Wenn Elac neue Regallautsprecher auf den Markt bringt, dann scheint eines sicher: Die werden richtig gut klingen. Ob der Anschein auch bei den Elac Uni-Fi Reference UBR62 der Wahrheit entspricht? Wir verraten es.

Zwar liegt der Fokus dieser AUDIO TEST–Ausgabe ganz klar auf aktiven Lautsprechern, aber auch wenn die Elac Uni-Fi Reference UBR62 passive Lautsprecherboxen sind, passen sie doch gut hierher. Warum? Nun, sie spielen genauso agil und frisch auf wie Aktivlautsprecher. Doch schauen wir uns die 2-Wege-Boxen erstmal genauer von außen an.

Reference im Titel

Mit der Uni-Fi Reference-Serie hat Elac im letzten Herbst eine Lautsprecher-Reihe herausgebracht, die oberhalb der Uni-Fi-Serie angesiedelt ist. Das allein vermittelt ja das Wort „Reference“ im Titel der Lautsprecher-Reihe. Der Unterschied besteht zum einem im Preis. So kosten die vergleichbaren Kompaktlautsprecher Elac Uni-Fi BS U5 circa 250 Euro, während unser Testmodell auf 430 Euro pro Stück kommt. Aber auch im Design, der Bauform sowie der Bestückung bestehen natürlich Unterschiede.

Elac Uni-Fi Reference UBR62: Interessante Designentscheidung

Schauen wir zunächst auf das Design. Hier hat sich Elac für ein zweifarbiges Vorgehen entschieden, bei dem die Front in einer anderen Farbe daherkommt als das restliche Gehäuse. Wir sehen deutlich die Rille zwischen Frontplatte und Seiten. Auch gibt es eine scharfe Kante beim Übergang von den Seiten zur Rückenplatte. Hier ist leider eine Unterbrechung im Furnier zu sehen. Das wirkt rein optisch nicht ganz so rund. Wie wir finden eine ungewöhnliche Entscheidung, die Elac da getroffen hat. Zum Vergleich: die preiswertere Uni-Fi-Serie ist einfarbig und wirkt wie aus einem Guss.

Die Abdeckung der Uni-Fi Reference Regallautsprecher hält übrigens magnetisch und ist in Grau gehalten. Wenn wir sie nutzen, kommt also noch eine dritte Farbe ins Spiel. Und die Lautsprecher bekommen definitiv eine Retrocharme, den wir uns nur schwer verschließen können. Wir sind also zwiegespalten, wenn es um das Design der Elac geht. Doch die Entscheidung, ob sie gefallen, liegt schließlich bei jedem selbst. Freunde von aktuell angesagten Retro- bzw. Vintage-Lautsprechern kommen jedenfalls voll auf ihre Kosten.

Bassausgang an der Front

Richtig gut gefällt uns, dass die Elac Uni-Fi Reference UBR62 auf einen Bassreflexausgang an der Front setzen. Somit sind sie im Gegensatz zu den meisten Regallautsprechern sehr flexibel, wenn es um die Aufstellung im Raum geht. Dass sie unbeabsichtigt die Rückwand des Regals anregen, sollte nicht passieren.

Über dem Bassausgang sitzt der Tieftöner mit seinen 16,5 Zentimetern Durchmesser und schwarz eloxierter Aluminiummembran. Dank ihr sollen die Kompaktlautsprecher richtig kraftvoll aufspielen. Oben im Gehäuse finden wir den 2,5 Zentimeter großen Hochtöner, der eine Gewebekalotte nutzt. Er sitzt direkt in der Mitte des Mitteltöners. Der kommt auf 10 Zentimeter Durchmesser und verwendet ebenfalls eine schwarz eloxierte Aluminiummembran.

Die Rückseite ist mit einer wirklich hochwertigen Anschlussklemme ausgestattet, die auch Bi-Wiring erlaubt. Doch Bi-Wiring ist wohl kaum notwendig, denn die Frequenzweiche der Reference-Serie wurde überarbeitet und soll damit für noch mehr klangliche Präzision und besseres Auflösungsvermögen sorgen, als es schon in der Uni-Fi-Serie der Fall ist. Wir werden das gleich mal testen.

Der Anschluss der Elac Uni-Fi Reference UBR62 ist für Bi-Wiring ausgelegt, doch auch im „einfachen“ Verstärkerbetrieb machen sie viel Freude.

Im Film und TV

Wir schließen die Elac Uni-Fi Reference UBR62 an unseren Rotel-Verstärker an. Dieser hängt via optischem Kabel am TV und wir werfen einfach mal Disney+ an. Hier schauen wir in „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“. Definitiv kein Highlight des Marvel-Universums, aber immerhin knallt der Sound ordentlich. Und wir können testen, wie die Elac-Kompaktlautsprecher mit all den wuchtigen Actionsounds umgehen.

Angetan sind wir von der cineastischen Atmosphäre, welche die Uni-Fi Reference UBR62 in unseren Hörraum zaubern. Da ist etwa der Kirchenbesuch des Doktors. Er unterhält sich mit einem Kollegen und die Kirchenatmosphäre ist lebendig und spürbar. Wir können sie ganz ohne Surroundlautsprecher fühlen. Die Stimmenverständlichkeit bleibt selbst in lautkrachenden Action-Szenen immer hoch. Wir folgen den Dialogen, selbst wenn im Hintergrund das Universum kollabiert – also eines der vielen Universen, die es in diesem Film gibt. Was uns dabei auffällt: die Lautsprecher haben einen tollen Sweetspot. Ideal ist es natürlich, wenn wir in der Mitte des Stereodreiecks sitzen. Aber auch einen halben Meter links oder rechts können wir dem ganzen Soundgenuss folgen. Selbstverständlich verschiebt sich dabei die Phantommitte.

Der Fernseh-Ton – also bei „normalen“ Sendungen im TV – ist sogar noch besser. Hier steigt die Stimmverständlichkeit und insgesamt gewinnt die Soundkulisse dazu. Da macht es richtig Spaß mit den Elac fernzuhören. Natürlich ersetzen die Kompaktlautsprecher keinen Subwoofer, wobei ihr Bass genauso kraftvoll ist, wie er sein muss. Er macht Spaß, denn er bricht nie aus oder dröhnt.

Musik: Klassisch, Jazz und Pop

Wir starten TIDAL und stoßen auf Alexander Ullman der Liszt „Piano Concerto No.1 in E-Flat Major“ zum Besten gibt. Da klassische Musik glücklicherweise nicht so stark komprimiert und auf Lautheit getrimmt wird wie Pop und Co., müssen wir unseren Rotel Verstärker erstmal im Volumenbereich anheben. Ja, ein bisschen Grundlautstärke brauchen die Elac schon, damit sie ordentlich loslegen können. Und dass sie Klassik nahezug meisterhaft beherrschen, machen sie bei den ersten Streichertönen, die von Fanfaren begleitet werden, sofort klar. Wenn dann der Flügel einsetzt, kommt wahrhaft Konzerthausatmosphäre auf. Genauso muss Klassik klingen: Ausgewogen in den Mitten, klar in den Höhen und fundiert im Bassbereich. Der Hall ist schwebend und schön weit. Auch die die Tiefenstaffelung passt perfekt. Die Instrumente stehen an ihrem Platz und wir können uns rein akustisch im Konzertsaal umsehen. Bravo!

Das Album „Jazz“ von Etta James aus dem Jahr 2007 ist unser nächster Testkandidat. Die meist alten, remasterten Aufnahmen bringen die Uni-Fi Reference UBR62 niemals ins Schwitzen. Im Gegenteil, sie zeigen genau die richtige Art an wohlwollender Feinzeichnung auf. Das bedeutet: sie lassen den vielleicht ein oder anderen unschönen Aufnahme- oder Mixing-Fehler beiseite und sind doch immer nah und unverfälscht am Material. Das ist sehr beachtlich und zeigt uns, dass die Elac echte „Vielhörlautsprecher“ sind. Wer anstrengende Klang-Sezierer sucht, der ist hier definitiv an der falschen Adresse. Wobei wir beteuern, dass die kompakten Lautsprecher aus Kiel sehr detailliert und genaustens den Ton wiedergeben. Sie analysieren die Musik halt nur nicht zu Tode.

Um die Pop-Qualitäten der Elac zu ermitteln, laden wir wohl das poppigste aller Pop-Subgenres in unseren Streamer: K-Pop. Unsere Wahl fällt auf Lapillus mit „Hit Ya!“. Die dünnen Singstimmchen kämpfen hier tapfer gegen einen substarken Bass an, der von Synthesizerklängen geradezu zugeschüttet wird. Doch die Kompaktlautsprecher schaffen es, in dem chaotisch wirkenden Song die Übersicht zu behalten und ihn klanglich perfekt abgestimmt in den Testraum zu stellen. Da beginnen dann die Füße zu wippen und dieser Tester verliert sich in den Klängen aus Südkorea.

Preis und Verfügbarkeit der Elac Uni-Fi Reference UBR62

Die Elac Uni-Fi Reference UBR62 sind bei allen Elac-Händlern zum Paar-Preis von 850 Euro erhältlich.

Webseite: www.elac.de/uni-fi-reference-de

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien zuerst in AUDIO TEST Ausgabe 06/2022

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Test: Elac Uni-Fi Reference UBR62 - Regallautsprecher
Wir lieben den detailreichen, kraftvollen und agilen Klang der Elac Uni-Fi Reference UBR62. Der Bass ruht immer sicher auf einem richtig gut ausgeformten Fundament, die Mitten bleiben präzise und klar, ohne überkritisch zu sein und die Höhen verleihen allen Klängen jene Feinheit, die genaues Hinhören ermöglicht. Die Kompaktlautsprecher von Elac sind bei der Wiedergabe von Filmton genauso gut aufgehoben wie in allen anderen Musikbereichen.
Wiedergabequalität 94%
Ausstattung/Verarbeitung 85%
Benutzerfreundlichkeit 80%
Preis/Leistung90%
Vorteile
  • sehr ausgewogener Klang
  • ideal für TV-Ton und Musikwiedergabe
  • für Vielhörer perfekt geeignet
Nachteile
  • sichtbare Kanten im Furnier
89%Elac Uni-Fi Reference UBR62
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Bildquellen:

  • Elac Uni-Fi Reference UBR62 – Rückseite: Auerbach Verlag
  • Elac Uni-Fi Reference UBR62: Auerbach Verlag