Wer viel Geld für ein Heimkinosystem ausgibt, legt Wert auf guten Sound. Jedoch klingt selbst die beste Anlage in Räumen mit schlechter Akustik nur mittelmäßig. Wir verraten, wie Sie Ihren Heimkinosound auch ohne Physikstudium und Lottogewinn aufwerten können.

Das Ziel einer guten Heimkinoanlage muss es sein, den Sound so wiederzugeben, wie es sich die Filmtoningenieure vorgestellt haben. Sie versehen Explosionen und Crashs mit viel Bass, um ihnen mehr Eindrücklichkeit zu verleihen. Für die räumliche Darstellung der Filmkulisse legen sie Hallinformationen auf die Tonspur. Hören sich die Bässe im Heimkino unnatürlich an oder ist der Hall des Hörraums zu aufdringlich, wird der Filmsound verfälscht – das Filmerlebnis leidet. Bassmangel, Dröhnen und überlange Hallfahnen sind typisch für akustisch mangelhafte Heimkinoräume. Schuld ist meist der Grundriss: Stehen die Wände parallel zueinander, wie in 99 Prozent der Heimkinos, kann sich die reflektierte Schallwelle genau über das Ausgangssignal legen. Überlagern sich hierbei zwei Wellenberge, erscheint der Ton für den Hörer lauter, trifft ein Wellental auf einen Wellenberg, wird das Signal leiser oder löscht sich gar ganz aus. Diese Probleme kommen besonders bei tiefen Tönen mit niedrigen Frequenzen bis zu 300 Hertz (Hz) zum Tragen. In der Hörposition sind diese als Raumoden bezeichneten Phänomene unbedingt zu vermeiden. Ebenso problematisch sind Flatterechos, die entstehen, wenn ein Signal zwischen zwei parallelen Wänden immer hin und her geworfen wird. Ein durch Klatschen erzeugtes Flatterecho klingt etwa wie ein schwächer werdendes Maschinengewehrfeuer. Das ideale Heimkino erzeugt weder Hall noch Echo, damit wirklich nur das Direktsignal aus den Boxen beim Hörer ankommt. Das ist aber nur durch aufwendige bauliche Optimierungen zu erreichen, die in Tonstudios zum Einsatz kommen. Da Heimkino und Wohnzimmer meist identisch sind und man darin „wohnen“ oder es zumindest „wohnlich“ haben möchte, wird hier eine Nachhallzeit von 0,2–0,4 Sekunden angestrebt, die schon mit wenig Aufwand zu erreichen ist. Niedrige Frequenzen unterhalb von 200 Hz bekommt man schwieriger in den Griff, hier sind Nachhallzeiten von bis zu einer Sekunde üblich.

Gegen Flatterechos und Raummoden geht man am besten mit Akustikelementen vor. Am gebräuchlichsten und preiswertesten sind Schaumstoffabsorber, die mit ihrer porösen Oberfläche den Schall aufnehmen und in Wärmeenergie umwandeln. An den Wänden angebracht, verhindern sie Reflexionen und helfen somit, die Nachhalldauer zu verkürzen. Allerdings nicht für alle Frequenzen. Dicke Absorber (mit großem Querschnitt) reichen in tiefere Frequenzbereiche herunter. Durch zu dünne Absorber laufen langwellige Signale einfach hindurch und werden von der dahinterliegenden Wand reflektiert. Als Faustregel gilt: Je dicker der Absorber, desto breitbandiger nimmt er den Schall auf. Im Heimkino sollte man deshalb nicht geizen und lieber zu den preisintensiveren Breitbandabsorbern greifen, da ja gerade tieffrequente Signale Probleme bereiten. Wo bringe ich die Absorber an? Optimal sind die Stellen an den Wänden, an denen die vom Lautsprecher kommenden Schallwellen in Richtung Hörer reflektiert werden. Die richtige Position ermittelt man mit dem Spiegeltrick, bei dem eine zweite Person einen Spiegel langsam die Wand entlang bewegt. Sieht man von der Hörposition aus das Spiegelbild der Lautsprecherbox, ist der ideale Ort gefunden. Absorber sollten auch direkt hinter die Lautsprecher positioniert werden, um akustische Kurzschlüsse zu unterbinden. Solche Kurzschlüsse entstehen, wenn tiefe Frequenzen (die auch nach hinten abstrahlen) an der Wand hinter der Box reflektiert werden und das Direktsignal überlagern. Ähnlich wie bei den Raummoden kann es so zu Additionen und Subtraktionen der Schallwelle kommen, weshalb Boxen im Idealfall 50 Zentimeter von der Wand entfernt und auf keinem Fall in den Raumecken stehen sollten.

Der Hörplatz sollte sich nicht direkt an der Rückwand des Raumes befinden, weil die dort hervorgerufenen Reflexionen den Höreindruck verfälschen würden. Ist das nicht möglich, etwa bei sehr kleinen Räumen, gehört unbedingt ein Absorber an die Rückwand. Flatterechos bekämpft man Besten, indem man gegenüberliegende nackte Wände vermeidet – hier wirken Absorber ebenfalls Wunder. Für die Minimierung der Raummoden in den tiefen Frequenzen gibt es spezielle Bassfallen in Form von Säulen oder Keilen. Diese stellt man in die Ecken, weil dort die Tiefen für gewöhnlich stark überhöht sind.

Die Hersteller von Akustikmodulen sind sich bewusst, dass heutzutage neben Akustikern und Studioingenieuren auch Privatpersonen zu ihrer Kundschaft zählen. Dementsprechend haben sie ihr Sortiment um optisch ansprechende Produkte erweitert. So manche Bassfalle wäre in einem Museum für moderne Kunst gut aufgehoben, auch absorbierende Deckensegel gibt es in sehr dekorativen Ausführungen. All das hat natürlich seinen Preis.

Wer die Raumakustik verbessern will, ohne viel Geld auszugeben oder dem Wohnzimmer das Flair eines Hörspielstudios zu verleihen, der kann auf einige Tricks und Kniffe zurückgreifen. Lohnend ist etwa eine Raumauskleidung mit Gipskartonplatten. Als Plattenabsorber werden diese durch tiefe Frequenzen zum Mitschwingen angeregt. Dadurch entziehen sie dem Schall Energie, die in Bewegungsenergie umgewandet wird. Den gleichen Effekt haben Schranktüren. Sehr effektiv sind auch volle Bücherregale. Stehen die Buchrücken nicht auf einer Linie, werden die Schallwellen an den unterschiedlich weit herausragenden Einbänden in alle Richtungen reflektiert. Da vollgestellte Bücherregale sehr tief und massiv sind, zerstreuen sie auch niedrige Frequenzen und eliminieren die meisten durch Raummoden hervorgerufenen Probleme. Je mehr Möbel im Raum stehen, desto besser, denn Couch und Sessel wirken als Bassabsorber, Pflanzen, Lampenschirme, Tische und Stühle zerstreuen den Schall. Ein Teppich macht Flatterechos zwischen Boden und Decke den Garaus. Vor glatten Flächen, wie Fenstern und Türen, können Gardinen und Vorhänge die Reflexionen eindämmen – je größer ihr Abstand zur Oberfläche, desto breitbandiger die Dämpfung. Wer keine Akustikmodule in den Ecken haben will, bekommt die problematischen Zonen mit dort aufgestellten Sesseln oder Schränken in den Griff. Entwickeln Zimmer- oder Schranktüren bei tiefen Tönen ein dröhnendes Eigenleben, schafft eine rundumlaufende Gummidichtung Abhilfe. Bitte beachten Sie: Einige moderne Hi-Fi-Anlagen stellen 3D-Soundformate mithilfe von Deckenreflexion dar, manche Soundbars erzeugen Surround-Sound-Simulationen über Wandreflexionen. In diesen Fällen dürfen sich keine Absorber, Diffusoren, Deckensegel, Regale, Möbel usw. vor den Reflexionsstellen befinden.

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