Dass die Wiener HiFi-Schmiede Pro-Ject zu den besten ihrer Zunft gehört, ist wohl bekannt. Wir haben nun zwei Phonovorstufen Referenzmodelle, die bei uns regelmäßig zum Einsatz kommen, selbst in den Mittelpunkt gerückt. Freuen Sie sich auf den Test  Einstiegs-Phono-Vorstufe (MM/MC) Pro-Ject Phono Box S2 sowie des Premium Phono Vorverstärkers (für MM & MC Tonabnehmer) Pro-Ject Phono Box DS2.

Aus der zweiten Reihe

Über die vergangene Dekade hat sich in den Redaktionsräumen von AUDIO TEST und LikeHiFi.de schon ein kleines Arsenal verschiedenster HiFi-Elektronik angesammelt. Da sind zum einen natürlich die Testgeräte, frisch entpackt und prominent im Hörraum drapiert, zum anderen sind da die Referenzgeräte, welche die jeweiligen Testmuster bei Bedarf um eine entsprechende Signalquelle, einen Verstärker oder Lautsprecher erweitern. Einige haben sich selbst einmal für die Publikation eines Testberichts auf Herz und Nieren prüfen lassen, andere konnten uns abseits des Rampenlichts von sich überzeugen und wurden bis dato nicht mit einem eigenen Testbericht geadelt. Eigentlich schade, dachten wir bei uns und entschieden, in dieser Ausgabe einmal zwei treue Testgefährten für Sie zu Wort kommen zu lassen. Die beiden Phonovorstufen Phono Box DS2 und Phono Box S2 aus dem Hause Pro-Ject begleiten uns nun seit einigen Jahren und haben stets einen treuen Dienst bei der Auseinandersetzung mit verschiedensten Schallplattenspielern geleistet.

Antizyklisch

Nicht nur bei den beiden Geräten selbst, sondern auch beim Hersteller handelt es sich natürlich um einen alten Bekannten. Pro-Ject war in den vergangenen Jahren über ein halbes Dutzend mal in der AUDIO TEST vertreten. In erster Linie beschäftigten wir uns dabei mit den Schallplattendrehern der Österreicher, jedoch war auch schon so einiges an Elektronik und Zubehör bei uns zu Gast. Mit einem Mittelwert von 88 Prozent fuhr das Unternehmen dabei übrigens einen ausgezeichneten Testdurchschnitt ein. Dass Heinz Lichtenegger mit Pro-Ject ein absolut erstklassiges Projekt gelungen ist, ist eigentlich bereits aus der anachronistischen Geburtsstunde des Unternehmens herauszulesen. Denn als sich Lichtenegger im Jahre 1991 dazu entschied, ein Unternhehmen zur Fertigung bestmöglicher Analogtechnik ins Leben zu rufen, waren digitale Medien im Windschatten der Compact Disc auf einstweilig unaufhaltbarem Siegeszug. Man darf sich an dieser Stelle Mutmaßungen ersparen, ob es nun der schiere Glaube an die Sache oder prophetische Gerissenheit waren, die Lichtenegger zu seinem antizyklischen Bestreben bewogen, das nicht ganz untreffend Pro-Ject getaufte Unternehmen in der wohl kritischsten Epoche der Phono-Geschichte aufzuziehen. Fest steht nur, dass sich die Wiener zu einer der internationalen Top-Adressen in Sachen Vinyl-Kultur hochgearbeitet haben. Dass unter anderem die Wiener Philharmoniker, die Rolling Stones oder die Universal Music Group mit den Tüftlern von der Donau zusammenarbeiten, spricht wohl für sich.

Test Pro-Ject Phono Box DS2 Phono-Vorverstärker Phonostufe Amp Review
Bei der Phono Box S2 geht alles etwas gedrungener zu. Für einen Trigger-Anschluss, wie ihn die Phono Box DS2 hat, blieb hier kein Platz übrig.
TEST: Pro Ject Sound Box
Der klare Dual Mono-Aufbau der Phono Box DS2 erschließt sich bereits beim Blick auf die weit getrennten Cinch-Anschlüsse.

Pro-Ject Phono Box S2 – Einstiegs-Phono-Vorstufe

Zum einen wollen wir Ihnen in diesem Bericht die auf den ersten Blick recht unscheinbare Phono Box S2 vorstellen. Und das Wort unscheinbar scheint bei der Phono Box S2 tatsächlich noch etwas untertrieben. Denn weniger kann ein Gerät auf den ersten Blick eigentlich nicht kommunizieren. Das mattschwarze Aluminiumgehäuse ist alternativ in einer silbernen Ausführung erhältlich und scheint von einem Netzschalter an der Frontseite und einem rudimentären Anschlussterminal an der Rückseite abgesehen keine weiteren Features bereitzustellen. Das Anschlussterminal verfügt auch lediglich über einen Cinch-Eingang und einen Cinch-Ausgang, sowie einen mit „Subsonic“ unterschriebenen Drucktaster, welcher bei 20 Hertz (Hz) eine Signaldämpfung um zwölf Dezibel (dB) aktiviert. Der eigentliche Kniff bei der Aufmachung des Amps besteht nämlich in einem Ensemble aus Dip-Switches an der Unterseite des Geräts, anhand welcher man auf die Konfiguration des Verstärkers zugreifen kann. Neben der Ausgangsleistung (40 dB, 43 dB, 60 dB & 63 dB) lassen sich auch die Eingangs-Impedanz (10 Ohm, 100 Ohm, 1000 Ohm oder 47 Kiloohm), sowie die Kapazität von entweder 100 Picofarad (pf) oder 220 pf einstellen. Die unzugängliche Unterbringung dieser Schaltelemente erscheint uns alles andere als unpraktisch. Denn in der Regel möchte man nur einen Plattendreher in die Zusammenarbeit mit einem Vorverstärker schicken. Und sind da erstmal alle Parameter richtig justiert, ist auch der Zugriff auf die Schalter nicht weiter vonnöten. Ganz im Gegenteil – Diese Variante verbannt unnötige Taster und Schalter aus dem Blickfeld und lässt Phono Box S2 unaufdringlich aus dem Hintergrund in Aktion treten. Das Wesentliche bleibt dem Auge eh verborgen. Die Schaltungstopologie der Phono Box S2 folgt einem strengen Dual Mono Aufbau und greift auf eine Handvoll Polypropylen-WIMA-Kondensatoren zurück. Auch eine präzise RIAA-Entzerrung weiß der Verstärker laut Hersteller zu bewerkstelligen.

Test Pro-Ject Phono Box S2 und Phono Box DS2 - Phono-Vorverstärker Phonostufe Amp Review
Freilich sollte man wissen, was der verwen- dete Tonabnehmer für Vorlieben hat. Jedoch lädt die bequeme Möglichkeit des Feintunings bewusst zum experimentieren ein.

Kraftpaket

Für diesen Test sollen beide Phono Boxen eine Sonderedition des Kult-Plattenspielers SL-1210GAE von Technics in Szene setzen. Den entsprechenden Testbericht vom Kollegen Johannes Strom finden Sie übrigens auf Seite 54 in dieser Ausgabe. Weitergegeben wird das Signal schließlich an unseren Referenz-Vollverstärker TA 1592 aus dem Hause Rotel und ein paar Dynaudio Contour 30. Der Zuspieler arbeitet standardmäßig mit einem Tonabnehmer von Nagaoka. Es empfiehlt sich natürlich, den Verstärker auf die vom Hersteller empfohlenen Parameter hin zu konfigurieren, wobei es im Zweifelsfall jedoch gilt, das eigene Ohr über die optimalen Einstellungen entscheiden zu lassen. Wir entscheiden uns für eine Eingangskapazität von 320 pF und empfinden eine Eingangsimpedanz von 1000 Ohm als brillantesten. Bei der Verstärkerleistung fällt die Wahl auf 43 dB. Tatsächlich muss der Rotel noch einiges beisteuern, bei 60 dB jedoch sind bereits deutliche Verzerrungen zu hören. Wir würden uns auch bei der Phono Box S2 für einen Wert um die 50 dB wünschen, wie sie auch bei der größeren Phono Box DS2 einzustellen geht. Doch dazu später mehr. Zuerst wollen wir uns der Performance der S2 zuwenden und widmen uns hierfür einem früheren und deutlich unbeschwerteren Werk Richard Wagners, dem „Fliegenden Holländer“. Bei der Platte handelt es sich um einen Opernquerschnitt aus dem Jahre 1962, mit der Staatskapelle Berlin, dirigiert von Franz Konwitschny, Dietrich Fischer-Diskau als dem Holländer, Sieglinde Wagner als Mary und Fritz Wunderlich als Steuermann Dalands. So erquickt der „Fliegende Holländer“ vor allem im Vergleich zu Wagners späteren Arbeiten komponiert ist, so spritzig geht auch die Phono Box S2 zu Werke. Exemplarisch für die tolle Übersetzungsleistung des Amps beziehen wir uns auf die erste Szene des zweiten Akts, indem der Chor der Spinnerinnen (gesungen vom Chor der Deutschen Staatsoper) zusammen mit Mary, Senta und Erik die Gerätekette zum Leben erweckt. Der Technics SL-1210GAE und die Pro-Ject Phono Box S2 harmonieren bestens und gefallen uns vor allem aufgrund einer sehr dynamischen Spielfreude. Zwar ist die Wiedergabe aufgrund der vorgenommenen Einstellungen brillant und klar, jedoch auch im richtigen Maße im Top-End geschliffen, sodass auch bei hoher Lautstärke die Höhen nicht zu dominieren drohen.

Test Pro-Ject Phono Box S2 Phono-Vorverstärker Phonostufe Amp Review
Die Dip-Switches zur Konfiguration der Verstärker-Settings sind unauffällig an der Unterseite des Gehäuses verbaut.

Pro-Ject Phono Box DS2 – Premium Phono-Vorverstärker

Nicht weniger feinzeichnend und dafür etwas druckvoller kommt die Pro-Ject Phono Box DS2 daher. Die hier bequem per frontseitigem Drucktaster konfigurierbare Signalverstärkung von 50 dB steht der Kette aus Technics, Rotel und Dynaudio deutlich besser zu Gesicht. Außerdem gibt sich die Phono Box DS2 ein Stück weit differenzierter in den Mitten und impulsiver bei dynamischen Ausbrüchen. Besonders gut lässt sich das das in der Arie des Holländers „Die Frist ist um, und abermals verstrichen“. Fischer-Dieskau wird von der DS2 deutlich vitaler übersetzt als von der kleineren S2. Allerdings werden wir hier schon gefährlich spitzfindig, denn im Regelbetrieb müssen wir feststellen, dass die beiden Phono Boxen schon verblüffend kongruente Performances abliefern. Nur eben in Puncto Dynamik hat die größere DS2 nicht zuletzt aufgrund ihrer baulichen Veranlagungen einen deutlichen Vorteil. Dabei gibt es noch einige wenige weitere Unterschiede im Vergleich zur Phono Box S2. Das die Konfigurationen ohne Weiteres an der Gehäusefront per Knopfdruck vorgenommen werden können, kam ja bereits zur Sprache. Fürderhin ist die Phono Box DS2 nicht nur in zwei Farben, sondern optional auch in Sandwich-Bauweise mit Seitenteilen aus Walnuss-, Rosenholz- oder Eukalyptus-Holz erhältlich. Neben dem optischen Mehrwert dienen die Seitenteile auch zum Schutz vor der störenden Einflussnahme externer Schwingungen und Vibrationen. Außerdem sind die rückseitigen Anschlüsse im Gegensatz zu denen der Phono Box S2 vergoldet, was wohl auch einen nicht insignifikanten Einfluss auf die tolle Signalqualität des größeren DS2 hat. Ganz besonders gefällt uns die Phono Box DS2 auch bei der 2019 erschienenen Scheibe „Lp5“ des Quedlinburger Künstlers Apparat. Die romantisch verklärte Electronica-Produktion wird von der Verbindung aus Pro-Ject Phono Box DS2 und Technics SL-1210GAE besonders fundiert und stabil präsentiert. Bei dieser Schallplatte weiß die Phonovorstufe DS2 deutlich besser zu gefallen als die Phono Box S2. Dies liegt an dieser Stelle ganz klar bei der Konfiguration des größeren Modells, dessen Signalverstärkung von 50 dB bei arg komprimierten Produktionen einen klaren Vorteil genießt gegenüber der etwas zurückhaltender auftretenden S2. Freilich ist hier jedoch vor allem die Zusammenstellung der Gerätekette entscheidend. Beide Phono Boxen können sowohl mit MM- als auch mit MC-Tonabnehmern umgehen. Dennoch ist am Ende die Kombination aus Laufwerk, Endstufe und Lautsprecher ausschlaggebend dafür, für welchen der beiden Phono Boxen Sie sich entscheiden. Nicht zuletzt hat natürlich auch der Musikgeschmack ein Wörtchen mitzureden. Präferieren Sie klassische Musik und somit dynamischere Abmischungen, könnten sie wohl getrost auf die 50 dB-Abstufung des DS2 verzichten. Wollen Sie jedoch flexibel sein und auch mal zwischen verschiedenen Tonabnehmern oder Laufwerken wechseln können, so ist wohl der S2 mit den versteckten Dip-Switches etwas umständlich in der Handhabung. Wie dem auch sei – Wir können Ihnen an dieser Stelle nur ein weiteres Mal dringend ans Herz legen, sich bei Bedarf am besten selbst ein Klangbild zu machen. Unsere Empfehlung der beiden Phono Boxen DS2 und S2 haben Sie jedenfalls!

Pro-Ject Phono Box S2 und Phono Box DS2 – Preis und Verfügbarkeit

Die beiden Phono-Vorverstärker Pro-Ject Phono Box S2 und Pro-Ject Phono Box DS2 gibt es zum Preis (UVP) von 159 Euro bzw. 349 Euro im HiFi-Fachhandel zu kaufen. Für den Vertrieb ist ATR-Audio-Trade aus Mühlheim/Ruhr verantwortlich.

Weitere Informationen: www.project-audio.com

Anmerkung: Dieser Text erschien erstmals in Ausgabe 05/20 der AUDIO TEST. Die hier dargestellte Testwertung von 88% bezieht sich auf den Test vom Premium Phono Vorverstärker (für MM & MC Tonabnehmer) Pro-Ject Phono Box DS2. Die Pro-Ject Phono Box S2 erzielte ein Gesamtergebnis in der Review von 82%.

► Lesen Sier hier: Test vom Pro-Ject Debut Carbon EVO Plattenspieler

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Test: Pro-Ject Phono Box S2 und Phono Box DS2 - Phono-Vorverstärker
Mit der Phono Box DS2 hat Pro-Ject alles richtig gemacht. Solide Verarbeitung, flexible Konfiguration, erstklassiger Klang. Die Vorstufe erweist sich als handfester Allrounder und bietet sogar Raum für elektroakustische Experimente mit einstellbaren Feldgrößen wie Eingangskapazität und Impedanzwerten. Und dabei bleibt der Österreicher auch preislich auf dem Teppich. Wir sind Fan!
Wiedergabequalität89%
Ausstattung/Verarbeitung75%
Benutzerfreundlichkeit100%
Preis-/Leistungsverhältnis100%
Vorteile
  • flexibel konfigurierbar
  • brillanter dynamischer Sound
91%Gesamtergebnis
Leserwertung: (3 Votes)
52%

Bildquellen:

  • Pro Ject Sound Box: Auerbach Verlag
  • Pro Ject Sound Box: Auerbach Verlag
  • Pro Ject Sound Box: Auerbach Verlag
  • Pro Ject Sound Box: Auerbach Verlag
  • AUDIO TEST Ausgabe 05/2021: Auerbach Verlag
  • Pro-Ject Phono Box S2 und Phono Box DS2: Auerbach Verlag