Geräte von NAD markieren oft die Schnittstelle zwischen maximaler
Klangfreude und zeitgemäßem Lebensgefühl. Wir gehen davon aus,
dass es beim neuen Streaming-Verstärker M10 nicht anders sein wird.

Als Anfang des Jahres bekannt wurde, dass Bluesound und NAD zum Deutschlandvertrieb des dänischen Herstellers Dali wechseln werden, staunte die hiesige HiFi-Szene nicht schlecht. Mittlerweile scheint man sich gut in die neuen Verhältnisse eingewöhnt zu haben – in Kürze werden alle drei Unternehmen erstmals als Trio auf den Mitteldeutschen HiFi-Tagen vertreten sein. Nachdem uns NAD zuletzt mit seinem AV-Receiver T777 V3 samt Vierkanal-Erweiterung CI 940 im Zusammenspiel mit einem Dali-Atmos-Ensemble zu überzeugen wusste (Anm.: kompletter Test in AUDIO TEST Ausgabe 06/19), lassen wir es für den Vorgeschmack auf die Mitteldeutschen HiFi-Tage gerne etwas überschaubarer zugehen. Vom großen Kino wechseln wir für diesen Test in die beschaulichere Heimanwendung und dem bereits mehrfach hoch gelobten Streaming-Verstärker NAD M10. In der internationalen Fachpresse konnte dieser bereits einige Bestnoten abstauben. Das überrascht uns schon aus dem Grunde nicht, dass NAD mit dem M10 mal wieder alle Bedürfnisse des zeitgemäßen HiFi-Marktes zu bedienen scheint.

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Sehen wir nicht oft: Statusanzeigen des Amps, z. B. Kanaltemperaturen – hilfreich, um einen schonenden Umgang mit dem Gerät zu gewährleisten

NAD M10 – moderner Streaming Verstärker

Beim Streaming-Amp M10 von NAD handelt es sich um einen kompakten Allrounder im ungewöhnlichen Format von halber Rackbreite (22 Zentimeter) und 10 cm Höhe. Auf den ersten Blick erinnert uns die handliche Aufmachung des Geräts an Naims Universal-Maschine Uniti Atom. Wie auch dieser verfügt der NAD M10 über ein ausladendes Touch-Display, welches sogar noch ganzes Stück größer ist, als das des erwähnten Kollegen von Naim. Auf weitere physische Bedienelemente verzichtet NAD beim M10, abgesehen von einem Netzschalter, komplett. Die gesamte Steuerung des Geräts passiert entweder über den großen Touchscreen oder über die BluOS-App für Smartphone, Tablet und Computer. Auch die optische Aufmachung des Geräts im Allgemeinen gibt sich modern wie puristisch. Das dunkle Gehäuse aus Aluminium verzichtet auf scharfe Kanten. Oben wird das Gerät elegant durch eine Glasdecke abgeschlossen.

Ausstattung vom NAD M10

Was lässt sich nun mit dem M10 alles anstellen? Werfen wir hierfür zunächst einen Blick aufs Anschluss-Terminal des Geräts. Hier stoßen wir auf vier Signal-Inputs: Zwei unsymmetrische Cinch-Eingänge, sowie einen Koaxial- und einen optischen Eingang. Wir begrüßen sehr, dass der NAD M10 über zwei Subwoofer-Ausgänge verfügt. Denn entgegen aller Physikbücher sind wir doch der Meinung, dass man bestimmte Bässe im Wohnzimmer orten kann. Und haben wir nur einen Sub zur Verfügung, so müssten wir den unschön in der Mitte des Stereopanoramas platzieren. Zwei Tiefgänger sind uns da doch deutlich lieber. Des Weiteren finden wir neben Trigger- und Service-Anschlüssen auch einen HDMI- sowie einen Netzwerk-Anschluss. Auch einen USB-A-Eingang und einen Vorverstärkerausgang hat man dem M10 spendiert. Ausgegeben wird das Signal dann standardgemäß über Schraubklemmen, welche gleichzeitig Anschlüsse für Bananenstecker sind. Hinter der Verkleidung hat der Streaming-Amp NAD M10 so allerhand zu bieten. Ein Hybrid-Digital-Verstärker, wie er in ähnlicher Ausführung bei NAD öfter zum Einsatz kommt, verhilft dem Amp zu seinen 100 Watt Leistung. Die Abwicklung der inneren Abläufe übernimmt dabei ein 1 GHz Cortex A9-Prozessor von ARM. Ein ESS Sabre Digital-/Analogwandler ermöglicht eine Signalprozessierung mit stattlichen 384 Kilohertz (kHz) Abtastrate auf 32 Bit! Auch das Bluetooth-Modul ermöglicht hochauflösendes Streaming dank Qualcomm aptX HD-Codec. Darauf, dass dies aber kein Garant für Exzellenz sein muss, kommen wir später zu sprechen. Wie bei den Kollegen aus NADs Verstärker-Kollektionen, so ermöglicht man auch beim M10 eine Raumeinmessung per Dirac – das benötigte Messmikrofon ist dem Gerät beigefügt. Obendrein verfügt der NAD M10 neben seiner Multiroom- und Smart Home-Kompetenz auch über Amazons Sprachassistentin Alexa. Die Ausstattung ist also ziemlich üppig

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Style und Leistung

Die Einrichtung des NAD M10 geht schnell und unkompliziert vonstatten. Die meiste Zeit geht auch hier für die Raumeinmessung drauf. Ein gutes Dutzend verschiedener Mikrofonpositionen werden für die vollständige Einmessung benötigt. An die Arbeitsweise dieser Raumklangoptimierung erinnern Sie sich vielleicht noch aus vergangenen Tests von NAD oder Quadral. Dennoch zur Auffrischung: Die Software schickt wiederholt Frequenzgänge, auch Sweeps genannt, durch den M10 und die angeschlossenen Lautsprecher. Diese Sweeps werden nun aus verschiedenen Positionen aufgenommen, woraus die Software die akustischen Eigenheiten unseres Hörraums kartografiert. Nun erstellt Dirac entsprechende Filter, um etwa Raummoden auszugleichen, und schickt diese zurück an den Amp. In der Vergangenheit konnten wir bereits gute Erfahrungen mit dieser Methode sammeln. Dennoch schalten wir die Filter vorerst noch einmal aus, um dann die klanglichen Verbesserungen im direkten Vergleich hören zu können. Die Raumkorrektur lässt sich bequem in der BluOS-App hinzu- bzw. abschalten. Insgesamt gefällt uns die App sehr. Jeder erdenkliche Streaming-Client ist vertreten und auch die Navigation durch unsere Netzwerkspeicher funktioniert sehr intuitiv. Noch schicker als das Design der App ist jedoch die Aufmachung der Anzeige am Gerät selbst. Auf dem großen Display lädt der M10 entweder Albumcover, Song-, Albumtitel und Künsternamen oder schick stilisierte VU-Meter, welche als Pegelanzeige fungieren.

Dirac sei Dank

Bei der Frage nach der Format-Kompatibilität gibt sich der NAD alles andere als wählerisch. Neben den gängigsten, wie FLAC, WAV und AIFF, ermöglicht der NAD M10 auch die Wiedergabe von DSD und MQA. Wir sind jedoch zunächst einmal gar nicht so fordernd und streamen uns durch unseren Netzwerk-Server und Spotify. Wie bereits erwähnt, bespielen wir mit dem M10 unsere Referenz-Lautsprecher Contour 30 aus dem Hause Dynaudio. Der Klang tritt zunächst sehr solide artikuliert und vor allem überaus brillant zutage. „Exist in the Repeat of Practice“ von Raime wird in den Höhen überaus präzise wiedergegeben, während wir in den Mitten ein Stück weit Aufgeräumtheit vermissen und die Bässe etwas mehr Knack vertragen könnten. Wir schalten die vorgenommenen Raumkorrektur-Filter ein und hören den selben Titel erneut. Tatsächlich klingen die zugegebenermaßen sehr gemein ausstaffierten Mitten wesentlich definierter und auch die Bässe haben etwas an Klarheit gewonnen. Das letzte bisschen Punch erreicht der M10 vor allem dann, wenn wir ihn etwas Kitzeln und in die oberen Leistungsgefilde treiben. Dies können wir entweder in der App, oder auf dem Touchscreen erledigen, welcher sehr schnell und präzise auf Berührungen reagiert, sodass seine Bedienung viel Spaß bereitet. Musikalisch einfacher fällt dem M10 etwas zugänglichere Abmischungen, wie etwa beim Titel „Alta Mare“ von Jun Miyake. Die Produktion ist wesentlich luftiger gehalten und lässt dem M10 weit mehr Beinfreiheit. Hier kommen die Texturen von Percussions, Gitarre und Vocals voll zur Geltung. Ride-Becken klingen fein und präzise, die eingeworfenen Flötenmotive klingen sehr organisch.

Zwei-Wege Bluetooth

Wie bereits erwähnt, verfügt der M10 über Qualcomms aptX HD-Codec zur hochauflösenden Wiedergabe von Bluetooth-Streams. Das begrüßen wir sehr, nimmt die Wiedergabe via Bluetooth allein aus Bequemlichkeit bei vielen einen wesentlichen Teil des Alltags-Hörens ein. Der M10 zeigt dabei den gerade verwendeten Codec auf dem Display an. An dieser Stelle wollen wir eine Bitte an alle Smartphone-Hersteller dieser Erde richten. Denn dass die meisten Android und iOS-Geräte noch immer nur über einen AAC-Codec verfügen, ist zwar ökonomisch, doch nicht mehr zeitgemäß. Statt der vierten Kamera im Telefon wird künftig hoffentlich an dieser Ecke aufgerüstet. Bemerkenswert finden wir, dass NAD dem M10 ein Zwei-Wege-Bluetooth spendierte. Soll bedeuten, dass nicht nur Signale kabellos aufs Gerät gestreamt werden können, sondern auch die Möglichkeit besteht vom Gerät aus Bluetooth-Kopfhörer anzusteuern. Das finden wir wirklich herrlich. Denn auch wenn das Telefon es nicht kann, so können wir nun hochauflösende Files vom Netzwerkspeicher direkt an die Kopfhörer streamen – und das eben in HD. Ein spezieller Dank an NAD dafür. Aber es passt im Großen und Ganzen auch perfekt zur Produktphilosophie des M10, der sich zwar klangstark gibt, aber mit einer ausgewachsenen Endstufe nicht so wirklich mithalten will. Dafür ist er ein echter Entertainer, der dem Hören eine ordentliche Portion Lebensgefühl beilegt. Alltagstauglich, schick und komfortabel. Wenn HiFi-Passion auf Lifestyle trifft, dann bitte genau so!

Weitere Informationen finden Sie unter: www.nad.de

Anmerkung: dieser Artikel erschien erstmals in Ausgabe 08/19 der AUDIO TEST

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Test: NAD M10 Streaming-Vollverstärker - Passion trifft Lifestyle
Dass man bei einem Streaming-Verstärker der preislichen Mittelklasse Prioritäten setzen muss, ist unvermeidlich. Dennoch ist der M10 nicht nur eine Freude in Sachen User-Experience, sondern kommt zeitgleich nicht zuletzt auch wegen Dirac-Raumanpassung sehr spielfreudig daher.
Wiedergabequalität87%
Ausstattung/Verarbeitung95%
Benutzerfreundlichkeit100%
Preis-/Leistungsverhältnis80%
Vorteile
  • brillanter, transparenter Klang
  • Raumkorrektur verbessert Sound deutlich
Nachteile
  • etwas mutlose Bässe
89%Gesamtergebnis
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Bildquellen:

  • Testbericht: NAD M10: Auerbach Verlag
  • Testbericht: NAD M10: Auerbach Verlag
  • AUDIO TEST 3/20: Auerbach Verlag
  • Testbericht: NAD M10: Auerbach Verlag