Canton musicbox XS, musicbox S: Einen der längsten Dauertests in der Geschichte der AUDIO TEST mussten die beiden Bluetooth-Speaker von Canton, die musicbox XS und S, erdulden. Wie sie sich geschlagen haben, lesen Sie hier.

Seit unserem Besuch im März bei Canton im schönen Taunus haben wir die beiden musicboxen im täglichen Gebrauch. Dank der langen Leihdauer haben wir sie nun seit über 70 Tagen im Test. Das Erschreckende dabei ist, dass wir nicht mitbekommen haben, wie sie unser tägliches Leben beeinflusst haben. Der morgendliche Griff im Bad zu der musicbox XS ist in Fleisch und Blut übergegangen, das Koppeln mit dem Smartphone geht schnell von statten, sodass innerhalb von Sekunden eine Verbindung aufgebaut wird und das Abspielen unserer Lieblingsmusik beginnen kann.

Die gummierten Bedienelemente befinden sich auf der Oberseite beider Lautsprecher und sind wunderbar abschüssig mit dem Gehäuse

Die Steuerung der Lautstärke kann mit Hilfe des Smartphones erfolgen oder man nutzt einfach die Lautstärkereglung der musicbox. Der Klang dieser beiden Speaker wird mit Hilfe von verbauten DSPs unterstützt und aufgewertet. Die Wiedergabe ist dadurch sehr kraftvoll und die Tiefen kommen trotz der kleinen Größe voll zum Tragen. Bevor wir beide Lautsprecher einzeln durchleuchten, wollen wir erst einmal die Gemeinsamkeiten der Beiden näher anschauen.

Gemeinsam sind wir stark

Beide Bluetooth-Speaker haben eine quadrische Form und strahlen den Klang hauptsächlich nach vorn ab. Optisch wirken sie nicht ganz so modern, werden jedoch durch die abgeschrägten silbrigen Kanten enorm aufgewertet und erhalten dadurch eine edle Ästhetik. Auf der Rückseite ist, wie auf der Vorderseite, eine passive Membran verbaut, die die Membranfläche für die tieferen Töne vergrößert und so einen größeren Tiefgang ermöglicht. Die sechs Steuertasten befinden sich obenauf, sind sehr gut erreichbar und lassen sich gut bedienen. Durch die Gummierung sind sie leicht zu finden, trotz ihrer präzisen Abschlüssigkeit mit dem Gehäuse, das ebenfalls einen hochwertigen Eindruck vermittelt.

Auf beiden Bluetooth-Lautsprechern prangt mit Stolz das Logo von Canton – und das zu Recht

Das Gehäuse selbst ist sehr robust und recht unempfänglich für Kratzer, was wir durch mehrere Außenmissionen bestätigen können. Hier hilft auch die rutschfeste gummierte Unterfläche, die immer für einen stabilen Stand sorgt. Ob im Freibad oder auf Wanderungen, ständig waren sie auf unseren Exkursionen dabei. Die kleine musicbox XS hat bei solchen Ausflügen durch ihr geringes Gewicht einen Vorteil. Oft mussten wir uns zurückhalten, dass wir nicht die Lautstärke zu sehr aufdrehten, denn es steckt viel Kraft in den Speakern und selbst bei lauter Wiedergabe spielen sie klanglich sauber. Ein Wettstreit mit Freunden, welcher Bluetooth-Lautsprecher am Besten für Ausflüge geeignet ist, konnte die musicbox eindeutig für sich entscheiden.

Innere Werte

Beide haben je eine zweimal 30-Watt-Musikleistung, einen verbauten DSP und einen Class-D-Verstärker von Texas Instruments verbaut. Zudem verwenden sie den Bluetooth-Standard 4.0 mit aptX, was  den Vorteil hat, dass man zwei Bluetooth-Speaker als Stereo-Paar koppeln kann. Die Anschlüsse sind indentisch. Zu einem haben wir auf der Rückseite einen Aux-In-Eingang und zum anderen einen USB-Anschluss, der nur für Service-Arbeiten gedacht ist. Braucht man mehr? Nein! Denn die Verbindung findet in dieser Lautsprecherkategorie heute fast immer per Bluetooth statt.

Ein Blick ins Innere zeigt die verbaute Technik der musicbox

Einen winzigen Wermutstropfen haben wir dann doch noch für uns entdeckt, der aber mit der nächsten Version behoben werden soll: Eine Ladestandsanzeige über die Quelle, wie unserem Smartphone, wäre aus unserer Sicht besser, um einzuschätzen, wann die musicbox wieder an das Stromnetz angeschlossen werden sollte. Denn zur Zeit wird der Ladezustand akustisch beim Start der Box angesagt (drei verschiede Stufen – Battery high, middle oder low). Dies schmälert aber nicht die musikalische Qualität, damit überzeugen die Cantons allemal. Schauen wir uns doch einmal die Unterschiede zwischen den beiden Cantons an.

musicbox XS

Fangen wir mit kleinen Variante an. Diese war am häufigsten bei uns im Einsatz. Die musicbox XS wiegt nur leichte 750 Gramm. Die Akkulaufzeit ist durchschnittlich mit zehn Stunden angegeben und hielt bei uns meistens zwei Tage im Außeneinsatz, bevor wir den Li-Ion-Akku mit 2600 mAh wieder aufladen mussten. Als Treiber dienen zwei Breitband-Lautsprecher mit 40 Millimeter im Durchmesser. Die beiden Passivmembranen kommen jeweils auf knapp 30 Quadratzentimeter und schaffen Frequenzen bis zu 60 Hz hinab. Eine großartige Leistung bei einer Größe der musicbox XS von gerade einmal 18,5 × 5,5 × 6,3 cm.

Deutlich sichtbar die beiden Hoch- und Tief/Mitteltöner. In der Mitte befindet sich jeweils auf der Vorder- und Rückseite der musikcbox S die 73,5 cm² große Passivmembran

musicbox S

Der optische Unterschied zur kleinen Schwester ist ihre fast dreifache Höhe. Dadurch ist das Gewicht mit 2,1 Kilogramm dreimal so schwer – mobil ist da schon schwieriger, aber für das „Immermalwieder“-Verschieben in der Wohnung perfekt. Im Inneren arbeiten statt zwei Breitbändern je zwei 19-mm-Hochtöner und zwei 70-mm-Tief/Mittelchassis.

Die Übernahmefrequenz liegt bei 3 300 Hertz und die passiven Hoch- und Tiefpassfilter trennen mit 12 Dezibel. Die Passivmembranen sind auch gewachsen, hier kommen zwei über 70-Quadratzentimeter-große Membrane zum Einsatz. Dadurch werden sogar Frequenzen bis zu 45 Hertz reproduziert – Chapeau! Die Spieldauer ist mit 18 Stunden außergewöhnlich lang, die Leistung dafür liefert ein Akku mit satten 4 000 mAh.

Klangeinschätzung

Klanglich sind beide auf einem ähnlichen Niveau. Die breite und ausgewogene Klangbühne erstaunte uns, wobei die Räumlichkeit der musicbox S durch die Größe und die Verwendung von vier Treibern etwas größer ist. Für Verbreiterung der Bühne empfehlen wir einen zweiten Speaker, um ein Stereo-Paar zu bilden, das den Stereo-Effekt verstärkt. Wer eine akkurate Wiedergabe der Musik mit genau platzierten und nicht zu aufdringlichen Bässen sucht, wird bei Canton fündig, denn selbst bei hoher Lautstärke blieb der Klang so präzise wie bei leisen Tönen. Die Höhen und Mitten sind differenzierbar und strotzen nur so vor Detailreichtum.

Am wohlsten fühlen sie sich mit Jazz- und Pop-Musik. Egal ob Max Mutzke oder Madonna, Elton John oder The Beatles – immer sprang der musikalische Funke auf uns über. Genau das haben wir uns von den Cantons auch erhofft und freuten uns daher an der nahezu täglichen Verwendung der Speaker. Canton hat hier alles richtig gemacht. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn ein Produkt zu Beginn der Nutzung begeistert, aber nach der anfänglichen Freude in die Ablage austauschbarer Technik-Produkte verbannt wird. Hier ist es genau anders herum. Uns begeistert die Unscheinbarkeit, die in eine unbekannte Euphorie übergeht, welche wiederum in einer Trauer münden wird, wenn wir die musicboxen zurücksenden.

weitere Infos unter: www.canton.de

Der Test bezieht sich auf die musikbox S.

Test: Canton musicbox XS, musicbox S - Weltwunder der Technik
Die musicbox S ist eher für eine stationäre Verwendung gedacht, wie zum Beispiel in der Küche oder im Bad. Der Klang ist sehr kräftig und in allen Bereichen exakt. Mit knapp 20 Stunden hält er mehr als genug durch, um auch an einem Wochenende ständig ohne Aufzuladen Musik zu hören.
Wiedergabequalität89%
Ausstattung/Verarbeitung89%
Benutzerfreundlichkeit89%
Preis-/Leistungsverhältnis90%
Vorteile
  • lange Akkulaufzeit
  • sehr präzise Bässe
  • ausgewogener Klang
Nachteile
  • keine
89%Canton musicbox XS, musicbox S
Leserwertung: (1 Judge)
85%

Über den Autor

Erik Schober

Als Musiker und Dirigent verschiedener Orchester und Ensembles weiß ich genau, wie sich live die verschiedenen Instrumente und die menschliche Stimme anhört. Demzufolge habe ich hohe Erwartungen an eine Hifi-Anlage. Diesem schweren Urteil muss sich jeder Lautsprecher und das Zubehör bei mir stellen.

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