Audioengine HD6: Aktive Lautsprecher punkten schnell durch ihre vielseitige Verwendbarkeit. Audioengine aus Texas haben sich von Anfang an der Fertigung von Studiomonitoren gewidmet. Ob sich dieser Anspruch in die HiFi-Branche hinübergerettet hat, erfahren Sie in unserem Test.

Das Jahr 2016 bietet unzählige Varianten des heimischen Hörgenusses. Da streamt man seine liebsten Stücke im Internet, oder bevorzugt die Haptik der guten alten Vinylschallplatte. Manch einem genügt dafür ein Stereopaar im Hörraum, manch anderer hingegen greift lieber auf ein Multiroom-System zurück, um im ganzen Haus Musik erklingen lassen zu können. Sowohl jedoch das eine, als auch das andere geht fast immer mit einer großen Vielfalt an verschiedenen Komponenten einher. So blickt man bei einer gut ausgestatteten HiFi-Anlage schnell auf eine große Zahl diverser Geräte. Neben  den Lautsprechern benötigt man einen Verstärker und unter Umständen weitere Teile, wie Wandler, Netzwerkplayer, CD-Spieler oder ähnliches und nicht zu vergessen entsprechende Kabel für Strom und Kopplung. Freilich lässt sich mittlerweile vieles davon in All-In-One-Systemen, wie beispielsweise einem BeoSound 35 oder einem Revo SuperSystem vereinen. Wer jedoch Wert auf eine Reduktion des Gerätehaushalts legt, ohne Einbußen in Sachen Stereopanorama hinnehmen zu wollen, oder gar nach einem Gerät sucht, welches als Abhörmonitor im Tonstudio dienen soll, wird höchstwahrscheinlich schnell auf eine gewisse Art von Schallwandler zurückgreifen: den aktiven Lautsprecher. Ein solcher ist der HD6 von Audioengine. Das Unternehmen aus Austin (Texas/USA) verschreibt sich von Beginn an der Konzipierung und Montur von Schallwandlern, die Aufnahmen so originalgetreu wie nur irgend möglich wiederzugeben wissen. Erste Früchte, wie der Audioengine A5, haben diese Intention alles andere als verfehlt und sind Kennern somit durchaus ein Begriff. Zwar beschränkt man sich heute natürlich nicht mehr nur auf die Herstellung von Lautsprechern. Jedoch orientiert man sich noch immer an höchst professionellen Ansprüchen. Auch mit dem HD6 verspricht Audioengine nun, eine Schnittstelle zwischen Home-Entertainment und Studioqualität zu bedienen. Daher konnten wir es uns nicht nehmen lassen, das Gerät auf den Prüfstand zu holen.

Das Design lässt keine Wünsche offen – hier die Frontseite des aktiven Speakers

Aktiv oder passiv?

Optisch lässt der HD6 sofort eine Weiterentwicklung der Designsprache des texanischen Unternehmens verzeichnen. Waren die Frontseiten der vorangegangenen A2 und A5 noch freiliegend, ist diese bei dem „Neuen“ hinter einem per Magneten am Gehäuse fixierten Grill versteckt. Zudem werden der Lautstärkeregler in der unteren rechten Ecke und das gegenüberliegende LED, an deren Positionierung sich im Vergleich zum A5 nichts verändert hat, durch einen schmalen Streifen aus gebürstetem Aluminium verbunden – ein kleiner Hingucker. Erhältlich ist der HD6 in drei verschiedenen Farbausführungen: Kirsch, Walnuss und Satin schwarz, wie im Falle unseres Tests. Bei einem Blick auf die Rückseite des Speakers offenbart sich dann die vielseitige Verwendbarkeit des HD6. Neben dem Ein-/Ausschalter und obligatorischen Cinch-Input ist dort ein optischer Eingang, sowie ein Klinke-Input für 3,5 Millimeter verbaut. Außerdem befindet sich dort der Anschluss der Bluetooth-Antenne  und der „Pair“-Schalter, dank welchem ein mobiles Endgerät mit dem aptX-Bluetooth-Treiber gekoppelt werden kann. Nicht zu übersehen, ist obendrein das Kühlgitter, über welchen der im Gehäuse versteckte dual-class A/B Monoblock-Verstärker vor Überhitzung geschützt wird. Die Übersetzung von digitalem Eingangs- zu analogem Ausgangssignal übernimmt hier der 24-bit DAC AKM AK4396A, welcher auch in Geräten von Arcam Verwendung findet. Unter anderem durch sein gutes Signal-Rausch-Verhältnis (über 95 Dezibel) begleitet diesen Wandler das Image ausgeprägter Audiophilie. Der HD6 von Audioengine wird im Paar vertrieben.

Das Besondere ist jedoch, dass beide Schallwandler unterschiedlich sind. Nur einer – und zwar der linke – Schallwandler verfügt über die Anschlussmöglichkeiten und die Verstärkereinheit, welche mit einer Leistung von 75 Watt pro Speaker und lediglich 0.5 % Total Harmonic Distortion zweifellos Schalldruck innehat. Der rechte funktioniert passiv und ist über ein Lautsprecherkabel verbunden. Dabei muss leider festgehalten werden, dass die Bananenstecker etwas lose in den Buchsen hängen. Ein kleiner Punktabzug an dieser Stelle also. Sind die Lautsprecher jedoch erst einmal aufgestellt (empfohlen wird dabei eine auf den Hörplatz eingedrehte Positionierung im Abstand von ca. einem Meter von umliegenden Wänden), kann es auch schon ohne Weiteres losgehen.

Die beiden Rückseiten des unterschiedlichen Lautsprecherpaares. Klar zu erkennen, die passive Version und die aktive mit den äußeren Kühlrippen und den Anschlüssen

Exzellente Spielfreude

Zu Beginn verbinden wir den HD6 per Bluetooth mit einem Tablet. Dafür muss lediglich der Entsprechende Knopf an der Rückseite betätigt werden, um den Lautsprecher in der Geräteliste des Endgeräts erscheinen zu lassen. Dies geht reibungslos vonstatten. Bemerkenswert ist hier die Reichweite der kabellosen Verbindung von stolzen 30 Metern! Der Pair-Tastschalter signalisiert obendrein den Verbindungsstatus durch ein konstantes Aufleuchten.

Zu Beginn füttern wir den Schallwandler mit „Galaxy 32, Star 4“ von Chick Corea. Nach dem Einzählen ertönt sofort ein dichtes Gemenge aus verspieltem Schlagwerk im Zusammenspiel mit Rhodes, Bläsern und Gitarre. Dabei erklingen vor allem E-Piano und Gitarre wunderbar homogen und lassen in den oberen Mitten dennoch Raum für die Posaune. Allerdings fällt sehr bald auf, dass der HD6 zwar ein sehr detailreiches Klangbild zu zeichnen vermag, jedoch für einen Lautsprecher von vermeintlicher Studioqualität einiges an Ehrlichkeit vermissen lässt. So erklingen auch bei Elton Johns „Rocket Man“ die mittleren Frequenzbänder sehr vordergründig, wohingegen Bässe und Höhen etwas hinten anstehen müssen. Dies soll allerdings kein zu schwerwiegendes Urteil provozieren. Denn für weniger komprimierte Produktionen, wie etwa die Interpretation des „Streichquartett Nr. 8“ von Dimitri Shostakovich durch das St. Lawrence String Quartet erweist sich die dezente Tendenz gen Mitte als äußerst vorteilhaft. Viola und Violoncello einen sich zu einem wohlklingenden Fundament für die beiden Violinen. Bei Phil Collins „In The Air Tonight“ wird der HD6 mit Hilfe der ihm beigelegten Fernbedienung (welche, nebenbei bemerkt, haptisch einen hervorragenden Eindruck macht) der Belastungsgrenze etwas näher getrieben. Deutlich sieht man, wie die 14 Zentimeter Kevlarmembran des Mitteltontreibers in Schwitzen gerät. Doch scheint der Lautsprecher erst jetzt so richtig Fahrt aufzunehmen. Mit genau der richtigen Intensität bricht das Schlagzeug bei Minute 3:15 in den Raum und unterwirft den Hörraum seinem einzigartigen Groove. Bespielt wird das Gerät übrigens noch immer über Bluetooth – die Informationen gelangen flüssig und verlustfrei ans Ziel. Den Test beschließen soll ein Werk der Leipziger Komponistin Friederike Bernhardt. Bei „Ubiquitous“ soll der Prüfling sein Können in puncto Räumlichkeit unter Beweis stellen. Und das gelingt ihm tatsächlich ohne Probleme. Präzise findet der Hörer zerbrechliche Fragmente aus Streichern, Bläsern und synthetischen Schemen im Panorama verteilt. Und nicht nur das. Die penibel im Raum platzierten Filterbewegungen gleiten wunderbar durch alle drei Dimensionen und scheinen nahezu, einen wogenden Baldachin über dem Sweet Spot zu spannen.

die 2,5 Zentimeter Kalotte vermag es, in den Höhen ein detailreiches Klangbild zu zeichnen

Ganz große Klasse!

weitere Infos unter: www.nt-global.de

Audioengine HD6: Der Cowboy
Wiedergabequalität90%
Ausstattung/Verarbeitung90%
Benutzerfreundlichkeit90%
Preis/Leistung90%
Vorteile
  • ausgewogener Klang
  • gute Räumlichkeit
  • Preis/Leistungsverhältnis
Nachteile
  • etwas mittenlastig
90%Gesamtwertung
Leserwertung: (4 Votes)
53%

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