Das Kürzel MCCI besteht nicht aus römischen Ziffern, dann hieße es schlicht 1201. Es handelt sich dabei aber um mehr als eine Abkürzung, es geht um die Revolution der MC-Phono-Vorstufe.

Klanginfusion

Der MCCI Signature von B.M.C. Audio ist mehr als eine Phono-Vorstufe. Es ist ein Ausbrechen aus Altbewährtem. Ein Umdenken zugunsten kompromissloser Wiedergabequalität. Und wieder einmal behauptet B.M.C. Audio seinen Ruf als eines der innovativsten High-End-Unternehmen am Markt. Was Vordenker und Inhaber Carlos Candeias in die Hand nimmt, setzt neue Maßstäbe. Der MCCI Signature gleicht dabei einer Krönung im Bereich der Phono-Vorverstärker. MCCI steht konkret für Moving Coil Current Injection. Halten wir also fest, dass wir von einem ganz bestimmten Typ Tonabnehmersystem reden. Den MC-Systemen. Moving-Magnet und Moving-Iron-Systeme werden vom MCCI nicht unterstützt. Nicht nur, weil sie audiophil weniger relevant sind, sondern vor allem, weil sie eine wesentlich höhere Induktivität aufweisen und für das CI-Konzept somit ausscheiden. Denn Strom wird an der Stelle frequenzabhängig hörbar und das bedeutet konkret bei ansteigender Frequenz weniger Strom. Das wollen wir natürlich nicht.

Es ist der einzige Knopf des Gerätes, zumindest an der Front. Er dient zum Stummschalten. Für alles andere wird das Gehäuse geöffnet

Technik

Der erste MCCI entstand bereits im Jahre 2009. Das neue Modell MCCI Signature ist laut Candeias eine neue Reifestufe, doch was bedeutet das? Die neue Version hat ein komplett überarbeitetes Netzteil mit weicheren Fall- und Rise-Zeiten. Es hat einen aktiven MOSFET-Anti-Ripple-Filter auf der Primärseite. Das gesamte Gerät hat 65 Prozent mehr Aussteuerung zur Verfügung, den meisten wohl besser bekannt als Headroom und die geschickte Vorselektion und Kompensation der Bauteile führen zu einem auf 0,1 Dezibel linearen Frequenzgang bei einer maximalen 0,05 Dezibel Abweichung der Kanäle voneinander. Was das bringt? Zu aller erst mal mehr Ruhe. Mehr Musik und weniger Gerät. Das hat zur Folge, dass der Raumeindruck klarer und dem Ohr mehr Auflösung bei weniger Anstrengung geschenkt wird. Doch das ist erst die Oberfläche und noch lange nicht der Kern des Gerätes. Der beginnt bei der Handhabung der Nadel. Die Wandlung einer schwingenden Nadel in ein elektrisch verwertbares Signal und damit einhergehend die Verstärkung dieser elektromechanischen Schwingung in ein brauchbares Nutzsignal, gehören wohl zu den filigransten Aufgaben, die man in der Audio- und Verstärkertechnik findet.

Auch beim MCCI Signature gibt es den typischen, gummierten Drehschalter in Bullaugenform, der das Gerät zum Leben erweckt

Will man verstehen, was der MCCI anders macht, muss man die verschiedenen Konzepte der Abtastung kennen. MC-Systeme haben die Spule auf dem Nadelträgermaterial aufgebracht. Diese Spule bewegt sich in einem Magneten und das erzeugt Spannung und Strom am Ausgang. Üblicherweise wird dann die anliegende Spannung von einem darauf folgenden Verstärker aufgegriffen und oft über Gegenkopplung aufgeblasen. Leider haben MC-Systeme bei allen klanglichen Vorteilen, die sie mitbringen ein Problem: Die Ausgangsspannung ist oft verschwindend klein. Auf herkömmliche Art würde man jetzt mit einem enormen Aufwand das kleine, fragile Signal hernehmen und an einen Operationsverstärker koppeln. Die dadurch erzeugten Wechselwirkungen in der Verarbeitung beeinflussen das Originalsignal und dessen Qualität enorm. Nicht so beim MCCI. Der MCCI bedient sich nicht der Spannung des Abnehmers, sondern greift den entstehenden Strom ab. Und das macht er nicht einfach wie ein Parasit, sondern er integriert das Abnehmersystem in seinen Schaltkreis. Das funktioniert deshalb, weil das CI-System komplett symmetrisch aufgebaut ist. Es entsteht eine Symbiose zwischen der elektromechanischen Schwingung des Abtastsystems und dem Verstärkerkreislauf. Dabei verzichtet der MCCI komplett auf die sonst üblichen Operationsverstärker im Gegenkopplungsmodus. Durch geschickt gesetzte Potential-Barrieren wird der Strom innerhalb der Vorstufe in einen Widerstand geleitet, an dem sich eine perfekte und äquivalente Spannung des Tonabnehmersystems bildet, mit dem Unterschied, dass diese aufgrund des deutlich höheren Widerstandswertes auch deutlich höher ausfällt. Das ursprüngliche Problem der MC-Systeme ist dadurch gelöst, die niedrige Ausgangsspannung angehoben, ohne dadurch das Originalsignal anzutasten. Wenn alle anderen eine Brille tragen und die Welt hinter Glas betrachten, dann ist der MCCI also das Augenlasern, mindestens aber wie Kontaktlinsen.

Wer die Geräte von B.M.C. Audio kennt, dem kommen die Farben bekannt vor. Auch beim MCCI werden nur Teile verbaut, die den hohen Ansprüchen des Unternehmens gerecht werden. Legendär ist fast schon das B.M.C. Audio Platinen-Rot

Klang

Das Konzept wollten wir uns nicht zwei Mal erklären lassen. Sofort haben wir uns einen Klassiker von Blue Note Records aus dem Schrank geholt und aufgelegt. Über einen MY Sonic Labs Signature Gold (Yoshio Matsudaira) kamen wir in den Genuss von Norah Jones Debüterfolg „Come Away With Me“ aus dem Jahre 2004. Und wir müssen dazu sagen, dass wir diese Scheibe in und auswendig kennen, als hätten wir sie selber produziert und komponiert, aber mit einer solchen Deutlichkeit haben wir Norah noch nie aus unseren Lautsprechern (B&W 800 D3) gehört. Es hat uns schlichtweg zutiefst ergriffen, zu erfahren und zu erkennen wie viel Information von der Rille über die Nadel in den Verstärker verloren geht oder verfälscht werden kann. Der MCCI Signature leistet ganze Arbeit und integriert sich so sauber und transparent in die Kette, dass man meinen könnte, eine Vorstufe ist nicht vorhanden, weil überflüssig.

Der Signature MCCI arbeitet ab der Nadel symmetrisch, anders wäre die Direkteinspritzung auch nicht realisierbar. Aber wer möchte, kann natürlich am Ausgang auf unsymmetrisch umsteigen. Schön zu sehen ist auch hier die modulare Bauweise

Auch mit anderen, günstigeren MC-Nadeln und anderen Platten haben wir den MCCI gefüttert. So haben wir uns das 1969er Debütalbum von Led Zeppelin auf 180 Gramm über eine Ortofon Quintet Black angehört und auch hier wusste der MCCI sofort, was er zu tun hatte. Die Gitarrenriffs kamen extrem voll und konturiert auf uns zu, das Schlagzeug überzeugte mit druckvollem Anschlag und die Raumtiefe der psychedelischen Effektmaschinerie sog uns in den Bann. In unserem Vinylsystem hatten wir mit dem MCCI einen erstaunlichen Mehrwert an Dynamik, die uns so vorher noch nie aufgefallen war. Die Musik klang deutlich realistischer und weniger gedrungen und gestaucht. Mit Leichtigkeit passt sich der Vorverstärker an jede erdenkliche Konfi guration und Musikrichtung an, viele Knöpfe hat er ja auch nicht. Die Anpassung erfolgt intern. Und zwar bis auf Neumann und RIAA-Entzerrkurven meist nicht über Schaltkreise oder Knöpfe, sondern über das Ohmsche Gesetz, denn wenn man wie beim CI-Konzept einmal die Spannung isoliert hat und das Signal über den Strom abbildet, besteht keine Notwendigkeit mehr zu pfuschen oder zu korrigieren. Die Musik bedankt sich. Und wir hängen an der Nadel.

Der MCCI arbeitet durchweg symmetrisch. Um das Abnehmersystem in die Vorstufe zu bekommen, ist ein Phono-auf-XLR-Kabel also obligatorisch, aber auch das bekommen Sie natürlich von B.M.C. Audio

Mehr Informationen unter http://bmc-audio.com

Test: B.M.C. Audio MCCI Signature - Klanginfusion
Der B.M.C. Audio MCCI Signature ist wohl mit Abstand die beste Phono-Vorstufe die wir jemals testen durften. Nicht nur die Idee überzeugt, sondern auch das Ergebnis stimmt. Die Verarbeitungsqualität, der Klanggewinn, die Integration. Alles ist bis ins letzte Detail durchdacht und gepaart mit einem hohen ideellen Wert zu Perfektion getrieben. Da bestätigt sich nur wieder einmal: Wissen ist Macht. Und in diesem Fall ist es das elektroakustische Wissen Carlos Candeias’ was den MCCI Signature zum Mächtigsten seiner Art macht.
Wiedergabequalität96%
Ausstattung/Verarbeitung94%
Benutzerfreundlichkeit97%
Preis/Leistung95%
Vorteile
  • klarer, unverfälschter Klang
  • Einfachheit in der Benutzung
Nachteile
  • nur für MC-Systeme geeignet
96%Gesamtwertung
Leserwertung: (5 Votes)
77%

Über den Autor

Johannes Strom

Freier Autor, Audio Engineer und Musiker aus Leipzig. Viele Jahre im Pro-Audio unterwegs, speziell im Eventbereich, klassisches Theater, Konzertbeschallung, Musical und auf Kreuzfahrtschiffen. Studioproduktionen aus Leidenschaft. High End aus Faszination. Lyrik-Liebhaber und Bücherleser (Papier, und so). Spielt Cello, Gitarre und Klavier. Hört privat Yamaha NS-Serie und Genelec 1031A.

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