R&B gehört zu den Musikrichtungen, die der Zeitgeist bisher verschonte. Und so bleibt auch der Sound von Destiny`s Child oder anderen Vertretern ihrer Zunft scheinbar für immer frisch. Das soll allerdings nicht heißen, es gäbe im R&B nichts Neues zu verkünden. Wir kümmern uns heute mal um so eine Neuerscheinung. Die kanadische Künstlerin TiKA veröffentlicht am 26. Februar ihr Debüt „Anywhere But Here“. Sie ist Musikerin, Sängerin, Songschreiberin, Filmemacherin, Model und Kuratorin in einer Person.

TiKA für Dance und Black Music

TiKA Anywhere But Here

Zu ihrem eigenen Album ist TiKA eher zufällig gekommen. 2015 springt die in Toronto aufgewachsene, heute in Montreal lebende TiKA bei einer Veranstaltung für einen verspäteten Sänger ein. Sie performt den Prince-Hit „I Would Die 4 U“ (auf diesem Album enthalten). In Retrospektive ist dies der Eintritt in eine vielversprechende Karriere. Aufgrund des positiven Feedbacks wird TiKA als Sängerin aktiv, nimmt zwei EPs auf (2015 und 2016) und spielt in Kanada und den USA u. a. im Vorprogramm von John Legend und Nao. Als logischer nächster Schritt erscheint nun das Debüt-Album. TiKA steht für Dance, Black Music und anspruchsvollen, klanglich wie textlich komplexen Pop. „Futuristic nostalgia“ wie sie ihren Style selbst beschreibt.

„Mein neues Album „Anywhere But Here“ umfasst die Erkundung meiner Queerness, verlorene Liebe, Missbrauch, Verlassenheit usw. Ich wollte von all diesen Gefühlen und Emotionen wegkommen. Ich habe das Album „Anywhere But Here“ betitelt, weil ich jeden Song geschrieben habe, als ich in einem Zuhause lebte, in dem ich nicht sein wollte. Im Nachhinein betrachtet, war ‚hier‘ genau der Ort, an dem ich sein musste. Präsent und in der Unbequemlichkeit meiner Realität und meiner Fehler. Träumen half mir zu erkennen, dass das Problem nicht die Räume waren, sondern vielmehr das Unbehagen, das ich in mir selbst hatte. Es dauerte Jahre, bis ich zu dieser Realität erwachte. Wir sind alle gut und wir sind alle böse. Wie wir die Welt außerhalb der inneren Welt von Schmerz und Vergnügen sehen, spielt eine große Rolle dabei, wie wir als eine Menschheit zusammen funktionieren. Ich bete, dass wir alle gemeinsam durchkommen. Asé.“

Eine reife Mischung

Der Begriff Asé stammt aus dem Nigerianischen und bedeutet soviel wie das Amen am Ende eines Gebetes. Zur Intention der Künstlerin sei also nichts mehr hinzuzufügen. Zum Sound möchten wir allerdings bemerken, dass „Anywhere But Here“ einen sehr reifen Eindruck hinterlassen hat. Kaum zu glauben, dass es sich bei dieser ausgewachsenen R&B-Platte um ein Erstlingswerk handelt. Die Mischung aus Dance-Pop und Black Music lebt natürlich in erster Linie von der TiKAs umwerfender Stimme. Abgerundet wird das Ganze mit leichtem Retro-Pop.

Musik: Anywhere But Here - TiKA
AUFNAHMEQUALITÄT
ATMOSPHÄRE
KULTFAKTOR
ANSPRUCH
3.9Gesamtwertung

Bildquellen:

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