Die US-amerikanische Lautsprechermarke Definitive Technology (im Vertrieb von Sound United) zählt hierzulande noch eher zu den Underdogs. Dabei haben sie bereits den Segen von höchster Stelle. Nachdem uns bereits der kompakte Lautsprecher Demand D7 überzeugte, kommt hier nun der Bericht zu den Standlautsprechern Demand D17 und D15.

Im Zeichen der Königin

Nicht nur aufgrund der hohen koordinativen Anforderungen an den Musiker, sondern auch ob der gewaltigen baulichen Komplexität, gilt die Pfeifenorgel als die Königin der Instrumente. Kein anderes Instrument vermag über das gesamte vom Menschen hörbare Spektrum eine vergleichbare Diversität an Timbres zu formulieren. Wer das Orgelspiel beherrscht, gilt als Meister seiner Zunft. Aber auch Orgelbauern eilt ein großer Ruf voraus. Wenn ein Elektroakustiker den ungeheuren Obertonreichtum, sowie den raumfüllenden Schalldruck eines solchen Bauwerks imitieren möchte, muss er ohne Zweifel alles aufwenden, was die im Vergleich zur Historie der Orgel noch recht junge HiFi-Historie anzubieten hat. Warum wir Ihnen das erzählen? Ganz einfach: Weil sich Definitive Technology mit aller Bescheidenheit zu der Riege der Königlichen zählen darf, auch wenn der Grund hierfür ein überaus tragischer ist. Und zwar begab es sich infolge der Anschläge vom 11. September 2001 in New York, dass die im Original 1846 von Henry Erben erbaute Pfeifenorgel der am Fuße der Wall Street und nur wenige Meter von Ground Zero gelegenen Trinity Church aufgrund starker Beschädigungen durch eine „virtuelle“ Orgel ersetzt wurde: die Opus 1 „Epiphany“. Für den Auftrag zur Herstellung der Wiedergabe-Elektronik wurde eine öffentliche Ausschreibung aufgesetzt, bei welchem sich das damals ein knappes Jahrzehnt junge Unternehmen Definitive Technology gegen namenhafte Konkurrenten wie Klipsch und Co. durchsetzen konnte. Aus der Demand-Kollektion der Amerikaner hatten wir zuletzt in AUDIO TEST Ausgabe 01/20 den Kompaktlautsprecher D7 zu Gast.

Definitive Technology Demand D15 D17 Lautsprecher Speaker Test Review
Die rückseitigen Anschlussterminals ermöglichen auch Bi-Wiring und Bi-Amping.

Demand-Serie

Dieser erhielt vom Redaktionskollegen Jörg Schumacher das Prädikat „Gut“ mit 80,5 % ( lesen Sie hier unseren Test). Besonders gefiel uns neben der klanglichen Abstimmung vor allem das Stereobild des Lautsprechers. Dies profitiert bei den Vertretern der Demand-Serie unter anderem vom kennzeichnend asymmetrisch im Aluminium-Frontpanel untergebrachten Hochtöner. Dadurch wird eine symmetrische Beugung abgegebener hochfrequenten Signale unterbunden. Zusätzlich wird das Abstrahlverhalten der Kalotte durch eine so genannte Wave Alignment Lense optimiert, welche, direkt vor dem Hochtöner sitzend, das ausgegebene Signal in die Breite streut. Worauf beim D7 aufgrund seiner Beschaffenheit als Regallautsprecher jedoch verzichtet wurde, sind die beiden markanten Passivradiatoren der Standlautsprecher-Modelle D15 und Definitive Technology Demand D17.

Beiden Speakern wurden nämlich jeweils zwei üppige Passivtreiber spendiert, welche links und rechts in die gerade mal 23 Zentimeter (D15), beziehungsweise 25 Zentimeter (D17) schmalen Gehäuse eingelassen sind. Die Vorteile eines solchen Bass-Supports sind schnell erläutert. Zum einen gestaltet sich der Lautsprecher somit wesentlich flexibler in der Aufstellung, da sie nicht wie die meisten rückseitig montierten Bassreflex-Ports auf die Reflexion umliegender Wände angewiesen sind. Zum anderen laufen Passivradiatoren nie Gefahr, ungewünschte Nebengeräusche zu produzieren. Hörbare Luftströme, welche aus Bassreflexkanälen austreten, stellen wohl das größte Manko dieser Bauweise dar und lassen sich nur äußerst schwer unterbinden.

Vervollständigt wird das Treiberensemble von D15 und D17 von zwei Kohlefaser-Tieftönern von 5,25 Zoll bzw. 6,5 Zoll Durchmesser und jeweils einem kongruenten Mitteltöner. Auch dieser birgt die ein oder andere Definitive Technology-spezifische Charakteristik. Zum einen wäre da die Beschaffenheit des Treibers selbst. Die hier angewandte hauseigene BDSS-Technologie steht für Balanced Double Surround System. Allerdings ist die Namensgebung etwas irreführend, denn mit Surround-Sound hat diese Methode nur indirekt etwas zu tun. Konkret geht es hier um eine doppelte Gummisicke auf der Vorder- und Rückseite des Treibers, welche eine größere Auslenkung des Treibers ermöglicht und letztendlich wieder in einer raumfüllenden Performance münden soll. Obendrein reduziert diese Konstruktion aufkommende Signalverzerrungen.

Hinzu kommt der Linear Response Waveguide. Dieser streckt zum einen das Frequenzband, auf welchem das Chassis agiert und sorgt gleichzeitig für eine breite Abstrahlung. Wir merken also immer wieder, dass Definitive Technology hier seinem Credo gerecht werden will, eine raumfüllende Musikwiedergabe zu ermöglichen und den Sweet Spot auf den gesamten Raum anzuwenden. Alle Treiber bekommen bei beiden Standlautsprecher-Modellen übrigens ihre eigene Kammer im überaus schmalen Gehäuse zugewiesen, wobei der Mitteltöner komplett isoliert verbaut wurde, Hoch- und Tieftöner hingegen teilen sich die Gehäuseresonanz durch offene Kammern.

Definitive Technology Demand D15 D17 Lautsprecher Speaker Test Review
Das Treiberensemble ist kennzeichnend für die Demand-Serie von Definitve Technology.

Definitive Technology D15 Standlautsprecher

Doch wie verhält sich der technische Aufwand, welchen der Hersteller hier betreibt, in der Praxis? Wir positionieren die beiden D15-Standlautsprecher in unserem Hörraum und achten dabei auf die Ausrichtung des Hochtöners, welcher die Rolle des Lautsprechers im Stereo-Setup vorgibt. Beide Speaker wollen so aufgestellt sein, dass die Hochtöner außen liegen. Als Zuspieler greifen wir auf unser Referenz-Ensemble aus Cambridge Audio-Netzwerkplayer und Rotel-Vollverstärker zurück. Um den Bogen zu der eingangs angerissenen Anekdote zu schließen, widmen wir uns in diesem Test Max Regers Sinfonischer Fantasie und Fuge – die sogenannte Inferno-Fantasie, gespielt von Iver Kleive. Dieser registriert die Orgel im Gegensatz zu den meisten anderen Aufnahmen zu Beginn äußerst voll und scharf. Hier die komplette Obertonfülle feingezeichnet auszuformulieren, ist alles andere als ein Kinderspiel. Dem D15 von Definitve Technology gelingt dies sehr gut. Sehr emanzipiert kommen klar umrissene Mitten auch gegen noch so schrille höhere Register durch. Und tatsächlich hält der Lautsprecher, was der Hersteller verspricht: Der Sound ist allemal raumfüllend und auch abseits des eigentlichen „Sweet Spots“ vollmundig und direkt.

Definitive Technology Demand D17 Standlautsprecher

Beim großen Bruder, dem Standlautsprecher Definitive Technology Demand D17, verhält sich das nicht anders. Der Klang ist sogar noch etwas ausgereifter und straffer in den tiefen Mitten und Bässen. Während die etwas zurückhaltender registrierten Fugen-Momente mit sehr viel Feingefühl und Hingabe ausformuliert werden, weiß der D17 in den tatsächlich eher infernalischen Passagen auch ordentlich Pathos aufzutragen. Besonders gefällt uns eine Stelle nach etwa zehn Minuten: Über einen beinahe Infraschall-tiefen Orgelton entschweben wenige verbliebene Register weit in die sakral hallende Tiefe des Kirchenschiffs. Hier glänzt vor allem der Definitive Technology Demand D17 durch eine so überaus authentische Zeichnung der Hallfahne, dass es uns tatsächlich beinahe von den Füßen haut, als ohne Vorwarnung wieder alle Register gezogen werden. Durchaus kein Stück für zarte Gemüter. Aber hören Sie doch selbst unbedingt einmal rein bei Gelegenheit! ■ Text: Alex Röser, Stefan Goedecke

Preis und Verfügbarkeit

Die Definitive Technology D15 Standlautsprecher gibt es für 3.399 Euro (Paarpreis) im Fachhandel zu kaufen. Das größere Modell Definitive Technology D17 kostet 4.999 Euro (Paarpreis).

Mehr Infos unter: www.definitivetechnology.com

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 4/2020. Die dargestellte Testwertung von 90% sowie die u.s. Wertungstabelle bezieht sich auf den Definitive Technology Demand D17. Die D15 Standlautsprecher erzielten im Test eine Gesamtwertung von 88,5%.

► Lesen Sie hier unseren Test der Definitive Technology Demand D7 Regallautsprecher

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Test: Definitive Technology Demand D15 und D17 Standlautsprecher

Definitive Technology Demand D17

Die Demand-Serie von Definitive Technology ist optisch zeitgemäß und technisch komplex ausgeführt. Der größte Vertreter der Kollektion stellt da natürlich keine Ausnahme dar. Satte Bässe, fein gezeichnete Mitten und eine überragende Räumlichkeit stechen hier als Kernattribute hervor.

Definitive Technology Demand D15

Raumfüllend und musikalisch – diese beiden Charakterzüge beschreiben den D15 nicht nur auf dem Datenblatt des Herstellers bestens. Das Zusammenspiel aus Passivradiatoren, eingerücktem Hochtöner und spezieller Wave Guide sorgen hier für eine Aufl ösung des Sweet Spots und einen Raumklang der Extraklasse.

Wiedergabequalität92%
Ausstattung/ Verarbeitung99%
Benutzerfreundlichkeit71%
Preis/ Leistung89%
Vorteile
  • raumfüllender Sound
  • sehr gutes Bass-Fundament
Nachteile
  • Keine
90%Gesamtergebnis
Leserwertung: (2 Votes)
89%

Bildquellen:

  • MG_5388: Auerbach Verlag
  • MG_5353: Auerbach Verlag
  • AUDIO TEST Magazin Ausgabe 03 2021: Auerbach Verlag
  • Definitive Technology Demand D15 D17 Lautsprecher Test: Auerbach Verlag