Der Pro-Ject Debut PRO Plattenspieler ist in allererster Linie eins: Ein Geschenk an sich selbst. Die Österreicher um Pro-Ject Firmengründer Heinz Lichtenegger begehen mit diesem Jubiläumsmodell den 30. Geburtstag. Wir wünschen alles Gute und haben den Pro-Ject Debut PRO zum ausführlichen Test in unser Testlabor bestellt.

30 Jahre und kein bisschen müde

Die Marke Pro-Ject ist keine Unbekannte. Wir würden sogar so weit gehen und sagen, sie ist aus dem internationalen HiFi-Markt, speziell dem Phono-Segment, nicht mehr wegzudenken. Zu einer Zeit, als alle anderen die Schallplatte längst totgesagt hatten, mitten in der Ära der ersten brauchbaren Digitalwandler, hatte ein Mensch ganz anderes im Sinn. Pures Analogglück zu einem fairen Preis. Es begann mit Tüfteln, Tunen und Basteln und ist über die Jahre zu einem der renommiertesten Hersteller und zum Marktführer der Plattenspieler-Branche geworden. Chapeau!

Was ist das Erfolgsgeheimnis? Weniger Prestige, mehr Klang. Weniger Glanz, mehr Funktionalität. Weniger Geheimnis, mehr Offenbarung. Produkte von Pro-Ject überzeugen in der Regel durch herausragendes Preis-Leistungsverhältnis und exzellentes Produktmanagement. Sie wissen schon: Das Zusammenstellen der Bauteile, das Abstimmen und die Auswahl der Funktionalität. Unkompliziert soll es sein, schlicht. Das Gerät darf der Musik nicht die Show stehlen, sondern muss ihr dienen. Wir sind uns sicher, Pro-Ject hat diese Eigenschaften auch beim neuen 2021er Plattenspieler Modell Debut PRO wieder mit einfließen lassen.

Test Review Pro-Ject Debut PRO Plattenspieler mit Pick it Pro Tonabnehmer Armin Kern ATR
Armin Kern vom deutschen Pro-Ject Vertrieb ATR Audio-Trade kam eigens für den Test zu uns in den Hörraum gefahren und brachte den neuen Pro-Ject Plattenspieler persönlich vorbei. Eine tolle Hörsession mit Armins Schallplatten war natürlich inklusive! Weitere Impressionen dazu gibt es auf Facebook und Instagram.

Der Pro-Ject Debut PRO Plattenspieler

Der neue PRO schließt sich entwicklungstechnisch an das Modell Pro-Ject Debut Carbon EVO ( lesen Sie hier unseren Test) an. Wer hier genau hinschaut, wird viele Parallelen finden. Die Unterschiede liegen in den Details, die sehr fein ausfallen. Zunächst einmal fällt auf, dass der Pro-Ject Debut PRO neue silberne Füße spendiert bekommen hat. Diese lagern auf TPE, einem Speziallwerkstoff, und sind somit im Vergleich zur EVO-Version zusätzlich von Vibrationen entkoppelt. Die Dreipunktlagerung ist darüber hinaus die von uns persönlich bevorzugte Aufstellart, da so jegliche Kippel-Bewegung im Keim erstickt wird.

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Auf den ersten Blick auch sichtbar: Der Plattenteller ist nun aus feingewuchtetem Aluminiumguss statt Stahlblech. Die nächste Auffälligkeit im Vergleich zu den Kollegen der Serie, ist der Kippschalter auf der Oberseite der Front. Über diesen kann die gewünschte Drehgeschwindigkeit ausgewählt werden. Über das Abnehmen des Haupttellers und das Umlegen eines Rundriemens auf dem Pulley kann zudem auch 78 Upm wiedergegeben werden. Wer ganz genau hinschaut, erkennt, dass eine neue bzw. andere Tonarmbasis verbaut wurde. Nicht nur die Kardan-Aufhängung wurde überarbeitet, im Vergleich zum Vorgänger hat die PRO-Variante vom Pro-Ject Debut Plattenspieler nun auch eine Tonarm-Höhenverstellung.

Auch der Tonarm vom Plattenspieler ist neu. Pro-Ject verwendet nun einen Composit-Werkstoff. Aussen Karbon, innen Aluminium. Dadurch ergeben sich die Vorteile beider Welten. Leichtigkeit und Bedämpfung. Ob sich diese Variation im Klang widerspiegelt? Der Debut Carbon EVO liegt uns noch gut im Ohr. Bevor wir auf diesen Punkt zu sprechen kommen, noch ein paar weitere Details, die uns aufgefallen sind. Am Ende des Tonarms sitzt beim Debut PRO nämlich kein Ortofon 2M Red, wie bei den „kleineren“ Modellen, sondern ein extra für Pro-Ject gefertigter und angepasster „Pick it PRO“ Tonabnehmer. Ein MM-System mit hohem Dynamikumfang, dass audiophile Qualitäten verspricht und extra für die höhere Masse des Arms konstruiert wurde, da es eine vergleichsweise geringe Nadelnachgiebigkeit hat.

Abgerundet wird das Geburtstags-Gesteck von einem optional erhältlichen Netzteil von Pro-Ject. Es ist natürlich ein Netzteil im Lieferumfang enthalten, aber wir möchten Ihnen dieses spezielle Upgrade auf ein „High Power it“-Netzteil von Pro-Ject dennoch persönlich empfehlen. Es handelt sich hierbei nämlich nicht einfach um ein normales 15 V/1 A Schaltnetzteil, wie es oft zu finden ist, sondern um ein Netzteil, bei dem die Masse tatsächlich intern durchgeschliffen wird. Eine Seltenheit und für viele sicher ein echter Problemlöser, denn nicht selten kollidieren hier Plattenspieler und Vorstufe bzw. Vollverstärker auf unvorhergesehene Weise miteinander und es bilden sich Brummschleifen. Dabei hat in der Regel der Verstärker ein anderes Massepotential als der Plattenspieler und es entstehen Kriechströme, die sich brummend und surrend bemerkbar machen. Immer daran denken: Masse sternenförmig zusammenführen.

Test Review Pro-Ject Debut PRO Plattenspieler Tonarm
Die Anschlüsse sind simpel aber gut ausgeführt. Besonders hat uns gefreut, dass diese nicht sonderlich versteckt, sondern gut zugänglich ausgeführt sind.

Pro-Ject Plattenspieler im Klangtest

Wie könnte man ein Jubiläum besser begehen als mit ABBA. Die 10 Jahre Unterschied: geschenkt. Wir legen „Waterloo“ auf. Ein Titel den viele von ihnen auswendig kennen. Wir auch. Direkt in den ersten Takten wird klar: Der Pro-Ject Debut Pro bekommt trotz sparsamer Konstruktion ein erstaunliches Pfund Druck auf die Nadel. Im Direkten Vergleich mit anderen Plattenspielern dieser Preisklasse wird deutlich, dass hier mehr vom Fundament übrig bleibt, als bei anderen Plattenspielern. Dadurch ergibt sich, dass sich der Debut PRO hervorragend mit „dünnen“ Anlagen kombinieren lässt, was wiederum zu einem volleren Klangbild führt. Wenn Sie ein eher reduziertes Ambiente in Ihrer vertrauten Umgebung haben. Wenige Teppiche und Pflanzen, eine Umgebung die per se eher hell oder informationsgeladen klingt, brauchen Sie keinen Plattenspieler, der den Betonkasten noch mehr mit Höhen füttert. Hier brauchen Sie mehr Körper. Den bietet der eher dunkel abgestimmte Debut PRO aus allen Perspektiven. Wenn wir mit dem Pro-Ject Debut Carbon EVO vergleichen sollten, ist der EVO eher hell abgestimmt, die perfekte Ergänzung also zu eher dunkel klingenden Anlagen oder Räumen in diesem Fall.

Um die Hochglanz-Fähigkeiten des Debut PRO zu überprüfen haben wir natürlich auch die ein oder andere 180 Gramm-Pressung auf 45 Umdrehungen aufgelegt. Auch hier kommen die Spezialitäten im Grundton vorteilhaft zum Tragen. Kari Bremnes’ „Coastel Ship“ klingt für sich genommen schon warm, rund und off en. Durch die gelungene schwarze Bühne die der Debut PRO aufbaut, kommt der Titel aber nochmals wunderschön ins Leuchten. Auch unser Testsong „Seeker“ von Hiromi vom Album „Alive“ konnte in 45er HiRes überzeugen. Die Klaviatur des Pianos und dessen Anschlag schwingt erfreulich natürlich durch unseren Hörraum. Die Mikrodynamik ist für einen MM-Abnehmer beachtlich. Doch auch hier ist es wieder am schönsten, wenn nach dem langen Klavierintro endlich die Rhythmussektion einsetzt. Die Sonorität und Griffi gkeit des Basses ist wirklich herzerwärmend und berührt. Dafür muss man in Kauf nehmen, dass der Debut PRO keinen eingebauten Subsonic hat. Das heißt weite Tiefe, aber auch ein wenig Anfälligkeit zum Aufschwingen und für Bassfeedbacks, wenn der Teller in einer Raummode steht. Hier bitte aufpassen. Darüber hinaus: Let’s get this party started!

Test Review Pro-Ject Debut PRO Plattenspieler Pick It Pro Tonabnehmer Tonarm
Der Pick it Pro aus dem hauseigenen Sortiment ist ein spielfreudiger MM Tonabnehmer mit viel Punch und einem gesunden Grundton. Im Debut Carbon Evo gab es noch einen Ortofon 2M Red dazu.

Preis und Verfügbarkeit

Den Pro-Ject Debut PRO Plattenspieler gibt es im autorisierten Fachhandel zum Preis von 749 Euro (UVP) zu kaufen. Vertrieben und vermarktet wird das Produkt in Deutschland von ATR Audio-Trade.

Weitere Informationen: www.audiotra.de

Anmerkung: Dieser Text erschien erstmals in Ausgabe 08/2021 der AUDIO TEST.

► Lesen Sie hier: Test der Pro-Ject Phono Box S2 und Phono Box DS2 – Phono-Vorverstärker

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Test: Pro-Ject Debut PRO Plattenspieler mit Pick it Pro Tonabnehmer
Pro-Ject schafft es immer wieder aus den vermeintlich einfachsten Produkten den exklusivsten Sound zu zaubern. Wir geben zu: So ganz haben wir das Geheimrezept noch nicht analysiert, zu filigran die Details Lichteneggers Tunings. Aber eins ist klar: Pro-Ject ist und bleibt der unangefochtene Preis-Leistungssieger. Kaum sonst bekommt man so viel Platte für so wenig Geld.
Wiedergabequalität93%
Ausstattung/Verarbeitung98%
Benutzerfreundlichkeit97%
Preis-Leistungsverhältnis97%
Vorteile
  • extrem solide ausgeführt
  • unkomplizierte Handhabung
  • großartiger Grundklang
Nachteile
  • leichte Anfälligkeit für Aufschwingen im Subbass
96%Gesamtergebnis
Leserwertung: (5 Votes)
72%

Bildquellen:

  • Pro-Ject-Debut-PRO-Plattenspieler-Armin-Kern-ATR-Test-04-1: Auerbach Verlag
  • Pro-Ject-Debut-PRO-Plattenspieler-Test-02: Auerbach Verlag
  • Pro-Ject-Debut-PRO-Plattenspieler-Test-03-1: Auerbach Verlag
  • Pro-Ject Debut PRO Plattenspieler Test 01: Auerbach Verlag