Bang? Bang!

Die Tüftler aus dem dänischen Struer sind bekannt für Extravaganz - sowohl innen, als auch außen. Was der High-End Lautsprecher Bang & Olufsen BeoLab 50 da so zu bieten hat, ist bestimmt allerhand. Erfahren Sie es in unserem Testbericht!

Kommen anspruchsvolle technische Ausgestaltung und extravagantes Design in einem dänischen Lautsprecher zusammen, kann es sich dabei eigentlich nur um ein Produkt des Hauses Bang & Olufsen handeln. Die legendäre Speaker-Schmiede ist mit einem Jahresumsatz im dreistelligen Millionenbereich neben Dynaudio wohl die erfolgreichste und bekannteste Adresse der HiFi-Szene im kleinen nordeuropäischen Königreich. Doch auch bekannte Namen wie Podspeakers, Clint und Scan-Speak haben ihren Sitz auf der Halbinsel. Bereits zwei Jahre ist es her, da beging das Unternehmen aus Struer seinen neunzigsten Jahrestag. Als Szene-Dino verkauft sich Bang & Olufsen jedoch nicht, denn modernste technologische Ausarbeitung und futuristische Produktgestaltung gehören auch im Jahr 2017 zu den kennzeichnenden Attributen eines Produktes aus dem Hause B&O. Dabei ist anzumerken, dass das Credo der Dänen hier nicht lautet „Design und Innovation“, sondern „Design durch Innovation“.

So erhielt zum Beispiel der 1960 auf den Markt gebrachte „Rondstraler“, B&Os erster 360 Grad-Hochtöner, seine außergewöhnliche Erscheinung bereits durch die ausgefuchste Konzeption des Schallwandlers: Zwei vertikal angeordnete Hochtontreiber sind einander zugewandt und durch einen Doppelkegel voneinander getrennt. Die breite Konizität des Doppelkegels reflektiert die auf ihn abgestrahlten Schallwellen in alle Richtungen und wirkt somit effektiv dem ansonsten sehr gerichteten Abstrahlverhalten von Hochtönern entgegen. Erik Rørbæk Madsen lieferte als Chef-Akustiker in den 50er und 60er Jahren somit allein durch die Konstruktion des „Rondstraler“ bereits eine Steilvorlage für die besondere Formsprache des Treibers. Diese Formsprache entwickelte sich Mitte der 1950er Jahre vor allem durch das Engagement nicht zuletzt durch den Bauhausstil inspirierter Designer. Als prominentester Federführer dieser Epoche gilt wohl der Schwede Sigvard Bernadotte, welcher seinerzeit nicht nur Regieassistent war am deutschen Theater in Berlin, sondern auch ein Sohn des schwedischen Königs Gustav Adolf VI. und somit ein Onkel der amtierenden dänischen Königin Magarethe II., nach welcher er 1950 übrigens eine von ihm gestaltete Rührschüssel taufte. Aber dies nur am Rande. Im Jahre 2015, zum hundertjährigen Jubiläum des dänischen Lautsprecherbaus von der Danish Innovation of Sound veröffentlichten Buch „Danish Loudspeakers“ wird der Anspruch B&Os recht humoristisch zusammengefasst: Lautsprecher von Bang & Olufsen seien dazu entwickelt, die Erwartungen eines Kunden aus der „normalen Welt“ zu erfüllen und nicht für Musikliebhaber á la „Ein Stuhl – Keine Freunde“.

Richtungsweisend

Dies passt in der Tat zum Credo der Dänen, omnidirektionalen Klang zu realisieren um Musik von überall im Raum und nicht nur vom Sweet Spot genießen zu können. Neben dem Rundstrahler versuchte man sich dieser Maxime obendrein durch raffinierte und aufwendige Treiberanordnungen anzunähern. Beim Flaggschiff der legendären BeoLab-Serie, dem BeoLab 90, ist dies bereits auf beeindruckende Weise gelungen. Das überaus komplexe Arrangement der verschiedenen Chassis ermöglichte dem 35000 Euro-Boliden eine unglaubliche Streuung der Höhen von bis zu über 120 Grad! Übertroffen wird dies wohl nur von der dem Bauteil, welches auch bei unserem Prüfling, dem BeoLab 50 Verwendung findet. Wir schreiben das Jahr 1996, als Chef-Akustiker Poul Præstgaard auf Empfehlung eines Kollegen Sausalito Audio Works in Los Angeles aufsucht. Das kleine Unternehmen, welches noch heute seinen Sitz nahe kalifornischen Küstenmetropole hat, kam nämlich mit einer äußerst interessanten Erfindung daher: der akustischen Linse.

Es brauchte einige Jahre des Trial and Error, bis das System erstmals in einem Lautsprecher aus Struer verbaut wurde: dem BeoLab 5, gestaltet vom langjährigen Hausdesigner von Bang&Olufsen David Lewis. Der BeoLab 5 schaffte es mit seinem Debüt im Jahr 2002 ganz neue Maßstäbe in Sachen Abstrahlverhalten zu setzen. Selbst nahe der 50 Kilohertz-Marke schafft es der Standlautsprecher noch, die 150 Grad locker zu übertreffen. Fast über das gesamte Spektrum hinweg reicht der Klanggeber sogar fast an die 200 Grad heran. Die akustische Linse arbeitet dabei ähnlich einer optischen Linse. Der nach oben gerichtete Hochtöner gibt seine Schallwellen in einen Wave-Guide, welcher diese anhand seiner Form quasi einem „Brennpunkt“ zuführt, zunächst bündelt und dann durch einen weiteren Fokus gezielt streut. Die gewölbte Oberfläche der Linse organisiert hier die ungewöhnlich breite räumliche Abstrahlung der hohen Frequenzbänder.

Bang & Olufsen B&O BeoLab 50 High-End Lautsprecher Test Review

Das Schmückstück: die akustische Linse des BeoLab 50 fährt beim Einschalten automatisch aus dem Gehäuse und lässt sich auch horizontal verstellen, was dem Klang mehr Breite beschert

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Bildquellen:

  • BeoLab Detail: Bild: Auerbach Verlag
  • BeoLab Detail: Bild: Auerbach Verlag
  • Bang & Olufsen BeoLab 50: Bild: Auerbach Verlag