Kann eine Soundbar auch vernünftig Musik wiedergeben? Diese Frage stellt sich unser Tester und versucht sie in einem "Re-Test" der Revox Studioart S100 Audiobar zu klären. 

Eigentlich testen wir bei AUDIO TEST in jedem Heft neue Lautsprecher, Verstärker, Soundbars, Kopfhörer etc., die wir interessant und wichtig finden. Ein Audio-Gerät zweimal zu testen, kam uns bisher nicht in den Sinn. Wir wollen unseren Leserinnen und Lesern ja immer etwas Neues bieten. Aber bei diesem Test ist es etwas anders. Es handelt sich um ein Test-Update der Revox Studioart S100 Audiobar Soundbar.

Wie es dazu kam

Der Verfasser dieses Textes hatte sich das Update der Revox Studioart S100 Audiobar gezogen. Damit beherrscht die Revox Soundbar nun Airplay 2. Das allein ist ja kein Grund, nochmal einen Test zu veranstalten. Doch die Geschichte geht weiter.

Um das Update auszuprobieren, hörte er sich durch seine umfangreiche Musiksammlung. Vorher hatte er die Revox nur im Rahmen des früheren Tests (Anm.: nachzulesen in AUDIO TEST 03/20) als Heimkino-Lautsprecher wahrgenommen. Sogleich stellte sich eine Begeisterung für deren Musikklang ein, sodass er die Revox Studioart S100 Audiobar noch einmal unter dem besonderen Musikaspekt unter die Lupe bzw. das Ohr nahm. Und der zweite Test mit ausschließlicher Fokussierung auf die Musikwiedergabe nahm Gestalt an.

Das hat die Revox Studioart S100 Audiobar drauf

Die Revox S100 ist eine optisch unaufdringliche aber edel aussehende Soundbar mit berührungsempfindlichen Bedienelementen. Die finden wir unter der Glas-Oberfläche auf der Soundbar. Hinter dem Schutzgrill würden wir, wenn wir diesen entfernen, drei 7 Zentimeter messende Breitbänder, sowie vier 8,4 Zentimeter messende Tieftöner erblicken.

Die Wiedergabeleistung liegt bei 210 Watt und ihr Frequenzgang wandelt sicher zwischen 44 Hz bis hin zu 20 kHz. Auf der Rückseite der Revox Studioart S100 Soundbar gibt es 4 HDMI-Anschlüsse inklusive ARC. Außerdem finden wir einen Cinch-Eingang und zwei digitale Inputs, und zwar koaxial und optisch. Kabellos lässt sich die Audiobar via Bluetooth oder WLAN befeuern. Und auch an einen LAN-Zugang ist gedacht. Gerade wer viele HighRes-Dateien über die Revox Audiobar abspielen will, wird diesen zu schätzen wissen, denn LAN-Kabel ist bei großen Datenmengen immer noch der Goldstandard.

Gesteuert wird die Studioart S100 Audiobar über die mitgelieferte Fernbedienung oder per App. Die gibt es für Android- und iOS-Geräte. In der App finden wir die üblichen Streaming-Verdächtigen wie Tidal, Spotify oder Deezer. Multiroom-fähig ist die Revox natürlich ebenfalls. Immerhin haben die Schweizer mit dem Audio-/Video-Controller Revox B200 schon 1983 die erste Art Multiroom-Komponente auf den Markt gebracht.

Revox Studioart S100 Audiobar - Ein- und Ausgänge
Die Anschlussvielfalt erlaubt es auch ältere Geräte mit der Studioart S100 Audiobar zu verbinden, die ARC noch nicht unterstützen.

Airplay 2

Wie geschrieben, hat der Verfasser dieses Tests die Revox aufgrund eines einfachen Updates näher kennengelernt. Dieses Update brachte Airplay 2 auf die Soundbar.

Kleine Erinnerung dazu: Airplay ist eine Apple-eigene kabellose Schnittstelle, um Audio und Videosignale zu übertragen. Wie bei Apple üblich ist die Bedienung kinderleicht. Wir müssen nur auf unserem Apple-Gerät die Tonausgabe öffnen. Ist ein Airplay-fähiges Gerät im gleichen Netzwerk, können wir darauf unseren Ton ausgeben.

Generell läuft Airplay sehr stabil und hat praktisch keine wahrnehmbare Latenz. Das heißt, wenn wir ein Video auf dem Mac schauen und der Ton kommt aus der Revox-Soundbar, erfolgt dies Lippensynchron. Die Datenrate bei Airplay entspricht der CD-Qualität also 44,1 kHz und 16 Bit. Airplay 2 hat, soweit wir herausfanden, die gleiche Datenrate, aber beherrscht im Gegensatz zu Airplay (1) nun auch Multiroom. Wir steuern die Zimmer also direkt vom iPhone, iPad oder unserem Mac aus. Eine zusätzliche Streaming-App oder die Revox Studioart App sind dafür nicht notwendig. Das gefällt uns richtig gut.

Natürlich kann die Revox Studioart S100 Audiobar auch Chromecast und damit sind bekanntermaßen Audio-Datenraten von 96 kHz bei 24-Bit möglich. Also auch HighRes-Streaming-Fans, die es kabellos mögen, kommen mit der Studioart S100 Audiobar von Revox voll auf ihre Kosten. Doch lassen wir die Wireless-Spielereien und Datenraten-Vergleiche hinter uns. Sicher macht es Spaß darüber zu fachsimpeln, aber noch mehr Spaß macht das Anhören von Audiogeräten. Wie klingt der schwarze Hochglanzriegel, wenn er Musik abspielt?

Revox Studioart S100 Audiobar - Fernbedienung
Die Fernbedienung ist hochwertig und intuitiv.

Wir hören: The Blaze mit „Territory“

Schon im normalen Stereomodus der Soundbar hat der Song eine richtig schöne Hall-Fahne. Das ist sehr deutlich bei den „Tropfen“ gleich am Anfang des Titels zu hören. Die elektronischen Tropfen schweben praktisch im Raum. Wenn dann das Klavier einsetzt und perfekt ortbar auf der linken Seite spielt, stellt sich bei uns Testern schon ziemliche Freude ein.

Bei Einsetzen des Beats begleitet von einem Synthie-Bass bekommt unser Testraum ein spürbares Club-Ambiente. Wenn dann die weiteren Sample-Instrumente anklingen und sich im Raum von hinten nach vorne bewegen, dann glänzen unsere Augen, so toll ist die Räumlichkeit des Stücks dargestellt.

Interessant sind in diesem Zusammenhang die vielfältigen Einstellmöglichkeiten der Revox Audiobar. Hier können wir etwa bestimmen, ob die S100 Stereoklang mit oder ohne Centerspeaker wiedergeben soll. Tatsächlich macht das einen deutlichen Unterschied. Wir raten deshalb, den Center-Lautsprecher generell im Stereo-Modus zu aktivieren. Die Musikwiedergabe wird dadurch einfach räumlicher.

Kleine Anmerkung zwischendurch: In der App lässt sich der Aufstellungsort der Soundbar bestimmen. Steht sie etwa frei im Raum oder ist sie beispielsweise direkt an der Wand angebracht. Der Standort beeinflusst ja unmittelbar den Klangeindruck, deshalb ist es wichtig in der App den korrekten Standort einzustellen.

Revox Studioart S100 Audiobar - Tasten
Auf der Oberseite steuern wir dank Touch-Sensoren rudimentäre Funktionen.

Sparks und Ashes

Als nächster Titel ist „Sparks and Ashes“ vom gleichen Künstler-Duo an der Reihe. Hier interessiert uns besonders der Anfang des Stücks. Der besteht aus einer fauchenden Bassdrum, die geradezu nach einem Subwoofer schreit. Doch die Revox kann dieses Tiefton-Ungetüm ohne Tiefbass-Unterstützung prima zu Gehör bringen. Da vermissen wir nicht einmal große Standboxen, wenn wir diesen Titel über die S100 Audiobar hören. Die Plastizität des Klangs ist natürlich auch hier über jeden Zweifel erhaben. Es ist, als ob die beiden Cousins vor uns sitzen und wir hinter ihnen mitten im Tonstudio mit lauschen dürfen.

Mehr Weite im Klang

Wir haben bereits auf die vielen Einstellmöglichkeiten der Soundbar hingewiesen. Auf eine möchten wir jetzt etwas detaillierter eingehen: das Widening. Fast alle Soundbars haben einen solchen Modus, der die Klangbühne über die Dimensionen des Gerätes ausweitet. Es klingt dann beispielsweise so, als ob die Töne einen Meter weiter rechts oder links neben der Soundbar entstehen.

In vielen Fällen geht dieser akustische Trick mit einer deutlichen Qualitätseinbuße des Klangs einher. Bei der Wiedergabe von Filmton ist das in der Regel noch verschmerzbar. Doch gerade Musik wird oft verzerrt. Fast immer sind dann die Mitten überbetont und die Höhen krächzen unangenehm scharf. Wie ist das aber bei der Revox Studioart S100 Audiobar? Verzerrt ihr Widening die Musik ebenso wie viele der Konkurrenten?

Bilder einer Ausstellung

Wir wechseln jetzt das Genre und hören in Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ (Orchesterversion) hinein. Klassische Musik lebt ja zum Großteil vom Klang des Konzertsaals. Er ist sozusagen das große Instrument, was die anderen zusammenhält.

Wir hören eine Weile im normalen Stereomodus und sind sehr angetan. Aber dann wagen wir den Schritt und wechseln in den Modus „Wide“. Hier erweitert sich das Orchester und platziert sich mehr um uns Hörende. Dabei wird nur der akustische Raum größer. Die Musik wird nicht verfärbt bzw. verzerrt. Das ist wirklich beachtlich, denn wie geschrieben, kommt es bei der Konkurrenz fast immer zu wahrnehmbaren Verzerrungen im Frequenzspektrum.

Doch der Wide-Modus ist noch nicht die Spitze der Fahnenstange. Es gibt außerdem das X-Wide – also den extra weiten Klang. Jener vergrößert nochmals die Klangbühne und schiebt den Sound deutlich bis in die Seiten. Es klingt also so, als ob noch zusätzlich Seitenlautsprecher aufgestellt würden. Dieses meisterliche Klangkunststück gelingt der Revox Studioart S100 Audiobar erneut, ohne die Musik wahrnehmbar zu ändern. Wir sind angetan, denn eigentlich hören wir nur selten klassische Musik über eine Soundbar. Oft fehlt uns die Echtheit und Kraft. Doch die Revox lässt Klassik wahrhaft lebendig werden.

Revox Studioart S100 Audiobar - LED Anzeige
Unter der Abdeckung ist eine helle LED- Anzeige versteckt, die uns beispielsweise anzeigt, welche Quelle über die Revox Studioart S100 Audiobar aktuell wiedergegeben wird.

Madonna in the house

Nun wollen wir nochmal in den Club abtauchen, allerdings verbunden mit einer Zeitreise. 1990 kam Madonnas Single „Vogue“ heraus. Sie wurde aus dem Soundtrackalbum „I’m Breathless – Music from and Inspired by the Film Dick Tracy“ ausgekoppelt. Der Song lehnt sich an die Tanzform Voguing an, die in der Schwulenszene von Harlem in New York City gepflegt wurde.

Schon die Synthie-Streicher am Anfang des Songs machen Lust, ihn auf der Revox zu hören. Das „elektronische Fingerschnippsen“ hat eine schöne Hallfahne und wenn dann der Bass einsetzt, entsteht sogar Gänsehaut. Wow, ist hier wirklich kein Subwoofer am Werk? Nein, das macht die Revox alles allein.

Tatsächlich ist die Transparenz des Songs erneut fast schon erschreckend gut für eine Soundbar und die Klangbühne wirkt voll und weit. Dabei haben wir den Wide-Modus sogar deaktiviert. Wir hören also nur Stereo und das ist beeindruckend. Als wir dann in X-Wide wechseln, schwebt Madonnas Stimme praktisch um uns herum. Das ist fast schon zu viel des Guten. Wird uns etwa schwindlig? Nein, unsere Sinne gewöhnen sich an den kleinen Overkill und genießen das Rundum-Klangerlebnis.

Wir sind beeindruckt und berauscht von den Klangqualitäten der S100 Soundbar. Diese hochwertige Art der Musikwiedergabe würden wir von einem Paar 1.500-Euro-Lautsprecher plus entsprechende Verstärker erwarten, doch niemals von einer Soundbar. Revox schafft es hier die Messlatte für die Musikwiedergabe bei Soundbars ganz weit oben anzulegen.

Preis und Verfügbarkeit der Revox Studioart S100 Audiobar

Die Revox Studioart S100 Audiobar ist online und im gut sortierten Fachhandel erhältlich. Sie kostet 1.599 Euro.

Webseite: revox.com

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 03/2022

▶ Lesen Sie hier: Test der Revox Joy S119 Network Receiver & Elegance G120 Standlautsprecher

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Test: Revox Studioart S100 Audiobar - Soundbar (3.1 Lautsprecher)
Die Revox Studioart S100 Audiobar zeigt in unserem Re-Test, dass sich Soundbar und Musikalität perfekt ergänzen können. Sie erreicht trotz kompakter Größe ein beachtliches Klangvolumen mit einem angenehm druckvollen Sound und einer präzisen Klarheit. Damit kann sie sich mit jeder vernünftigen Stereoanlage messen - auch wenn die S100 nicht zu den preiswertesten Vertretern ihrer Art zählt, ersetzt sie doch eine echte HiFi-Anlage plus Heimkinosystem. So gesehen ist sie schon wieder ein Schnäppchen.
Wiedergabequalität 96%
Ausstattung/Verarbeitung 90%
Benutzerfreundlichkeit 80%
Preis/Leistung80%
Vorteile
  • kraftvoller, ausbalancierter Bass ohne Subwoofer
  • höchste Musikalität
  • perfekte Höhen und Mitten
Nachteile
  • keine
92%Revox Studioart S100 Audiobar
Leserwertung: (5 Votes)
65%

Bildquellen:

  • Revox Studioart S100 Audiobar – Ein- und Ausgänge: Auerbach Verlag
  • Revox Studioart S100 Audiobar – Fernbedienung: Auerbach Verlag
  • Revox Studioart S100 Audiobar – Tasten: Auerbach Verlag
  • Revox Studioart S100 Audiobar – LED Anzeige: Auerbach Verlag
  • Test Revox Studioart S100 Audiobar: Auerbach Verlag