Bei Inklang bewegt sich was. Die Advanced Line ist raus, die Ayers Serie ist drin. Und mit der Inklang Ayers One haben wir direkt das Einstiegsmodell der neuen Lautsprecherserie im Test. Wird der Inklang-Sound damit auch für die Breite Masse erschwinglich?

Inklangs neue Ayers Serie umfasst neben unseren Testkandidaten – den Ayers One Regallautsprechern – noch diverse weitere Kompakt- und Standlautsprecher, sowie einen Subwoofer. Letzeres stellt dabei genauso eine Premiere für Inklang dar, wie dass auch aktive Varianten der Schallwandler erhältlich sein werden. Auffällig ist dabei auch der deutlich niedrigere Einstiegspreis der neuen Lautsprecherreihe. Bedenkt man, dass die komplette Endmontage nach wie vor in Hamburg stattfindet, ist ein Preis von gerade mal 680 Euro pro Lautsprecher für die Inklang Ayers One eine echte Kampfansage. Mehr noch, wenn man sich vor Augen führt, dass hier der Geschäftsführer sogar noch selber Hand in der Fertigung anlegt. Es stellt sich dennoch die Frage, ob Inklang auch mit den neuen Modellen seinem bisherigen Klangbild treu bleibt. Die Antwort bleiben wir Ihnen natürlich nicht schuldig, aber zunächst beleuchten wir mal die Konstruktion des „kleinsten“ Modells der Ayers Serie.

Konstruktion der neuen Inklang Lautsprecher

Wie bereits erwähnt, präsentiert sich die Ayers One in puncto Design ganz klar als Inklang Produkt. Die markante Formsprache des Herstellers ist unverkennbar. Auch sind Inklang weiterhin ungeschlagener Klassenprimus, wenn es um die Anpassung der Optik an den persönlichen Geschmack der Kundschaft geht. Wer sich durch den auf der Website der Hamburger zu findenden Konfigurator klickt, hat nicht nur die Wahl zwischen den zehn Standard-Farben des Herstellers in matter, seidenmatter, oder glänzender Ausführung, sondern kann gegen Aufpreis seine Lautsprecher auch in Farbtöne der Wandfarbenhersteller Caparol Icons oder Farrow & Ball kleiden. Und wer damit immer noch nicht glücklich wird, kann sogar eine komplett individuelle Farbauswahl mit dem Hersteller vereinbaren. Aber damit nicht genug, denn weiterhin stehen noch diverse Farbvarianten für die optionale Stoffblende zur Verfügung. Für die Inklang Kompaktlautsprecher hat man des Weiteren die Möglichkeit verschiedene Standfüße auszuwählen. Angesichts so vieler Optionen sollten keine Wünsche offen bleiben. Die Lackierung unserer Testprobanden in einem schicken Grauton namens „Peera Lake No. 13“ ist makellos ausgeführt und unterstreicht die generell hochwertige Verarbeitung der Ayers One.

Inklang Ayers One Lautsprecher Kompakt Regal Test Review Audio Test Likehifi Hochtöner
Der Hochtöner besitzt eine Seidengewebekalotte mit einem stattlichen Durchmesser von 30 mm und übernimmt die Wiedergabe schon ab relativ tief angesetzten 800 Hz vom Tiefmitteltöner.

In technischer Hinsicht handelt es sich bei dem Kompaktlautsprecher um ein 2-Wege- System in Bassreflexbauweise. Wir haben hier die passive Variante im Test. Die aktive Version wird voraussichtlich im ersten Quartal 2021 erhältlich sein. Durch den vorderseitig aufgelegten Bassreflextunnel, gibt sich die Inklang Ayers One unkompliziert in Sachen wandnaher Aufstellung. Inklang empfiehlt einen minimalen Abstand von gerade mal 15 Zentimetern (cm). Direkt über der Tunnelöffnung befindet sich nicht, wie vielleicht erwartet, der Tiefmittel- sondern der Hochtöner. Dieser besitzt eine Seidenkalotte mit einem Durchmesser von 30 Millimetern (mm) und fällt damit ungewöhnlich groß aus im Verhältnis zu vielen anderen Treibern in mit diesem Einsatzgebiet. Das kommt jedoch nicht von ungefähr, denn die Übergangsfrequenz zum Tiefmitteltöner liegt mit rund 800 Hertz (Hz) um einiges tiefer als der eigentlich standardmäßige Bereich irgendwo zwischen circa 1.500 Hz und 3.500 Hz. Also eigentlich schon ein Mittelhochtöner, aber das Erbsenzählen überlassen wir gerne anderen, wenn es am Ende gut klingt. Hinter der tiefen Übergangsfrequenz steht jedenfalls die Überlegung, den Tiefmitteltöner im oberen Wiedergabebereich, in dem dieser zunehmend gerichtet arbeitet, zu entlasten und so ein besseres Rundstrahlverhalten und so auch eine ausgeprägtere Räumlichkeit in der Wiedergabe zu erreichen. Die verwendete Frequenzweiche arbeitet übrigens mit einer Flankensteilheit von 24 Dezibel (dB) pro Oktave, realisiert werden die Filterschaltungen jedoch durch die ausgeklügelte Wahl der Werte der Komponenten mit weniger Bauteilen als standardmäßig von Filtern 4. Ordnung zu erwarten. Zur Vermeidung durch mechanische Schwingungen erzeugter Störspannungen – auch bekannt als Mikrofonie – sitzt die Frequenzweiche übrigens in ihrer eigenen luftdichten Kammer im Gehäuse der Ayers One. Clever.

Inklang Ayers One Lautsprecher Kompakt Regal Test Review Audio Test Likehifi Tiefmitteltöner
Der Tiefmitteltöner ist ein Modell mit 15 cm Durchmesser und besitzt eine Membran aus glasfaserverstärktem Papier.

Als Tiefmitteltöner setzt Inklang hier auf ein Model mit langen Hub und einer 15 cm Membran aus glasfaserverstärktem Papier. Den Frequenzgang der Ayers One gibt Inklang mit 35 Hz bis 32 Kilohertz (kHz) an, wobei die Messpunkte der Grenzfrequenzen mit -10 dB angegeben sind. Eine stärkere Absenkung als die konventionellen -3dB, aber darin sehen wir kein Problem, zumal im Gegensatz zu allzu vielen anderen Herstellern hier der Messpunkt ganz klar angegeben wird. Die maximale Belastbarkeit der Ayers One Kompaktlautsprecher von Inklang liegt übrigens bei 130 Watt, wobei Inklang Verstärker mit mindestens 30 Watt Leistung im Verbund mit dem Regallautsprecher empfiehlt.

Klang der Ayers One Kompaktlautsprecher

Kommen wir zur eingangs gestellten Frage zurück: Haben Inklang an ihrer Klangsignatur auch mit der neuen Ayers One festgehalten? Die Antwort ist ab dem ersten Moment des Probehörens an ein klares „Jau!“. Sofort ist da wieder dieser herrliche, transparente, dreidimensionale und natürliche Klang mit dem sich der Hersteller zuvor schon in unser Testredakteursherz gespielt hat. Detaillierte, offene Höhen gepaart mit fein zeichnenden und präsenten Mitten ergeben zusammen mit dem sauberen und aufgeräumten Bassbereich ein ausgewogenes und glasklares Klangbild. Die flinke Wiedergabe reproduziert Transienten ausgesprochen akkurat. Das befördert die schon erwähnte Natürlichkeit der Wiedergabe ungemein, zumal die Einschwingphase von Instrumenten extrem wichtig für die menschliche Klangerkennung auf psychoakustischer Ebene ist. Generell reagieren die Ayers One Regallautsprecher präzise auf die Dynamik des anliegenden Signal und folgen sowohl gewaltigen Sprüngen des ins Tutti wechselnden Orchesters genauso originalgetreu, wie den feinsten Schwankungen in der Gesangslinie intimer Folksongs. Generell laufen die Ayers One mit allem akustisch erzeugten Klangmaterial scheinbar zur vollen Höchstleistung auf. Egal, ob es sich dabei um Schlagzeuge und Percussion, Akustikgitarren und andere angeschlagene Saiteninstrumente, Streicher, Bläser, Tasteninstrumente oder auch Stimmen handelt. Gerade letztere erhalten eine ungemein plastische Qualität. Nicht, dass sich die Ayers One in der Welt der elektroakustischen und elektronisch erzeugten Klänge nicht auch pudelwohl fühlt, aber in akustischen Sphären passiert einfach etwas leicht magisches mit dem Klangmaterial. Das könnte natürlich auch damit zu tun haben, dass die Inklang Ayers One in der Tat in Sachen Räumlichkeit ganz groß aufspielt und somit die oft in Aufnahmen von akustischem Material enthaltenen Raumanteile schlichtweg glorreich wiedergeben. Hier gehen eine stabile Phantommitte mit präziser Ortbarkeit im Panorama einher, wobei wohl die präzise Tiefenstaffelung letztlich am meisten hervorsticht. Hier gibt es wirklich ein weiter vorne und weiter hinten und nicht bloß die Linie zwischen den Lautsprechern. So soll das!

Inklang Ayers One Lautsprecher Kompakt Regal Test Review Audio Test Likehifi Anschlüsse
Die beiden Anschlüsse am rückseitigen Anschlussfeld nehmen sowohl Bananenstecker, Kabelschuhe, oder auch schlicht abisolierte Kabelenden auf, solange der Querschnitt nicht 8 mm² überschreitet.

Als erstes Hörbeispiel kommt die Kenny Clarke-Francy Boland Big Band mit dem Titel „Osaka Calling“ von ihrem 1971 erschienenen Album Off Limits zum Zuge. Ein besonderes Merkmal dieser Gruppe ist der Einsatz von gleich zwei Schlagzeugen, die zwischen sich ergänzenden Rythmusfiguren und präzisem Spiegeln des Gegenübers alternieren. Auch sonst wird, wie von einer Bigband zu erwarten, das Arrangement teils sehr dicht, aber die Ayers One lassen sich auch von den wilden Jazz-Kapriolen der durch die Bank weg virtuos aufspielenden Musiker keine Sekunde aus der Ruhe bringen und verlieren sozusagen nie den Überblick. Soll heißen: Auch in den durchaus vorhandenen chaotischen Momenten, in denen die gesamte Band scheinbar um die Wette spielt und sich wilde Bläserlinien gefühlt im Dutzend in einem wunderbar schrägen Schweinehaufen auf die sich duellierenden Drummer schmeißen, hat man nie das Gefühl, nicht mehr herauszuhören, was passiert. Andere Lautsprecher würden hier das Handtuch schmeißen und nur noch Klangbrei ausspucken. Stattdessen knarzen die Bläser charaktervoll, die Snares peitschen und die Kickdrum schlägt ein wie ein Amboss, den jemand aus dem 13. Stock geworfen hat. Ganz großes Tennis. Auch bei „Adagio, Allegro Molto“ aus Antonin Dvořáks Symphonie Nr. 9, „Aus Der Neuen Welt“ / Heldenlied, Op. 111 unter der Direktion von Andris Nelsons, aufgeführt vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, spielen die kompakten Ayers One groß auf. Das Orchster wird mit schöner Bühne präsentiert, die Bläser klingen schön knorrig und die Streicher warm und klar. Auch der große Dynamikumfang der Aufnahme stellt wie erwartet keine Herausforderung für unsere Testprobanden dar und generell werden die feinen Details der Aufnahme stets entsprechend ausgeleuchtet. Die von den Inklang Ayers One gebotene Klangqualität ist ohne Frage beeindruckend und das nicht nur am Preispunkt gemessen. Dass der Einstieg in die Inklang-Welt mit der Ayers-Serie ein gutes Stück erschwinglicher geworden ist, freut uns natürlich trotzdem. ■ Text: Jörg Schumacher

Mehr Infos unter: www.inklang.de

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 8/2020.

► Lesen Sie hier unseren Test der Inklang 17.5 AdvancedLine F.A.Z. Edition Standlautsprecher

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Test: Inklang Ayers One Regallautsprecher - Ayns A Auftritt!
Wenn wir die Ayers One als „das Kleinste“ der neuen Modelle von Inklang als Indikator für den Rest der Lautsprecher heranziehen, ist der norddeutschen Lautsprechermanufaktur damit ein ganz großer Wurf gelungen. Die Ayers One überzeugt mit tollem Raum, flinken Transienten, klarem Klangbild und obendrein auch noch einem unerwartet niedrigen Preispunkt. Unsere Vorhersage: die werden weggehen wie frische Matjesbrötchen auf dem Hamburger Fischmarkt.
Wiedergabequalität89%
Ausstattung/ Verarbeitung90%
Benutzerfreundlichkeit90%
Preis/ Leistung100%
Vorteile
  • Preis/Leistung
  • Klang
Nachteile
  • Keine
90%Gesamtergebnis
Leserwertung: (1 Judge)
100%

Bildquellen:

  • Inklang-Ayers-One-Regallautsprecher-Test-Likehifi-02: Auerbach Verlag
  • Inklang Ayers One Regallautsprecher Einstieg: Auerbach Verlag