Mit dem Test eines Geräts von Revox weht auch stets etwas HiFi-Kult durch LikeHiFi. So auch bei der neuen "Audiobar" Revox Studioart S100.

Wir schreiben das Jahr 1948 als der Schweizer Elektoniktüftler Willi Studer den Grundstein für eines der wohl legendärsten Unternehmen der Musikgeschichte legte. Als 1951 das Tonbandgerät Revox T26 auf den Markt kam, ließ sich Studer wohl kaum träumen, dass nicht nur der Name Revox, sondern auch sein eigener einmal weltweit Synonym für herausragende Studioelektronik stehen würde. In den Sechzigerjahren sicherten sich Studer und Revox schließlich einen Stern am Pop-Himmel. Denn neben dem legendären Beatles-Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ wurden zahlreiche Platten buchstäblich von Abba bis Zappa auf Revox-Geräten, wie etwa der berühmten Studer J37, produziert. Als es die wohl bekannteste Bandmaschine der Welt, die Revox A77 im Rahmen seiner „Basement Tapes“ schließlich in den Vordergrund eines Covers von Bob Dylan und Band schaffte, war der Kult-Status perfekt. Revox setzte seinerzeit Maßstäbe und wurde viel kopiert. Auch heute noch: So ist beim US-Amerikanischen Software-Entwickler Waves eine liebevoll gestaltete Plugin-Variante der Studer J37 erhältlich. Doch war nach diesem goldenen Zeitalter der Firmenhistorie noch lange nicht Schluss mit Studers Innovationsgeist. 1983 kam mit dem Revox B200 ein Audio-/Video-Controller auf den Markt, welcher heute als erste Multiroom-Komponente überhaupt gewertet wird. Mit dem Multiuser-Konzept geht Revox heute sogar noch einen Schritt weiter: Auf alle Mitglieder eines Haushalts zugeschnittene Einstellungen – per Install-Lautsprecher und Wandschalter in die Wohnumgebung integriert. Eine reine Selbstverständlichkeit also, dass Revox auch in den momentan sehr gefragten Produktkategorien Wireless-Audio und Home Cinema ein Wörtchen mitreden will. In der Studioart-Kollektion vereint der Hersteller einen portablen Wireless-Speaker und verschiedene Geräte zur Erweiterung eines Stereo-Setups zum Mehrkanal-System. Wir haben uns hieraus die brandneue Revox Studioart S100 Audiobar bzw. Soundbar herausgepickt, um zu hören, ob Revox neben Abbey Road- auch Hollywoodtauglich ist.

Test Revox Studioart S100 Audiobar Soundbar Review Heimkino Lautsprecher
In die Glasoberfläche sind berührungsempfindliche Bedienelemente eingelassen.

Revox Studioart S100 Audiobar

Wie es sich für eine Soundbar ziemt, kommt die Revox S100 optisch unaufdringlich in schnörkellosem schwarzen Design daher. Die berührungsempfindlichen Bedienelemente sind in die Glas-Oberfläche der Soundbar eingearbeitet und sorgen im Zusammenspiel mit der schlichten Frontabdeckung für das elegante Chic des S100. Hinter dem feingelochten Schutzgrill befinden sich drei 70 Millimeter (mm) Breitbänder, sowie vier 84 mm messende Tieftöner. Aus dieser Treiberkomposition lässt sich bereits herauslesen, dass sich das insgesamt 210 Watt starke Gerät gleichermaßen für Filmsound wie auch „klassische“ Stereo-Wiedergabe qualifizieren möchte, was dem Credo des Herstellers entspricht, stets eine hochfidele Performance gewährleisten zu können. Anschlusstechnisch kommt bei der Revox Studioart S100 wohl auch jeder auf seine Kosten. So wurden der Soundbar 4 HDMI-Anschlüsse inlusive ARC, sowie ein Cinch-Eingang und zwei digitale Inputs (optisch und koaxial) spendiert. Außerdem lässt sich das Gerät auch kabellos via Bluetooth oder WLAN und per kabelgebundener Netzwerkverbindung anspielen. Steuern lässt sich die S100 schließlich entweder über eine mitgelieferte Fernbedienung oder zeitgemäß per App für Android- und iOS-Geräte. Hierüber lässt sich die Audiobar auch mit gängigen Streaming-Clients wie Tidal, Spotify und Deezer verknüpfen. Auch die Aufrüstung auf ein kabelloses Mehrkanal- oder Multiroom-System lässt sich hier bewerkstelligen. Die Kombination von S100 und anderen Revox Studioart-Kollegen im Mehrkanalbetrieb schauen wir uns in einer kommenden Ausgabe noch einmal genauer an, das würde den Rahmen jetzt etwas sprengen.

Setup und Einrichtung

Mit ihren Maßen von gerade mal knapp 12 Zentimetern (cm) Höhe auf 100 cm Breite und 14,5 cm Tiefe auf knapp 10 Kilogramm Kampfgewicht gehört die Revox Soundbar S100 eindeutig zu den weniger hünenhaften Vertreterinnen ihrer Zunft und lässt sich auch alleine ohne große Schwierigkeiten aufstellen. Bei der Positionierung eröffnet sich dem Nutzer die Möglichkeit, die S100 alternativ zur konventionellen Aufstellung auf dem Rack, dem Sideboard, oder direkt an der Wand zu befestigen. Die passende Haltevorrichtung legt Revox der Soundbar bei Auslieferung bei. Bei der Einrichtung lässt sich anwählen, ob die Revox Studioart S100 Audiobar wandnah, freistehend oder an der Wand montiert positioniert wurde. Die App nimmt dann kleinere Klangeinstellungen vor. Die Einbindung ins Netzwerk funktioniert ebenso reibungslos. Insgesamt macht die App übrigens einen durchweg positiven Eindruck. Wer regelmäßig Bedienoberflächen diverser Audio-Hersteller ausprobiert, kommt hier in wenigen Augenblicken gut zurecht. Die Software läuft schnell und zuverlässig und ist mit allen gängigen Funktionen ausgestattet. Auch die Bedienung über ein TV-Gerät via HDMI-Verbindung gefällt durch eine saubere und unkomplizierte Menüstruktur und schnelle Reaktion bei der Navigation.

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Die ausgewählte Signalquelle kommuniziert die Revox Audiobar dezent über eine hinter dem Schutzgitter verbaute Anzeige. Natürlich werden auch andere Konfigurationen, wie etwa der X-Wide-Modus hier angezeigt.

Filmsound

„James Bond: Spectre“ hat sich über die Zeit zu unserem Referenzfilm für Soundbar-Tests gemausert. Daher kommen wir auch für diesen Test auf den 2015 erschienenen Action-Streifen zurück. Schnell lockt uns das Testmuster eine Geste der Anerkennung ab, als direkt zu Beginn des Films ein Gebäude lautstark eine Aggregatszustands-Änderung von Fest nach Luft begeht und die S100 uns dies ohne jede Zurückhaltung kommuniziert. So brachial und tieffrequent dieser Prozess vonstatten geht, so sorgfältig zeichnet das Treiberensemble feine Erosionen und kleineren Schutt. Die Revox Audiobar geht hier mit sehr viel Fingerspitzengefühl und gleichzeitig ordentlich Muskelkraft zu Werke, was uns durchaus zu imponieren weiß. Vor allem an Tiefgang mangelt es dem Probanden überraschenderweise kaum. Freilich geht hier stets mehr, aber dafür, dass noch kein Subwoofer unterstützend unter die Arme greift, reicht die Wiedergabe ordentlich tief und bleibt dabei wohl definiert. Lobend anmerken wollen wir außerdem die Möglichkeit, die Klangbühne der Soundbar zu erweitern. Zwar ist dies mal keine Erfindung der Schweizer, jedoch ist der Effekt doch deutlich besser, als bei den meisten Mitbewerbern. Hätte man uns mit verbundenen Augen in den Hörraum gesetzt, wären wir wohl nicht sofort darauf gekommen, es hier „nur“ mit einer Soundbar zu tun zu haben.

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Das rückseitig eingelassene Anschlussterminal der Revox S100 Audiobar lässt keine Wünsche offen. Ob Digital oder Analog – auch ein HDMI- ARC stellt der Hersteller hier zur Verfügung.

Musikalität

Besonders eignet sich die Soundeinstelung „X-Wide“ natürlich für Musikwiedergabe, welche doch oft unter der räumlichen Einschränkung vieler Soundbars leiden muss. Aus naheliegendem Anlass führen wir uns das nach Aussage Paul McCartneys von „Pet Sounds“ (Beach Boys) inspirierte Monumentalwerk „Sgt. Pepper‘s Lonely Hearts Club Band“ zur Hand. Das damals wie heute progressive Stereoarrangement der Platte stellt doch die meisten Soundbars vor große Herausforderungen. Drums scharf rechts, Vocals gleiten von einem Extrem ins andere – Solche eher unkonventionellen Methoden hört man nur noch heute selten. Revox bleibt sich wiederum treu: Was auf einer Revox Studer J37 aufgenommen wurde, soll auch ein halbes Jahrhundert später auf einer Revox Studioart S100 Audiobar noch danach klingen. Und tatsächlich überträgt die Revox Soundbar das Stereopanorama mit einer beeindruckenden Trennschärfe. Beim ersten Song, der auch den Namen des Albums trägt, kommt das Schlagzeug klar von rechts, genau wie Lennons angezerrte Stimme. Die erste Strophe wandert dann gemächlich und stufenlos von links über das Stereozentrum hinweg, bis Lennon schließlich von rechts wieder übernimmt. Gleichzeitig gefällt der Sound ob einer gelungenen Abstimmung und einer energetischen Performance. Wir dürfen Revox an dieser Stelle attestieren, mit der S100 Audiobar dem selbstgesteckten Credo gerecht zu werden: Hier werden keine klanglichen Kompromisse gemacht und das Beste aus den gegebenen Bedingungen herausgeholt. Für ein Gerät dieser Art und Preisklasse kaum zu schlagen!

Revox Studioart S100 Audiobar: Preise und weitere Informationen

Die Soundbar Revox Studioart S100 Audiobar ist im Revox-Online-Shop oder im HiFi-Fachhandel zum Preis von 1.499 Euro käuflich erhältlich.

Anm.: Dieser Testbericht erschien zuerst in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 03/2020.

Webseite: www.revox.com/studioart-s100-audiobar

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Test: Revox Studioart S100 Audiobar - Soundbar im Geiste Studers
Damals wie heute steht der Schweizer Kult-Hersteller Revox für progressives und klanglich kompromisloses HiFi. Das stellt man auch bei der neuen Studioart S100 Audiobar eindrucksvoll unter Beweis. Ein sehr gut abgestimmtes Treiberensemble und ein raffiniert arbeitender DSP gewähren dem Gerät eine Bühnenbreite, welche man bei Geräten dieser Art eher selten vorfindet.
Wiedergabequalität91%
Ausstattung/Verarbeitung100%
Benutzerfreundlichkeit80%
Preis-/Leistungsverhältnis90%
Vorteile
  • gute Räumlichkeit
  • gute Abstimmung
91%Gesamtergebnis
Leserwertung: (6 Votes)
36%

Bildquellen:

  • TEST: Revox S100: Auerbach Verlag
  • TEST: Revox S100: Auerbach Verlag
  • TEST: Revox S100: Auerbach Verlag
  • TEST: Revox S100: Auerbach Verlag
  • AUDIO TEST Magazin Ausgabe 0421 2021 Mai: Auerbach Verlag
  • Revox Studioart S100 Audiobar Soundbar Test: Auerbach Verlag