Die letzten beiden Jahre waren keine einfachen für die HiFi-Branche. Kurzarbeit, Ladenschließungen, Messeabsagen, Rohstoffmangel oder Explosion der Transportkosten waren nur einige der Probleme, denen sich Hersteller, Vertriebe und Händler stellen mussten. Wir haben daher mit zahlreichen Branchenvertretern gesprochen und gefragt, wie es um die Audiobranche nach zwei Jahren Pandemie bestellt ist.

Dirk Räke von Transrotor: „Dank analoger Technik können wir alles liefern!“

Noch immer hat unsere HiFi-Branche mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Unsere Leser berichten uns vielfach von nicht-lieferbaren Produkten. Lieblings-Lautsprecher, die erst in einem Jahr geliefert werden und Verstärker sowie AV-Receiver, für die keine ausreichenden Chips zur Verfügung stehen. Zudem werden Zulieferpreise in der Industrie teurer, Energie- und Produktionskosten steigen teilweise um ein Vielfaches. Wir fragten Hersteller, Vertriebe und Händler: Wie steht es um die HiFi-Branche 2022*?

Den Anfang unserer Interviewreihe macht Dirk Räke, Geschäftsführer Räke Hifi Vertrieb GmbH, vielen besser bekannt unter der edlen Plattenspieler-Marke Transrotor.

Herr Räke, zunächst einmal: können Sie alles liefern, was Ihre Kunden derzeit nachfragen?

Dank analoger Technik können wir alles liefern!

Wie blicken Sie auf die letzten 2 Jahre Pandemie zurück?

Die Pandemie kam für alle unerwartet und unvorbereitet. Das Wichtigste für uns ist und war, unsere Transrotor Mitarbeiter gesund durch diese Zeit zu bringen. Rein geschäftlich gesehen standen wir natürlich vor einigen Aufgaben, die sich aber alle lösen ließen.

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Relativ schnell hat sich die HiFi-Branche auf die Corona-Situation und die Vorgaben der Regierung eingestellt.

Hat Corona zu Lieferengpässen von Bauteilen geführt?

Alle Lieferzeiten haben sich verändert, einige Prozesse mussten neu organisiert werden.

Wie lange muss der Endkunde im Moment auf ein Produkt aus Ihrem Hause warten?

Wir haben bis auf Ausnahmen keine Lieferverzögerungen, weil wir uns auf die neuen Bedingungen eingestellt haben.

Können Sie überhaupt die Nachfrage erfüllen?

Die Nachfrage ist groß, lässt sich aber bewältigen.

Wäre es aus Ihrer Sicht sinnvoller wieder mehr selbst und vor Ort zu produzieren?

Wir produzieren schon immer vor Ort oder mit einem kleinen Netzwerk aus Betrieben, die alle im direkten Umkreis liegen. Da hat sich nicht viel verändert.

Wie ist aus Ihrer Sicht die Preisentwicklung im HiFi-Segment? Haben die Kunden höhere Preise in Kauf nehmen müssen, um ggf. höhere Produktionskosten auszugleichen?

Einfach gesagt ist alles teurer geworden. Rohmaterial, Energie, Lebenshaltungskosten und damit Gehälter etc. Leider mussten wir deswegen die Preise unserer Transrotor Produkte anpassen.

Inwieweit tragen die Inflationstreiber Energie und Rohstoffe die Preisgestaltung fertiger Produkte?

Höhere Energie- und Rohstoffpreise bedingen höhere Preise für Produkte.

Ist aus Ihrer Sicht inflations- bzw. pandemiebedingt mit höheren Preisen zu rechnen?

Die Pandemie hat allgemein hohe Kosten verursacht, die wieder „hereingeholt“ werden müssen.

Wie hoch könnte ein Preisanstieg ausfallen?

Das ist individuell verschieden.

Könnte damit HiFi für den Kunden neben der Erfüllung persönlicher Bedürfnisse und Wünsche auch eine kluge Geldanlage sein?

Alle Transrotor-Plattenspieler, die ein gewisses Alter haben, sind heute mehr wert als der Anschaffungspreis. HiFi ist allerdings eher zum Hören und Anschauen da. Zum Spekulieren eignen sich andere Dinge wohl besser.

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Die Nachfrage nach HiFi-Produkten war in den letzten 2 Jahren erstaunlich hoch. Doch eignet sich HiFi auch als Geldanlage?

Vermissen Sie den Kontakt zum Kunden auf Messen?

Ja, sehr. Der Kontakt auf Messen war uns immer sehr wichtig für Anregungen und Ideenaustausch. Das kann das Internet für uns nicht ersetzen.

Die MDHT, NDHT, DHT und die HIGH END wollen mit Einschränkungen wieder in diesem Jahr für die Kunden die Möglichkeit schaffen, HiFi vor Ort zu erleben ( siehe Interview). Kann das 2022 angesichts hoher Infektionszahlen „schon wieder“ gelingen?

Wir können natürlich nicht genau vorhersehen, was passieren wird, sind aber sehr zuversichtlich für die Zeit ab April. Die Messebetreiber haben sich ja auch sehr viele Gedanken gemacht, wie sich die Veranstaltungen durchführen lassen. Danke dafür!

Herr Räke, vielen Dank für das Gespräch.

Webseite: www.transrotor.de

*Anmerkung: Zum Zeitpunkt des Interviews war eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts noch in Reichweite. Der fürchterliche Krieg in der Ukraine und die daraus resultierenden Folgen sind daher hier nicht thematisiert worden. Dieses Interview erschien vorab in gedruckter Form in einem großen Leitartikel zum Thema „Corona, Inflation und die HiFi-Branche“ in AUDIO TEST Ausgabe 03/22.

▶ Lesen Sie hier: Test vom Transrotor Alto Plattenspieler mit SME M2-9R und MC Merlo

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Bildquellen:

  • Hifi-und-Corona-Seite-18: Auerbach Verlag
  • Hifi-als-Investment-Seite-18: Kzenon/stock.adobe.com
  • Interview des Monats – Dirk Räke – Transrotor: Auerbach Verlag / Deemerwha studio/stock.adobe.com / Tryfonov/stock.adobe.com / ake1150/stock-adobe.com / Grecaud Paul/stock.adobe.com / Räke HiFi