Die alte Weisheit „In der Ruhe liegt die Kraft“ scheint man sich auch bei Acoustic Solid zu Herzen genommen zu haben. Vollkommen zu Recht, wie unser Testbericht zum Acoustic Solid 311 Metall Plattenspieler beweist.

Seismograph der Gefühle

Für uns, das müssen wir an dieser Stelle gestehen, ist es immer eine besondere Freude Pakete von Acoustic Solid, also vom Absender Tonmaschinenbau Wirth aus Altdorf unweit der schwäbischen Alb, zu bekommen. Wir sind ein bisschen voreingenommen, ob unserer positiven Erfahrungen in der Vergangenheit, und auch mit der gewissen Erwartungshaltung ausgestattet. Spoiler vorab: Auch beim vorliegenden Acoustic Solid 311 Metall Plattenspieler-Modell, einem Masselaufwerk, sollten wir nicht enttäuscht werden.

Made in Germany

Seit 1996 nun schon baut Karl Wirth und sein Team in feinster Manufaktur-Tradition Plattenspieler auf Weltklasse-Niveau. Alle Arbeitsschritte sind wohlüberlegt, alle Prozesse auf kurzem Weg zusammengeführt. Gut geschulte und geduldige Mitarbeiter, viel Liebe zum Detail und eine einzigartige Form von Kompromisslosigkeit, besser bekannt als Hingabe.

Einen Acoustic Solid Schallplattenspieler zu bekommen, ihn aufzubauen und spielen zu hören, ist für uns daher so etwas wie Weihnachten und Ostern zusammen. Eigentlich soll man ja keine goldenen Kälber anbeten, aber da es sich hierbei um Aluminium handelt, drückt der liebe Gott sicher mal ein Auge zu. Acoustic Solid ist dafür bekannt, dass nahezu alle verwendeten Materialien im Haus selbst verarbeitet werden (▶ lesen Sie hier unseren Vor-Bericht bei Acoustic Solid) und Tools und Bauteile selber im Haus angefertigt werden und nur ganz wenig zugekauft werden muss.

Bei einem Produkt, das aus so vielen Einzelteilen besteht, ist das eine beachtliche Leistung. Es kommt am Ende also wirklich nahezu alles aus einer Hand. Das sieht man bereits den Paketen an, in denen der Acoustic Solid 311 Metall ankommt. Plural? Ja, denn hier ist alles wie ein großes Lego-Set fein säuberlich zerlegt und gepuffert verpackt. Wir haben uns für den Acoustic Solid 311 Metall gute zwei Stunden Zeit genommen, vom Öffnen der Kartons, bis zum ersten Ton in vollem Aroma. Es ginge auch schneller, aber es macht einfach so viel Laune sich an diesem Teller jeder Schraube zu widmen.

Hochglanz, wohin das Auge sieht. Viele wissen nicht, wie viel Handwerk hier drin steckt.

Technik

Zum Lieferumfang unseres Testmodells gehört der 9-Zoll Tonarm WTB 230 mit Rubinlager zum Stückpreis von 1.850 Euro und ein MC-Tonabnehmersystem Shelter 301 II für einzelne 998 Euro. Das Laufwerk komplett, so wie wir es getestet haben, bietet Acoustic Solid für insgesamt schlappe 3.899 Euro an (Stand: November 2021).

Gemessen an der Qualität so einiger Brettspieler, ist das für ein Masselaufwerk in der Qualität und Ausführung ein Kampfpreis. Mit einem 370er Rega Arm wird es sogar noch günstiger. Gerade einmal 2.899 Euro für einen Dreher der gehobenen Mittelklasse in diesem Segment. Für ein waschechtes Masselaufwerk quasi ein echter Schnapper!

Angetrieben wird der polierte Aluminium-Teller von Zwillingsriemen und einem Außenbord-Motor, der eine überarbeitete Motorsteuerung spendiert bekommen hat, die mit im großen Gehäuse untergebracht wurde. Gelagert ist das Laufwerk auf einer stabilen Dreibeinkonstruktion, die in Spikes und Unterteller mündet.

Makellos

Die technologische Umsetzung ist makellos. Die Oberflächen sind fast zu schön um sie anzufassen. Jedes Mal, wenn wir das Gegengewicht korrigieren, um die Auflagekraft für den Tonarm einzustellen, möchten wir ein Poliertuch zupfen. Zum Glück macht man das ja nicht jeden Tag, und das Setup geht für den geübten Phonoisten leicht von der Hand. Aber wenn das Ihr erstes Laufwerk ist, was Sie selber zusammenbauen möchten, sei Ihnen versichert: Die Dokumentation ist einzigartig gut.

Nicht nur, dass zu technischen Herausforderungen jeweils bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitungen beiliegen. Man geht sogar so weit und gibt dem glücklichen Plattentellerbesitzer umfangreiches Infomaterial über diverse technische Herausforderungen und fundierte Antworten auf fachliche Fragen mit an die Hand.

Auch im Bereich Zubehör wird nicht gespart: Tonarmwaage, Lageröl, Werkzeuge. Alles dabei, was das Herz begehrt. Denn es gibt vermutlich nichts Schlimmeres als sich einen neuen Plattenspieler zu kaufen, der dann am Ende des Tages nicht in Schwung kommt. Wird beim Acoustic Solid 311 Metall garantiert nicht passieren, denn bei diesem wunderschönen Laufwerk ist man besonders auf das Lager und seine Eigenschaften stolz.

Hier kommt zum Beispiel bei der Seitenführung der Tellerlagerachse kein herkömmliches Messing zum Einsatz, sondern ein Gleitbelag aus dem Messmaschinenbau. Wir haben es also sinngemäß mit einem echten Messgerät zu tun. Zur Vermessung von Emotionen. Ein Seismograph der Gefühle.

Das dem Paket beigefügte Shelter 301 II MC-Tonabnehmersystem passt stilsicher zum Laufwerk. Die Ruhe und Kraft des Antriebs kommt dem filigranen Spulenwandler entgegen.

Sound

Wir legen also direkt los und Gregory Porters „Take Me To The Alley“ auf. Die Eigenschaften der Masse des Laufwerks kommen sofort zur Geltung. Der Acoustic Solid 311 spielt, wie er aussieht. Sonor, aber auch unantastbar. Das Signal hat Saft, die Bühne steht straff und klar aufgefächert.

Die Ruhe der Darbietung bleibt von herkömmlichen Mitbewerbern unerreicht. Kein Vergleich mit einem Plug-and-Play-Dreher. Die Durchsetzungskraft eines gut eingestellten Plattenspielers spielt jede mittelmäßig öde Ab-Werk-Konstruktion an die Wand. Sie können unmittelbar hören, wenn Sie an der ein oder anderen Stellschraube gedreht haben. Hier wird Vinyl erlebbar und erfahrbar.

Wenn Sie uns fragen: Solche Plattenspieler sollten in jeder Schule im Physik- und Musikunterricht stehen. Mit Ihnen lässt sich nicht nur ausgezeichnet Musik hören, sondern Physik auch haptisch erklären. Etwas, was ein Smartphone nie schaffen wird.

Während die Porter-Platte auf die Leerrille läuft, zücken wir noch ein paar elektronische Samples. Die Band Air hat es zu diesem Test auf den Teller geschafft. Denn bei allem euphorischen Überschwung und der innerlichen Befriedigung der schwarzen Lust, wollen wir noch helle und synthetische Klänge verkosten. Doch auch hier strahlt das Herz. Im Gegensatz zu vielen anderen Drehern, wo das Klangbild tendenziös Richtung Bass oder Transparenz kippt, hält der 311 angenehm die Waage.

Ein Setup, dass durchdacht, kundenfreundlich kalkuliert und famos umgesetzt ist. Der Acoustic Solid 311 Metall High End Plattenspieler ist eine Benchmark seiner Kategorie. Energie ist Masse mal Geschwindigkeit im Quadrat, hat Einstein mal behauptet. Wir glauben jedoch, dass er sich getäuscht hat. Es müsste lauten: Energie ist Masse mal Geschwindigkeit im Kreis. Acoustic Solid hat diese Formel längst durchschaut.

Eine interessante und sinnvolle Konstruktion ist der Doppelrundriemen. Die Konstruktion ist auch nötig, denn irgendwie muss die Kraft auf die Masse kommen.

Preis und Verfügbarkeit

Den Acoustic Solid Metall Plattenspieler gibt es aktuell zum Preis von 3.500 Euro (UVP) mit WTB 370 Tonarm und hochwertigem Tonabnehmersystem im Fachhandel zu kaufen.

Webseite: www.acoustic-solid.com/solid-311-metall

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 08/2021

▶ Lesen Sie hier: Test: Acoustic Solid Vintage Exclusive Plattenspieler mit Ortofon Quintet Red Tonabnehmer

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Test: Acoustic Solid 311 Metall - High End Plattenspieler aus Aluminium
Für uns steht fest: Acoustic Solid steht für Qualität und Integrität, die überzeugt und die bleibt. Mit dem 311 Metall legt Karl Wirth ein großzügig ausgestattetes Masselaufwerk mit ansprechenden Maßen vor, dass dabei dennoch überraschend erschwinglich bleibt.
Wiedergabequalität 97%
Ausstattung/Verarbeitung 100%
Benutzerfreundlichkeit 80%
Preis/Leistung90%
Vorteile
  • herausragende Verarbeitungsqualität
  • druckvoller Klang
Nachteile
  • keine
94%Acoustic Solid 311 Metall
Leserwertung: (5 Votes)
71%

Bildquellen:

  • Acoustic Solid Metall 311 Test Review: Auerbach Verlag (alle)