Ein absolutes Highlight auf der HIGH END 2018 in München war die Vorstellung der nuPyramide 717 von Nubert. Die komplett überarbeitete Neuauflage von Nuberts charismatischem Rundumstrahler sticht angenehm aus der breiten Masse an Lautsprechern heraus.

Mit dem Unternehmen Nubert verknüpfen die meisten Leser vermutlich Lautsprecher mit einem exzellenten Preis-Leistungsverhältnis. Zurecht. Denn die Experten für Elektroakustik aus Schwäbisch-Gmünd bieten immer etwas mehr, als man zum jeweiligen Kostenpunkt erwartet. Aber abseits einer Fülle an Lautsprechern, die bezahlbaren Wohlklang verbreiten, finden sich auch ausgefallenere Stücke in der über vierzigjährigen Firmenhistorie. Einen ganz besonderen Platz nimmt dort die Pyramide 707 ein. Denn wie schon eingangs erwähnt, handelt es sich bei Nuberts Pyramiden nicht um konventionelle Standlautsprecher, sondern um sogenannte Rundumstrahler. Konkret bedeutet das erst mal, dass sich Treiber nicht wie sonst üblich auf der Front, sondern auch auf der Rückseite und sogar an den Seiten des Gehäuses befinden. Das soll einerseits einen besonders großen und raumfüllenden Klangeindruck befördern und andererseits will Nubert damit effektiv das Problem des sogenannten „Sweetspots“ bei der Wiedergabe eliminieren. Sprich, das Klangbild soll unabhängig von der Hörposition stabil bleiben. Ein vollmundiges Versprechen, hinter dem man bei Nubert voll und ganz steht. Und so hat es sich Entwickler Thomas Bien nicht nehmen lassen, die Nubert nuPyramide 717 höchstpersönlich zur Vorführung in unserem Hörraum in Leipzig vorbeizubringen und uns geduldig alle aufkommenden Fragen zu beantworten.

Test Nubert nuPyramide 717 Lautsprecher Rundumstrahler Review
Downfire-Bass und Frequenzweiche befinden sich im Fuß der Pyramide

Rundum sorglos?

Schon allein optisch ist die Nubert nuPyramide 717 ein beeindruckender Anblick. Die markante Erscheinungsform ist hier gegenüber ihrem Uhrahnen sogar noch etwas höher gewachsen. Das edle Mahagoniholz unserer Testprobanden wird durch hochwertige Bezüge aus schwarzem Leder kontrastiert und wirkt dabei irgendwie gleichzeitig nobel, wie auch etwas retro. Vielleicht nicht aller Menschen Geschmack, aber uns gefällt es ausgesprochen gut. Es werden allerdings auch farblich modernere Varianten in Schwarz oder Weiß angeboten. Magnetisch haftende Stoffblenden sind auch im Lieferumfang dabei. Die Gehäuse lässt Nubert übrigens eigens bei einer italienischen Möbelmanufaktur fertigen. Aber Nubert wäre nicht Nubert, wenn es hier nur um schöne Optik ginge. Denn bei allem Schick, ist die Pyramide doch hauptsächlich eines: Ein Stück bis ins letzte Detail ausgeklügelter Technik.

Die meisten Lautsprecher, die einem so unterkommen, arbeiten ja bekanntlich als Direktstrahler. Dabei versuchen die Hersteller in der Regel durch eine hohe Schallbündelung auf vertikaler Ebene Reflexionen von Decke und Boden zu minimieren und gleichzeitig auf horizontaler Ebene über einen möglichst breiten Bereich ein stabiles Klangbild zu gewährleisten. Letzteres ist vor allem deswegen schwierig, zumal höhere Frequenzen zunehmend gerichtet abgestrahlt werden, wohingegen sich tiefe Frequenzen ohnehin eher ungerichtet ausbreiten. So ist das Klangbild in den oberen Frequenzbereichen häufig verfärbt, wenn man nicht an der idealen Hörposition im Stereodreieck sitzt. Oftmals sollen dann allerlei Tricks wie Waveguides und dergleichen die Situation unter Kontrolle bringen. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Als Rundumstrahler verfolgt die Pyramide unmissverständlich ein anderes Konzept. Um das Abstrahlverhalten in alle Richtungen gleichmäßig zu halten, kommt hier einerseits ein von Nubert so getauftes „Duo-DreiWege-Prinzip“ zur Anwendung, bei dem zwei identische Treiberbestückungen bestehend aus Hoch-, Mittelund Tieftöner wie gesagt jeweils auf der Vorderund Rückseite untergebracht sind. Diese arbeiten im Push-Push Betrieb, sprich eine positive Amplitude des anliegenden Signals, erzeugt auch bei allen Lautsprechern eine positive Amplitude. Und andererseits sind ergänzend an den Seiten der nuPyramide 717 zusätzliche Hochtöner untergebracht.

Bei der 707 befanden sich hier ebenfalls noch Mitteltöner, auf die bei der Neuauflage jedoch verzichtet wurde. Letztlich verursachten diese nämlich eher ungewollte Phasenauslöschungen, wie uns Herr Bien verriet. Die Treiber und deren Wiedergabereiche sind so auf einander abgestimmt, dass die Schallleistung unabhängig vom Abstrahlwinkel im Rundumbetrieb gleich bleibt. Dazu wurde, wie von Nubert gewohnt, besonders viel Aufwand in die Frequenzweiche und insbesondere auf die Abstimmung der Übergangsfrequenzen und Filterfl anken gesteckt. Als Hochtöner kommen die gleichen Modelle mit Seidenkalotte wie in der nuVero-Serie zum Einsatz. Darunter koppeln die Mitteltöner relativ tief bei 2 Kilohertz (kHz) an. Diese arbeiten mit einer Membran aus Glasfaser mit einem Durchmesser von 15 Zentimetern (cm) und werden mittels Neodym-Magneten angetrieben.

Das Bassfundament

Ab 130 Hz übernehmen dann die Tieftöner. Und die sind nicht ohne. Schließlich handelt es sich hier um die stärksten Chassis, die Nubert je in einem Serienmodell verbaut hat. Ursprünglich wurden diese für ein anderes, letztlich jedoch nicht serienfertig realisiertes, Projekt im Haus entwickelt und nun für die nuPyramide optimiert. Die ganze 28,5 cm messende Membran wird in einer Sandwichbauweise ebenfalls aus Glasfaser gefertigt und von einem ungemein schweren, wie kräftigen Magneten in Kombination mit einer extra langen Überhangspule angetrieben. Die Schwaben haben lange nach einem, den eigenen Ansprüchen genügenden Zulieferer für die Produktion dieser Chassis gesucht und ihn schließlich in der chinesischen Firma Wavecore gefunden. Denn Nubert besteht darauf, dass die Treiber nicht nur in puncto elektrischer, sondern auch hinsichtlich ihrer mechanischen Belastbarkeit kompromisslos streng geprüft werden. Dazu war längst nicht jeder Hersteller bereit oder in der Lage.

Die mächtigen, 9 Kilogramm schweren Tieftöner selbst, passen gerade mal so ohne Berührungspunkte im Gehäuse Rücken an Rücken, obwohl dieses mit einem Volumen von 103 Litern nicht gerade klein bemessen ist. Unterstützt werden die Bassboliden von gleich zwei strömungsoptimierten Bassrefl exrohren mit jeweils 10 cm Durchmesser. Wer sich jetzt fragt, wo denn die entsprechenden Öffnungen liegen, sei auf den Spalt am Fuße der Pyramide hingewiesen. Die Nubert nuPyramide 717 arbeitet nämlich nach dem Downfire-Prinzip, was konzeptionell ja nur Sinn macht. Das Resultat ist unter anderem eine untere Grenzfrequenz von sage und schreibe 21 Hertz (Hz)! Zeit also, die Lesezeichen zum Thema Subwoofer im Browser zu löschen. Die werden nicht mehr gebraucht, denn die nuPyramide steht auch ganz alleine auf einem festen Bassfundament.

Wo wir uns gerade schon in jeder Hinsicht am unteren Ende der schwäbischen Klangmonumente befinden. An deren Fuß finden sich auf dem Anschlussfeld, wie bei Nubert wenig überraschend, auch zwei Kippschalter zur Klangregelung. Für die Mitten hat man die Wahl zwischen „Neutral“ und „Sanft“ während bei den Höhen noch die Option „Brillant“ hinzukommt. So lässt sich die Wiedergabe effektiv, wie geschmackvoll, an den eigenen Raum, oder einfach nur die eigene Präferenz anpassen. In direkter Nachbarschaft findet sich auch der Schalter für den Direktbetrieb. Anders als man vielleicht vermuten mag, werden hier nicht einfach alle bis auf die frontseitigen Treiber abgeschaltet. Die seitlichen Hochtöner bleiben nämlich in Betrieb, werden jedoch nun erst sanft um etwa 10 kHz mit verminderter Intensität angekoppelt. So soll auch im Direktmodus ein enger Sweetspot vermieden werden. Und auch der hintere Tieftöner greift der Wiedergabe in Sachen Bass weiter unter die Arme.

Test Nubert nuPyramide 717 Lautsprecher Rundumstrahler Review Hochtöner
Die in der nuPyramide 717 zum Einsatz kommenden Hochtöner sind vom selben Typ, wie sie auch von der nuVero-Serie bekannt sind

Monumentaler Klang

Aber genug der zugegebenermaßen beeindruckenden Technik. Denn was nutzt das tollste Konzept, wenn es sich nicht in genauso formidablem Klang niederschlägt? Zum Glück hat Herr Bien die Pyramide nicht bloß nach den Messdaten, sondern natürlich auch nach Gehör und Musikalität abgestimmt. Und soviel sei hier schon verraten: Das Resultat hat unsere schon recht hohen Erwartungen bei Weitem übertroffen! Schon im Direktbetrieb ist die Nubert nuPyramide 717 eine echte Wucht, die ihre Messdaten in Sachen unterer Grenzfrequenz mehr als nur glaubhaft unterstreicht. Thomas Bien führte uns eine Aufnahme der „Bilder einer Ausstellung“ von Mussorgski aus der Tonhalle Zürich, interpretiert vom Organisten Jean Goulliot aus seiner Privatsammlung vor. Der Orgelbass wirkt dabei so groß und kraftvoll, dass man sich unweigerlich an das Nebelhorn eines riesigen Tankers erinnert fühlt. Das hat man so von Standlautsprechern alleine noch nicht gehört.

Aber trotz der abgrundtiefen und dennoch absolut trockene Basswiedergabe der Nubert nuPyramide 717, ist diese keineswegs basslastig abgestimmt. Vielmehr ergibt sich im Zusammenspiel mit den präzisen Mitten und den klaren, wie offenen Höhen, ein fantastisch ausgewogenes Klangbild. Ehrlich, aber keineswegs langweilig oder analytisch. Flink in der Abbildung von Transienten und mit schönem Raum. Gerade bei Stimmen, aber auch Instrumenten, meint man wirklich schon fast den Raum sehen zu können, in dem diese aufgenommen wurden. Und tatsächlich bleibt das Klangbild dabei über die gesamte Breite unseres Hörraumes stabil, obwohl wir uns noch im Direktmodus befi nden. Schaltet man nun in den Rundumbetrieb, ändert sich erstaunlicherweise das Klangbild in Bezug auf das Frequenzspektrum keinen Deut. Dafür wird alles plastischer und, auch in Ermangelung eines besseren Wortes, größer. Der Klang scheint nicht nur zwischen den Lautsprechern zu hängen, sondern erscheint vor, hinter, neben und sogar über den eigentlichen Schallquellen und füllt somit den gesamten Raum aus. Und auch hier löst Nubert das Versprechen ein und es scheint wirklich fast egal zu sein, wo man im Raum steht. Das Klangbild bleibt konstant. Einzige Ausnahme sind leichte Raummoden im hinteren Drittel unseres Hörraums, was aber absolut zu verzeihen ist, da dies nichts mit dem Lautsprecher zu tun hat, sondern mit der Akustik unserer Redaktionsräume. Unfassbar wie man hier im wahrsten Sinne des Wortes in Wohlklang gehüllt wird.

Auch Stücke, die man in und auswendig zu kennen meint, werden von diesen Klangwundern mit neuem Leben erfüllt. Zum Beispiel die Aufnahme vom Bill Evans Trio von „My Foolish Heart“ vom Album „Waltz For Debby“. Die landet eigentlich früher oder später bei jedem Test in der Playlist. Aber so plastisch und detailliert kam uns der Titel noch nicht zu Ohren. Die Instrumente und auf der Aufnahme eingefangenen Geräusche der Besucher, wie Huster, oder leises Geklapper von Geschirr verteilen sich im Raum, so dass man fast meint, im Jahre 1961 im Village Vanguard in Manhattan zu sitzen und und dem Meister selbst auf die Finger schauen zu können. Und als ob das alles nicht schon genug wäre, so ist Nuberts neustes Flaggschiff vor allem eines: Nicht aus der Ruhe zu bringen. Egal was wir ihr entgegen schleudern. Vince Staples Song „Yeah Right“, der mit seinem brachialen Bass unserer Meinung nach primär geschrieben wurde, um die Subwoofer von PA-Anlagen zu überfordern: Kein Problem. Gustav Holsts „Mars: Bringer Of War“ aus dessen Planeten Suite, hier aufgeführt vom Londoner Philharmonia Orchestra unter der Leitung von John Gardiner: Mühelos und mit schönster Bühne. Egal ob leisestes Flüstern oder brachiales Tutti des Orchesters. Weder Subbass-Orgien, noch Makro-, geschweige denn Mikrodynamik-Tiraden, können dieses Klangmonument verrücken. Und dabei haben wir uns wirklich größte Mühe gegeben. Bleibt also nur noch eines zu tun: Es ausnutzen, solange diese absoluten Ausnahmelautprecher noch im Haus sind. Wieder hergeben, wollen wir die Nubert nuPyramide 717 eigentlich nicht!

Weitere Infos unter: www.nubert.de

Anmerkung: Dieser Testbericht erschien erstmalig in der Printausgabe von AUDIO TEST Ausgabe 5/2018.

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Test: Nubert nuPyramide 717 Lautsprecher (Rundumstrahler) - Ein Monument des Wohlklangs
Nubert kredenzt uns mit dem Rundumstrahler nuPyramide 717 einen absoluten Ausnahmelautsprecher. Das mutige Konzept bewährt sich in vollem Umfang. Ein unfassbar raumfüllender und plastischer Höreindruck, gepaart mit unerschütterlicher Pegelfestigkeit und einem kellertiefen wie präzisen Subbass lässt keine Fragen offen. Außer wann Sie sich persönlich davon überzeugen?
Wiedergabequalität96%
Ausstattung/Verarbeitung99%
Benutzerfreundlichkeit98%
Preis/Leistung87%
Vorteile
  • Subbass
  • plastische Wiedergabe
  • Dynamik
Nachteile
  • keine
96%Gesamtwertung
Leserwertung: (3 Votes)
60%

Bildquellen:

  • IMG_8529: Auerbach Verlag
  • IMG_8523: Auerbach Verlag
  • Nubert nuPyramide 717: Auerbach Verlag