Eine Audioanlage mit 34 Lautsprechern klingt zunächst eher bedrohlich als bewundernswert, denn anders als im Kinosaal ist das Platzangebot im heimischen Wohnzimmer oft begrenzt. Warum Dolby Atmos dennoch die Audiozukunft gehört, ganz gleich, wie viele Lautsprecher Sie betreiben, verrät unser Hintergrundartikel.

Was waren das noch für Zeiten, in denen CD-Klang im Stereoformat das Maß aller Dinge war und man mit platzsparenden Mitteln alles aus einer Aufnahme herausholen konnte. Doch spätestens, als man einen Film in Dolby Surround abspielte, wünschte man sich mehr: Die Stimmen sollten nicht mehr nur aus beiden Frontlautsprechern, sondern passend zum Bild sowie unabhängig vom Sitzplatz aus der Mitte kommen und Surroundeffekte dürften natürlich auch nicht fehlen – es war an der Zeit, die alte Stereoanlage auszumustern und auf eine echte 5.1-Heimkinoanlage umzurüsten. Seit dem Beginn der Mehrkanalära hat sich viel getan und es kamen stetig mehr Kanäle hinzu. Zuletzt versuchten Hersteller von Heimkinogeräten, über Höhenlautsprecher Raumklang zu simulieren. Doch selbst der größte Technikfan wurde es irgendwann leid, immer mehr Lautsprecher für immer weniger Fortschritt installieren zu müssen, denn Filmmaterial, das von der steigenden Anzahl von Lautsprechern tatsächlich profitiert, blieb aus. Es muss also eine gänzlich neue Lösung her, die die Brücke zwischen der Raumklangabmischung und der Anzahl der Kanäle herstellt: Dolby Atmos.

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Intelligenter Mix

Dolby Atmos steht stellvertretend für räumliches Hören oder 3D-Sound, doch tut man der Technik unrecht, sie als technische Spielerei für einige wenige Technikfans abzutun. Im Kern ist Dolby Atmos ein Befreiungsschlag für alle, die Kinofilme erschaffen, denn bislang wurden Töne immer bestimmten Lautsprechern oder Lautsprechergruppen zugeordnet, auch wenn es inhaltlich gesehen keinen Sinn ergab. Je komplexer eine Filmszene ist (Musik, Sprache, Effekte mit unterschiedlichen Richtungsinformationen), desto schwieriger war es bislang, all diese Informationen auf wenige Lautsprecher herunterzubrechen. Und auch wenn Sie im Kinosaal von weitaus mehr Lautsprechern als im Wohnzimmer umgeben sind, hören Sie häufig die gleiche Toninformation, d.h. mehrere Lautsprecher geben schlicht ein und dasselbe Signal wieder. Dolby Atmos verändert dagegen die Logik der Datenspeicherung und Tonabmischung grundlegend.

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Objektbasiertes Audio

Vereinfacht dargestellt ermöglicht es Dolby Atmos, Schallquellen nahezu beliebig im Raum zu verteilen. Der Toningenieur kann somit einzelne Objekte wirklichkeitsgetreu abspeichern und diesen die exakten Rauminformationen zuweisen, inklusive Tiefen- bzw. Höheninformationen. Unendlich ist die Rechenkapazität von Dolby Atmos zwar nicht, doch weit mehr als 100 Objekte können vom Toningenieur eingebettet werden und dies ohne den Speicherplatz zu sprengen, denn Objektbewegungen werden im Datenstrom als Vektoren gespeichert, was Speicherplatz spart. Im Kinosaal werden sämtliche Berechnungen über maximal 64 Tonkanäle ausgegeben, im Wohnzimmer immerhin noch über maximal 34 Kanäle (24 sind auf Ohrhöhe vorgesehen, zehn an der Decke). Doch 34 Lautsprecher werden derzeit weder von AV-Receivern unterstützt, noch kommt eine derartige Anzahl für eine typische Wohnzimmerinstallation infrage. Hier kommt die zweite Stärke von Dolby Atmos zum Tragen: die automatische Tonanpassung an das jeweilige System.

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