Die Pre Box S2 Digital läutet laut Pro-Ject Audio Systems selbst eine neue Ära ihrer Komponenten der S-Serie ein. Ob die clevere Kombination aus DAC sowie Vor- und Kopfhörerverstärker dieser vollmundigen Ankündigung gerecht wird?

Auch wenn die Überschrift vielleicht für eine bestimmte Generation an Fernsehzuschauern Erinnerungen weckt, geht es hier nicht um einen Stuntman, der nebenbei als Kopfgeldjäger arbeitet. Sorry an alle Colt Seavers Fans. Das einzige was hier gejagt wird, ist der bestmögliche Klang. Pro-Ject ist den meisten Lesern wohl vorrangig dank ihrer Plattenspieler ein Begriff . Aber schon seit längerem bietet der Hersteller auch Elektronik für Freunde des digitalen Klangkonsums. Die Pro-Ject Pre Box S2 Digital ist besonders interessant, zumal sie eine Fülle an Funktionen, hochwertige Bauteile und ein aufwendiges Schaltungskonzept zu einem überraschend niedrigen Preispunkt bietet.

Pro-Ject Pre Box S2 Digital: Kleine Kiste

Das Herzstück unseres Testprobanden ist ohne Frage der 32Bit Digital/Analog-Wandler, in diesem Fall ein ESS Sabre Chip der neusten Generation vom Typ ESS9038Q2M. Oder genauer gesagt: zwei dieser Chips. Denn Pro-Ject setzt bei der gesamten Schaltung des komplett in Europa gefertigten Gerätes auf einen strikten Dual-Mono Aufbau. Das heißt ganz knapp gesagt, dass sich die beiden Stereo-Kanäle der Pre Box keinerlei Baugruppen teilen, was unter anderem geringere Übersprechungen und somit ein sauberes Stereobild mit sich bringt. Diesen aufwendigen Aufbau ist man eher von High-End Boliden gewohnt, aber nicht in diesem Preissegment. Unser Interesse ist geweckt!

Nicht minder beeindruckend sind die angegebenen Jitter-Werte die unter 100 Femtosekunden liegen. Das sind gerade mal 0,0000001 Mikrosekunden! Darüber hinaus bietet die Pro-Ject Pre Box S2 Digital gleich 8 verschiedene Filteralgorithmen, darunter auch den sogenannten „Optimal Transient“ Filter, der eine Eigenentwicklung von Pro-Ject darstellt. Der abbildbare Dynamikumfang liegt bei herausragenden 124 Dezibel A-gewichtet. Aber der Protagonist dieses Tests ist wie schon erwähnt nicht nur ein DAC, sondern eben auch ein Vorverstärker und zu allem Überfluss ist auch noch ein Kopfhörerverstärker mit an Bord. Für letzteren werden Kopfhörer mit Impedanzen von 8 Ohm aufwärts empfohlen. Man kann also von In-Ears mit ihren meist recht niedrigen Impedanzen bis zu hochohmigen Studiokopfhörern alles betreiben.

Pro-Ject Pre Box S2 Digital Test Review DAC D/A Wandler
Die Pro-Ject Pre Box S2 Digital bietet viel Funktionalität auf engstem Raum. Das spiegelt sich auch in den Anschlussmöglichkeiten auf der Rückseite des Gerätes wieder

An 32 Ohm stehen 63 Milliwatt (mW) Leistung pro Kanal zur Verfügung und es sind ist ein äußerst niedriges Verzerrungsproduktverhältnis von –112 Dezibel (dB) möglich. Das ganze wird umso beeindruckender, wenn man sich den Formfaktor unseres Testprobanden vor Augen führt. Denn dieser passt ohne Probleme in unsere Jackentasche, was wir wirklich ganz ohne Hintergedanken ausprobiert haben. Das robuste und unempfindliche Gehäuse aus Aluminium bestärkt nur die Idee das Multitalent einfach überall hin mitnehmen zu wollen. Und da sich die Pre Box S2 Digital von Pro-Ject auch via USB-Buspower betreiben lässt, ist das auch durchaus praktikabel. Will man das Gerät eher klassisch über den optischen Toslink-, oder den koaxialen Cinch-Eingang als Wandler zwischen Zuspieler und Verstärker benutzen, kann man die kleine Wunderbox natürlich auch mit dem mitgelieferten Netzteil betreiben.

Entscheidender Vorteil über USB ist jedoch, dass die Sabre Chips ihr volles Potential entfalten können und nicht durch die Spezifi kationen der S/PDIF-Schnittstelle ausgebremst werden. Hier können PCM Dateien dann mit bis zu 32 Bit Aufl ösung und 768 Kilohertz (kHz) Samplingrate gelesen werden. Als besonderes Schmankerl werden sogar DSD-Formate bis zu DSD512 unterstützt. Die Bedienung erfolgt entweder am Gerät selbst oder mittels der beiliegenden Fernbedienung. Letztere kann man bei Bedarf sogar gegen ein hochwertiges Modell aus Metall upgraden.

Großer Klang

Klanglich fällt die Pro-Ject Pre Box S2 Digital keine Sekunde hinter die geweckten Erwartungen zurück. Die Wiedergabe wirkt ausgesprochen ehrlich und hat eine schon fast als „griffig“ zu bezeichnende Qualität. Räumlichkeit wird plastisch abgebildet. Wie erwartet, ist, dank des Dual-Mono Aufbaus, die Separation im Stereobild fantastisch. Wenn die Aufnahme es hergibt, hat man schon fast das Gefühl in die gebotene Szene hineinschauen zu können. Transienten kommen wirklich wie aus dem Colt, wir meinten natürlich wie aus der Pistole geschossen. Da macht vor allem Pro-Jects hauseigener Filteralgorithmus seinem Namen alle Ehre. Aber die anderen Filter sind ebenfalls interessant. Die Unterschiede sind hörbar, aber am Ende eher eine Geschmacksfrage. Der Grundcharakter der Pro-Ject Pre Box S2 Digital bleibt stets erhalten.

Als Hörbeispiel haben wir uns diesmal einen Klassiker aus den späten neunziger Jahren herausgepickt. Und zwar Lauryn Hills „Doo Wop (The Thing)“ von ihrem unvergesslichen Album „The Miseducation Of Lauryn Hill“. Die Kick bringt direkt den Raum zum Beben. Zum Glück ist die Pre Box S2 Digital mit einer tiefen wie festen Basswiedergabe gesegnet. Man hört direkt diesen leicht knusprigen Sound des Samplers beim Beat heraus. Lauryn Hills exzellente Vocalperformance wirkt wunderbar direkt und trocken. Man fühlt sich sofort, als ob es 1998 wäre. Nur, dass es irgendwie besser klingt als damals. Man merkt es vielleicht. Wir sind ein wenig hingerissen. Aber auch objektiv lässt sich sagen: Egal, ob man viel Musik am Rechner über aktive Desktoplautsprecher hört, mit dem Sound seines Kopfhörers am Laptop frustriert ist oder auch seinen betagten aber immer noch geliebten Verstärker in die digitale Gegenwart holen will. Die Pre Box S2 Digital von Pro-Ject ist ein DAC für alle Fälle!

Weitere Infos unter: www.project-audio.com oder den deutschen Pro-Ject Vertrieb ATR Audio Trade.

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 3/2019.

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Test: Pro-Ject Pre Box S2 Digital - Ein DAC für alle Fälle!
Uns würde es stark wundern wenn Pro-Jects Pre Box S2 Digital nicht weg geht wie warme Semmeln, bietet diese doch scheinbar etwas für jeden, der Musik in digitaler Form konsumiert. Angesichts des hochwertigen Dual-Mono Aufbaus, der aktuellen ESS Sabre DACs und der schieren Verarbeitungsqualität der cleveren kleinen Kiste, kann man sich nur wundern, wie Pro-Ject die Pre Box S2 Digital zu einem so niedrigen Preis anbieten kann, noch dazu, da das gute Stück in Europa produziert wird.
Wiedergabequalität92%
Ausstattung/Verarbeitung95%
Benutzerfreundlichkeit89%
Preis/Leistung91%
Vorteile
  • Funktionsumfang
  • Portabilität
  • Klang
Nachteile
  • keine
92%Gesamtwertung
Leserwertung: (7 Votes)
74%

Bildquellen:

  • _MG_8557: Bild: Auerbach Verlag
  • Pro-Ject Pre Box S2 Digital: Bild: Auerbach Verlag