Zum zweiten mal ziert ein Vertreter von B&Ws neuer Serie 700 unser Labor. Technisch teilt er sich einiges mit den Geschwistern der 800-Diamond-Serie, anderes wiederum wurde in Anlehnung an die Flaggschiff-Reihe neu konzipiert. Doch lesen Sie selbst.

Mrs. Knight wäre wohl unheimlich stolz, könnte sie noch miterleben, wohin ihre großzügige Spende dem jungen John Bowers verhalf. Vor zweiundfünfzig Jahren war dieser bereits auf der Suche nach dem perfekten Lautsprecher, damals noch im Hinterzimmer des Elektronikgeschäfts seines Freundes Roy Wilkins. Den einen oder anderen Lautsprecher, der während dieser Zeit entstand, verkaufte John Bowers um dieses Geld ins seine Arbeit zu reinvestieren. Unter anderem an die bereits betagte Mrs. Knight, mit welcher er bei Gelegenheit ins Plauschen gerat, über klassische Musik und die wunderbare, dennoch allemal ausbaufähige Technologie, welche einem das Orchester direkt in die heimische Wohnstube bringt.

Mrs. Knight war schließlich dermaßen angetan vom Wissen des Musikliebhabers und der Leidenschaft des Erfinders John Bowers, dass sie ihm und seinem Mitstreiter Roy Wilkins satte 10000 Pfund Sterling vermachte. In den 1960er Jahren ein kleines Vermögen. Noch im selben Jahr gründeten Bowers und Wilkins das kleine Unternehmen B&W Electronics Ltd, welches fortan stetig prosperieren sollte. Mit Recht, denn die beiden Freunde hielten auch währen der ersten wirtschaftlichen Erfolge an ihrer Philosophie fest, ein bescheidenes Leben zu führen, um die Profite des Unternehmens in Forschungs- und Entwicklungsarbeit zu stecken. So wurden zum Beispiel auch die Gewinne des P1 Standlautsprechers, dem ersten marktreifen Gerät von B&W, in Kalibriergeräte investiert. Sowohl in Sachen Design, als auch technologisch setzt B&W seither immer wieder Maßstäbe, denken wir an die von B&W entwickelte Kevlar-Membran, den Nautilus-Hochtöner oder natürlich B&Ws berühmte Diamantkalotte. Man kann sagen, dass Bowers & Wilkins wohl nicht all zu weit von John Bowers Wunsch entfernt sind, den „perfekten“ Lautsprecher zu entwickeln. Wobei Perfektion auch hier natürlich relativ gewertet werden darf. Geht es jedoch um Transparenz, Originalität und Detailreichtum, so sind Schallwandler von B&W einfach ganz weit vorne mit dabei. Nicht ohne Grund kommen Lautsprecher aus Worthing bereits seit Jahren als Abhörmonitore in den berühmten Londoner Abbey Road Studios zum Einsatz. Und noch immer besteht bei B&W das Bedürfnis, niemals stehen zu bleiben und sich stetig neu zu erfinden.

B&W 702 Lautsprecher Mitteltöner

Die Continuum-Membran des Mitteltöners kam erstmals in der neuen 800-Diamond-Serie zum Einsatz und brilliert ob seines sehr späten Aufbrechens

Aus CM wird 700

So präsentierte B&W vergangenes Jahr die neue Serie 700, welche in vielen Aspekten grunderneuert die erfolgreiche CM-Serie ablöste. Für den neuen Titel der Produktreihe entschied man sich, um auf den ersten Blick klarzustellen, dass 700er Lautsprecher direkt an die Leistung der Flaggschiff-Serie 800 Diamond anknüpfen und dieser nur in Nuancen nachstehen. In der Tat gibt nicht wenige Gemeinsamkeiten zwischen den beiden. Auch bei den Neulingen kommen nun B&Ws mysteriöse Continuum-Membranen zum Einsatz. Außerdem hat man den 700er Lautsprechern einen neuen Hochtöner verpasst, welcher eine kostengünstigere und gleichwohl nicht viel weniger leistungsstarke Alternative zum berühmten Diamant-Hochtöner der 800-Diamond-Serie darstellt. Eine speziell für die Serie 700 entwickelte Carbon-Kalotte sorgt hier nun für Brillanz.

Carbon ist, ähnlich wie Diamant, äußerst steif und leicht. Somit eignet sich dieser Werkstoff ideal für den Betrieb im Hochtonbereich, da er ein schnelles Einschwingverhalten aufweist und nicht so leicht aus der Form zu bringen ist. Bei unserem aktuellen Testgerät, dem Vorzeigemodell B&W 702 S2, sitzt dieses neue Hochtonchassis, wie bei den Geschwistern der 800er-Serie, in einem Nautilus-Gehäuse auf dem Top-Panel des Speakers. Neben der Hochtonabteilung kommen zwei weitere Wege zum Einsatz. Zum einen werden die Mitten von der silbrig grauen Continuum-Membran repräsentiert, zum anderen spielt in den Bässen ein Trio aus Aerofoil-Membranen auf, welche natürlich auch aus B&Ws Erfinder-Werkstatt in Steyning stammen. Diese Forschungseinrichtung gründete John Bowers übrigens im Jahr 1981, von Journalisten wurde das Labor seinerzeit scherzhaft „University of Sound“ getauft. Die drei Tieftöner erhalten außerdem Unterstützung von einem rückseitig angebrachten Bassreflexkanal. Dieser so genannte Flow-Port weist eine sehr authentische Maserung auf, welche die austretende Luft unter Kontrolle bringt und etwaige Strömungsgeräusche unterbindet. Samt Sockel und Hochtöner misst unser Proband knapp 109 Zentimeter Höhe, somit ist der Hochtöner direkt auf Höhe der Ohren, sitzt man bequem im Sweet-Spot des Stereodreiecks. Und genau das wollen wir jetzt tun.

B&W 702 Lautsprecher Hochtöner Tweeter

Im kennzeichnend geschwungenen Nautilus-Gehäuse versteckt sich B&Ws neuester Coup in Sachen Hochtonwiedergabe: der Carbon-Dome-Tweeter

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Bildquellen:

  • B&W 702 Detail: Bild: Auerbach Verlag
  • B&W 702 Detail: Bild: Auerbach Verlag