Es gibt immer wieder Neues auf dem HiFi-Markt zu entdecken. So erhielten wir vor kurzem Besuch von Thomas Wendt, Inhaber von Genuin Audio, die sich dem Thema High End verschrieben haben. Persönlich führt er uns sein neues Produkt vor – den Standlautsprecher Pulse.

Thomas Wendt ist umtriebig und ein alter Bekannter aus der HiFi-Szene. Zusammen mit dem Entwickler Michael Weidlich hat er seinen neuen Standlautsprecher auf dem Markt gebracht, welcher gleichzeitig den Namen der Firma präsentieren soll. „Genuin“ heiß ja soviel wie „angeboren“, „ursprünglich“, „original“ oder „echt“. Genau nach diesem Motto präsentiert uns Thomas Wendt sein Schmuckstück in unserem Hörraum. Er will keine 20 Lautsprecher bauen, sondern nur einen: „… in dem alles drin ist“. Wir sind gespannt.

Äußeres

Das wollen wir näher wissen. Das Erste was uns auffällt, ist das kantige Äußere. Schlank ist anders. Doch warum besitzt der Pulse ein „Vordach“? Das ist einfach zu erklären. Der Genuin-Schallgeber gehört zu den „zeitrichtigen“ Schallwandlern. Das heißt, die Anordnung der 3-Wege-Treiber sind nicht nur Laufzeit-korrigiert, sondern werden mit Hilfe einer impuls- und phasenoptimierten Frequenzweiche in ihrer Aufgabe unterstützt. Bei einer richtigen Aufstellung des Lautsprecherpaares sollte das gesamte Frequenzspektrum gleichzeitig am Hörer eintreffen, um so eine detailreiche Wiedergabe auf den Punkt zu gewährleisten. Demzufolge musste der Tieftöner etwas vorgesetzt werden oder, je nach dem wie man es sieht, die Hoch- und Mitteltöner nach hinten gerückt werden. Damit die Schallwellen sich nicht gegenseitig behindern (Interferenzen bei der Wellenausbreitung des Schalls) oder im schlimmsten Fall gar auslöschen, wurde ein kleines „Dach“ konstruiert, welches die Wellen optimal reflektieren und verteilen soll.

Deutlich tritt das „Dach“ des vorgesetzten Tieftöners hervor. Dadurch erhalten die Pulse ein eigenes, charakteristisches Aussehen

Deutlich tritt das „Dach“ des vorgesetzten Tieftöners hervor. Dadurch erhalten die Pulse ein eigenes, charakteristisches Aussehen

Technik, die begeistert

Die 113-Zentimeter-großen Boliden sind bei 4 Ohm bis 120 Watt belastbar. Das sehr gleichmäßige Abstrahlverhalten wird durch die symmetrische Anordnung der Mittelhochton-Lautsprecher erreicht – einer D’Appolito-Anordnung, die Interferenzeffekte minimieren und zusätzlich zu einer besseren räumlichen Auflösung durch die Reduzierung der Schallreflexionen an Fußboden, Wänden und Decken führen soll. In das Chassis eingelassen sind zwei Scan-Speak- Mitteltöner mit beschichteter Fiber- Glass-Membran und einem Neodym-Magneten als Treiber sowie ein Morel Gewebemembran- Hochtöner. Der Tieftöner mit einer beschichten Fiber-Glas-Membran ergänzt das Ensemble. Das Anschlussterminal stammt von der Firma WBT, welche die „Nextgen“-Technologie für ihre Stecker entwickelt hat. Diese Technologie soll die Massespeicher-Effekte reduzieren, in dem man weniger leitende Materialien verwendet. Die Metallmasse wurde bei der Steckverbindung um 90 Prozent verringert. Dadurch ist die Wirbelstrombelastung praktisch beseitigt und das Signal soll klarer klingen. Genau so ein Bauteil wurde in die Pulse eingebaut, um die hohe Klangqualität zu unterstützen. Im Inneren kommen Bauteile der Firma Mundorf zum Tragen. Auch werden die Signalwege kurz gehalten und ummantelte Swisscables finden für die Innenverkabelung Verwendung. Das MDF-Gehäuse mit Hochglanzoberfläche und die passenden höhenverstellbaren Spikes komplettieren den in Handarbeit zusammengebauten Lautsprecher. Die drei Bassreflexöffnungen sind bei beiden Schallgebern an den Seiten spiegelverkehrt angeordnet, so hat man eine variable Bassabstimmung und erreicht ungeahnte Tiefen. Man kann sie nach innen oder nach außen richten und so den optimalen Klang im eigenen Wohn- oder Musikzimmer finden. Durch Verschließen der Öffnungen kann auch die Frequenz und die Intensität des Basses verfeinert bzw. „eingestellt“ werden.

Die drei Bassreflexöffnungen befinden sich entweder links oder rechts von der Front aus und können verschlossen werden

Die drei Bassreflexöffnungen befinden sich entweder links oder rechts von der Front aus und können verschlossen werden

Aufstellung variabel

Doch nun genug von der Beschreibung der hochwertigen Zutaten der Lautsprecher, kommen wir nun zu dem schönen Teil: Da in unserem Hörraum ein Kommen und Gehen von vielen High-End-Produkten ist, mussten auch die Genuin während des Test einmal Platz für ein paar Artgenossen freimachen. Wir hörten uns dennoch an, was die Genuin aus suboptimaler Positionierung leisten und in Bezug auf die Aufstellung sind sie sehr pflegeleicht. Dabei haben wir die Genuin Pulse an zwei verschiedenen Verstärkern getestet. Einem Einsteigerverstärker der 1 000-Euro-Klasse und einem Classé Referenzgerät. Und siehe da, der Unterschied ist deutlich zu spüren. Hält der eine noch einige Frequenzen zurück, erstrahlen die selben Stücke auf dem Anderen mit einer Brillianz deutlich differenzierter – das will heißen: Die Genuin wollen ordentlich angetrieben werden. Alle Komponenten sollten auf die Strecke abgestimmt sein, sonst vergibt man unwahrscheinlich viel Potenzial – so auch bei den Genuin.

Das WBT-nextgen-Terminal ziert die Rückseite der Pulse

Das WBT-nextgen-Terminal ziert die Rückseite der Pulse

Goldfinger & Co

Abgesehen von unserer Test-Stücken, die den Lautsprechern bereits alles abverlangt haben, suchen wir wieder passend für diese Speaker in unserer Musikkiste und versuchen die optimale Musikrichtung für die Genuin aus zu wählen. Beginnen wir mit einer Aufnahme von 1964. Wer kennt nicht die fantastische Stimme von Shirley Bassey, während sie die Titelmusik zum Film „Goldfinger“ intoniert? Ihre sehr bluesige und kraftvolle Stimme braucht eine Basis. Diese erhält sie klar durch die Pulse. Die Lautsprecher tragen sie wie auf Händen zu dem Hörer. Auch die Streichersektion, die genauso wie die Blechbläser einen wichtigen Part der James-Bond- Titelmusik einnimmt, erklingt mit einer grandiosen Räumlichkeit an unser Ohr. Hier merkt man, dass die Genuin-Klanggeber ihren Namen Pulse zu Recht haben. Die Impulstreue, gepaart mit einer großartigen Tiefenwiedergabe hinterlassen Eindruck und in den tiefen, fast bedrohlich grummelnden Parts sehen wir den Bösewicht Gert Fröbe in seiner Rolle als Goldfinger plastisch vor uns – das ist den Pulse sehr gut gelungen, insbesondere die Plastizität und Authentizität der Schallwandler gilt es zu loben. Für ein Debut sind die Pulse außerordentlich gut gelungen, das Stereopanorama lässt uns gut lokalisieren, wo Bassey auf der Bühne steht – großes Kino! Die nächste Aufnahme stammt aus dem Jahre 1983, obwohl die Musik schon 1941 komponiert worden ist. Udo Lindenbergs „Sonderzug nach Pankow“ basiert auf dem Glenn Miller Klassiker „Chattanooga Choo Choo“. Mit diesem Hit füttern wir die Pulse und hoffen, dass sie sich nicht daran verschlucken. Weit gefehlt! Denn Überzeugungskraft oder den Erste-Hilfe-Kasten brauchen wir nicht. Mit den rockigen Klängen, den E-Gitarren und dem Schlagwerk, kommen sie gut zurecht – wenngleich Laufzeitunterschiede bei elektronisch bearbeiteter Musik ohnehin schwer auszumachen sind. Rockiger und interessanter wurde es mit einer Coverversion des Songs „Losing My Religion“ von der italienischen Alternative-Metal-Band Lacuna Coil (Original R.E.M). Kraftvoll erklingen auch hier die Gitarren, während das Schlagzeug, als perfekte Rhythmuseinheit, das Ganze zusammenhält. Selbst als wir die Lautstärke anheben, so dass die Möbel im Hörraum wackelten, konnten sie uns überzeugen. Nichts an Verzerrungen der Tonwiedergabe konnten wir wahrnehmen, die Genuin meistern das Genre Rock ebenso ausgezeichnet wie ältere Aufnahmen.

Zu guter Letzt testen wir sie mit einen klassischen Werk. Dieses Mal soll es die 1972 vom Europarat erklärten Hymne sein: der vierte Satz aus „Beethovens 9. Sinfonie“. Die Aufnahme erschien 2012 unter der Leitung von Daniel Barenboim. Schon alleine der erste Einsatz des Orchesters – dem Trommelwirbel der Pauken, konnte uns ein gefälliges Lächeln auf das Gesicht zaubern. Ja genau. Der Impuls wurde von den Pulse genial und direkt wiedergeben. Da macht Musik hören Freude. Als in der Komposition das Motiv von den Kontrabässen und den Celli wiedergegeben wird, läuft es uns eiskalt den Rücken herunter. Ein warmer und wohliger Klang erfüllt den Hörraum. Die Steigerung lässt nicht lange auf sich warten! Die hohen Streicher übernehmen das bekannte Thema und es wandert durch das ganze Orchester. Einer der Höhepunkte während unseres Testes ist der Choreinsatz im Zusammenspiel mit den Pauken und den Blechbläsern. Was da aus den Genuin Pulse erklingt, ist Weltklasse. Die große Bandbreite der Frequenzen, so fein säuberlich wiedergegeben, schaffen nur wenige Lautsprecher. So stellen wir uns perfekte High-End-Lautsprecher vor!

Fazit

Wieder einmal konnten wir uns überzeugen, dass Qualität ihren Preis hat. Zwar gehören die Pulse von Genuin Audio nicht zu den wirklich günstigen Lautsprechern, aber wer impulstreue, klar differenzierende und handgefertigte Wiedergaberaumwunder haben möchte, sollte hier zugreifen. Die Genuin machen ihrem Firmennamen alle Ehre: „echt“ und „ursprünglich“ geben sie die Musik mit einem fantastischen Raumbild wieder! Auch wenn Genuin mit keinem großen Portfolio aufwarten will – wir sind gespannt, wo die Reise hinführen wird! Ein extra Lob gibt es für die anspruchslose Aufstellungsvarianten der Pulse, wobei wir dennoch die klassische Stereo- dreieck-Aufstellung empfehlen.

Genuin Pulse: Perfektion – echt und ursprünglich
Wiedergabequalität 94%
Ausstattung/Verarbeitung90%
Benutzerfreundlichkeit91%
Preis/Leistung 91%
92%Gesamtwertung

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