Roon, das sind für Einige nur vier Buchstaben, aber für informierte HiFi-Fans die Erfüllung ihrer Musikträume. Wir haben uns den Roon Nucleus+ ins Testlabor geholt und tauchen mit ihm in eine Welt der unbegrenzten Musikwiedergabe ein.

Das Musik-Streaming nicht nur ein Trend ist, ist spätestens seit dem 18. Juli 2018 klar. An diesem Tag teilte der Bundesverband Musikindustrie mit, dass die Deutschen erstmals mehr Geld für das Streamen von Musik ausgegeben haben als für physische Tonträger wie CD, Vinyl oder DVD. Musik zu streamen, macht auch Sinn, denn überall, wo ein Internetanschluss ist, können wir unseren Lieblingsstücken lauschen.

Allerdings kommt es dabei schnell zur Verwirrung. Da ist unser Musikserver mit der hauseigenen Kollektion, dann gibt es da noch die Tidal-App mit den Lieblingsplaylisten, HighRes-Downloads aus dem Shop und vieles mehr. Viele Musikfans verbringen deshalb inzwischen mehr Zeit mit dem Sortieren und Katalogisieren ihrer Lieblingsstücke als mit dem Musikhören. Das mag für den ein oder anderen ein schönes Hobby sein, aber die Mehrheit will einfach die Musik anmachen und ihr lauschen. Ob sie dabei aus dem Internet gestreamt wird oder vom heimischen Server kommt, ist egal. Und genau dafür ist Roon da.

Unser Video-Kurztest des Roon Nucleus+

Roon Nucleus+: Player und Manager

Roon als Musikplayer zu bezeichnen, der einfach Musik aus dem Intra- oder Internet zieht, wäre eine absolute Untertreibung. Vielmehr ist Roon ein eigenes Musik-Universum. Herzstück vom Roon Musikserver ist ein dynamisches Datenbanksystem, das Musiktitel von Streamingdiensten wie Tidal oder Qobuz erfasst und katalogisiert, genauso wie die Alben auf der heimischen Festplatte.

Dabei werden die Musikstücke mit weiteren Roon-internen Informationen ergänzt. Das sind etwa Bilder, Texte zu Alben, Interpreten und Mitwirkenden sowie Querverweise in einer dynamischen Datenbank. Alles wird unter einer Oberfläche und in einer App präsentiert. Und was passiert? Wir müssen nicht mehr überlegen, was wir bei welchem Streamingdienst hören können und welchen Player wir dafür am besten nutzen, sondern wir haben eine komplette Musiksammlung unter einem Dach. Hier hören und stöbern wir nach Herzenslust, lassen uns inspirieren und entdecken Neues. Und da alles dabei noch sehr schick aussieht und sich butterweich steuert, kommt richtig Freude auf, die eigene Musikwelt zu entdecken.

Zudem ist der Player ein echtes Universalgenie. Er verarbeitet praktisch jedes Audioformat und kitzelt dabei ein Maximum an Klangqualität heraus. Doch dazu später mehr. Daneben dient Roon als Steuerzentrale fürs heimische Multiroom-System. Auch hier ersetzt es eine Vielzahl an Multiroom-Apps, die Mann oder Frau sonst benötigt. Es ist also kein Wunder, dass eine Software, die 119 Dollar im Jahr kostet, im englischsprachigen Raum eine so große Fangemeinde hat und fast alle ernst zu nehmenden HiFi-Geräte-Hersteller inzwischen „Roon Ready“ sind.

Roon-Zug nimmt auch in Deutschland Fahrt auf

In Deutschland nimmt der Roon-Zug gerade Fahrt auf. Auch die deutschen HiFi-Freunde wollen ihre Musiksammlung, egal ob on- oder offline, bequem durchforsten und in bester Qualität in jedem Raum anhören. Für jedes Gerät und jeden Musikservice eine eigene App öffnen, nein, das ist auch hierzulande nicht mehr gefragt.

Hardware-Kern

Jetzt haben wir viel über die Roon-Software geschrieben, doch unser Test will sich mit dem Roon Nucleus+ Musikserver beschäftigen. Was ist das überhaupt? Generell lässt sich Roon auf jedem PC oder Mac installieren, doch nicht immer wollen wir den einschalten. Genau dafür ist der Nucleus, also der Kern da. Er ersetzt quasi den Computer und bildet die Zentrale des Roon-Netzwerkes im eigenen Haus. Das Fabelhafte an ihm ist, die Roon-Software ist genau auf die Hardware des Nucleus+ zugeschnitten. Wer ein Apple-Produkt nutzt, weiß, welche Vorteile sich bieten, wenn Software und Hardware aus einer Quelle stammen. Im Endeffekt resultiert für den Nutzer daraus ein Maximum an Bedienkomfort und Klangqualität. Dass diese Aussage kein Werbespruch ist, testen wir.

Dazu wird Roon zunächst auf dem Laptop installiert und der kommt an einen DAC. Als Wandler dient uns übrigens die Pro-Ject Pre Box S2 (► lesen Sie hier unseren Test). Der Sound ist hervorragend und wir sind sehr zufrieden. Nun tauschen wir den Laptop gegen den Roon Nucleus+ aus. Der DAC bleibt gleich. Und was passiert? Der Klang gewinnt nochmals an Tiefe und das gesamte System reagiert auch schneller auf Befehle. Logisch, am Computer läuft die Software über Windows und im Nucleus+ über das hauseigene Betriebssystem. Weiterer Vorteil: Wir können den Computer auslassen, um Musik zu hören.

Der Roon Nucleus Music Server wacht innerhalb von nicht einmal zwei Sekunden aus seinem Schlaf auf und wir greifen auf ihn einfach über die Roon-Remote-App zu. Die gibt es übrigens kostenfrei für iOS und Android. Außerdem ist das Gehäuse des Nucleus+ so konstruiert, dass es als Kühlkörper fungiert. Deshalb braucht er keine aktive Kühlung und das trotz seines Intel Core i7 Prozessors mit den acht GB RAM und der 128 GB großen SSD fürs Betriebssystem. Er arbeitet also lautlos, was im HiFi-Streaming-Bereich wichtig ist, aber von vielen anderen Herstellern nicht beachtet wird. Nicht integriert aber installierbar ist eine 2,5 Zoll große Festplatte. Hier raten wir aufgrund ihrer Geräuschlosigkeit zu einer SSD. Die kann maximal 3 TB groß sein und ist als Musikserver nutzbar. Natürlich können Sie auch weiterhin die USB-Festplatte an Ihrem Router oder den hauseigenen Server ansprechen.

Roon Nucleus+ Musik Streaming Server Streamer Music Test Review Festplatteneinschub
In der Geräteunterseite ist ein Schacht für eine Festplatte integriert, die kann maximal 3 TB groß sein. Eine SSD bietet sich hier an, damit der Nucleus+ auch mit Festplatte lautlos läuft

Anschluss-Minimalismus

Zunächst schließen wir den Roon Nucleus+ Streamingserver an unser Testnetzwerk per LAN an. Eine Einbindung mittels WLAN ist nicht möglich und der Grund dafür einleuchtend: Der Nucleus ist ein Infrastrukturprodukt. Er ist der Kern des gesamten Systems. Deshalb muss er zuverlässig arbeiten. Das ist nur gewährleistet, wenn der Nucleus ins heimische Netzwerk per Kabel eingebunden wird. Neben dem Netzwerkanschluss hat er zwei USB 3.0-Schnittstellen für DAC oder externe Speichermedien sowie einen HDMI-Ausgang. Über den können wir Mehrkanalsound etwa an einen Receiver weiterleiten, klassisch Stereo geht natürlich auch. Außerdem finden wir einen Thunderbolt 3-Anschluss am Gerät, der aktuell aber nicht verwendet wird. Mehr Anschlüsse gibt es nicht, denn Roon hat bewusst entschieden, sich nur auf seine Aufgabe als Musikquelle zu konzentrieren. Die letztendliche Wiedergabe überlässt das Unternehmen der immer größer werdenden Anzahl an Partnerfirmen.

Rückseite Roon Nucleus+ Plus Musik Streaming Server Streamer Music Test Review
Alle Anschlüsse konzentrieren sich auf digitale Zuspieler bzw. Ausgabe. Um die Zuverlässigkeit zu gewährleisten arbeitet der Roon Nucleus+ ausschließlich im LAN

Musiklandschaften erkunden

Roon will das Leben aller Musikliebhaber leichter machen. Deshalb wird die Roon-Datenbank ständig erweitert und das Betriebssystem an die Bedürfnisse der Nutzer angepasst. Das ist der Grund, weshalb wir den grauen Kasten auch nur mit dem LAN und der Steckdose verbinden müssen und schon kann es losgehen. Zur Steuerung verwenden wir kein iPhone sondern ein iPad, denn der große Bildschirm bringt die ganzen Zusatzinfos richtig schön rüber. Wichtig für den Betrieb: Es wird ein Lizenzschlüssel der Roon-Software benötigt.

Die kostenlose App zur Steuerung ist intuitiv und glänzt dabei mit quasi unbegrenzten Einstellmöglichkeiten. So können wir beispielsweise bestimmen, dass der Roon Nucleus seine Daten an den Wandler pur sendet und der sich ums Rendern und Konvertieren ins Analoge kümmert. Oder wir stellen es so ein, dass der Nucleus+ die Render-Arbeit übernimmt, während der Wandler die digital-analog-Verarbeitung bewerkstelligt.

Maximal realisiert der Roon Nucleus+ übrigens DSD 512, was dem 512-fachen der Abtastrate einer CD entspricht. Wir merken, da ist viel Platz nach oben selbst für die edelsten HiRes-Musikstücke. Doch kommen wir zurück auf die Steuerung, die den eigentlichen Reiz des Systems ausmacht. Hiermit entdecken wir Musik nämlich tatsächlich neu. Gefällt uns in einem Song beispielsweise das Trompetensolo, dann schauen wir einfach in der Liste der Mitwirkenden, wer dafür verantwortlich ist. Tippen wir auf den Namen, zeigt uns die App sofort alle Alben an, in denen dieser Trompeter mitwirkte. Dabei ist es völlig egal, ob das Album auf unserem heimischen Server liegt oder bei einem Streaminganbieter vorhanden ist.

Oder wir möchten nur die Musik aus einem bestimmten Zeitabschnitt hören, weil wir etwa eine 80er-Jahre-Party veranstalten. Dann wählen wir 1980 bis 1989 auf der Zeitachse und Roon spielt nur Musik aus dieser Zeit.

Wir können die Auswahl natürlich noch weiter einschränken etwa auf bestimmte Genre oder auch Bit-Auflösungen. Dürfen es nur MQA-Dateien sein? Bitte schön, einfach ein Häkchen gesetzt und schon erschallen nur Titel, wie sie vom Toningenieur abgemischt wurden.

Radio gleich zweimal

Wirklich faszinierend beim Musikhören ist aber die Funktion „Roon Radio“. Haben wir die aktiviert, analysiert sie unsere aktuelle Titelliste. Ist diese am Ende angelangt, dann hört das System nicht auf. Nein es macht auf Basis der Datenanalyse weiter und spielt uns ähnliche Musik vor. Das macht wirklich Spaß, weil wir so Genrevertreter entdecken, die wir sonst niemals auf dem Schirm gehabt hätten. Auch Internetradio hat Roon integriert, wobei wir hier sagen: Die Funktion ist nicht nutzerfreundlich.

Statt einer Liste mit Radiosendern bzw. Sendersuche müssen wir tatsächlich die Webadresse des entsprechenden Senders manuell einfügen, um ihn hören zu können. Allerdings geben wir zu, dass wir Internetradio während unserer mehreren Testsessions nicht vermisst haben. Das liegt an der Roon Radio-Funktion. Sie hat uns zielsicher durch jede Musikrichtung und Stimmung navigiert, als wäre sie viele Internetradiostationen.

Der Roon Nucleus+ Streamingserver wird warm

Gesamtansicht Roon Nucleus+ Musik Streaming Server Streamer Music Test Review
Das Gehäuse ist gleichzeitig der Kühlkörper. Eine aktive Kühlung findet nicht statt, deshalb arbeitet der Roon absolut lautlos

Doch kommen wir noch einmal auf die Hardware zu sprechen, um die sich dieser Test eigentlich dreht. Sie läuft einfach tadellos. In unseren Hörsessions hängt sich der Roon Nucleus+ kein einziges Mal auf oder arbeitet verzögert. Wenn es zu Aussetzern kommt, dann liegt es am Internetanschluss, aber niemals am Gerät.

Die lautlose Arbeitsweise überzeugt uns wirklich und wir sind beeindruckt, wie es der Kühlkörper schafft, einen Intel Core i7 Prozessor passiv auf Betriebstemperatur zu halten. Natürlich wird er dabei entsprechend warm. Aber keine Angst, die Hände wird sich am Roon Nucleus+ niemand verbrennen, so wie vielleicht an einem Röhrenverstärker. Er sollte lediglich an einen Platz stehen, wo Abwärme gut verfliegen kann. Ist das gewährleistet, bekommt man mit dem Roon Nucleus+ Musikserver ein unauffälliges Gerät mit viel Understatement, Kraft und Innovationspotential.

Kaufen können Sie den Roon Nucleus+ Musikserver zu einem Preis von 2.600 Euro (UVP) im HiFi-Fachhandel. Für den Vertrieb in Deutschland zeichnet ATR Audio Trade verantwortlich. Weitere Informationen: www.audiotra.de

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 3/2019.

Test: Roon Nucleus+ Musikserver - Streaming fürs Leben
Der Roon Nucleus+ Streamingserver ist die ideale Basis für jedes Musiksystem. Er arbeitet mit vielen bekannten Anbietern von Multiroom-Lösungen zusammen, ist ein unerschütterliches Arbeitstier und liefert DACs und Receivern hochwertigste digitale Signale von jedem Musikformat. Der Roon-Player mit seiner umfangreichen Datenbank und Roon-Radio sowie die extrem vielen Filter- und Einstellmöglichkeiten bringen das Erlebnis Musik auf ein neues Level und befreien vom Audio-App-Dschungel.
Wiedergabequalität100%
Ausstattung/ Verarbeitung90%
Benutzerfreundlichkeit100%
Preis/Leistung80%
Vorteile
  • eine App für Alles + ständige Erweiterung der Software
  • keine Aussetzer oder Hänger
  • absolut lautlose Arbeitsweise
Nachteile
  • Roon-Lizenz nicht inklusive
96%Gesamtwertung
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Bildquellen:

  • Roon Nucleus+Festplatteneinschub: Auerbach Verlag
  • Anschlüsse des Roon Nucleus+: Auerbach Verlag
  • Gesamtansicht Roon Nucleus+: Auerbach Verlag
  • Roon Nucleus+: Auerbach Verlag