Inklang gehörte lange zu den Newcomern der HiFi-Szene. Mittlerweile hat sich das junge Audio-Unternehmen nicht zuletzt ob des steten und stets hochwertigen Outputs vollends etabliert. Das schraubt jedoch auch die Erwartungen an die Lautsprecher aus Hamburg nach oben.

Im (E)inklang

Als wir mit den Standlautsprechern Advanced Line 13.3 und Advanced Line 17.2 im Jahre 2015 zum ersten Mal Lautsprecher aus dem Hause Inklang in unseren Redaktionsräumen begrüßen durften, steckte das Unternehmen rund um den ehemaligen Finanz-Manager Thomas Carstensen noch in den Kinderschuhen. In einer ehemaligen Kaffeerösterei direkt am Hamburger Hafen erfand sich Carstensen vor nunmehr sieben Jahren neu und gründete die Lautsprecher-Manufaktur Inklang.

Dass er damit seither einige Erfolge feiern durfte, versteht sich allein ob der wiederkehrenden Besuche bei der AUDIO TEST von selbst. Wäre das Vorhaben gefloppt, hätten wir die Inklang Lautsprecher nicht ganze zwölfmal auf den Prüfstand gebeten. Dabei trugen vor allem die vier Modelle der neuen Inklang Ayers-Kollektion zu den Testerfolgen der jüngsten Vergangenheit bei. Der Standlautsprecher Ayers Five brachte es bei uns sogar zur Referenzklasse ( lesen Sie hier unseren Test). Dabei wurde das Unternehmen sogar über die Grenzen der Fachjournale hinaus mit Auszeichnungen dekoriert. Eine der beliebtesten Musikrichtungen überhaupt: Lobeshymnen. So schreibt es Inklang auf seiner Webseite selbst.

Customized Lautsprecher

Neben der klanglichen Kompetenz der Lautsprecher liegt die große Beliebtheit Inklangs bei Presse und Verbrauchern wohl vor allem in der kundenzentrierten Ausrichtung des Angebots. So steht die Möglichkeit der individuellen Zusammenstellung des gewünschten Lautsprechers im Mittelpunkt des Marketing-Konzepts der Hamburger. Nachdem man sich im Onlineshop für ein Modell entschieden hat, folgt zunächst die Auswahl der technologischen Ausführung.

Hier bietet Inklang ab dem ersten Quartal dieses Jahres neben der passiven Variante auch das Upgrade zum Aktivlautsprecher sowie eine Ausstattung mit dem Wireless-Modul Ayers HD 10 StreamConnect an. Im Anschluss kann zwischen zehn Farbtönen gewählt werden, die ihrerseits nochmal in drei Glanzstufen angeboten werden. Zu guter Letzt können noch die Standfüße, sowie die Stoff abdeckung und die Kabelummantelung ausgesucht werden, bevor der Lautsprecher schließlich in die Herstellung geht. Aber auch daraus können Inklang-Kunden ein Erlebnis machen, indem sie ihren Lautsprecher vor Ort in Hamburg unter professioneller Anleitung selbst zusammenbauen. Customizing ist hier Stichwort und Erfolgsformel zugleich.

Test: Inklang Ayers Four Limited Edition (Gold Blanche) - Drei-Wege Standlautsprecher Review
Die Hoch- und Mitteltöner sind zwischen den beiden Bass-Chassis eingelassen. Das trägt viel zum ausgezeichneten Abstrahlverhalten des Lautsprechers bei.

Ayers Four Limited Edition

Unser aktuelles Testmuster haben wir leider nicht selbst konfiguriert, es kommt quasi Inklang-untypisch „von der Stange“. Wobei wir es hier mit einer ganz speziellen Sonderedition zu tun haben. Inklang offeriert die Standlautsprecher-Modelle der Ayers-Kollektion (Ayers Four und Five) nämlich aktuell in zwei ganz besonderen Ausführungen. “Copper Noir” kommt in einer schicken matt schimmernden Lackierung in schwarz-anthrazit mit gebürsteten Metallapplikationen auf einem kupferfarbenen Sockel daher.

Die limitierte Variante unseres Testmusters heißt „Gold Blanche” und vertraut auf einen edlen Gold-Ton bei der Ausführung des Sockels und ein schlicht weiß gehaltenes Gehäuse. Das sieht wirklich todschick aus. Interessenten der Ayers Limited Edition sollten sich aber ranhalten: beide Varianten sind auf eine Stückzahl von gerade einmal 100 Schallwandlern streng limitiert und es sind nur noch wenige Restexemplare erhältlich!

Ayers Four Standlautsprecher

Der Standlautsprecher Inklang Ayers Four ist nun schon das fünfte Modell der Kollektion, das bei uns zum Test aufschlägt. Abgesehen von den Heimkino-Erweiterungen Ayers Sub, Wall und Center haben wir die Serie, die insgesamt aus acht Modellen besteht, somit komplettiert. Der Ayers Four ist nach dem Ayers Five das zweitgrößte Modell der Reihe. Im typischen Inklang-Stil ist der Speaker von schlanker, fast schlaksiger Statur. Das abgerundete Gehäuse kommt auf eine Höhe von knapp 111 Zentimetern (cm) bei einer Grundfläche von lediglich 17,5 cm mal 34,8 cm.

Wie auch der nächstgrößere Ayers Five arbeitet der Inklang Ayers Four als offenes 3-Wege-System. Dabei zählt Inklang auf zwei Tieftöner von sechs Zoll Durchmesser, sowie einen zwei Zoll messenden Kalotten-Mitteltöner und einen 22 Millimeter (mm) Hochtöner mit Neodym-Antrieb. Der Tieftöner, welcher mit einer glasfaserverstärkten Papiermembran ausgestattet ist, kommt dabei bis auf beachtliche 32 Hertz (Hz) hinab. Zwischen 600 Hz und 3 600 Hz geht dann der Kalottenmitteltöner zu Werke. Obenrum komplettiert die Seidenkalotte des Hochtöners das Spektrum, welches sogar bis 34 kHz hinaufreicht.

Test: Inklang Ayers Four Limited Edition (Gold Blanche) - Drei-Wege Standlautsprecher Review
Das Anschlussfeld der Ayers Four ist von extrem guter Verarbeitungsqualität. Hier wird der Anspruch des Herstellers deutlich. Auf Bi-Wiring, beziehungsweise Bi-Amping wird jedoch verzichtet.

Optimierte Frequenzweiche

Die Frequenzweiche hat Inklang übrigens selbst und mit computergestützten Simulationsdaten entwickelt, um in puncto Linearität, Phasen-Addition und Klirr-Verhalten der Treiber optimale Leistungen zu erzielen. Bei der Entwicklung folgt auf die errechnete Topologie der Weiche im zweiten Schritt eine so genannte Monte-Carlo-Simulation. Diese berechnet bei einem identischen Simulationsergebnis eine Reduktion der Weichen-Bauteile. Das sorgt wiederum für kürzere Wege, mindert Signalverluste und stellt vor allem auch ökonomisch eine nicht zu vernachlässigende Einsparung dar.

Die Frequenzweiche geht in Tiefund Hochton mit recht steilen 18 Dezibel (dB) pro Oktave zu Werke, während das mittlere Frequenzband mit etwas flacheren 12 dB pro Oktave abgesteckt wird. Im Gehäuse der Ayers Four ist für die Frequenzweiche eine eigene, hermetisch dichte Kammer vorgesehen, sodass die sensiblen Bauteile der Frequenzweiche nicht von den schwankenden Luftdruckverhältnissen im Innern des Korpus beeinflusst werden. Um die auftretende Luftkompression im Gehäuse zu entladen, ist über dem Anschlussterminal des Lautsprechers zusätzlich eine kreisrunde Bassreflexöffnung eingelassen.

Das Anschlussterminal der Inklang Ayers Four verfügt über ein hochwertig verarbeitetes Single-Wiring-Terminal mit vergoldeten Kabelaufnahmen. Wie wir es bereits von anderen Lautsprechern vom Hamburger Hafen kennen, zeigt sich auch der Ayers Four also äußerst bedacht in puncto Ausstattung. Dies macht sich jedoch zunächst einmal preislich bemerkbar. So kommt der Schallwandler Inklang Ayers Four Limited Edition auf einen Stückpreis von lediglich 1.949 Euro – überaus einsteigerfreundlich also.

Installation

Aber auch in der Benutzerfreundlichkeit macht sich die zurückhaltende Ausstattung bezahlt. Der Inklang Ayers Four Standlautsprecher wird komplett montiert ausgeliefert und lässt sich mit seinem Gewicht von lediglich 23,6 kg auch allein und ohne weitere Hilfe problemlos aufstellen. Übrigens sollte eine Belastungsgrenze des vierohmigen Speakers von 150 Watt nicht überschritten werden, um den Lautsprecher nicht zu gefährden. Laut Herstellerangaben fühlt sich die Inklang Ayers Four Standbox vor allem in mittelgroßen Räumen besonders wohl. Als einen solchen betrachten wir unser Hörlabor ohne Zweifel.

Bei der Aufstellung empfiehlt sich wie bei jedem Lautsprecherpaar das Trial & Error-Verfahren. Soll heißen, wir stellen das Stereopaar Inklang Ayers Four Limited Edition auf, hören genau hin und tasten uns somit peu à peu an die perfekte Ausrichtung der Lautsprecher heran. In unserem Falle sind die beiden Speaker etwa zweieinhalb Meter voneinander entfernt und nur minimal, also in einem Winkel von etwa 2,5 Grad eingedreht. Gekoppelt haben wir Inklangs Ayers Four mit unserem Referenzverstärker RA-1592 von Rotel, welcher wiederum von Cambridge Audios CXN Silver angespielt wird.

Test: Inklang Ayers Four Limited Edition (Gold Blanche) - Drei-Wege Standlautsprecher Review

Inklang Lautsprecher im Klangtest: Par excellence

Dass Inklang nicht allein wegen seiner tollen Kundennähe und Benutzerfreundlichkeit hochgeschätzt wird, sondern vor allem auch elektroakustisch so einiges auf – beziehungsweise im Kasten hat – stellen die neuen Ayers Four Standlautsprecher schnell unter Beweis. Der Band Beach House ist 2015 mit „Depression Cherry“ ein tolles Album gelungen, das in seiner kontemplativen Elegie trotz lieblicher Kompositionen eine Menge Schmerz transportiert. Unser Testmuster aus Hamburg setzt die Musik von Victoria Legrand und Alex Scally dabei wunderbar und mit viel Feingefühl in Szene, ohne sich selbst zu sehr profilieren zu wollen. Die Zartheit der Arrangements kommt durch eine sehr sinnige und naturalistische Abstimmung der Lautsprecher wunderbar zur Geltung.

Auch bei „In der Halle des Bergkönigs“ aus Edvard Griegs Peer Gynt, gespielt vom Royal Philharmonic Orchestra unter Leitung von Sir Thomas Grieg kommt die Ayers Four mit einer wohlklingenden organischen Wärme daher, ohne jedoch dem Klangbild eine eigene Note aufzuzwingen. Bei der Zeichnung der Pizzicati beweist der Standlautsprecher sehr viel Fingerspitzengefühl – das eingängige Thema wird zwar in der vom Komponisten vorgesehenen fast zerbrechlichen Vorsicht transportiert, bleibt jedoch sowohl im Bass als auch im Sopran klar differenziert und prägnant. Vor allem bei den Violinen legen die Chassis solch eine Präzision an den Tag, dass die wirklich minimalen Ungenauigkeiten im Timing der Violinisten sehr transparent hörbar werden, wodurch die Musik eine beeindruckende Natürlichkeit erlangt.

Dynamisch beweist der Inklang Ayers Four Limited Edition Lautsprecher eine wunderbare Bandbreite. Zu Beginn wird das Piano sehr zurückhaltend, aber dennoch stabil aufgeführt. Zum Ende des Stückes wiederum spielt der Prüfling sehr fordernd und kräftig. Allerdings können die Hamburger auch ganz schön dick auftragen, wenn gewünscht. So kommen die Ayers etwa bei „Sponsored by Destiny“ von Slagsmalsklubben auf ordentlich Schub. Die markante Side Chain-Kompression auf den Synthesizern lässt den Lautsprecher ordentlich pumpen. Aber von Kurzatmigkeit keine Spur. Der Schallwandler gibt sich extrem dynamisch und geht mit ordentlich Spritzigkeit zu Werke. Vor allem in den Bässen trägt der Speaker trotz der eher beschaulichen Treibergröße ordentlich auf und verwandelt unser Hörlabor in einen Dancefloor.

„Bird’s Lament“ von Moondog wiederum ist da im Vergleich ein allemal schüchternes Stück. Eine sanfte Kick-Drum unterfüttert einen ebenso zarten Bass – der Schwerpunkt liegt hier ganz klar auf dem Bläser-Ensemble, angeführt von Tenor- und Alt-Saxofon. Unaufdringlich, aber klar definiert, übersetzt unser Stereopaar hier das Geschehen. Die große Obertonvielfalt der Blasinstrumente lässt absolut nichts zu wünschen übrig. Der Sound hat viel Luft zum Atmen, was die strömenden Timbres der Bläser sehr plastisch hervortreten lässt.

Alles in allem halten wir fest, dass auch der Standlautsprecher Inklang Ayers Four in der Limited Edition Gold Blanche die Eindrücke der vergangenen Tests der Reihe bestätigt. „Hier trifft Leidenschaft auf Tugend“ schrieb Redaktionskollege Johannes Strom über die Ayers Five. Man kann diese Feststellung wohl auf das gesamte Unternehmen hochskalieren. Dass Thomas Carstensen mit der Ayers-Kollektion einmal mehr sein Anliegen unmissverständlich ausformuliert: anspruchsvollste technische Ausstattung auf die Bedürfnisse der Kundschaft auszurichten, ohne klangliche Kompromisse einzugehen! ■ Text: Arthur Evers, Thomas Kirsche

Preis und Verfügbarkeit

Die Inklang Ayers Four Limited Edition Standlautsprecher in den limitierten Farbausführungen Copper Noir (Kupfer Schwarz) und Gold Blanche (Gold Weiß) gibt es ab 3.898 Euro (Paarpreis) direkt bei Inklang zu kaufen.

Webseite: www.inklang.de/de

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 03/2022

▶ Lesen Sie hier: Test der Inklang Ayers Five Standlautsprecher – Aye aye, Sir!

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Test: Inklang Ayers Four Limited Edition (Gold Blanche) - Drei-Wege Standlautsprecher
Der Standlautsprecher Ayers Four der Hamburger Manufaktur Inklang reiht sich nahtlos in die ausgezeichnete Reputation seiner Kollektionsgenossen ein. Sehr lebendig und mit einer ausgezeichneten Räumlichkeit spielt er auf und kommt auch bei hoher Auslastung nicht an seine Grenzen. Nicht zuletzt die für den Hersteller kennzeichnende Kundenfreundlichkeit mit der Möglichkeit der individuellen Konfi guration des Lautsprechers verlangt uns hier eine glasklare Kaufempfehlung ab.
Wiedergabequalität 91%
Ausstattung/Verarbeitung 93%
Benutzerfreundlichkeit 89%
Preis/Leistung86%
Vorteile
  • individuell konfigurierbar
  • einzigartige Farbausführung (limitiert)
  • ausgezeichnete Abstimmung und tolle Räumlichkeit
Nachteile
  • keine
92%Inklang Ayers Four Limited Edition
Leserwertung: (1 Judge)
98%

Bildquellen:

  • Inklang Ayers Four Limited Edition: Auerbach Verlag