen die Minute. Was die Positionierung des Laufwerks angeht, so empfiehlt sich eigentlich eine Unterbringung des Plattenspielers abseits des Stereodreiecks. Denn eine Aufstellung zwischen den Lautsprechern erhöht das Risiko der störenden Einflussnahme tieffrequenter Signale auf die Performance des Laufwerks.

Nun kann es dafür endlich losgehen. Wir bespielen mit unserem Testmuster übrigens unseren Referenz-Verstärker von Rotel, welcher seinerseits ein Paar D17 aus Definitive Technologies Demand-Serie antreibt ( lesen Sie hier unseren Test). Als erstes führen wir uns einen unserer absoluten Favoriten des Jazz zu Gemüte: „Blues & Roots“ von 1960. Neben Charles Mingus himself unter anderem mit Dannie Richmond, John Handy und Mal Waldron. Eine Scheibe zum Niederknien. Und wir müssen gestehen, dass die Art und Weise, wie Acoustic Solids 110 Metall Plattenspieler hier zu Werke geht, von kaum überraschender Qualität ist und ganz nach unserem Geschmack. Ein wohlig warmer Bass klingt straff fundiert, die Timbres der Bläser sind voll und organisch, ohne bauchig zu klingen. Beim zweiten Titel „Cryin‘ Blues“ erklingen Richmonds Drums, Waldrons Piano und Mingus Bass so reduziert, dass es für einige Ketten hier schwierig wird, die Spannung hoch zu halten. Doch das Laufwerk aus dem schwäbischen Altdorf behält hier durchweg die Kontrolle und lässt nichts unter den Tisch fallen. Bei „Moanin‘“ geht es dann gleich wieder in die Vollen. Der Schallplattenspieler agiert hier gleichsam spritzig wie umsichtig. Mit viel Liebe zum Detail gibt der Schwabe die Musik zum Besten.

Wie verhält es sich jedoch mit etwas Zeitgenössischem? „Breaking English“, das 2018 erschienene Album von Rafiq Bhatia, vereint feingezeichnete organische Klangfarben mit brachialen Klangflächen und verarbeitet diese knallenden Kontraste zu einem erzählerisch hervorragenden Gesamtwerk, welches der 110 Metall auf seine Weise schön zu erzählen weiß. Vielleicht etwas sehr geschliffenes Top-End, dafür aber facettenreiche Schattierungen in Mitten und Bässen. So lassen sich auch maskierte Hallfahnen noch präzise erkennen und etwa die Transienten einer nach Ratatat-Manier gesanglichen Gitarre wunderbar nachvollziehen. Text: Alex Röser, Stefan Goedecke

Acoustic Solid 110 Metall Plattenspieler – Preis und Verfügbarkeit

Den Acoustic Solid 110 Metall Plattenspieler gibt es zum Preis von 1.395 Euro (UVP) im Fachhandel zu kaufen.

Mehr Infos unter: www.acoustic-solid.com

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 4/2020.

► Lesen Sie hier: Vor Ort Besuch bei Acoustic Solid Plattenspieler in Altdorf – Aus Liebe zum Detail

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Test: Acoustic Solid 110 Metall Plattenspieler mit Ortofon Red Tonabnehmer
Zweifelsohne hat man es mit Acoustic Solids 110 Metall Plattenspieler mal wieder mit einem echten Musiker zu tun. Winzige bauliche Beanstandungen gleicht das Laufwerk durch eine insgesamt hervorragende Ausführung und eine erstklassige Performance aus. Manufakturqualität, die überzeugt.
Wiedergabequalität88%
Ausstattung/ Verarbeitung87%
Benutzerfreundlichkeit81%
Preis/ Leistung90%
Vorteile
  • tolle Verarbeitung
  • lebendiger Klang
Nachteile
  • Stromkabel optisch ungünstig montiert
87%Gesamtergebnis
Leserwertung: (2 Votes)
89%

Bildquellen:

  • Acoustic-Solid-110-Metall-Plattenspieler-Test-02: Auerbach Verlag
  • Acoustic-Solid-110-Metall-Plattenspieler-Test-03: Auerbach Verlag
  • Acoustic-Solid-110-Metall-Plattenspieler-Test-04: Auerbach Verlag
  • AUDIO TEST Magazin Ausgabe 0421 2021 Mai: Auerbach Verlag
  • Acoustic Solid 110 Metall Plattenspieler Test: Auerbach Verlag