Thron aus Holz und Sand

Dass Masse und Klasse auch Hand in Hand gehen können, beweist die Amitara-Serie der Möbelmanufaktur Roterring in der Königsklasse des Musikmöbels.

Ab einer gewissen Gerätekategorie kommt der ambitionierte HiFi-Sammler und Genießer nicht umhin, sich auch mit entsprechenden Möbeln zu beschäftigen. Nicht nur, weil das IKEA-Sideboard aus zusammengepressten Holzbröseln oft nicht die Gewichtserwartungen der Elektronik erfüllt, sondern auch, weil noch dazu viele Möbel – wir erinnern uns an dieser Stelle gerne an die 90er Jahre mit ihren Edelstahl-Hohlrohren und Glasböden – dazu neigen Schwingungen, seien es die der Transformatoren oder auch der Lautsprecher, zu übertragen und im schlimmsten Fall sogar zu resonieren, also zu verstärken. Wer sich mit dem Thema Mikrofonie auseinander gesetzt hat, weiß, dass selbst die teuerste Anlage mit der aufwendigsten Schirmung nicht davor gefeit ist, durch diese unerwünschten Umwelteinflüsse an Klarheit, Tiefe und Unverfälschtheit teils erhebliche Einbußen in Kauf zu nehmen. Den meisten Lesern dürfte die Bedeutung einer optimalen Positionierung von Lautsprechern und womöglich auch die Auswirkung der Raumakustik auf das Klangerleben bekannt und bewusst sein. Viele jedoch unterschätzen noch immer das der Elektronik geraubte Potential durch unsachgemäße Lagerung. Bereits in der Ausgabe 1/2018 des Print-Magazins AUDIO TEST durften wir mit dem modularen Einsteigerrack Scaena 13 experimentieren, dass ein wenig luftiger daherkommt als unser heutiger Gast im Hörraum: das Amitara 14. Die Amitara-Serie bildet im Portfolio der Traditionstischlerei Roterring die Champions League ab. Dabei finden sich aber auch Parallelen zu den Einsteigerprodukten. Auch hier hat man sich für extrem hochwertige und kratzfeste Oberflächen entschieden, die für Langlebigkeit sprechen. In allen anderen Kategorien unterscheidet sich das Amitara teils deutlich von seinem Einsteiger-Kompagnon. So kommen in der Königsklasse üblicherweise größere Geschütze zum Einsatz. Verstärker-Monoblöcke, Röhrenvorstufen, gewichtige Plattenspielerlaufwerke. Für das Amitara mit einer Tragkraft pro Ebene von 80 Kilogramm kein Problem. Die Massivität des Racks ist so enorm, dass es zwei Personen braucht, um es im Raum zu bewegen.

Über vier Aluminiumverbinder sind die massiven, mehrschichtigen Trägerplatten mit dem Grundgestell in Kontakt

Null Resonanz

Der eigentliche Clou ist aber nicht die ultrahohe Stabilität durch die 4 Zentimeter dicken, mehrschichtig verleimten Holz-Platten, sondern auch beim Amitara kann die Option Quarzsandfüllung gewählt werden, was wir an dieser Stelle ausdrücklich empfehlen möchten. Sie dämpft jede kleine Vibration aus dem Rack heraus. Sie verläuft buchstäblich im Sande. Einen einfachen, aber beeindruckenden Test der Wirkung von Quarzsandfüllung kann man machen, indem man ein Mobiltelefon auf lautlos stellt und in ein Fach des Racks legt. Ruft man dieses nun an und es beginnt zu vibrieren, legen Sie die Hand in ein anderes Fach. Bei Racks ohne Sandfüllung werden Sie die Vibration des Telefons spüren. In unserem Fall des Amitara 14 spürten wir nichts. Probieren Sie es gerne zuhause mal bei Ihrem Möbel aus und versuchen Sie sich dann vorzustellen, welche Auswirkungen diese Vibrationsübertragung zum Beispiel auf einen Schallplattenspieler oder einen CD-Player hat. Ganz klar, sie stört die Laufruhe. Und damit auch das Rack von der Umgebung entkoppelt ist, zum Beispiel weil sie einen Subwoofer oder großkalibrige Standlautsprecher benutzen, gibt es darüber hinaus gleich eine ganze Palette an Spikes. Zum einen klassische Roterring-Spikes bestehend aus Stachel und Teller, zum anderen patentierte Soundcare-Spikes, die uns wirklich zu begeistern wussten. Bei diesen ist der Teller über einen Kunststoffring an den Spike gekoppelt, sodass er bei versetzen des Racks automatisch immer an die richtige Stelle mit rutscht, was unschöne Kratzer verhindert. Eine außergewöhnlich einfache, wie effektive Lösung. Ebenfalls positiv ist uns die Arbeitshöhe des Möbels aufgefallen. Mit seinen 85 Zentimetern liegt es über dem Durchschnitt und fernab des Vergleichs mit Sideboards. Und seien wir mal ehrlich, wer kennt es nicht, das sich bücken und verrenken, um die Nadel sauber auf die Platte zu bekommen. Je nach Hörgewohnheiten des Nutzers kann das ganz schön ins Kreuz gehen. Das Amitara bietet mit seinen Maßen bequemen Zugang zu allen Ebenen und macht das Erleben von Elektronik und Laufwerken zu einem neuen Genuss auf höchster Ebene.

Mehr Infos unter www.roterring.eu

Die Soundcare Spikes sind als solche erst gar nicht zu erkennen. Der Unterlegteller ist über einen Kunststoffrahmen befestigt

(► lesen Sie hier den Test vom Roterring Scaena 13)

Test: Roterring Amitara 14 - Thron aus Holz und Sand
Das Amitara ist von außen unscheinbar und massig, aber das Know-how der Manufaktur Roterring beschert dem Rack enorm audiophile Eigenschaften. Quasi null Schwingungsübertragung, superbe Tragkraft und eine patentierte Entkopplungstechnologie sorgen für ungetrübten Musikgenuss auf High End-Niveau. Dabei finden Verarbeitungsqualität und Wirkung symbiotisch zusammen. Muss man erlebt haben!
Wiedergabequalität91%
Ausstattung/Verarbeitung98%
Benutzerfreundlichkeit83%
Preis/Leistung92%
Vorteile
Nachteile
  • keine
91%Gesamtwertung
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Bildquellen:

  • Roterring Amitara Detail 1: Johannes Strom
  • Roterring Amitara Detail 2: Johannes Strom
  • Roterring Amitara: Johannes Strom