Kann viel Technik auch gut klingen?

Was Hersteller heute in einen aktuellen AV-Receiver an Technik unterbringen können, ist erstaunlich. Der TX-NR656 von Onkyo trumpft mit einer Menge an Merkmalen und Features auf, ob er dabei auch noch gut klingt, klären wir jetzt.

Von Plattenspielern über das erste Doppelkassettendeck und dem ersten 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerk der Welt hin zu Mehrkanal-Verstärkern und AV-Receivern, so kann die Geschichte des japanischen Unterhaltungselektronikherstellers kurz zusammengefasst werden. Mit dem Onkyo TX-NR656 bringen sie auf jeden Fall einen AV-Receiver auf den Markt, der für viele interessant sein dürfte, denn er verspricht viel fürs Geld.

Optisch ein Klassiker

Optisch ist der Onkyo TX-NR656 ein Klassiker unter den AV-Receivern. Das wuchtige Gehäuse präsentiert sich selbstbewusst und fast schon aufdringlich. Es ist in Schwarz und Silber erhältlich, wobei es uns in Schwarz ein wenig besser gefällt, da der Receiver damit seine klassische Note betont. Dank der Wahltasten für die Eingänge und Regler für Lautstärke usw., können viele Funktionen des Gerätes auch ohne Fernbedienung aktiviert werden. Das ist ein deutliches Plus, denn oft ist sind wir bei Receiver und Verstärker ohne Fernbedienung aufgeschmissen.

Zu erwähnen sei noch die Oberseite, die von einem Lüftungsgitter durchzogen ist. Hier bitte nichts draufstellen oder ablegen. Die Schlitze sind nicht umsonst da, der TX-NR656 erzeugt nämlich ordentlich Abwärme, das ist auch fast normal bei der Menge an eingebauten Features.

Onkyo TX-NR656: Hauptplatine

Onkyo TX-NR656: Ein Blick unter die Haube offenbart, auch im Inneren arbeitet Onkyo sauber

Inneren Werte

Doch genug von den Äußerlichkeiten wenden wir uns den inneren Werten zu. Onkyo bewirbt ihren 7.2-Kanal-AV-Receiver als hochmodernes Kraftpaket. Und richtig: mit der DTS:X- und Dolby-Atmos-Dekodierung kommt ein Receiver daher, der auf den aktuellsten Stand der Technik ist. Mit einem 384-kHz/32-Bit-DA-Wandler AK4458 kann er alle hochauflösenden Tonformate verarbeiten und durch die dynamische Audioverstärkung ist er für hohe Ströme ausgestattet, um eine genaue Steuerung der Schallgeber zu verwirklichen. 

Alle acht HDMI-Eingänge (einer davon ist an der Front) und die beiden HDMI-Ausgänge des Onkyo TX-NR656 unterstützten 4K und HDR. Dazu muss aber angemerkt werden, dass der Onkyo im Gegensatz zu anderen AV-Receivern die Signale lediglich durchschleift. Eine interne Videosignalbearbeitung, mit der Bilder hochgerechnet werden, besitzt leider er nicht. Wer einen Plattenspieler sein Eigen nennt, kann diesen an den Phono-Eingang anschließen. Daneben gibt es noch drei digitale Audioeingänge (zwei optisch und einen koaxial) und acht analoge Audioeingänge. Wie gewohnt können auch zwei parallel betriebene Subwoofer an die Vorverstärkerausgänge angeschlossen werden.

Wir schließen die Lautsprecher an und hängen unseren Blu-Ray-Player an einen der sieben rückseitigen HDMI-Eingänge. Unseren Full-HD-Fernseher haben wir an einen der beiden HDMI-Ausgänge angeschlossen. Nachdem wir den Einschaltknopf gedrückt haben, verbindet sich das Gerät mit dem Netzwerk und meldet ein ausstehendes Update. Nach knapp 20 Minuten ist das installiert. Dieses Update wurde übrigens schon lange von den Nutzern erwartet, denn dank ihm kann der Onkyo endlich das objektbasierte Audioformat DTS-X wiedergeben.

Onkyo TX-NR656: Rückseite

Onkyo TX-NR656: Neben den zahlreichen Ein- und Ausgängen sind hier die zwei WLAN-Antennen gut zu erkennen

Einmessung flott und problemlos

Um den Receiver einzumessen, platzieren wir das mitgelieferte Messmikrofon an der Stelle, wo wir normalerweise sitzen. Anschließend stecken wir es in die Setup-Mic-Buchse an der Front des Receivers. Der erkennt automatisch das Mikro und fragt, für welches Boxensetup die Einmessung erfolgen soll. Ist das eingegeben, geht die Einmessung flott und problemlos vonstatten. Mit dem iPhone kommt Freude auf. Zunächst suchen wir in den Einstellungen nach einer Möglichkeit, das Bildschirmmenü auf Deutsch umzustellen. Doch Deutsch gibt es nicht, schade, wenn wir bedenken, dass der deutsche Heimelektronikmarkt einer der wichtigsten weltweit ist.

Aber schon als wir beim iPhone eines Testers Airplay aktivieren, haben wir die Menü-Sache vergessen. Ohne weiteres zu tun, können wir über den AV-Receiver die Musik vom iPhone hören, dazu wird sogar das passende Cover auf den Fernseher übertragen. Als wir eine Blu-Ray-Disc einlegen, erkennt der TX-NR656 das Signal und schaltet auf den Player. Aktivieren wir Airplay, springt er automatisch zu dieser Signalquelle zurück. Noch mehr Steuermöglichkeiten haben wir mit der Onkyo-App. Dank ihr kann die Fernbedienung in einer Schublade verschwinden. Unser Smartphone wird vom AV-Receiver auch als Server erkannt und die darauf gespeicherten Bilder, Musik und Videos lassen sich per WLAN streamen. Das alles funktioniert auf Anhieb. So sollte Technik für den Endkunden sein.

Onkyo TX-NR656: Frontanschlüsse

Onkyo TX-NR656: Das Messmikrofon hat seinen eigenen Anschluss und sogar ein HDMI-Eingang befi ndet sich in der Front

Installierte Apps

Wir verbinden den Onkyo TX-NR656 mit unserem Netzwerk via LAN. Das würde natürlich auch per WiFi gehen, denn das kabellose Netzwerk unterstützt der AV-Receiver von Hause aus, beziehungsweise per Bluetooth. Auf dem TX-NR656 sind einige Apps installiert, die für Musik-Freunde besonders interessant sind. So finden wir TuneIn, eine Internetradioapp, die aus dem Receiver quasi einen Weltempfänger macht. Spotify ist ebenfalls mit an Bord und liefert die bekannten Playlisten und Musiksammlungen. Pandora darf in der App-Sammlung für Musikliebhaber natürlich nicht fehlen, wobei der Dienst in Deutschland nicht verfügbar ist.

Wesentlich interessanter als diese Apps ist aber Tidal. Der sogenannte High-Fidality-Music-Streaming-Dienst erlaubt für knapp 20 Euro im Monat das Streamen von Musik in CD-Qualität. Wer jetzt glaubt, es mache keinen Unterschied, ob man eine AAC-Datei mit 320 kBit/s oder eine FLAC-Datei mit 1 411 Kbit/s (CD-Qualität) hört, der irrt sich gewaltig. Über den TX-NR656 waren die Unterschiede deutlich hörbar. Beispielsweise ist Adeles Stimme bei ihrem Welthit „Hello“ wesentlich voller und erscheint räumlicher. Das Klavier klingt nuancierter und überhaupt sind die Instrumente viel differenzierter wahrnehmbar. Dazu sei angemerkt, dass im TXNR656 D/A-Wandler arbeiten, die eine maximale Auflösung von 32 Bit bei 384 kHz erlauben. Zwar ist man von dieser Auflösung mit Tidal meilenweit entfernt, aber der Gegensatz von bester AAC-Qualität und CD ist doch deutlicher wahrnehmbar, als erwartet. Natürlich kann man seine High-Res-Quellen auch mit dem Onkyo verbinden und diese in hoher Auflösung anhören.

Der Onkyo TX-NR656 klingt wunderschön und stimmig

Um weiter in die klanglichen Tiefen des AV-Receivers einzutauchen, greifen wir jetzt auf unsere umfangreiche Musiksammlung im Netzwerk zurück. Der Klassiker des Buena Vista Social Club „Chan Chan“ ist unsere erste Wahl. Wunderschön und stimmig setzen die Gitarren ein und der voluminöse Bass fügt sich geschickt ein. Die Stimmen der alten Herren erklingen und uns fällt auf, wie perfekt das Stereobild abgebildet wird. Der Onkyo TX-NR656 schafft es eine Räumlichkeit zu erzeugen, die uns das Gefühl verleiht, in Havanna in einem Club zu sitzen. Live könnte die Musik kaum besser klingen. Der einzige Unterschied wäre, wir würden beim Musikhören eine Zigarre rauchen. In unserem Testraum geht das natürlich nicht.

Tolle Räumlichkeit

Doch wir wollen bei unserem Test musikalisch nicht in der Vergangenheit verweilen, deshalb schließen wir an der Rückseite des AV-Receivers einen USB-Stick an.

Der wird sofort als Netzwerklaufwerk erkannt. Auf dem Stick liegt das 2015 erschienene Album von Diana Panton „I Believe in Little Things“. Wir hören unseren Lieblingssong „In a World of My Own“. Das Sommer-Gute-Laune-Lied macht Lust darauf, sich einfach aufs Rad zu schwingen und durch blühende Wiesen und Felder zu fahren. Das wunderbar sanfte Piano, die helle und klare Stimme der Sängerin und auch die fein abgestimmte Gitarre – alles klingt kompromisslos gut. Auch hier fällt wieder die tolle Räumlichkeit auf.

Aber genug des Lobgesangs auf den tollen Klang, den der Receiver in unseren Testraum zaubert. Ein Manko hat der Onkyo TX-NR656 nämlich und das ist fast peinlich bei einem Gerät mit derart moderner Technik. In einen AV-Receiver gehört natürlich ein Radio. Warum muss der Hersteller hier auf UKW setzen? Allein klanglich hat das digitale Radio so viel zu bieten, dass es unverständlich ist, warum hier eine veraltete Technik genutzt wird. Wir empfehlen TuneIn als eingebaute Alternative.

Weitere Infos: www.onkyo.de

Test: Onkyo TX-NR656 - der Allesklinger
Der TX-NR656 schafft es, der Musik eine authentische Klangfarbe zu geben. Bei einem Gerät, was mehr Funktionen als ein Schweizer Taschenmesser hat, ist das wirklich beeindruckend. Die Entwickler zeigen damit, dass es tatsächlich möglich ist, gut klingende Audio-Elektronik in einem AV-Receiver unterzubringen, ohne dass es teuer werden muss. Nur ein digitales Radio hätten wir uns gewünscht, dann wäre der Onkyo TX-NR656 akustisch gesehen nahezu perfekt.
Wiedergabequalität88%
Ausstattung/Verarbeitung80%
Benutzerfreundlichkeit87%
Preis/Leistung80%
Vorteile
  • sehr gute räumliche Abbildung der Musik
  • ausgewogener, natürlicher Klang
  • mit Onkyo-App sehr einfach zu bedienen
Nachteile
  • UKW statt DAB+
86%Gesamtwertung
Leserwertung: (16 Votes)
54%

Über den Autor

Thomas Kirsche

ist Hörspielmacher, Autor und Journalist. Ob beim Geräusche machen, Musik für ein Hörspiel abmischen oder die beste EQ-Einstellung für den Sound einer Stimme finden, immer ist er auf der Suche nach dem richtigen Klang. Beim Verfassen von Testberichten nimmt er mit Vorliebe die Perspektive des Hörers bzw. Nutzers ein. So zählen für ihn Klang und Bedienbarkeit viel mehr als emotionslose Messdaten.

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