Der Media Core 600 von Meridian Audio ist zwar kein Markt-Neuling, aber dennoch lohnt es sich, mal einen Blick auf diesen besonderen Mediaserver zu werfen. Denn mit ihm lassen sich auch in komplexen Audio-Setups die Fäden spielerisch zusammenführen.

Bob Stuart und Allen Boothroyd trafen sich im Jahr 1977 in Cambridge, wo sie schnell feststellten, dass sie eine große Leidenschaft für die Reproduktion von Klang und modernes Produktdesign miteinander teilen. In einem Interview sagte Allen Boothroyd einmal, dass HiFi-Geräte der späten 60er vor allem schwarze und silberne Kästen mit einer Menge Knöpfe gewesen seien. Daher rührte der Anspruch der beiden Tüftler, eine neue, ästhetische Formsprache in der noch recht jungen Branche zu etablieren. Inspiriert von Henry Ford und seiner These, das jedes Objekt gelesen werden könne wie ein Buch, entwickelten die beiden jungen Männer einen optisch wirklich außergewöhnlichen Vorverstärker mit bunten Stellreglern statt schnöder Knöpfe und eine dazugehörige zylindrischen Endstufe. Beide Geräte wurden im Rahmen einer Retrospektive zu vierzig Jahren britischen Designs neben einer Concorde und einem Mini im berühmten Victoria & Albert Museum ausgestellt, was den avantgardistischen Anspruch der beiden Tüftler offiziell bestätigte. Der Drang, die HiFi-Szene mit innovativen Gedanken zu revolutionieren, treibt Bob Stuart noch heute an. Der in den letzten Jahren sehr viel diskutierte und nicht unumstrittene Audio-Codec MQA, welcher mancherorts als die HiRes-Lösung im MP3-Format gehandelt wird, geht beispielsweise auf die Kappe des Meridian-Gründers. Bisher konnte sich dies allerdings nur bedingt durchsetzen. Was allerdings Hardware aus dem Hause Meridian angeht, so haben sich die Briten schon seit geraumer Zeit als eine handfeste Größe in der Branche etabliert. Edel-Automobilhersteller wie Jaguar und Land Rover zählen auf die Ausstattung durch Meridian und mit LG als Partner findet sich Meridians Expertise sogar bereits in einem Smartphone. Auch die Ausstattung von Yachten und Flugzeugen ermöglicht Meridian mit gesonderten Produktlinien. Es ist also wenig verwunderlich, dass der Hersteller seinen deutschlandweiten Vertrieb der Audio Reference GmbH und Mansour Mamaghani anvertraut. Denn neben Meridian stehen dort unter anderem auch Sonus faber und Dan D’Agostino auf dem Programm – man kennt sich also aus mit höchstklassigem Audio Equipment in Hamburg.

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Jede der sechs verschiedenen Zonen kann entweder analog, digital oder über Meridians proprietäres SpeakerLink-Format bespielt werden

Meridian Media Core 600

Für die aktuelle Ausgabe der AUDIO TEST haben wir aus dem überaus umfangreichen Sortiment von Meridian Audio den ausladenden Speicherboliden Meridian Media Core 600 auf den Prüfstand geholt. Dabei ist das Gerät eigentlich nicht nur ein Netzwerkspeicher sondern obendrein ein Audioserver mit Multiroom-Kompetenz. Aber dazu später mehr. Allem voran zunächst ein paar Formalitäten. Der Media Core 600 ist für einen stolzen Preis von 6.999 Euro erhältlich, sodass er rein ökonomisch bereits der Kategorie Oberklasse zuzuordnen ist. Der rackformatige Media Core 600 bietet Platz für zwei SATA III Festplatten. Diese sind bei Auslieferung in RAID 1 organisiert und können vom Nutzer bei Bedarf auf RAID 0 rekonfiguriert werden. Insgesamt kommt so eine Speicherkapazität von maximal 8 Terabyte (TB) Primärspeicher zu Stande. Bei einer empfohlenen einfachen Spiegelung können somit in etwa 5000 Alben auf dem Media Core Platz finden. Das ist jetzt nicht die Welt, aber dennoch für die meisten Zwecke in der Privatanwendung durchaus genügend. Allerdings ist ein so genannter „Hot Swap“, also ein Austausch der Festplatten im laufenden Betrieb, aufgrund des niedrigen RAID-Levels nicht möglich. Dies ist aber ohne Weiteres zu entschuldigen. Zum verbauten Prozessor und der Kapazität des Arbeitsspeichers macht der Hersteller leider keine Angaben. Für notorische Datenblatt-Geeks ein kleiner Dämpfer, aber okay. Ein Blick auf die Rückseite des Geräts gibt dafür einen Eindruck dessen, was mit dem Media Core 600 alles anzustellen ist. Das Anschlussterminal ist in sechs Zonen unterteilt. Jeweils ein unsymmetrischer Analog-Ausgang mit festen oder variablen Ausgangspegel, ein digitaler Output á la S/PDIF und ein Netzwerkanschluss finden sich dort. Somit können ganze sechs Systeme kabelgebunden Signale vom Media Core erhalten und wiedergeben. Der Netzwerkanschluss ist dabei für Meridians hauseigenes Speaker Link-Format vorgesehen. Meridians DSP-Lautsprecher verfügen nämlich, wie der Name schon sagt, über einen digitalen Signalprozessor, welcher, unter anderem zu Verringerung von Kabel-Aufwand, in der Lage ist, Audiosignale via Ethernetkabel zu empfangen. Außerdem lässt sich auch der kleine Bruder des MC 600, der Media Core 200 via Speaker Link mit Signal versorgen. Abgesehen von den Anschlussbuchsen der sechs Zonen, verfügt der Media Core 600 über drei weitere Ethernet-Anschlüsse. Einer mit der Überschrift „Network“, welcher logischerweise für die Kopplung mit dem hauseigenen Netzwerk konsultiert werden darf. Außerdem gibt es unter „Meridian House Sync“ noch einen Ethernet-Ein- und einen Ausgang. Über diese lassen sich weitere Media Core 600 an das Gerät koppeln. In der Privatanwendung vielleicht etwas überdimensioniert, aber möglich ist es immerhin.

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Meridian Sooloos

Steuern lässt sich das komplette System am Ende über Merdians User-Interface namens Sooloos. Als Desktop-Anwendung oder als Applikation für das mobile Endgerät ist die Software auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Somit gehen wir auch fließend in den praktischen Teil des Test über. Uns erreicht der Media Core 600 bereits üppig mit verschiedenen Titeln und Alben gefüllt. Dies ist jedoch nicht von Werk aus der Fall, es handelt sich bei unserem Testgerät allerdings um ein Pressemuster, daher die ausladende Bibliothek. Uns kommt das sehr zu gute, da wir so umgehend mit dem Schmökern beginnen können. Die Sooloos-App auf dem iPhone ist sehr hübsch und übersichtlich gehalten. Was allerdings schnell auffällt und hoffentlich mit einem nächsten Update behoben wird, ist die fehlende Möglichkeit, sich von einem Künstler alle Titel anzeigen zu lassen. Es lässt sich lediglich in die einzelnen Alben hineingehen, einen „All Tracks“-Button gibt es nicht. Allerdings bereiten andere Funktionen Freude. So lassen sich nach verschiedensten Kategorien wie Stimmung, Auflösung, Dekade und ähnliches kreative Wiedergabelisten zusammenstellen. Der so genannte „Swim“-Modus sucht bei Bedarf automatisch passende Titel aus der Bibliothek und setzt sie in die Warteschlange, wenn sich eine Liste dem Ende nähert. Das funktioniert erstaunlich gut, das System hat ein gutes Gespür dafür, anhand von Geschwindigkeiten und Genres selbstständig und intelligent für musikalische Unterhaltung zu sorgen. Was sich nicht in der hauseigenen Bibliothek befindet, kann problemlos von bekannteren Streamingdiensten wie Tidal geholt werden. Auf einem iPad ähnelt die App dabei Meridians Sooloos Control 15, hingegen der Smartphone-App werden dem Nutzer hier auch Album-Cover angezeigt. Die sechs Zonen des Media Core 600 lassen sich übrigens unabhängig voneinander bespielen, sodass beispielsweise verschiedene Playlists oder Radios in verschiedenen Räumen spielen. Wie eingangs erwähnt, entpuppt sich der Media Core 600 dabei als wahres Entertainment-Center. Es macht wirklich Spaß, durch die virtuelle Musikbibliothek zu schlendern, mal hier mal da reinzuhören, Wiedergabelisten zu erstellen und sich obendrein voll und ganz der Musik hinzugeben. Denn auch klanglich lässt der Media Core 600 keine Wünsche offen. Allerdings tragen für die Musikalität der Klangquelle vor allem seine Spielpartner Sorge, in unserem Falle der 1592 von Rotel und zwei Standlautsprecher Contour 30 aus dem Hause Dynaudio. Alles in allem lässt sich festhalten, dass der Meridian Media Core 600 vielleicht nicht den größten Speicher unter der Haube hat, dies aber durch die Möglichkeit, in sechs Zonen simultan zu operieren und vor allem durch seine große Benutzerfreundlichkeit aufzuwiegen weiß.

Weitere Informationen: www.meridian-audio.com

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 3/2019.

Test: Meridian Audio Media Core 600 Mediaserver - Mastermind
Der Media Core 600 von Meridian Audio ist ein intuitiv erfahrbares System, welches eine umfangreiche Musikbibliothek auf bis zu sechs Zonen gleichzeitig und voneinander unabhängig zu überführen weiß. Die gut aufgearbeitete Sooloos-App bietet allerhand Funktionen, die auch selbstständig kreative und musikalische Zusammenstellungen kreieren können. Allein die Speicherkapazität könnte etwas üppiger sein, denn für mehrfache Backups reichen die 8 TB wohl nicht aus.
Wiedergabequalität83%
Sicherheit/Ausstattung83%
Benutzerfreundlichkeit95%
Preis-/Leistungsverhältnis70%
Vorteile
  • gute App
Nachteile
  • begrenzte Speicher- und Sicherungsmöglichkeiten
84%Gesamtergebnis
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Bildquellen:

  • Meridian Audio MC 600 Back: Bild: Auerbach Verlag
  • Meridian Audio Media Core 600: Bild: Auerbach Verlag
  • Meridian Audio MC 600: Bild: Auerbach Verlag