Von der warmen Seite der Macht

Magnat hat seinen Fans letztes Jahr wieder eine Vielzahl verschiedener Produkte präsentiert. Dazu gehört auch der Stereovollverstärker RV 4 – ein Hybrid mit Röhrenvorstufe und Bluetooth. Was der Neuling so kann, haben wir für Sie herausgefunden.

Magnat zählt wohl zu den bekanntesten deutschen Herstellern der globalen HiFi-Community. 2018 begeht das Unternehmen seinen 45. Jahrestag, womit Magnat ganz klar noch lange nicht zu den alten Eisen gehört. Dennoch blickt das Unternehmen auf eine große Erfolgsgeschichte zurück. Nicht zuletzt durch die Pionierarbeit als HiFi-Ausrüster im Automobilbereich setzte das Unternehmen aus Pulheim nachhaltig Maßstäbe im Referenzbereich. Bestimmt hat der eine oder andere ein Bild vor Augen von Magnats Classic 360, der soliden und unverschnörkelten Car-Audio-Endstufe, die unter Tuningfans Anfang der 1990er Jahre Kultstatus erlange. Der Zwei-Wege-Lautsprecher Car 5 war zu jenem Zeitpunkt bereits sehr gefragt und in vielen Fahrzeugen der 80er Jahre anzutreffen.

Dass das Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen auch heute noch für innovative Konzepte und moderne Technik steht, wurde zuletzt auf der IFA letzten Jahres mit dem X-Plus-Award für die innovativste Marke bewiesen. Damit ehrten die Juroren das Entwickler-Team von Magnat unter anderem für das Zwei-Wege-Hochtonmodul f-max, bestehend aus einer 30 Millimeter (mm) und einer 16 mm-Kalotte. Dies brachte dem dazugehörenden Standlautsprecher der neuen Signature-Serie 1109 sogar das Label und die damit einhergehende Lizenz der HiRes-Association ein. Aber auch die neuen Lautsprecher Humidor und Magnat Multi Monitor 220, sowie der Stereo-Receiver MR780 erfreuten 2017 die Besucher der Funkausstellung in Berlin. Außerdem frisch zur Produktpalette des deutschen HiFi-Promis hinzugestoßen, ist der Nachfolger des hochgelobten Stereoverstärkers RV 3 und Protagonist dieses Testberichts: der Stereo-Vollverstärker Magnat RV 4.

Testbericht: Magnat RV 4 Hybrid-Vollverstärker

Zwei E88 CC-Röhren aus russischer Herstellung fungieren beim Magnat RV 4 als leistungsstarke Vorstufe und generieren den schönen, warmen Klang

Zeitgeist trifft Retrocharme

Das Erscheinungsbild des Hybrid-Verstärkers RV 4 weist offenkundig auf seine Verwandtschaft mit dem Vorgängermodell Magnat RV 3 hin. Sein äußerst solide verarbeitetes Gehäuse aus schwarzem, gebürsteten Aluminium erinnert etwas an den Bösewicht der Star Wars-Saga, vor allem die nach oben gerichteten Kühlrippen verleihen dem Gerät ein recht futuristisches Auftreten. Wie auch bei seinem Vorgänger prangen an der Vorderseite des Geräts offen die beiden Elektronenröhren, welche auch beim Magnat RV 4 die Rolle der Vorverstärkung übernehmen. Darüber hinaus ist die Ausgestaltung des Frontpanels auf das Wesentliche reduziert. Neben dem zentriert verbauten, massiven Volumenregler finden wir hier lediglich den On/Off-Schalter, einen Drehregler zur Justierung des Stereopanoramas und einen weiteren Drehregler zur Auswahl der Klangquelle auf der anderen Seite des Lautstärkereglers. Auf der rechten Seite ist neben einem Kopfhörerausgang ein schlichtes OLED-Display angebracht. Damit greift Magnat auf eine Technologie zurück, wie sie auch in der Herstellung von Smartphones und TV-Geräten vermehrt Verwendung findet. Dass das Unternehmen aus NRW beim RV 4 mit der Zeit gehen will, stellt es auch durch die Verwendung eines D/A-Wandlers mit integrierten Bluetooth 4.0-Modul (aptX) unter Beweis.

Den Wandler bezieht Magnat hier von Burr-Brown, einem Tochterunternehmen von Texas Instruments, und ermöglicht seinen Kunden somit durch einen optischen und einen koaxialen Eingang eine verlustarme Wiedergabe von Signalen bis zu 192 Kilohertz (kHz) bei 24 bit. Aber auch Analogfans kommen beim RV 4 voll auf ihre Kosten. Die verbaute Phono-Vorstufe kann separat sowohl mit Moving Magnet-, als auch mit Moving Coil-Abnehmern angespielt werden. Dabei durchläuft das Signal hochwertige WIMA-Kondensatoren, um eine originalgetreue Wiedergabe zu garantieren. Die hauptsächliche Verstärkerleistung teilen sich bei unserem Testgerät jedoch die bereits erwähnte Vorstufe aus zwei klassischen E88 CC-Röhren, welche vor Auslieferung übrigens 60 Stunden eingespielt werden, und zwei leistungsstarken Endverstärkern. Diese generieren pro Kanal 150 Watt (W) und eine Impulsleistung von satten 500 W durch renommierte Leistungstransistoren des japanischen Herstellers Sanken. Natürlich ermöglicht Magnat seinen Kunden auch beim RV 4 die Anbindung eines Subwoofers und die Integration des Endverstärkers in ein Heimkino-System durch einen Vorverstärkerausgang und einen Endstufeneingang. Hinzu kommt eine überschaubare Anzahl analoger Eingänge für CD-Spieler, Tuner, Aux und Tape, zwischen welchen man auch bequem über Magnats Fernbedienung umschalten kann. Diese ist aus einem Stück Aluminium gefräst und liegt schwer in der Hand, was dem Magnat RV 4 auf jeden Fall bereits volle Punktzahl in Sachen Design und Haptik garantiert.

Testbericht: Magnat RV 4 Hybrid-Vollverstärker Rückseite Anschlüsse

Der Magnat RV 4 ist mit allerhand Eingängen ausgestattet – dank der Antenne kann dem sehr analog auftretenden Verstärker auch kabellos Signal zugeführt werden

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