Nachdem wir mit der Inklang Ayers One kürzlich erst das Einstiegsmodell der neuen Ayers Lautsprecher-Serie von Inklang aus Hamburg im Test hatten, geht es nun mit einem größeren Modell weiter. Auf die Inklang Ayers Three Standlautsprecher warteten wir sehr gespannt, denn wie klingt ein Lautsprecher, der sich selbst als „Wolf im Schafspelz“ bezeichnet?

Inklang geht als Lautsprecher-Manufaktur von Anfang an einen eigenen Weg. Während viele Hersteller den Kunden nur die Wahl lassen, ob die Lautsprecher gut klingen oder gut aussehen, schaffen es die Hamburger, beides zu verbinden. Und wer jetzt ruft: „Aber Aussehen ist doch Geschmackssache! Das beides zusammenpasst, kann man nie wissen.“ Der kennt Inklang nicht.

Das Unternehmen bietet nämlich viele Optionen, um die Lautsprecherboxen selbst zu gestalten. Das beginnt bei der Wahl zwischen aktiver und passiver Variante, geht über die Gehäusefarbe und endet bei der Möglichkeit, die Lautsprecher persönlich zusammenzubauen. Ja, Sie haben richtig gelesen. Wenn Sie wollen, können Sie Ihre Lautsprecher direkt bei Inklang vor Ort persönlich montieren. Dazu gibt es sogar ein Glas Champagner. Allerdings sind die Hamburger bei diesem Aspekt echte Kaufleute.

Wer selbst montieren will, muss dafür knapp 200 Euro zahlen. Da lachen einige in der Redaktion und meinen: „Was, ich soll arbeiten und dafür auch noch zahlen?“ Und andere meinen: „Nee, das find ich richtig gut. Mal selbst sehen, wie der eigene Lautsprecher entsteht.“ Doch es soll nicht um das Für und Wider dieser Option gehen. Es soll nun um die Ayers Three Standlautsprecher von Inklang gehen.

Auf unserem YouTube-Kanal gibt es ein kurzes Testvideo zu den Inklang Ayers Three.

Individuell

Lautsprecher auspacken – gerade wenn es Standboxen sind – ist oft eine Herausforderung. Natürlich macht hier Erfahrung klug und inzwischen wissen wir Tester, wie wir auch große Lautsprecher schnell und simpel aus Kartonage, Styropor und Folie befreien.

Doch wer das erste Mal Boxen bestellt hat und dann versucht, diese aus ihrer Verpackung zu holen, der wird sicher oft fluchen. Warum schreiben wir das? Weil bei den Inklang das nicht so sein wird. Wir müssen nur der Kennzeichnung auf dem Karton vertrauen und es so machen, wie es dort steht. Das Auspacken der „kleinen Großen“ ist damit ein Kinderspiel.

Stehen die Inklang Ayers Three erstmal, fällt sofort deren Breite auf. Sie sind nämlich schmal. Gerade mal auf 15 Zentimeter kommen sie in der Breite. In der Tiefe sind es 35 Zentimeter und in der Höhe ein Meter. Durch diesen Höhen-Breiten-Unterschied wirken sie wie Regallautsprecher, die jemand nach unten verlängert hat. Was jetzt komisch klingt, hinterlässt einen extrem ästhetischen Eindruck. Die geschwungenen Linien am gesamten Gehäuse und die perfekte Verarbeitung machen einfach Lust über die Ayers Three zu streichen. Wirklich jeder, der in den Testraum kommt, ob Tester oder Putzfrau sagt: „Wow, die sehen aber gut aus.“ Und fast jeder geht zu ihnen, um sie einfach mal anzufassen.

Gerade der schmale Aufbau sorgt dafür, dass wir sie uns in jedem Ambiente vorstellen können. Da wir selbst die Farbe der Lautsprecher individuell bestimmen können, ist sogar für die passende Betonung der Inklang Ayers Three gesorgt. Wir können sie in einem dunklen Zimmer als knallgelben Akzentpunkt einsetzen oder sie im erdigen Braun mit dem Mobiliar verschmelzen lassen. Optional sind außerdem Stoffabdeckungen erhältlich. Da wählen wir zwischen Weiß und verschiedenen Grautönen. Das sorgt dann für einen noch dezenteren oder akzentuierten Auftritt der Inklang.

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Der 18 cm High-End Langhub-Tieftöner ist seitlich angebracht und dank eines Filters, der ab 100 Hz greift, nicht zu orten.

In der Beziehung Anpassbarkeit an die eigenen Bedürfnisse kann Inklang kaum ein anderer Hersteller das Wasser reichen. Doch das ist noch nicht alles. Ab dem 1. Quartal 2021 können wir sogar wählen, ob wir die Ayers Three als Passiv- oder Aktiv-Lautsprecher nutzen wollen. Und selbst eine Wireless-Variante soll im selben Quartal auf den Markt kommen. Da aktiv und kabellos momentan noch Zukunftsmusik sind, testen wir bei uns die passive Variante.

Der versteckte Subwoofer

Nun wirken die Inklang Ayers Three nicht gerade wie die potentesten Lautsprecher. Gerade durch die schmale Bauweise erwarten wir in Sachen Bass eher mäßige Töne. Um diesen optischen Eindruck zu widersprechen, haben sich die Hamburger etwas Spezielles einfallen lassen. Sie platzieren ihren High-End Tieftöner nämlich an der Seite.

Wie geneigte Leser und Leserinnen sicher wissen, kann das menschliche Ohr Töne unter 80 Hz nicht mehr orten. Diesen Effekt machen sich die Inklang-Ingenieure zu eigen. So nutzen sie die große Seitenfläche des Lautsprechers, um dort einen 18 Zentimeter messenden Langhub-Tieftöner unterzubringen. Dessen Membran besteht aus glasfaserverstärktem Papier.

Dank der bereits erwähnten Nichtortbarkeit des Basses bleibt das räumliche Hörerlebnis erhalten, auch wenn die tiefen Töne eigentlich von der Seite kommen. Die Mitten und Höhen werden wie gewohnt frontal abgestrahlt. Die meisten kennen dieses Bass-Phänomen von den gerade im Heimkinobereich beliebten Subwoofer-Systemen mit den kleinen Satellitenboxen.

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Hier ist besonders gut, die hohe Verarbeitungsqualität der Inklang zu sehen. Jede Ecke und jede Kante ist formvollendet gearbeitet.

Inklang Ayers Three – Technische Daten

Für jene, die an technischen Daten interessiert sind, sei hier angemerkt, dass der Tieftöner bis in den 20 Hz-Bereich herunterkommt. Die Trennfrequenz zwischen Tief- und Mitteltöner liegt genau bei 100 Hz. Damit soll vermieden werden, dass der seitliche Bass doch noch geortet werden kann. Im Bereich 100 bis 750 Hz arbeitet dann der 12cm messende Tief-/ Mitteltöner. Dieser setzt bei seiner Papiermembran ebenfalls auf Glasfaserverstärkung. Seidig wird es dann im Hochtonbereich.

Ab 750 Hz übernimmt nämlich eine Seiden-Hochtonkalotte die Schallarbeit. Das ist eine ungewöhnlich tiefe Übernahmefrequenz für einen Hochtöner. Dank ihrer Größe von 3 Zentimeter und der darauf abgestimmten Weiche, ist das aber kein Problem. Vielmehr das Gegenteil ist der Fall. Die Inklang-Experten erreichen dank dieser Übergangsfrequenz eine ideale Phasenaddition der Lautsprecher, was die räumliche Abbildung verbessert.

Im Hochtonbereich kommen die Inklang Ayers Three Standlautsprecher bis auf 32kHz. Sie sind damit für die High-Res-Wiedergabe mehr als geeignet. Insgesamt bilden die Standlautsprecher also einen Frequenzbereich von 28 bis 32000 Hz bei –10dB ab. Ihre maximale Belastbarkeit liegt bei 400 Watt und der Wirkungsgrad ist mit 83dB angegeben. Dank der Nennimpedanz von 4 Ohm fühlen sie sich auch an kleineren Verstärkern wohl. Gerade dort sorgen die Lautsprecherboxen sicher für eine gelungene Überraschung, denn Sie klingen wirklich groß.

Bi-Wiring oder -Amping ist mit den Inklang Ayers Three leider nicht möglich. Sie besitzen nämlich „nur“ ein Single-Wire Terminal. Wobei wir dieses „nur“ mit Absicht in Anführungsstriche setzten, denn es genügt absolut für die Lautsprecher, wie unser Klangtest beweist.

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Die 3 cm große Seiden-Hochtonkalotte schafft es dem Sound der Ayers Three eine präzise und differenzierte Klarheit zu geben, die ihren Klang absolut plastisch machen.

Durch die Galaxie

Mit „Ain’t No Mountain High Enough“ schafften es 1967 Marvin Gaye und Tammi Terrell auf Platz 19 der amerikanischen BillboardPop-Charts. In den R&B-Charts kamen sie sogar auf Platz 3. Durch den Marvel-Film „Guardians Of The Galaxy“ erlangte der Klassiker 47 Jahre später neue Bekanntheit. Sowieso ist es diesem Film und seinem Nachfolger zu verdanken, dass viele Klassiker der Musikgeschichte von der jungen Generation wiederentdeckt wurden.

Und weil Musik entdecken gut zum Lautsprechertesten passt, haben wir uns die Soundtracks beider galaktischen Filme geholt, um den Ayers Three Lautsprechern auf den Zahn zu fühlen. Bei den ersten Schlagzeugklängen mit den begleitenden Xylophon-Tönen und dem sanften Bass beginnen unsere Ohren zu lächeln. Ja, bei einem Lautsprechertest können Ohren lächeln, denn die Inklang servieren uns „Ain’t No Mountain High Enough“ mit toller Klarheit und extra viel Dynamik. Als dann kurz darauf die Stimmen von Marvin Gaye und Tammi Terrell einsetzen, wird es nochmal so schön. Wir können trotz des Alters der Aufnahme die Sängerin und den Sänger präzise orten und überhaupt erscheint es uns, dass jedes Instrument an seinem Platz steht. Kurzum: Der Song reißt dank der Inklang Ayers Three einfach mit.

Auch bei den anderen Liedern des Soundtracks kommt dieses lebendige und sehr plastische Musikerlebnis zum Tragen. Wir versinken da erst mal knappe zwei Stunden in den „guten alten Tagen“ der Musikgeschichte.

Eine Nacht auf dem kahlen Berge

Im Anschluss an diese Hörsession wenden wir uns „Eine Nacht auf dem kahlen Berge“ von Modest Mussorgsky zu. Das Orchesterwerk besticht durch eine wuchtige Gegenüberstellung von Streichern und Bläsern, um den Hexensabbat musikalisch zu illustrieren. Beim Anhören genießen wir den großen Bass, den uns die Inklang präsentieren genau wie die klaren Mitten und fein gezeichneten Höhen. Der Klangraum des Orchesters wird lebendig und sehr dynamisch herübergebracht. Die Musikinstrumente und ihre Anordnung sind perfekt heraushörbar. Nur fehlt uns ein wenig der „Bauch“ in der Aufnahme. Das ist der Bereich um die 100 Hz, der für dieses vollmundige Musikerlebnis wichtig ist.

Wie geschrieben, er fehlt nur ein wenig. Und wir würden es auch nicht bemerken, würden wir die Inklang nicht mit wesentlich größeren und dreimal so teuren Standlautsprechern im Wechsel hören. Deshalb wollen wir dieser „Bauchlosigkeit“ nicht allzu viel Bedeutung beimessen. Denn wir sind uns sicher, wer diese schlanken Lautsprecher, etwa im Rahmen des Inklang-ProbeWeekenders, hört, der ist restlos begeistert. So viel Größe in dieser kleinen Form – das ist wahrhaft ein Sound-Wolf im Schafspelz.

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Auf der Rückseite der Ayers Three finden wir den Bassreflex-Ausgang. Das Anschlussterminal ist hochwertig gearbeitet.

Preis und weitere Infos zu Inklang Ayers Three

Die Inklang Ayers Three Standlautsprecher gibt es direkt über die Inklang-Webseite zu kaufen. Ihr Preis startet bei 2.720 Euro das Paar – je nach Ausstattung.

Weitere Informationen hier: www.inklang.de

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in der Januar-Ausgabe vom Printmagazin AUDIO TEST 01/2021.

► Lesen Sie hier: Test der Inklang Ayers One Regallautsprecher

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Test: Inklang Ayers Three Standlautsprecher - Die schönen kleinen Großen
Die Inklang Ayers Three beweisen auf beeindruckende Weise, dass Bass nicht in die Breite gehen muss: Es geht auch schlank, wenn die Konstruktion stimmt. Außerdem präsentieren sie ein klares und ausnehmend detailliertes Klangbild. Eine echte Alternative zu solch schlanken Standlautsprechern mit derart großem Bass kann Mann oder Frau lange suchen. Und dass sie auch noch individualisierbar sind, macht sie zu einem echten Leckerbissen.
Wiedergabequalität94%
Ausstattung / Verarbeitung100%
Benutzerfreundlichkeit70%
Preis/Leistung70%
Vorteile
  • dank Individualisierbarkeit überall passend
  • sehr klarer, differenzierter Sound
  • großartiger Tiefbass und hohe Dynamik
Nachteile
  • Klang fehlt etwas der Bauch
90%Testergebnis
Leserwertung: (0 Votes)
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Bildquellen:

  • AUDIO TEST Magazin Ausgabe 03 2021: Auerbach Verlag
  • Inklang Ayers Three Standlautsprecher Test: Auerbach Verlag