Kostverächter sind die Franzosen nun wirklich nicht. Der Beweis dafür findet sich in zahllosen Restaurants der „Cuisine française“. Doch nicht nur kulinarisch weiß man unter der Tricolore zu genießen. Auch das Gehör wird hier gern umschmeichelt.

Stellvertretend hierfür steht seit nunmehr über drei Jahrzehnten der Lautsprecherhersteller Focal. Begonnen in einem kleinen Labor, ist dieser zu einem angesagtesten Hersteller in verschiedenen Bereichen der Klanggeber avanciert. Ob nun im Segment Hi-Fi, Studio, Car-Audio oder jüngst sogar Installationen – eine herausragende Position konnte sich das Team um den Gründer und CEO Jaques Mahul in jeder Hinsicht erarbeiten. Während sich die Produkte für professionelle Anwendungen eher in optischer Zurückhaltung üben, sind die Erzeugnisse im Heim- und vor allem im Hi-Fi-Bereich stets etwas fürs Auge und glänzen durch einen Tick Extravaganz. So auch die neueste Linie Sopra, welche ihr Debüt auf der diesjährigen High-End-Messe in München feierte. Hier wurden zwei Modelle präsentiert: Die Sopra No. 1 als Regallautsprecher und das „ausgewachsene“ Pendant, die Sopra No. 2. Wir haben uns die kleinere der Beiden in den Hörraum geholt, um sie einem ausführlichen Test zu unterziehen.

Focal mit französischem Flair

Betrachtet man die Sopra genauer, fällt zunächst vor allem eines auf: Parallele Linien und rechte Winkel gibt es hier kaum. Das gesamte Gehäuse ist in sich asymmetrisch aufgebaut und gibt so stehenden Wellen im Inneren keine Chance. Während die Unterseite zwar in einer Linie mit dem Boden verläuft, ist die schwarz-gläserne Oberseite leicht zum Hörer geneigt. Der Hochtöner findet seinen Platz in einem entkoppelten Keil aus einem gegossenen Monoblock aus Polyurethan, welcher nach hinten hin geöffnet und mit einem Gitter versehen ist. Die Konstruktion sorgt für einen Druckausgleich des Treibers, sodass er über seinen gesamten Arbeitsbereich hinweg verzerrungs- und verlustfrei agieren kann. Focal hat diese Technologie patentiert und nennt sie Infinite Horn Loading (IHL). Durch die angeschrägte Bauweise strahlen Hoch- und Tieftöner auf eine selbe horizontale Linie auf Ohrhöhe. Durch einen zusätzlichen Versatz in die Tiefe wird die Gruppenlaufzeit der Schallwellen ausgeglichen und so und ein exakt zeitgleiches Eintreffen am Gehör ermöglicht. Im Gehäuseboden sind kleine Helmholtz-Resonatoren verbaut, um dem Schall auch in vertikaler Richtung keinerlei Angriffsfläche für Störfaktoren zu bieten. Die Treiber arbeiten höchst präzise und wurden selbstverständlich von Focal selbst entwickelt. Die Vorteile liegen auf der Hand: So lässt sich ein optimales Zusammenspiel zwischen Gehäuse und Treibern erreichen.

Zahlreiche Lösungen unterliegen einem eigenen Patent und finden sich in dieser Form bei keinem anderen Hersteller. So beispielsweise der „Tuned Mass Damper“ beim Tief-Mitteltöner, welcher der Fahrzeugtechnik und Erdbebenschutzsystemen von Wolkenkratzern entlehnt ist. Hier wird mittels einer zusätzlichen Masse in der Sicke deren Schwingverhaltenverhalten stabilisiert, unerwünschten Resonanzen vorgebeugt und außerdem Verformungseffekten der Membran entgegengewirkt. Damit neigt diese zu einer saubereren Transienten-Wiedergabe und zu deutlich geringeren Verzerrungswerten. Gerade im kritischen Hörbereich um 2 Kilohertz macht sich der Effekt deutlich bemerkbar. Der Beryllium-Hochtöner mit seiner Inverskalotte ist hingegen schon zum Markenzeichen der Franzosen geworden. Dank der ungemein hohen Steifigkeit dieses Materials wird eine ausgezeichnete Impulstreue erreicht. Was die Qualität der verwendeten Bauteile sowie die der Konstruktion angeht, sind die Sopra über jeden Zweifel erhaben. Denn bei Focal wird nicht nur in Frankreich entwickelt, sondern auch produziert. Die Gehäuse stammen aus der firmeneigenen Schreinerei im Burgund, die Treiber fertigt Focal am Stammsitz in Saint-Etienne, wo die Lautsprecher schließlich montiert werden und die Endkontrolle durchlaufen. Entsprechend selbstbewusst gibt sich der Hersteller bei seinen Produkten und gibt eine Garantiezeit von ganzen zehn Jahren an – wo hat man das heutzutage schon noch? Die Hingabe bei der Verarbeitung macht sich optisch überaus positiv bemerkbar: Sämtliche verwendeten Materialien sind einwandfrei, alle Teile sitzen perfekt aufeinander und der Lack ist tadellos aufgetragen. Die Single-Wiring-Terminals sind nicht mit herkömmlichen Klemmen versehen, sondern mit schwarzen Flügelmuttern und bietet Kabelschuhen gleichermaßen Halt wie Bananensteckern. Ein passendes Stativ wird ohne Aufpreis mitgeliefert und ist im Handumdrehen aufgebaut. Der ebenfalls schwarze Glasfuß mit dem Focal-Logo sorgt dank seines Gewichts für einen festen Stand und entkoppelt mittels vorinstallierter Spikes den Körperschall effektiv vom Boden.

Der Klang

Doch wie klingt nun ein Lautsprecher so voller Innovationen? Der anfänglich eher massige Eindruck weicht nach gewisser Einspielzeit dem einer von Regallautsprechern ungewohnten Klangfülle, sprich: Der Sopra No.1 klingt größer, als man bei seinem Anblick im ersten Moment erwarten würde. Während wir zu Beginn eine dezente Behäbigkeit feststellen mussten, konnte sich nach und nach eine regelrechte Freude an impulskräftiger Musik durchsetzen. Die Darstellung in den Tiefen zeigt, dass der Lautsprecher das Gehäusevolumen gut zu nutzen vermag und gibt Bässe nicht zu trocken, aber dennoch exakt wieder. Der besondere Fokus des Herstellers auf den Mitteltonbereich ist deutlich vernehmbar. Hier gibt es keinerlei störende Resonanzen oder Überbetonungen, vielmehr ist das Klangbild gezeichnet durch eine herausragende Transparenz. Selbst problematische Aufnahmen versteht die Sopra zu zähmen, ihr überschäumendes Temperament zu beschwichtigen und dabei trotzdem die Spielfreude beizubehalten. Die Auflösung in den Höhen lässt viel Luft zum Atmen und die entsprechenden Frequenzen sind komplett frei von der Neigung zu zischen oder zu verzerren. So ist das Klangbild durchzogen von einer Klarheit über alle Oktavlagen hinweg und vermittelt eine entspannende Homogenität. Diese zeigt sich unabhängig von der Wahl des musikalischen Materials und kann damit sowohl die Bedürfnisse von Hörern akustischer, rockiger als auch elektronischer Klänge bedienen.

Akustische Tiefe bei einem breiten Panorama darzustellen gelingt ebenfalls vorzüglich und baut eine deutlich konturierte Bühne auf, auf der sämtliche Protagonisten einwandfrei zu lokalisieren sind. Sehr schön steht hier beispielhaft Johann Sebastian Bachs „Erbarme dich“ aus der Matthäus-Passion, gespielt vom Amsterdam Baroque Orchestra unter der Leitung von Tom Koopmann. Der Dialog zwischen den beiden Solisten, der Violine und dem Star-Cellisten Yo-Yo Ma steht hier klar im Vordergrund, während sich das Orchester direkt dahinter staffelt. Dramaturgische Hoch- und Tiefpunkte werden dank der dynamischen Fähigkeiten der Lautsprecher sehr gut transportiert. Bei der Live-Version des Traditionals „Folketone fra Sunnmøre“ aus der Feder des Komponisten Karl Eidem, dargeboten vom norwegischen Folkmusik-Ensemble Bukkene Bruse, werden die Atmosphäre und die weite Räumlichkeit der Kirche wundervoll in den Hörraum portiert. Die Sopra brillieren durch eine detaillierte Darstellung der Umgebung und selbst leiseste Geräusche, wie die Atemgeräusche der Musiker werden abgebildet und vermitteln so Nähe und Authentizität. Bei harter Musik schöpfen die No. 1 aus dem Vollen. Hier kommt ihnen der saubere Frequenzverlauf im Mittelton zu Gute, mit dem elektrische Gitarren weder zu scharf noch drucklos klingen. Kein Sägen, keine Neigung zum Mulmen, sondern ein kräftiger aber differenzierter und impulsstarker Sound lässt das jeweils richtige Gefühl aufkommen. So kann der Song „Throwing your life away“ der Spiritual Beggears ordentlichen Schub vermitteln und animiert zum vollen körperlichen Einsatz beim Mitrocken. Das zeigt eindrucksvoll, dass die Spitzenköche der französischen Hi-Fi-Küche nicht ausschließlich auf ein Gericht beschränkt sind, sondern bei hochwertiger Kost auch noch eine gewaltige Varianz an den Tag legen. Für uns eine eindeutige Empfehlung, mal wieder beim Fachhändler einen Termin zu reservieren.

Französische Feinkost: Focal Sopra No 1 im Test
Wiedergabequalität90%
Ausstattung und Verarbeitung94%
Benutzerfreundlichkeit100%
Preis/Leistung 90%
94%Gesamtwertung
Leserwertung: (15 Votes)
53%

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