Typisch Röhre?

Für den Praxistest koppeln wir den Stereo-Hybriden mit unseren Referenzlautsprechern Contour 30 von Dynaudio. Das Glimmen der Röhren sorgt beim Einschalten des Geräts sofort für Vorfreude, doch über das OLED-Display gibt uns der RV 4 zu verstehen, dass ein kurzer Moment zum Aufwärmen der Röhren benötigt wird. Wir nutzen den Augenblick und suchen uns das Album „Tuesday Wonderland“ des schwedischen Esbjörn Svensson Trio heraus, welches wir über unseren Netzwerkplayer von Cambridge Audio dem Verstärker zuführen. Die Kombo aus Player und Schallwandler ist bereits ein eingespieltes Team, nur der Magnat RV 4 stößt als Neuling hinzu. Und vermag es tatsächlich der Performance dieser Kette seine Handschrift beizufügen. Vollmundig und ausladend erklingt der zweite Titel und Namensgeber der Scheibe „Tuesday Wonderland“. Klar akzentuiert der Hybrid die kurzen Bass-Kicks, sehr weich entfächert sich das Ensemble. Drums, Klavier und Bass werden mit einer röhrentypischen Wärme wiedergegeben, die flächigen elektronischen Einschübe sind klar gezeichnet und dennoch sehr organisch ausgestaltet. Vor allem das kraftvolle und warm formulierte Timbre des Ensembles überzeugt uns hier jedoch am meisten. Aber so richtig kalt, oder eher warm, erwischt es uns bei „Almost Like The Blues“ von Leonard Cohens 2014 erschienener Platte „Popular Problems“.

Diese audiophile Perle wird nicht weniger detailliert, als inbrünstig wiedergegeben. Die Percussions ziehen sich mit einer sehr beständigen Dynamik durch das Stück, der Bass groovt sehr impulsstark und Cohens Stimme legt sich wie ein wärmender Mantel um die Wiedergabe. Vereinzelt schwellen Synth-Pads in das Arrangement, sowie Streicher und Choräle, welche allesamt überaus authentisch erklingen, eben mit dieser gewissen Nuance, wie sie nur Röhren zu erzeugen wissen. Zurückhaltende Riffs vom Rhodes und die kurzen Bläser-Einwürfe entsprechen auch stilistisch vollends den Kompetenzen dieses HiFi-Magnaten. Diese lassen sich auch im Labor genau eruieren. Beim Durchlauf des Frequenzgangs erweist sich der Prüfling als sehr konstant, wobei er weniger hoch aufspielt, als manch ein Kollege, was sich allerdings nicht mehr durch menschliche Höreindrücke vernehmen lässt. Beim Test der Lautstärkeverhältnisse einzelner Obertöne zeigt sich, dass das geradzahlig Vielfache der eingespeisten Grundfrequenz von einem Kilohertz deutlich vernehmbar ist. Diese harmonische Verzerrung ist jedoch alles andere als besorgniserregend, denn sie beschert dem Magnat seine klanglich authentische Wärme. Sicherlich kann sich nicht jeder für den charakteristischen Klang eines Röhrenverstärkers erwärmen, aber für Fans dieser Kategorie erweist sich der RV 4 von Magnat als ganz klare Empfehlung – unbedingt einmal ausprobieren!

Weitere Informationen: www.magnat.de

Musik aus diesem Testbericht: Leonard Cohen „Popular Problems“, Esbjörn Svensson Trio „Tuesday Wonderland“


Anmerkung: Dieser Artikel erschien erstmals in Ausgabe 01/18 der AUDIO TEST

Test: Magnat RV4 Hybrid-Vollverstärker - Von der warmen Seite der Macht
Der Magnat RV 4 spricht bereits vor der ersten Benutzung ein ganz klares Wort: Ich stehe für Unverwechselbarkeit. Die technisch hervorragende Ausführung folgt dem Credo der klanglichen Hochleistung, welche der RV 4 durchaus zu realisieren weiß. Sein warmer authentischer Klang mach ihn klar zum Klangmagnaten!
Wiedergabequalität88%
Ausstattung/Verarbeitung95%
Benutzerfreundlichkeit80%
Preis-/Leistungsverhältnis90%
Vorteile
  • sehr charakteristischer, warmer Klang
  • schickes Design
  • hochwertig verarbeitet
Nachteile
  • keine
89%Testergebnis Magnat RV 4
Leserwertung: (13 Votes)
52%