Vor einigen Wochen waren wir zu Gast beim Steckverbinder-Spezialisten WBT in Essen. Was wir dort erleben durften, hat alle Erwartungen übertroffen.
WBT Außenansicht Firma Gebäude Essen Ruhrgebiet Kettwig HiFi Stecker Plasma

Maßstäbe setzen

Vor vielen, vielen Jahren, zu einer Zeit, als Cinch sich anschickte die HiFi-Welt zu erobern, diskutierte man in den Entwickler-Logen auch über weltweit genormte, exakte Standards. Das kam leider nie zustande. Bis heute sind relativ große Toleranzbereiche bei Steckverbindern gang und gäbe. Das ärgerte den Inhaber und Geschäftsführer Herrn Wolfgang B. Thörner so sehr, dass er anfing Lösungen zu entwickeln. Und das tut er auch heute noch. Forschungsgelder und Investitionen im Millionenbereich werden dafür in die Hand genommen.

Es ist quasi das Markenzeichen von WBT – geistiges Eigentum, Forschung und Entwicklung, Made in Germany. Hergestellt wird ausschließlich am Standort in Essen. Eine Form von Qualitätssicherung. Die neuste Technologie aus dem Hause WBT ist eine echte Sensation. Wissen Sie, wie Stecker vergoldet werden? 

WBT-PVD Plasma 

Bis heute werden Stecker mithilfe von Galvanik beschichtet, veredelt und auch vergoldet. Der Prozess ist, abgesehen vom Ergebnis, ein schmutziger. Jede Menge Chemikalien sind hier involviert, die hinterher entsorgt oder aufwändig aufbereitet werden müssen. Das hat nun ein Ende. WBT arbeitet ab sofort mit einer eigens entwickelten, neuen Nanotechnologie: dem PVD-Plasma Verfahren (►likehifi.de berichtete). Das Kennzeichen lautet „PlasmaProtect“. Dabei werden die zu beschichteten Verbinder zunächst in einer Hochstrom-Plasmaanlage (300 V, 250 A) gereinigt, getrocknet und poliert, sodass sie quasi klinisch rein sind. Dann kommen sie in eine große Vakuum-Kammer, die eher an den Safe einer Bank erinnert. Darin wird mithilfe eines sich entladenden Plasmas das Gold gleichmäßig auf die Stecker verteilt. Üblicherweise ist das nicht sehr effektiv, denn ein Großteil des Goldes verteilt sich in der Kammer. WBT hat aber eine Methode entwickelt, auch dieses Problem zu lösen, sodass fast das gesamte Gold auf den Verbindern landet. Wie es funktioniert, ist Betriebsgeheimnis. Auch wir durften leider nicht in den Safe schauen. Viel wichtiger ist: Es funktioniert hervorragend! 

Auf der Rückseite der Vakuum-Kammer befindet sich ein monströser Kompressor
In einem mehrstufigen Reinigungsverfahren werden die Stecker vorbereitet

Und wozu? 

Abgesehen davon, dass dieser Prozess deutlich umweltfreundlicher, ressourcenschonender und jetzt auch wirtschaftlicher ist, gibt es tatsächlich auch gravierende Auswirkungen auf die Qualität der Verbindung und auch den Klang des Signals, dass die Schnittstelle passiert. Wie das denn? Ganz einfach: Betrachtet man die Oberflächenstruktur eines herkömmlichen Verbinders zum Beispiel unter einem Elektronenmikroskop wird deutlich, dass die Oberfläche, auch wenn sie mit bloßem Auge glatt erscheint, alles andere als homogen ist. Es erinnert eher an die Kraterlandschaft eines Stellungskrieges. Diese Unebenheiten sorgen dafür, dass der Kontakt von Buchse und Stecker nicht gleichmäßig, sondern stark punktuell ist. Das bekannte Nadelöhr. Kommt es nun zusätzlich zu Mikrophonie oder Erschütterungen, dann lösen sich diese punktuellen Kontakte immer wieder. Es entsteht eine dauerhafte Unruhe, quasi ein ständiger Wackelkontakt. Das mag vertretbar sein, wenn es nur darum geht ein einfaches Steuersignal zu übertragen, bei HiRes-Audio hingegen leidet die Bandbreite dadurch deutlich. Durch das PVD Plasma-Verfahren, werden diese Unebenheiten auf Nanoebene geglättet. Mit Plasma vergoldete Steckverbinder bieten also eine weitaus größere Übertragungsfläche, als herkömmliche Varianten. In Kombination mit leichtem Anpressdruck entsteht so eine Verbindung, die enorm stabil gegenüber Mikrophonie und Erschütterungen ist und dabei den Flaschenhals der Verbindung ö net, was der Bandbreite des Signal zugute kommt. Ein Effekt übrigens, der deutlich zu hören ist. Das Erlebnis wird intensiver. Manchmal hatten wir im Vergleich mit herkömmlichen Produkten das Gefühl, dass WBTs Plasma-Technologie eine Extradosis Kontrastmittel in die Musik induziert. Alles klingt satter, voller, dichter. 

Video

Die Starkstrom-Oberflächenveredelung als Video
Was wie Chemie aussieht, ist vollkommen unschädlich: nur Strom und Wasser

WBT-signet 

Die Produkte von WBT sind weltweit für ihre außergewöhnliche Qualität bekannt und beliebt. Unzählige Hersteller, vorzugsweise aus dem High End-Bereich, schwören auf die Essener Kompetenz. Das lockt natürlich auch Nachahmer auf den Plan. Besonders fragwürdige Plagiate kommen aus Fernost, was nicht nur für den Hersteller, sondern auch für den Endkunden ein Problem darstellt. Denn die Qualität stimmt bei Weitem nicht. Zudem werden bei der Plagiats-Herstellung oft dubiose und umweltschädigende Prozesse verwendet. Um sich und den Kunden vor Fake-Produkten zu schützen, hat WBT extra ein Gütesiegel auf den Weg gebracht, denn eine politische Lösung basierend auf Rechtshilfe zwischen China und Deutschland besteht auch nach jahrelangen Versprechen bis heute nicht. So entsteht ein rechtsfreier Raum, in dem sich die Kriminalität, gerne online, austoben kann. Achten Sie also bitte beim Kauf von WBT-Produkten auf das Emblem. Es ist quasi fälschungssicher, da es ein schwer reproduzierbaren Materialmix enthält und zudem mit einer reliefartigen Oberfläche die Konturen des Logos absetzt. Fragen Sie den autorisierten Händler im Zweifel nach dem WBT-signet. Darauf zu achten schützt nicht nur den Standort Deutschland, sondern ist auch eine Danksagung für den Mut, den die Essener aufbringen mit ihrer Forschung in Vorleistung zu gehen. Es ist darüber hinaus auch eine Danksagung an Sie selbst, denn Sie werden sich keinen Gefallen tun, wenn Sie hier an der falschen Stelle sparen.

Nach der Vergoldung kommen die Stecker in die Fertigung und Montage

Mehr Infos?  

Alle Highlights der WBT-Forschung und Entwicklung hier in einem Artikel vorzustellen, ist schlicht unmöglich, deshalb werden wir zu einem späteren Zeitpunkt das Thema WBT-nextGen-Verbinder noch einmal näher betrachten. Darin geht es um die Frage, wie man mit einem möglichst reinen, meist weichen Leiter-Material wie Kupfer dennoch stabile und robuste Stecker herstellen kann. Weniger ist mehr und Funktionswerkstoffe heißen hier die Schlüsselwörter. 

Im nächsten Teil unserer WBT-inside-Doku schauen wir auf Werkzeuge und neue Steckergenerationen

Mehr Infos unter www.wbt.de

Bildquellen:

  • Aussenansicht: Johannes Strom
  • Plasma-Prozess_3: Johannes Strom
  • Plasma-Prozess_2: Johannes Strom
  • Plasma-Prozess_1: Johannes Strom
  • Fertigung: Johannes Strom
  • Werkzeuge: Johannes Strom
  • WBT: Johannes Strom