KEF ist ein Urgestein des Lautsprecherbaus. Bereits seit 1961 widmet man sich nun schon der Schallwandlung. Natürlich war man als Pionier damals auch für die BBC tätig, half bei der Entwicklung legendärer Lautsprecher wie dem LS3/5A tüchtig mit.

Maximale Kontrolle

Das langjährige Markenzeichen von KEF ist mittlerweile wohl aber der Uni-Q-Treiber, inzwischen in der 12. Generation als Eigenentwicklung, der sich auch im LS50 Wireless II wiederfindet. Und wir möchten an dieser Stelle mal eine Lanze brechen für eine Marke, die in den letzten Jahren bei uns viel zu kurz gekommen ist. Dabei stand im Jahre 2015 noch die damalige R-Serie von KEF als Surround-Set-Referenz bei uns im Hörlabor.

Den letzten Test im AUDIO TEST Magazin veröffentlichten wir 2018 mit einer Reihe über die ausgezeichnete Q-Serie, die vor allem preisbewusste Enthusiasten angesprochen hat. Wir können nicht genau erklären, was passiert ist, aber zwischenzeitlich haben wir KEF mal aus den Ohren verloren, waren andere Lautsprecher lauter. Die KEF LS50 in der Originalfassung und später als Wireless-Variante hatten wir zwar bereits zu Gast ( lesen Sie hier unseren Test), aber warm werden braucht manchmal Zeit. Nun haben wir die Gunst der Stunde genutzt und ein wunderschönes Set aus der neuen KEF LS50 Wireless II und dem Ultrakompakt-Subwoofer KC62 zusammengestellt. Ein kleines, schickes 2.1-System, das auch in großen Räumen ausgewachsenen Standlautsprechern allen Respekt abverlangt.

KEF LS50 Wireless II Aktivlautsprecher

Bei den KEF LS50 Wireless II handelt es sich um die vollaktive Variante mit Streamer des beliebten und stylischen Kompaktlautsprechers LS50. Den LS50 gibt es in großer Farb- und Designvielfalt. Kaum ein Lautsprecher ist so ikonisch und gleichzeitig so wandelbar. Es gibt sogar passende Füße, die in denselben Farben geordert werden können. Wer sich für die passive Variante interessiert, sollte sich das Modell LS50 Meta anschauen bzw. anhören.

Die Namensgebung Meta ist auf eine akustische Finesse von KEF zurückzuführen. Ein Metamaterial, also ein Material dessen Eigenschaften durch seine Struktur und Geometrie beeinflusst wird, löst das Problem der Verzerrung von Schall und Reflexion durch die Rückseite der Membran. Der Schall, der nach innen geht, interagiert und verzerrt die Membranschwingung. Daher hat KEF eine Art Labyrinth auf der Innenseite der Rückwand angebracht, durch welches alle Schallwellen ab 600 Hz im Gehäuse zu 99 Prozent eliminiert werden. Einfach mal wieder an etwas forschen, was am Ende wirklich niemand sehen wird und was einzig und allein eine hörbare Veränderung ist.

Sichtbar beeindruckend ist aber natürlich immer wieder die Uni-Q-Treibertechnologie mit einem Porsche-ähnlichem Spaltmaß zwischen Hochtöner und Tief-/Mitteltöner. Ebenfalls ein optischer Blickfang ist das berührungsempfindliche Menü auf der Oberseite des Master-Lautsprechers, denn das Setup ist als solches zu verstehen. Der Primary, wie KEF ihn nennt, verwaltet neben besagter lokaler Steuerung auch die lokalen Eingänge, nebst HDMI, koaxial, optisch und natürlich Netzwerkanschlüssen. Derlei CAT6 gibt es gleich zwei, einmal zum Streamen via Netzwerk, zum anderen werden Primary und Secondary somit verbunden.

Test KEF LS50 Wireless II Aktivlautsprecher Review
Der Uni-Q-Treiber von KEF ist ein Markenzeichen der Briten und besteht mittlerweile in der Generation bzw. Überarbeitung.

Aber stop, warum sollte ich das tun? Es sind doch Wireless-Lautsprecher, oder nicht? Richtig. Wenn Sie nur den Strom anschließen und den Ton via Funk übertragen wollen, ist bei 96 kHz Abtastfrequenz Schluss. Auch bei der Vorgänger-Variante gab es bereits das proprietäre Lautsprecher-Verbindungskabel. Beim Vorgänger waren so immerhin 192 kHz/24Bit möglich. Mit dem LS50 Wireless II sind nun sogar 384 kHz/24Bit kein Problem mehr. Dabei befinden sich Wandler und Verstärker in beiden Lautsprechern. Lediglich der Streamer und die Vorstufe sind in einem Lautsprecher integriert.

Gesteuert wird das Setup per Fernbedienung, per App oder lokal. Positiv hervorzuheben ist, dass KEF nun im Vergleich zur vorherigen Wireless-Version von zwei Apps auf eine umgesattelt hat. Brauchte man vorher noch eine App zum schalten und steuern – KEF Control – und eine zum streamen – KEF Stream –, braucht es nun endlich nur noch eine App für beides. Auftritt: KEF Connect.

Aber was ist denn jetzt eigentlich in der 2er Version noch anders als zuvor? Neben bereits angesprochenem Zugewinn an Auflösung und tatsächlicher Funkübertragungsoption zwischen den Lautsprechern, wurde auch die Leistung angepasst. Nun kommen statt 230 Watt pro Kanal ganze 380 Watt pro Kanal zum Einsatz. Der Bluetooth- Standard wurde von 4.0 auf 4.2 angepasst und vieles mehr. Das größte Update ist aber sicherlich die Streaming-Sektion. Waren beim Roon-tested Vorgänger gerade einmal die Standards wie Spotify und Tidal an Bord, wurde nun zeitgemaß Amazon Music, Apple Music, Deezer, Google Chromecast und Apple Airplay 2 nachgerüstet. Aus Roon-tested wurde Roon-ready und MQA wird nun auch nativ unterstützt. Eine ganze Menge Funktionalität, wie wir finden. Zudem werden die KEF LS50 Wireless II so auch multiroomfähig.

Test KEF LS50 Wireless II Aktivlautsprecher Review
Auch von hinten aufgeräumt und stylisch: Der LS50 weiß, wie er punkten kann.

KEF KC62 Subwoofer

Der KEF KC62 Subwoofer ist ein extrem kompakter Würfel, dessen Gehäuse aus Aluminiumdruckguss besteht. Die Chassis haben einen extrem langen Hub, kleine Membran, dafür aber Doppelmembran, links und rechts. Kombiniert wird dies mit großzügiger und hochwertiger, wie ansprechender Elektronik. Ganze 2 × 500 Watt kann der Miniatur-Sub zaubern. Von der Größe sollte man sich aber nicht täuschen lassen. Sie ist bewusst gewählt.

Einerseits, damit der KEF Subwoofer sich überall problemlos und unscheinbar integrieren lässt, zum anderen wird so der Druck im Inneren erhöht. Daher auch die Entscheidung für Alu-Druckguss. Alle anderen Materialien würden bei dem Luftdruck im Inneren einfach ausbrechen und ausreißen. Neben den üblichen Optionen für Crossover-Frequenz, Phase und Lautstärke, besitzt der KC62 ebenfalls eine feine Auswahl an Preset-Schaltungen, welche sich auf die Kennlinie des Basses auswirken. Es geht hauptsächlich um eine Anpassung an die Aufstellposition bzw. die Größe des Raumes, aber die Presets helfen tatsächlich schnell und effektiv, denn eine automatische Einmessung ist nicht vorgesehen.

Test KEF KC62 Subwoofer Review
Das Gehäuse des Subwoofers besteht aus Aluminiumdruckguss und ummantelt den heftigen Kern des bipolaren Sidefire-Suboofers schützend und stabilisierend.

Die beiden seitlichen Treiber des KC62 sind übrigens keine einzelnen Elemente, die von links und rechts verschraubt werden, sie werden von einem zusammenhängenden Magneten bzw. Kern im Chassis angetrieben. KEF nennt das Unicore. Der Vorteil ist, dass diese zentrale Motoreinheit so größer ausfallen kann. Dabei sind die Schwingspulen auf einer Achse, konzentrisch, allerdings mit unterschiedlichem Durchmesser. So können sie sich überlagern und Hub generieren, ohne sich zu behindern.

Die Herausforderung war also das Treiberverhalten so anzupassen, dass beide Seiten trotz abweichender Schwingspulen identisch arbeiten. Die Entwickler bei KEF haben hier wirklich ganze Arbeit geleistet. Einen potenteren Subwoofer bei der Größe werden Sie kaum finden.

Klang

Was uns sofort positiv auffiel, war die Natürlichkeit der Darstellung. Der Uni-Q-Treiber kann hier all seine Punktschallquell-Qualitäten ausspielen. Die KEF LS50 Wireless II Aktivboxen sind keine Färber, sondern Reproduzierer. Die Auflösung in Tiefe und Dynamik entspricht Studiomaster-Qualität und einem Einsatz in eben diesem Setting spricht nichts entgegen.

Persönlich hat uns der ruhige und entspannte Ausdruck im Bassbereich gefallen. Das ist so nicht zu erwarten gewesen, denn üblicherweise haben Kompaktlautsprecher, noch dazu aktive Varianten mit weniger Volumen, genau hier ihre Probleme. Nicht so die Kombi KEF LS50 Wireless II feat. KC62. Besonders bei The Cinematic Orchestra und dem Titel „Wait For Me“ feat. Tawiah (Rework von Mary Lattimore) ist uns das enorme Spektrum, dass die 2.1-Kette darstellen kann, aufgefallen. Der Titel lebt von fragilen Harfenklängen, viel Tiefe, einem großartigen Stereopanorma, das vor allem durch die Zweit- und Harmoniestimmen zum Leben erweckt wird.

Test KEF KC62 Subwoofer Review
Eine solch große Auswahl an Optionen und Konnektivität in dieser qualitativ hochwertigen Ausführung bekommen auch wir nur selten zu Gesicht.

Aber auch der runde, warme und volle Bass des KC62 Subwoofers gehört in die Kategorie „Highlight“. Der Kompaktsub hat Null Probleme damit, einen 50 Quadratmeter mit dem Äther einer Kathedrale zu füllen. Ein solch homogen und zusammenhängend als Eins erklingendes Setup haben wir wirklich lange nicht gehört. Die neuen, größeren Verstärker der KEF LS50 Wireless II geben den aktiven Kompaktlautsprechern den extra benötigten Headroom, den es braucht um anspruchsvolles Material in seiner höchsten dynamischen Auflösung darzustellen.

Dabei schaffen nur die Satelliten alleine bereits einen Schalldruckpegel von 108 dB, auch ohne Subwoofer. Aber erst mit dem durchweg überzeugenden Bassbereich des KEF Subwoofers KC62 bekommt die Kette die Potenz, die sie ebenbürtig mit Standlautsprechern aller Art und Größe macht.

Wirklich beeindruckend wie perfekt diese Kombi aufspielt – und um ehrlich zu sein: Fast schon ein wenig unheimlich, denn um so gut Musik zu hören, müssen Sie sonst schon lange suchen. Wir möchten an dieser Stelle ganz klar eine Lanze brechen: Dieses 2.1 Lautsprecher-Set von KEF wird Ihre Erwartungen nicht enttäuschen.

Preis und Verfügbarkeit

Die KEF LS50 Wireless II Aktivlautsprecher sind im Fachhandel für 2.799 Euro (Paarpreis / UVP) erhältlich. Den KEF KC62 Subwoofer gibt es zum Preis von 1.599 Euro ebenfalls im Fachhandel zu kaufen.

Webseite: www.kef.com

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 04/2021. Die dargestellte Testwertung von 95% sowie die u.s. Wertungstabelle bezieht sich auf die KEF LS50 Wireless II. Der KC62 Subwoofer erzielte im Test eine Gesamtwertung von 96%.

▶ Lesen Sie hier: KEF LS60 Wireless: Aktivlautsprecher-Serie um Standbox erweitert

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Test: KEF LS50 Wireless II Aktivlautsprecher & KC62 Subwoofer (2.1 Set)

KEF LS50 Wireless II

Die KEF LS50 Wireless II erscheinen uns als eine elegante Mischung aus den Vorzügen der Punktschallquelle in Verbindung mit vollaktiver Elektronik, modernem und aufwändigem wie ansprechendem Design, sowie wirklich ambitionierter Umsetzung. Als würden Musikelektronik Geithain und Genelec zusammen einen Lautsprecher entwickeln. Klanglich und in puncto Usability ein echter Kompakt-Maßstab.

KEF KC62

Der KC62 ist eine tickende Zeitbombe. Der Moment wird kommen, da hören Sie einen Bass und zweifeln an Ihrer Wahrnehmung, denn der Ultrakompaktsub kann mehr als wir ihm zugetraut haben. Wir möchten behaupten: Der kleinste Sub mit dem größten Bass, den wir kennen. Noch dazu in einer technischen Ausführung, die keine Wünsche off en lässt.

Wiedergabequalität 96%
Ausstattung/Verarbeitung 99%
Benutzerfreundlichkeit 91%
Preis/Leistung95%
Vorteile
  • zeitloses, modernes Design / natürlicher Sound / hohe Konnektivität und viele Streamingoptionen (LS50 Wireless II)
  • kompakte Maße / exzellente Kontrolle (KC62)
Nachteile
  • ohne Subwoofer können sie nicht alle Stärken voll ausspielen (LS50 Wireless II)
  • keine Funkverbindung zu Wireless II (KC62)
95%KEF LS50 Wireless II
Leserwertung: (15 Votes)
55%

Bildquellen:

  • Test-KEF-LS50-Wireless-II-Aktivlautsprecher-und-KC62-Subwoofer-02: KEF
  • Test-KEF-LS50-Wireless-II-Aktivlautsprecher-und-KC62-Subwoofer-03: KEF
  • Test-KC62-Subwoofer-04: KEF
  • Test-KC62-Subwoofer-05: KEF
  • KEF LS50 Wireless II und KC62 Subwoofer: KEF