Soundplate, Soundbar, Stereoanlage oder doch ein vollwertiges Heimkinoset? In einem Testmarathon nahmen wir unterschiedliche Soundsysteme unter die Lupe, um dem Fernsehklang Beine zu machen. Das Besondere: Alle Audiolösungen stammen vom Hersteller Bose, der sich auf besonders kompakte und wohnraumfreundliche Systeme spezialisiert hat.

Gleich zu Beginn stürzten wir uns auf die derzeit angesagteste Audiokategorie: Die Soundplates. Angesichts der leicht zu tragenden Box und der unkomplizierten Installation ist einfach zu erraten, weshalb gerade dieses Audiosegment solch eine Beliebtheit aufweist. Boses Solo 15 TV-System wird unter einen Fernseher platziert und erweckt den Eindruck eines XXL-Standfußes.

Mit einer Traglast von 34 kg und einer Fläche von 63 x 33 cm eignet es sich für Fernseher bis 50 Zoll, in unserem Fall fand der Samsung UHD-Fernseher UE48HU7590 ausreichend Platz auf der Soundplate. Mangels HDMI-Anschlüssen müssen Sie die Verkabelung über den optischen Tonausgang des Fernsehers vornehmen, insgesamt können drei Quellen digital oder analog verkabelt werden. Um bei einer wandnahen Aufstellung keinen dröhnenden Bass zu provozieren, finden Sie an der Rückseite zusätzlich einen Bassregler.

Ebenfalls praktisch: Dem Solo 15 TV-System liegt eine Fernbedienung bei, die über Gerätecodes auch Fernseher und Player steuert. Weniger erfreulich ist das Fehlen einer Bildausgabe und eines Displays, denn das Solo 15 TV-System macht nur durch eine Status-LED an der Front auf die unterschiedlichen Betriebsmodi aufmerksam.

Die Quellenwahl ist hingegen eindeutig gelöst, denn auf Knopfdruck leuchtet die entsprechende Taste auf der Fernbedienung. Im Klangtest konnte sich die Soundplate zwar vom Fernsehton durch ein ausgeschmückteres Fundament und einen weniger hallig wirkenden Raumklang absetzen, doch das Klanggeschehen erschien räumlich eingeengter und speziell Musik wusste nicht zu überzeugen. Boses integriertes Raumklangverfahren, das sowohl die nach vorn als auch die zu den Seiten abstrahlenden Lautsprecher einbezieht, zeigte sich zudem fehlerbehaftet, denn Geräusche wanderten teilweise grundlos von vorn zu den Seiten und umgekehrt.

Innerhalb des Playstation-Menüs konnten wir diesen Fehler sogar steuern: Schnelle Menüwechsel sorgten für einen einheitlichen Klang von vorn, langsame Menüwechsel wurden hingegen über die seitlichen Lautsprecher wiedergegeben. Da auch die Toneinstellungen nicht das Niveau der anderen getesteten Bose-Sets erreichen und auf eine automatische Einmessung verzichtet wird, fällt unser Klangfazit durchwachsen aus. Gegen flachen Fernsehklang wirkt das Solo 15 TV-System Wunder, im Vergleich zu guten TV-Lautsprechern ist der Unterschied aber gering.

Faustdicke Überraschung

Als Nächstes wählten wir das Heimkinoset Cinemate 120, das neben einem kleinen Lautsprecher (deutlich kompakter als das Solo 15 TV-System) mit einem kabellosen Subwoofer und einer Bedienkonsole aufwartet. Der Hauptlautsprecher wird über einen Kabelstrang mit der Bedienkonsole verbunden, dies gilt für die Cinemate-Sets 220 und 520 gleichermaßen. Dadurch nimmt der Verkabelungsaufwand zwar zu, doch ungeachtet der aufwändigeren Installation steigt das Vergnügen, sobald andere Geräte Anschluss finden müssen.

Die Bedienkonsole beherbergt vier HDMI-Eingänge (4K-fähig bei 30 Bildern pro Sekunde) und einen HDMI-Ausgang inklusive Audiorückkanal (ARC). Zudem wird das Steuerprotokoll CEC unterstützt, sodass sich angeschlossene HDMI-Geräte auch dann steuern lassen, wenn die Gerätecodes nicht eingelesen wurden. Mangels On-Screen-Menü müssen Sie alle Infos vom kleinen Display der Bedienkonsole ablesen, was ab drei Meter Sitzabstand nicht mehr problemlos möglich ist.

Im Gegensatz zum Solo 15 TV-System unterstützt das Cinemate 120 neben Dolby Digital auch DTS und kommt mit einem automatischen Einmesssystem daher. Der wirklich verblüff ende Effekt tritt aber erst im Klangtest ein: Im Gegensatz zur deutlich größeren Soundplate befördert der kleine Lautsprecher des Cinemate-120-Sets den Klang in alle drei Dimensionen.

Zwar ist der Aha-Effekt stark von der Sitzposition abhängig und je näher Sie dem Lautsprecher kommen, desto stärker fällt der Raumklang in sich zusammen, doch bereits bei einem Sitzabstand von zwei bis drei Metern kann der Eindruck von Größe und Weite restlos überzeugen. Nach der Einmessung spielte das System etwas bassbetont, was sich durch die Bass- und Höhenregler aber ausgleichen lässt. Einmal eingestellt überrascht das Set mit einem weiträumigen und auch im Tieftonbereich großzügig ausstaffierten Klang, der den Ton der TV-Lautsprecher weit hinter sich lässt.

Besonders imponierte die Sprachwiedergabe, die jederzeit klar verständlich ist und dank einer intelligenten Dynamikanpassung auch das Filmschauen zu später Stunde zum Genuss macht. Einzig bei zugespielten Musikinhalten mit einer Stereotonspur konnte das Cinemate 120 nicht verbergen, dass hier nur ein zentrierter Lautsprecher am Werk ist.

Sobald wir aber auf die jeweilige Mehrkanaltonspur umschalteten, wuchs das System über sich hinaus. Das gleiche positive Fazit hätten wir gern dem Cinemate 220 attestiert, denn dieses ist vom Subwoofer bis zur Bedienkonsole identisch mit dem Cinemate 120, nur die Hauptlautsprecher unterscheiden sich. Statt einer kleinen Soundbar liegen dem System zwei einzelne Lautsprecher bei, die als Stereoset betrieben werden.

Ein überzeugender Raumklang wollte sich im Test aber nicht einstellen und insgesamt boten die Lautsprecher nur bei Stereomusiktonspuren einen echten Vorteil im Vergleich zum Cinemate 120. Unser Vorabfazit: Wer besonders kompakt und platzsparend großen Filmklang verwirklichen möchte, sollte zum Cinemate 120 greifen.

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